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•* 145 Frettag, den 26. Juni 189«. 23. J-hrg-n«

FiilimerWZkitillig

______mit Uuterhaltungs-Krttagr „Sterne und Klnmen«.

woroerr pno, cj me Zahl der;?mgen KriegSthnlnehmer, welche die Beihilfe erhalten haben, und diese Zu­sammenstellung baldmöglichst zur Kenntniß de- Reichs­tags zu bringen. Die generellen Petitionen empfiehlt die PetitionSkommisfion dem Reichskanzler als Material zu überweisen. Dagegen empfirhlt die Kommission, über diejenigen Petitionen zur Tages­ordnung überzugehen, welche die Gleichstellung der auf den kaiserlichen Gnadenfonds angewiesenen Inva­liden mit den rechtlich anerkannten Invaliden zum Gegenstand haben.

gefunden, daß Schulden über Schulden auf dieser Be- | fitzvng lasten. Um diese zu decken, Latte Ihr Vater | den letzten Rest seines Vermögens, ja sogar noch ge- liihmeS Geld dazu in russischen StaarSpapieren an- j gelegt. — Die Bank von Petersburg stellte vor einigen Wochen die Zahlungen ein; — Ihr Vater erhielt diese Nachricht am Abend vor seinem Ende."

„Ah!" hauchten die bebenden Lippen des bleichen Mädchens, „jetzt ist er mir erklärlich, wethalb mein Vater in letzter Zeit ost so bekümmert und traurig war."

„So ist er," fuhr der Anwalt fort. „Die Gläubiger drängen von allen Seiten; um sie zu befriedigen, muß alles verkauft werden."

„Alles?" versetzte Rose ungläubig.

„Ja, alles. Wagen und Pferde, das Haus, die Besitzung, kurz alles. — Er thut unr in der Seele weh, daß ich der Ueberbringer dicsir Hiobrpost sein muß. aber —“

Rose wehrte mir einer raschen Bewegung jeder weitere Wort ab. Mit zum Hiumel gerichtetem Blick flüsterte sie kaum hörbar:

' „Ich danke dir, Gott, daß wein guter Vater diese Stunde nickt erleben mußte."

Herr Wellmann schwieg. Er, dim e« sonst nie­mals an richtigen Worten mangelte, konnte heute dem verwaisten Mädchen kein tröstendes Wort sagen.

„Ja, er verließ das Haus vor wenigen Minuten/ versetzte er, sich auf einen Sessel ihr gegenüber nieder.

Wegen Begünstigung eines PretzvergeheuS war vor Kurzem der Geschäftsführer der sozialdemo­kratischen .Thüringer Trib.' zu Erfurt angeklagt worden, weil er die Geldstrafe, zu der ein Redakteur des Blattes verurtheilt worden war, bezahlt hatte. Das Gericht hat zwar den Angeklagten freigesprochen; ober es ist charakteristisch für gewisse Berhältnifle, daß eine solche Anklage überhaupt erhoben werden konnte. ! Mit Recht schreibt dazu die ,Bosi. Ztg/: „Eine Be­günstigung wird sonst darin gefunden, wenn Jemand einen Anderen in dem Bestreben unterstützt, sich einer über ihn verhängten Strafe zu entziehen. Hier hatte umgekehrt Jemand einem Anderen dabei geholfen, eine über ihn verhängte Strafe zu erstllen. Es handelte sich ferner um einen Vorgang, der in der Presse allenthalben Gebrauch, ja der selbstver­ständlich ist. War der Redatteur schreibt, schreibt er im Jnteresie, zum Bortheil des Blattes, für das er thätig^ist, nicht zu seinem eigenen Bortheil. Es ist selbstverständlich, daß dar Blatt auch für die Nach- theile einsteht, die er sich im Dienste des Blattes zu- zieht. Bei jedem Unternehmen würde ein Chef den j Angestellten, der sich in seinem Dienst Nachtheile zu- I zieht, entschädigen. Aber Niemand würde dies tadeln, | ja, man würde eS sicherlich tadeln, wenn der Chef eL I nicht thäte. Dec Staat entschädigt seine Angestellten I für Betriebsunfälle, die ihnen im Dienst zustoßen. Eine Berurtheilung wegen Preßvergehen darf man fast als eine B triebSgefahr ansehen. WaS man in keinem anderen Falle gerichtlich zu ahnden versucht

