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142 Dienstag, den 23. Juni 1896. 23. Jahrgang
mit MterhaLtrmgs-KeUrrge „Strrnr rrrrd Kiumen".
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Ein beachtenSwerthe- und ehrender Nrtheil über
protestantisch- Land-Sericht-rath Kulemann.
* Ein Schreiben des hl. Vaters, an den Vorsitzenden des AugustinuS-Verein- zur Pflege der katholischen Presse, Herrn Heinrich Otto in Krefeld, gerichtet, dürfte auch für Weitere katholische Kreise von Interesse sein. Die Cemralstrlle des Augustinus - Vereins hatte dem heil. Vater eine Widmung unterbreitet. Dnse W.dmung besteht in einer fast vollständigen Sammlung aller derjenigen Nummern der katholischen Zeitungen dis Deutschen Reiches, welche entweder in eigenen Darlegungen die Bedeutung des 20. September 1895 besprachen oder Berichte enthielten über Ber- fammlurgen und Kundgebungen, welche sachlich im Zusammenhänge mit der Bedeutung dieses Tages standen. Die gesammelten Zeitungs - Nummern Waren in zwei großen Mappen zuiammengebunden und nebst einer entsprechend ausgestarteten Adresse durch Vermittelung der Nuntiatur in München dem heil. Vater übersandt worden. Danach hü der hl. Vater durch Verm ttelung der Nuntiatur ein Dankschreiben an den Vorsitzenden des Augustinus-Verein- gelangen lassen, das folgenden Wortlaut hat:
beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Bestellgeld.
Die ,Fuldaer Zeitung^ behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet, und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter in Berlin sowie in der Provinz setzen uns in den Stand, über alle wichtigen Ereignisse bedeutend früher zu berichten, als die anderen Blätter.
gerne entgegengenommen als Zeugniß Eueres Gehorsams. Wir hegen aber die sichere Hoffnung, daß Ihr die Bahn, welche Ihr bis zu diesem Tage ver- folgt habt, allezeit wacker einhalten werdet. Damit Gott dies gnädig fügen und Euch der verdiente Trost für Euere Mühe nicht entgehen möge, spenden Wir Dir, geliebter Sohn, dem Vereine, welchem Du vorstehst, und sämmtlichen Schriftleitern der katholischen Tagesblätter Deutschlands als Zeugniß Unserer väterlichen Zuneigung liebevollst im Herrn den apostolischen Segen.
Gegeben in Rom zu St. Peter, am 17. Juni 1896, im 19. Jahre Unseres Pontifikates.
Leo P. P. XIII.
ständniß für die Bedürfnisse der Zeit zeigte und noch zeigt.
* Die allgemeine Erhöhung der Beamten- esol- dnvgev wird, wie die ,B. P. 9l.‘ melden, den preußischen Landtag in seiner Herbsttagung beschäftigen. Die Vorarbeiten werden mit Nachdruck betrieben. Doch wird
werden an uns aufgegebene Adressen mehrere Tage kostenlos und portofrei versandt.
Itn tziMtlltmde Ldoonkntei,
tion (Fuldaer Aktiendruckerei, Harmonie) die Postquittung zusenden, die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende Juni unentgeltlich und franko unter Kreuzband.
Wir laden unsere Leser zu recht zahlreichem Abounement ei« und richten zugleich an sie die Bitte, uns in der Gewinnung neuer Abonneute« durch Empfehlung in Frenndeskreisen nach Kräften zu unterstützen.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juni.
• Der Reichstag war am Montag sehr beschlußfähig, aber er ist trotzdem nur wenig vorangekommen. Es wird jetzt doch zweifelhaft, ob er schon am Mittwoch die zweite Lesung des bürgerlichen Gesetzbuchs beendigen wird. Ob die Beschlußfähigkeit auch nach Annahme der Gewerbenovelle noch Vorhalten wird, bleibt abzuwarten, wenn es auch ziemlich wahrscheinlich ist, daß jetzt kein Zwischenfall wehr die Durch- berathung des Gesetzbuchs verhindern wird. Das Centrum war am Montag nahezu vollzählig zur Stell;.
* Der Gouverneur von Ostafrika, Major v. Witz- mann, hat aus der Schweiz gemeldet, daß er nächste Woche in Berlin eintrrffm werde zu einer Besprechung
aus die
,IuLdcrer Zeitung^
für das am 1. Juli d. I. beginnende
3. Guartal
wolle man nicht bis auf die letzten Tage verschieben, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt.
