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Montag, den 22. Juni 1896.

23. Jaürgarn

iildakrWZkitilii«

mit Untrrhaltrmgs-KeiLagr „Sterne und KLumen".

Erscheint täglich, Smm- und Fnertag« ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonne mentSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Karrnondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Ps., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Juni.

* Der chinesische Bizekönig Lt-H«ng-Chang hatte nach dem gestrigen Diner abermals eine längere Unter­haltung mit dem deutschen Reichskanzler und dem Staatssekretär des Auswärtigen, wobei, wie gemeldet wird, die Frage einer Kohlenstation für dis Flotte zur Sprache gekommen sein dürste. Vor­aussichtlich findet die dritte und Schlußbesprechung Ende dieser Woche statt.

* Der preußische Landtag ist am Samstag Nach­mittag in einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser geschlossen worden. Die nächste Landtagssession soll schon im Herbst d. I., und zwar in der zweiten Novemberwoche beginnen. Veranlaßt wird der Zusammentritt zu ungewohnter Zeit durch die Noth- wendigkert, die Erwerbung von Theilen der hessischen LrrdwigSbahn perfekt zu machen. Die Arbeiten des Landtags werden jedoch nicht auf diesen Gegenstand beschränkt bleiben. @1 ist vielmehr nach der.National- liberalen Korrespondenz' beabsichtigt, ein Richter- vnd ein Lehrerbesoldungsgesetz, ein Gesetz betreffend die Sparkassen und ein solches betteffend die Verwendung der Ueberschüffe der Sraatseisen- b ahn en vorzuleger. Das feit langem angekündigte Komptabilitätsgefetz wird hingegen, wenn über­haupt vor 1898, erst nach dem Januar 1897 einge­bracht werden können. Mit dem vorstehenden Pro­gramm würde das Defizit der zu Ende gehenden Session, da» negative Ergebniß der Berathung eine» Lehrerbesoldungr-GesetzeS, noch in diesem Jahre au»- geglichen werden können, so daß den Lehrern au» dem erstmaligen Fehlschlag kein Schaden erwüchse.

tl Beschlußfähig war der Reichstag am Freitag, denn in der Garderobe zählte man 206 Hüte; im Saale freilich waren gleichzeitig nie so viele Abgeord­nete beisammen, was ihnen gar nicht zu verübeln ist. Am Samstag aber sah da» hohe Hau» schon wieder sehr beschlußunfähig aus. Wenn die Gegner der be­schleunigten Durchberathung des bürgerlichen Ge­setzbuches trotzdem keine Auszählung h-rbeisührten, so kann man daraus vielleicht schließen, daß sie sich in den Gesetzgebungs-Galopp ergeben haben und ihn nicht weiter aufzuhalten versuchen werdm. Vielleicht — vielleicht auch nicht! Jedenfall» ist e» kein erfreuliche» Schauspiel, ohne Rücksicht aus die große widerstrebende Minderheit und ohne Rücksicht auf die auch unter den Wählern der Mehrheits-Parteien be­stehende starke Opposition ein so großes und bkdeutungl- volle» Gesetz merk mit Mühe und Roth durch die letzten Lesungen peitschen zu sehen. Man rühmt un» die Vorzüge de» Entwürfe» vor dem geltenden Rechte, ins­besondere die Berbefferungen auf dem Gebiete des Ehe- rechtes. Ganz wohl, aber in allen grundsätzlich wichtigen Punkten bleibt Alle» beim Alten. Das Alte war schlecht, konnte aber viel leichter bei günstiger Ge- teaenhrit beseitigt werden al» das Neue, das ein klein

die Grafen tunt Soumerftheabirg.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 51} ------- (Nachdruck verboten.)

Mit schwacher Stimme redete Bernward sie also an: „Meine liebsten Brüder! Die Zeit ist gekommen, da meine Glieder der Erde sollen befohlen werden. Ich fühle e». Mein Leichnam beginnt schon zu erkalten. „„Gib Rechnung von Deinem Haushalt; denn Du wirst hinfüro nicht mehr haushalten können!"" spricht der Herr zu mir. So befehle ich Euch dem Kaiser Heinrich an, meinem gnädigsten Herrn. Diesen gebe ich Euch zum Obersten. Er wird hier Euch sorgen nicht minder, als ob ich persönlich bei Euch wäre.

