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Die ,Fuldaer Zeitung^ behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet, und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter in Berlin sowie in der Provinz setzen uns in den Stand, über alle wichttgen Er­eignisse bedeutend früher zu berichten, als die anderen Blätter.

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Die Abbröckelung des Jesuitengesetzes.

TaS Jesuitengesetz ganz auf heben, rein, das wollen sie nicht, wed-r die „Verbündeten Regierungen", noch die Kartellparteien, cheils aus Eigensinn, theilS aus Furcht vor den Jesuiten, theüs auS Furcht vor dem „Evangelischen Bunde." Aber etwas einschränken und mildern wollm sie allenfalls das gehässige Aus­nahme» und Zwangkgesetz. Die Regierung bittet an, daß sie die famosen „Berwandlschafts-Utthetle" noch einmal prüfen werde, und v?n den Konser­vativen wurde unter Zustimmung der Ntional- liberalen in Aussicht g> stellt, daß man der Ausheburg des § 2, welcher den einzelnen Jesuiten vogelfrei macht, zustimmen werde.

Das Angebot dieser zweifachen Abschlagszahlung ist das Ergebniß der JriterpellationS-Brrhavdlunz vom 17. d. M. Die Stellung des CentrumS dazu ergibt fich von s löst: Wir können niemals auf d e volle

Freiheit des Jesmten-OrdenS und der anderen katho­lischen Ordm verzichten und können deshalb unserer­seits auch keinen Antrag stellen, der als ein Verzicht auf die gänzliche Aufhebung des Jesuttengesetzes ge­deutet werden könnte. Wenn aber von anderer Seite ein Antrag auf Aufhebung eines TheileS des Jksaiten- gesetzeS gestellt wird, so nehmen wir die Abschlags­zahlung an, ohne den Rest der Forderung preiszu- geben.

Offenbar geht die Absicht mancher Freunde der erwähnten BerbefferungSvorschläge dahin: durch die Beseitigung der schlimmsten Schärfen und der offen­barsten Ungerechtigketten den Rest, d. h. das Verbot der jesuitischen OrdenSniederlasiungen, um so halt­barer zu machen. Man gibt daS minder Haltbare preis, um den Kern der Gesetzes um so zäher zu ver- theidigen. Dieser Umstand kann uns aber nicht ab­halten, jede Möglichkeit einer theilweisen Erleichterung auszunutzen, wie ja auch seinerzeit jede Abschlags­zahlung auf die Maigesetze alsbald ausgenutzt worden ist. Wenn z. B. der BundeSrath nicht nur die Frauen vom hl. Herzen, sondern überhaupt alle noch geächteten Ordensleute für nicht-verwandt erklärte, so daß also bloß die „eigentlichen" Jesuiten noch unter der ReichS- acht verblieben, so würden zweifellos die Jesuiten selbst ihren bisherigen Genossen im Unglück herzlichst Glück wünschen und eS für ganz selbstverständlich er­achten, daß diese von der eröffneten Freiheit den a«S- giebigsten Gebrauch machen, ohne sich von „taktischen Erwägungen" beirren zu lasten.

Die Aufhebung deS 8 2 ist in der Thal, wie der Abgeordnete R'ckert hervorhob, auf der Linken schon früher in Anregung gebracht worden; auch vom Ab­geordneten Eugen Richter und seiner ,Freis. Ztg/ Diese Haltung hat uns damals keine Freude machen können, weil sie ein Mittel war, um sich an der gebührendes Berurtheilung dis ganzen Ausnahme­gesetzes vorbeizudrücken. Herr Richter vertrat ja auch die Ansicht, daß der § 1 des Gesetze-, der die Niederlassungen deS Jesuitenorden» rc. verbietet, kein Ausnahmegesetz sei, sondern vielmehr erst beim § 2, der den einzelnen Ordensmann der Polizei über- antwortet, das Ausnahmegesetz aufange. Diese Unter­scheidung ist unbegründet. Auf der Kartellseite braucht man solche tendenziöse Unterscheidungen nicht zu machen, da man dort nicht „Freiheit-Helden" spielen will und deshalb die Kampf- und Zwangsparagraphen, die man aufrecht erhalten will, auch mit dem rechten Namen des Ausnahmegesetze- nennen kann. Das Jesuitengesetz bleibt ein verwerfliche» Aus­nahme- und Gewaltgesetz, auch wenn § 2 beseitigt wird. Wie weit nun die Schlechtigkeit de» Gesetzes alsdann einen geringeren Grad erreichen wird, das bleibt roch von der Fassung deS vom Grafen Limburg (angeregten Abänderungsgesetzes ab­hängig. Wird daS Verbot der „Otdensthätigkrit" für die einzelnen Jesuiten vollständig aufgehoben, so daß