Der Post-Abonnementspreis mit der illirstrirten Sonntagsbeilage
»Die einzige Partei, welche Berständniß für die große soziale Entwickelung zeigt, in der wir uns befinden, und welche unsere Geschicke für die Zukunft bestimmen wird, ist das Centrum, und fh b-findet sich dabei in voller Uebereinstimmung mit der katholischen Kirche und ihrer Leitung. Das ist tief traurig für jeden, der die ultramontane Richtung im Katholizismus vom nationalen Standpunkte aus bekämpfen muß; aber diese Gegnerschaft darf nicht die Anerkennung trüben, daß in der jetzigen großen sozialen Bewegung da- Centrum die Führung übernommen und den Dank aller verdient, die auf eine gesunde Entwickelung unserer Verhältnisse ohne gewaltsame Katastrophen hoffen. Sollte denn die Weltmachtstellung der katholischen Kirche von ungefähr gekommen sein? Wer die Geschichte mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt, wird doch darüber längst im Klaren sein, daß diese Macht ihr nur zugefallen ist, weil sie stets verstanden hat, in praktischen Dingen denZeitverhältnifsen Rechnung zu tragen. Gewiß hat es auch Perioden des Verfalles ia der katholischen Kirche gegeben, und zu ihnen gehörte die Zeit vor der Reformation; aber auf sie ist stets wieder ein Aufschwung gefolgt. Die unsere nächste Zeit bestimmende Strömung ist der Sozialismus im Sinne einer wissenschaftlich-sittlichen Hebung der untere» Volksklassen und einer Verminderung der heutigen unerträglichen Ungleichheiten. Die leitenden Kreise der katholischen Kirche haben das richtig erkannt; sie begünstigen diese Bewegung, und da« C-ntrum macht I stch zu ihrem Organ." — Abgesehen von dem unberechtigten Borwurf eines „Ultramontaniimus" der Katholiken als einer gewissen Geringschätzung de- eigenen Vaterlandes ist das Nrtheil des protestantischen LandgerichtS- ratheS immerhin ein Ehrenzeugniß für die katholische Kirche. Wir Katholiken kennen freilich einen noch tieferen und sicheren Grund für die Machtstellung unserer Kirche und ihres Fortbestehens bis zum Ende der Zeiten: es ist die Gründung der katholischen Kirche durch Jesus Christus und ihre Leitung durch den hl. Geist. Und dieser göttlichen Leitung ist eS auch vor allem zuzuschreiben, daß sie wie keine andere Religionsgesellschaft stets ein volles und klares Ber-
Erscheint täglich S,m- und Feiettage ausgenommen. - Vierteljährlicher Abonne m-ntspr-is ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzerle oder deren Raum lo Pf., Reklamen die P-titzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entfvrecheader Rabatt. 9'
Geliebter Sohn! Gruß und apostolischen f mit den amtlichen Stellen über schwebende Fragen o . . . . _. ! Möglicherweise könnten diese Besprechungen wegen
Zu den;emgen Mitteln, die, wie Wir erachten, am j Mangels an Zeit noch einige Tage hinausaeschoben meisten zur Hebung der Religiosität und Sittlichkeit werden und deshalb vielleicht eine Woche später statt- betragen, werden mit gutem Recht die katholischen s finden. '
Zeitungen gerechnet. Wir unterlassen es daher nie- ' Ein beachtenSwertheS und ehrendes Nrtheil über mals, sei es durch Ermunterung und Rath oder die katholische Kirche und das Centrum, die katho- durch lobende Auszeichnungen, katholische Männer lische Volksvertretung im deutschen Reichstage, gibt der anzuregen, dieser Art der Schriftstellerei ihre Auf- protestantische Land-Grrichtsrath Kulemann. merksamkeit und Mühe m kluger Berechnung zu In einem Aufsätze über „Sozialreform" schreibt er: widmen. Wir freuen Uns aber, daß Unsere Wünsche, ‘ ™ .......
wie in den übrigen Ländern, so zumal in Deutschland in Erfüllung gegangen find, wo die Blätter, welche dem katholischen Namen dienen, sowohl durch Zahl, wie durch Einfluß und Ansehen hervorragen. Was Wir aber bei den Schriftstellern für besonders lobenswerth erachten, das ist der Eifer, mit dem sie dem hl. Stuhl anhängen, dessen Freiheit vertreten und seine Rechte schützen. Den glänzenden Beweis dieser eifrigen und hingebungsvollen Strebens haben Wir in dem erkannt, was Euere Blätter im vergangenen Monat September veröffentlicht haben, als unter größtem Gepränge höchst ungerecht der 25. Jahrestag, seitdem der hl. Stuhl der weltlichen Macht beraubt worden, begangen wurde. Diese von Euch in einem Bande vereinigte Sammlung haben Wir
Die Stufen von Lommetfchenbmg.
Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 52] ------- (Nachdruck verboten.)
Als er dies gesagt hatte, machte er eine kraftlose Anstrengung, sich zu erheben. Ein Lächeln glitt über seine abgezehrten Züge:
„Ich sehe, es geht nicht mehr au- eigener Kraft. Meine Auflösung steht bevor. So bitte ich Euch, mich nach der Kcp.lle meines erlesenen Schutzpatron-, des hl. Martinus, zu geleiten." Mit freudigem Ausdruck richtete er d'.e Augen gen Himmel. „Welch heilige Stunde verbrachte ich einst an seinem Grabe! Ja, die frommen Vorsätze, so ich zu TourS im Hause deS Gottesstreiters faßte, sind bestimmend gewesen für den Rest meines Leben-. Meinem Schutzheiligen Martinus verdanke ich Ermuihigunz und Kraft in den irdischen Kämpfen. Führt mich vor den ihm geweihten Altar. Er ist angemessen, daß ich allda das Ende meines Lebens erwarte, wo ich zuvor da- Kleid der Weltentsagung, das Ocdenskleid, empfangen habe."
Ja stummer Ergriffenheit schickcen sich die Mönche an, den Todtmaitm -.mporzuheben.
Da wichen die Umstehenden eh'-.bietig zur Seite, denn die fromme Schroffster Rothzardis, des Bisch ff» Nichte, des Grafen Tammo Tochter, trat leise in die
Zelle. Still kniete die Klosterfrau nieder. Ihre Lippen berührten den Saum von Bernwards Gewand. Dann hob sie die ihränenerfüllten Augen zu ihm empor und sprach:
„Mein Oheim, im Kloster Gandersheim wurde uns die Kunde, wie es um Euch stehe. Unsere Aebtisfin Soph'a sendet mich hierher. Sie fleht reuig um Verzeihung für all drn Kummer, für all die Unbilden, so Ihr durch sie erfahren habt, und bittet durch mich um Eueren Segen, um den Segen des rechtmäßigen Oberhilten für uns Alle."
Ein Aufleuchten ging über des Bischofs Züge.
„So wird mir vor meinem End: noch eine große Freude zu Theil," sprach er. „Mein Kind, sage Deiner Aebtisfin, daß ich ihr längst Verzeihung gewährte; denn ich weiß, sie handelte als Herrin in guter Absicht; sie wollte ihr Kloster unter einen mächtigeren Schutzherrn stellen. Ich fteilich mußte gegen sie die Rechte Hildesheim- wahren.
„Es segne der allmächtige Gott Dich, mein liebes Kind, die Aebtisfin Srp'sia und alle Anzehöria-n drS Stiftes Gandersheim!" Mühsam machte Der B.schvf das Zeichen deS Kreuzes über die Kai-e.rde. Da.rn ; lut er mit fast verlöschender Stimme:
„Und nun zu Sankt Martinus!"
Still trugry die Benediktiner ihn hinüber. Mit Hilfe seines Bruders Tammo und de» Bischofs Ekkehard legte er sich vor dem Altäre zur Erde nieder und verrichtete ein inbrünstiges Gebet. Währenddeffen hatte der Sakristan die Kerzen angezündet und der Abt Goderam alles vorbereitet, um dem Sterbenden die hl. Wegzehrung zu reichen. Mit brennendem Verlangen empfing Bernward zum letzten Male auf Erden seinen Heiland in Brodsgestalt. Er hob seine Hände empor und sprach mit lauter Stimme:
„O, wie große Freuden haben die Heiligen Gotte» im Himmel!" Darauf sah er voll Rührung die weinenden Brüder an und betete also:
„Heiliger Erzengel Michael, der Du ein Heerführer der himmlischen Geister und der aufgelösten Seelen bist, ich bitte Dich demüthigst aus dem Grunde meine» Herzen-, Du wollest un» mit den hciligeu Engeln gnädig besuchen und diesen Ort erleuchten, in welchem wir jetzt mit Andacht beten"
Sobald er das gesprochen, entstand ein heftiger Sturmwind und ein große» Getöse. Allen, so zugegen waren, kam Furcht unb Bangen an. Der Sterbende aber hö.tete die Umstehenden mit gebrochmer Stimm-:
„L.ebe Brüder, fürchtet Erch nicht. Ich bn der- jenige, der liier gerufen w ro. S hm Ihr n cht, wie dir heiligen Engel zu un- herein kommen, mich abzu-