„Wir haben in der Zeitung gelesen, daß Se. Excellenz der Minister der Landwirthschaft geäußert hat in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 7. Mai, daß die Unzufriedenheit mit dem Gesetz der Gehöfterschaften künstlich hervorgerufen sei. Wir schließen daraus, daß der Minister hat sagen wollen, Euer Hoch­würden hätten diese Simmung künstlich herbeigeführt. Wenn der Herr Präsident der Regierung in Trier so berichtet haben sollte, müssen wir doch dem widersprechen. Herr Präsident von Heppe hat uns wohl gefragt, ob Herr Dasbach diese Unzu- friedenheit angeregt habe. Die Unzufriedenheit und Aufregung bestand aber schon lange, ehe wir Sie um Rath und Hilfe an­gingen. Euer Hochwürden forderten uns auf, bei Ausführung des Gesetzes mitzuwirken (also nach dem Gesetze zu handeln), bis es abgeändert sei. Das hatte zur Folge, daß Biele glaubten, Sie hätten einen geheimen Auftrag von der Regiernng. Die Gehösterschasts-Genossen sind bis dato noch nicht zufrieden mit dem Gesetz." (Folgen 48 Unterschriften.)

Bekanntlich sind auch in unseren Gegenden (in den Kreisen Hünfeld, Gersfeld, Schlüchtern rc ) die Land- wirthe mit dem Gesetze der Genossenschafts- Waldungen (im Trierischrn nennt man das „Be- höferichaften") sehr unzufrieden, namentlich aber mit der Ausführung der Gesetzes durch die Forftbeamten, und eS ist ein unbestreitbares Verdienst der Abg. DaSbach, daß er die berheiligten Kreise auf die ihnen gesetzlich zustehenden Rechte hingewirsen hat.

I sicht in Ihre Verhättnifie gethan? wußten Sie, wie | eS mit den Angelegenheiten Ihres BaterS stand?" s „Re-.n!" Rose blickte bei dieser unerwarteten Frage ] überrascht auf. Der Gedanke an den geliebten Vater, der erst seit sechs Wochen zur ewigen Ruhe eivgegangcn war, füllte chre Au;en mit Thronen. „Er hat mich nie in seine Verhältnisse emgeweiht; wenn ich Geld haben wollte, gab er cS mir stets c,ern und freudig." Ihre Stimme zittert: vor innerer Erregung, sie hatte den harten Schlag noch nicht überwunden.

„Also Sie wußten nicht, daß eine schwere Sorge ihn darniederöeugte? Verzeihen Sie meine Frage, Fiäulein Rose, aber ich habe einen guten Grund dazu."

: ihn nicht gelegentlich wiederholen wird." Bei den sonderbaren Urtheilen über Preßvergehen, die wir

' schon erlebt haben, halten wir e» gar nicht für un- möglich, daß auch einmal eine Berurtheilung wegen dieses neuen „Preßdelikt-r" erfolgt.

* Aus dem Regierungsbezirk Trier ist dem Abg. Dasbach folgende Zuschrift zugegangen:

AuKlLKd.

* Paris, 25. Juni. Aus Anlaß des 1400jährigen I Jubiläums der Taufe der Frankenkönigs Chlodwig trafen gestern zahlreiche Pilger aus der Pariser Diözese in Reims ein. Als diese sich im Zuge mit Bannern vom Bahnhof nach der Kathedrale begeben wollten, wurden sie von der Polizei daran gehindert. Sr ent­stand ein Handgemenge, dar zu einer Anzahl Ber- Haftungen führte.