also nur die förmlichen Niederlassungen de» Ordens verboten bleiben, so würde einzelnen Patres immerhin eine gewisse Wirksamkeit in Deutschland eröffnet. Wollte man freilich «och Vorbehalte wegen der „Ordensthätigkeit" machen, so wäre nicht viel erreicht.

Wie eS aber auch mit § 2 werden mag, § 1 muß auch fallen.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Juni.

In den letzten Jahren brachten gewisse Zeitungen stets um die Zeit, wo der Kaiser seine Sommerreise macht, Mittheilungen darüber, daß dieser oder jene Minister amtsmüde sei. Mit Bestimmtheit konnte man daher in diesem Jahre Voraussagen, daß bald die Meldung von der Amtsmüdigkeit des Reichskanzlers kommen werde, und stehe da — noch ehe der Kaiser die Nordlandsreise angetreten hat, liegt die keineswegs überraschende Meldung vor und zwar selbstverständlich zuerst in den Münchener Neuesten Nachrichten". Im Anschlüsse an einen Bericht über das Diner beim Reichskanzler schreibt das genannte Blatt: „Das Ec- gebniß des heutigen Abends ist, daß trotz der unleid­lichen antisemitischen Demonstraüonen das Bürgerliche Gesetzbuch in zweiter und dritter Berathung durch- kommen und die Unterschrift Hohenlohe trage« wird, womit Fürst Hohenlohe seine Mission al» erfüllt betrachtet und fernerhin feinen Platz einer jüngeren Kraft einräumen wird."

* Offiziös wird mitgetheilt, daß die erfteuliche Besserung -er Einnahmen in Preußen es gestatte, eine Reihe von Ausgaben vorzusehen, die bisher wegen Mangel» an Mitteln zurückgestellt werden mußten. Wegen deS schwankenden Charakters der Ueberschüsss der Betriebsverwaltungen soll dabei namentlich da» Extraordmarium berücksichtigt werden, und der Löwenantheil soll der Eisenbahnver­waltung zufallen. Jrsbesondere bedürfe es in mehreren größeren Städten des Umbaues von Bahn­hof Sanlagen. Neben anderen Städten soll dabei auch in erster Linie Berlin eine weitere Verbesserung seiner Bahnhofsanlagen erfahren, und zwar soll eS sich dabei u. A. auch um des Umbau deS Schlesischen Bahnhofes und des bekanntlich auf dem für den Personenverkehr kafflrten alten Bahnhof der Berlin- Hamburger Bahn verbliebenen Güterbahnhof» der Linie Berlin-Hamburg handeln, welche beide denBer- kehrSbedülfnissen entfernt nicht mehr genügen.

’ Zar Jesuitendebatte im Reichstage schreibt die radikale .Berliner Volkszeitung': „Wir haben zu allen Zeiten den Standpunkt vertreten, daß Ausnahme- Gesetze gegen eine bestimmte Klaffe von Staatsbürgern in die Rumpelkammer gehören. Der Deutsche, „der sonst nichts auf der Welt fürchtet", aber die Jesuiten, und der zum Schutze gegen diese Handvoll Individuen

Standhaft und treu!

Nsvrlle von Clarisse Borges.

1] ------- (Nachdruck verboten.)

Erstes Kapitel.