* London, 25. Juni. Aus Bulawayo wird amtlich gemeldet: Das Fort Charter in Mafhonaland ist von den aufständischen Eingeborenen eingeschlossen. | Dieselben hielten einen Wagenzug mit Lebensmitteln, welch-r nach Gwelo unterwegs war, an. uad plünderten die Station Mirandella, wo sie 25,000 Flinten- Patronen erbeuteten. Eine aus 60 Man» bestehende Kolonne mit einem Maxim-Geschütz wird sofort von Bulawayo nach Mafhonaland ab» hen.

* Rom, 25. Juni. In de: Änsprache, welche Papst Leo XIII. im geheimen Konsistorium hielt, heißt eS: „Die Mutter Kirche hat er nie an Eifer dafür fehlen lassen, diejenigen zur Rückkehr einzuladea, welche Meinungsverschiedenheit oder GemüthSverirrung Unglück- licherw-ise von ihren: Busen gerissen. Jndcffen in den letztvcrflossenen Jahren mchm dieser Eifer unter den allbekannten Umständen einen größeren Aufschwung. Mau hatte schon einen Vorgeschmack der ersehnten Früchte, was zur Rührung irr Hoffnung und Ermun­terung in Verfolgung dcs Zieles diente. Zimal treten bei deu getrennten Völkerschaften deutliche Anzeichen zu Tage, daß sie freundlichen Sinnes sich der Kirche zürnenden ur.d nicht ohne Vergangen nach Wiederver­einigung rach diesem Stuhle b?8 hl. Petrus schauen. Wir haben ja aus apostollscher Liebe iu Erwägung

fcWenrt t«Slich E««. - »«rtMttich«r A b o n u e m e n t S p reis ohne BriugerlHn und Bestellgeld in Fulda und auSwärtS 1 Mark 50 Pfennig.

gnfttate kosten btt einspaltige «armondzerle oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petttzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

DeutÄks l unfähig und ^unterstützungsbedürftig zu der

5» </ 9„ c, . | durch düS Gesetz vom 22. Mai 1895 beschlossenen

~ a « in , i 2!* 25' v,unL i Beihilfe gemeldet haben, b) die Zahl derjenigen KriegS-

Jm Reichstag kau« man sich noch immer nicht ? theilnehmer, welche von der Behörde als gänzlich er-

recht klar darüber werden, an welchem Tage die große i werbSunfähig und unterstützungsbedürftig anerkannt Vertagung bis zum Herbst wird erfolgen können. Am i worden find, c) die Zahl derjenigen Kriegitheilnehmer Donnerstag glaubte man zu Anfang d-r Sitzung, man —" "* ' ... - -

könne mit Hilfe von Abendfitzungen bis Samstag fertig werden. Dieser Gedanke wurde aber fallen gelassen, weil die Sozialdemokraten energischen Widerspruch gegen diese Abendsitzunge« erhoben. Jetzt denkt man daran, vielleicht am Freitag, spätestens aber Samstag die 2. Lesung der bürgerlichen Gesetzbuches beendigen zu können, eventuell könnte am SawStag auch noch die Margarinevorlage zur 3. Lesung kommen. Am Montag ist Feiertag, und da für Dienstag dann auch auf kein beschlußfähiger HauS zu rechnen wäre, fo würde dann am nächsten Mittwoch das bürgerliche Gesetzbuch zur 3. Lesung gelangen können. Man glaubt, daß dies rasch von Statten gehen werde, und daß dar Gesetzbuch vielleicht sogar en bloc (im Ganzen) ange­nommen werden könnte.

* Zur Umarbeitung des Lehrerbesoldungsgesetzes wird in ben ,B. P. Rst ausgeführt, von den Gründen gegen daSL-hrerbesoldungsgest tz würden fichdiefinanziellen durch Ordnung der StaatSbnträge für die Großstädte nach dem Anträge Sattler (Belastung der Beiträge in der bisherigen Höhe) beseitigen lassen. Was die BezirkS-Alterszulagekaffen anlange, so befürchten die großen Städte der Westens davon sowohl finanzielle Nachtheile, als eine Einschränkung ihrer Autonomie auf dem Gebiete der Schule. Hinsichtlich des ersten PuntteS werde der Nachweis erbracht werden, daß den Großstädten kein finanzieller Nachtheil durch die Einordnung in die BezirkSkastm erwachsen würde. WrS dm zweiten Pinkt anlange, so würde die einheitliche Ordnung des Systems der Dienfi alters- zulagm allerdmgS eine Umarbeitung aller BesolduntzS- ordnungen »othwendig machen. Tie Vielgestaltigkeit der Ordnung; n der Aufsteigers im Gehalr habe zu einem unruhigeuDrängen innerhalb derLehrer- fchaft geführt, und vor solchem wären die Städte ge- schützt, wenn der Rahmen der BesolduugSordnnng gesetzlich festgelegt sei und nur die Höhe der AlterS- zulage der kommunalen Bestimmung verbleibe. Da­für würde aber den Städten auf dem Gebiete der

Anstellung der Lehrer größere Freihet erwachsen. • hätte, die Bezahlung einer Geldstrafe durch den Unter-

Die Regierung werde den Städten ungleich freiere » nehmer an Stelle des Angestellten, der sich die Strafe

dl-, Gewißhnt habe daß für ■ zugezogen, hat man der Presse gegenüber zu einem

suÄLtn8a“5«Je Sntenffen ; „Kapitilv ergehen" gemacht. Der Versuch ist diesmal

Schumann ^entscheidend ^feien. cU x °bgcsch'agmworden,^ aber wir wiffen nicht, ^ob man

* Die Petitionrkommission des Reichs- t a g e S hat betreffs der Juvalidevpetitiouen beschlossen, den Reichskanzler zu ersuchen, eine nach den einzelnen Bundesstaaten geordnete statistische Zusammen stellurg zu veranlassen, auS der ersichtlich ist: a) die Zahl der ; KriegSibeilnelmer, welche sich als gänzlrch erwerb»-

..Nern!" gab sie fest und entschieden zurück. „Aber

M) f° unendlich schwer, die Sie mir Alles; — ich kann jetzt all:- ertragen, seit- f.t Ath"” ^sber' Fie, sollte er ihr nun so ( dem--- mein Vater dahin ist," fügte fi- kaum 1

Enthüllungen machen! tote ihr sagen, daß I hörbar hinzu. „Waren es Geldsorgen, die meinen ’ ber fritiere Glanz ihrer Hauses wie etn Nebel zer» ‘ armen Arter drückten?" rönnen fei. 1 „Ja, ich fürchte er, aber die Sachen stehen schlimm,

., «•" Haller hatte mcht dieselve Memung w.e - viel schlimmer, wie Sie ahnen." Der Anwalt hatte t ,etner tr^n' peinlichen Pause fort, ' bereits zu viel gesagt, und er wäre grausam gewesen, wrr kamen^hart aneinander, aber davon l ihr jetzt noch etwa» verheimlichen zu wollen; deshalb heute geschäftlich mit sichr er mit gedämpfter Stimme fort: „Ich habe alle Ihnen reden, Fraulem Rose. Haben Sir semal» Ein- - Papiere der Verstorbenen durchgesehen, und habe leider

Standhaft und treu!

Nvvelle von Clarisse Borges.

------- (Nachdruck verboten.)

AlS ber Anwalt wenige Minuten später einer brlbschönen, jungen Dame, die in schwarze Tramrkleider gehüllt, ihm freundlich dir Hand zum Willkommen entgegen streckt: und dann mit ihren geistvollen Augen ihn wchmüthig anlächelte, kam er sich selbst wie ein BerrSther vor, der einem unschuldigm Kinberherzen den TobeSstoß versetzen sollte.

„Ist Herr von Haller nickt hier gewesen?" fragte die junge Dame entiäuscht, als der Anwalt allein erschien.