„DaS sind wabrlich schlechte Aussichten für Fräu­lein von Saldern! Glauben Sie, Herr Wellmann, daß wir etwa; übersehen, vielleicht d:e Papiere nicht gründ­lich geiug durchsucht haben? So, wie die Sachen jetzt stehen, werden, auch wenn alle Silbersachen, G mälde, Möbel, Reit- und Wagenpferde, ja selbst die ganze, herrliche Besitzung verkauft werden, kaum die enorme Schuldenlast getilgt, die Gläubiger nicht befriedigt fein! Urd was soll dann aus dem crmen Kinde wer­den? An jeden erdenklichen Lrxas des Lebens und die Erfüllung aller Wünsch- ge-röhnt, wird sie sich schwer in die gänzlich veränderten Behältnisse schicken können!"

Mit di.sen Worten sprang der alte Kommerzien- rath ro.i H aller von seinem Sitze aus und trommelte heftig gegen die Fensterscheiben, entweder nm dadurch seine Aufregung zu verbergen oder seinem Freunde seinen Mangel an Mitgefühl und Theilnahme nicht offen za zeigen. — Dieser, ein alter, freundlicher Herr, mit seelenvollen Äugen, fuhr hastig mir der Hand durch sein spärlich s Silberhaar, gleichsam als wolle er dadurch seine wirren Gedanken ordnen und zur

Ruhe bringen. Dann gläitete er sorgsam die in größter Unordnung auf dem Tische umherliegenden Papiere, ordnete sie in die einzelnen Fächer des großen Pultes, verschloß mit peinlicher Gewissenhaftigkeit jedes besondere Fach und wandte sich dann seinem Freunde zu.

„Ja," sagte er endlich gedehnt, „das find in der That sehr schlechte Aussichten für unsere arme Rose! Sie hängt so sehr an ihrer Heimath, jedes Plätzchen im Hause ist ihr lieb und treuer, eine Trennung wird ihr daher doppelt schwer werden. Jedoch, sie hat den Trost, daß Ihr Sohn, Hauptmann Alfred von Haller, wenn er aus dem Feldzug zurückkommt---

nun, Herr Kommerzienrath, Sie runzeln die Stirn, Sie meinen doch nicht etwa, daß, weil die Behältnisse sich plötzlich anders gestaltet haben, die Verlobung auf­gehoben werden soll?"

„Selbstverständlich! Dar ist sogar mein voller Ernst; ich bin fest entschlossen, jene Verbindung auf­zuheben," versetzte der Gefragte mit Schärfe, denn es kränkte ihn, daß der Anwalt die geheimsten Ge­danken seine» Herzens so richtig erratijen hatte. „Glau­ben Sie denn, daß mein Sohn eine Bettlerin hei- i atgen würde? Ich war von Anfang an gegen diesen Plan, jetzt, da wir diese Entdeckung gemacht haben" — er deutete auf den Pult, in dem dis Papiere lagen — „werde ich niemals meine Einwilligung

geben. Ich fciu; mich, daß mein Sohn jetzt fort ist; bi» er zurückkommt, wird er hoffentlich andere Ideen haben. Nun, was sagen Sie, geben Sie mir nicht Recht?"

„Hier meine Meinung, Herr Kommerzienrath. Ich nenne eS unehrlich, grausam sogar, wenn Sie jetzt die Tochter Ihres Freundes v-rstoßen wollten. Als RosenS Vater lebte, al» sie ein bedeutende» Vermögen zu er­warten hatte, als der Verstorbene unter allen Land« edelleuten am meisten geachtet und geehrt wurde, da stellten Sie der Verlobung Ihre» Sohnes kein Hinder- niß entgegen. Sie war Ihnen als Tochter herzlich willkommen; Herr v. Saldern tiertraute Ihnen, denn sonst würde ec Sir nicht mit mir zum Testaments­vollstrecker ernannt haben. Er konnte nicht ahnen, daß seine schweren Verluste dem Lebensglücke seine- einzigen Kinde- schaden würden. Und wie handeln Sie jetzt? Nachdem Sie sich von der traurigen Sach­lage vollkommen überzeugt haben, werfen Sie da- arme Kind wie einen alten Handschuh bei Seite. Ist dar gerecht? Ich wiederhole es, Sie handeln feige — grausam!"

Dec Anwalt hatte sich bei diesen Worten mit drohender ©:irn dem Kommerzienrath gegenüber ge­stellt, seine dunklen Augen flammten, seine Mienen waren herausfordernd, al» wollte er sagen: „Feigling!