Meine Brüder! Liebet Gott den Herrn! Seit demjenigen dankbar, der Euch von den Eitelkeiten der Welt ge­zogen hat. Ihr ro sset nicht, wie lange Euer Leben dauert. Selbst das Liebste unter der Sonne muß der Bergänglichkm unterliegen. Ich habe reiche Tage be« seffen, aber wozu find sie mir nützlich gewesen? Jetzt muß ich alle- verlassen Ich war Staub, und Staub muß ich wieder weiden. Doch freue ich mich, daß ich meine Güter nicht unnütz verschwendet habe, sondern fie durch die Häidr der Armen zu den ewigen Schätzen überbringen ließ Auch habe ich große Gebäude und Steinwerke aufgerichtet, um die guten und gläubigen

wenig besser, aber noch lange nicht gut ist und f für bestimmte Anlässe wird stet? schon lange vorher jedenfalls auf unabsehbare Zeit keine Aenderung mehr .■ festgestellt, und ein Zusammenhang der Auszeichnung

erfahren wird. Doch wir wollten uns auch dabei be-

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Eisenbahneinnahmen (zusammen reichlich 1 Million).

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* Posen, 20. Ium. Nach einer Meldung aus Jarotschin erregt dort die wegen Sittlichkeit»- vergehens erfolgte Verhaftung des Leiter» der höheren Knabenschule, Dähne, große» Aufsehen. Die Schule wurde durch den Kreisschulinspektor ge­schloffen.

brauchSsteuern betrugen im April und Mai 116,6 Millionen Mk., 91/? Millionen Mk. mehr als in den gleichen Monaten oeS Vorjahres. Auch die Stempel-

Wiederum naht die Zeit, in welcher sich die hessischen Katho­liken zusammenfinden wollen, diesmal in Offenbach! Das Ordensgesetz, dessen Milderung unsere Gegner als einen be­sonders großen Akt der Toleranz anpreisen, gewährt uns auch heute noch keine Rechte, sondern nur dem Ministerium die Voll­macht, etwas zu gestatten, was es seither nicht gestatten durfte. Der Gebrauch dieser Vollmacht hängt ganz von seinem Wohl­wollen ab, und wenn wir auch über dieses Wohlwollen keine Klage führen wollen, so kann sich unser kirchenpolittsches Leben nicht auf daS Wohlwollen vergänglicher Ministerien, sondern nur auf die Anerkennung unserer religiösen Freiheit gründen. Mit unserer religiösen Freiheit kämpfen wir auch für unsere politische Freih eit und für die sozialen Forderungen unserer Zeit. Es sind dieselben Feinde, welche uns bedrohen. Es ist zunächst der Liberalismus, der durch seine Selbstsucht zur wirth- schastlichen Ausbeutung geführt hat und dadurch, sowie durch seine religionsfeindlichen Grundsätze der Vater der Sozial­demokratie geworden ist, der Partei, die nunmehr den Be­stand unserer ganzen Gesellschafts-Ordnung bedroht. Zwischen ihren Prinzipien und unseren Prinz pien kann es nur einen

mit der Rede, auf welche Prinz Ludwig von Bay irn erwiderte, besteht gewiß nicht.

scheiden, wenn nicht der Reichstag durch die eigenthüm- licheHast, mit der er, auf keinm Widerspruch achtend, da» Gesetzbuch fertig stellen will, zu dem der Bundes­rat h reichlich zwei Jahrzehnte der Borberettung ge­braucht hat, weite BolkLkreffe vor den Kopf stieße und dadurch das Gesetzbuch gleich bei seinem Inkrafttreten jenen Kreisen als eine verhaßte, gegen ihren Willen ihnen aufgebürdete Last erscheinen ließe. Und das muß uns um so weniger lieb sein, je mehr wir sonst auf­richtige Freunde „diese»" Reichstages find.

* Der Präsident des Reichstags, Frhr. v. Buol, hat an die Mitglieder deS Reichstags ein Circular erlassen und darin den dringenden Wunsch au»gesprochrn, daß die Mitgkieder des Reichstags zu den Berathungen über dar Bürgerliche Gesetzbuch sich eiufinben möchten.

* Die Freunde einer raschen Durchberathung deS Bürgerlichen Gesetzbuch» hoffen bis zum Mittwoch die zweite Lesung beendigt zu haben. Darauf soll die dritte Lesung des Margarinegesetzes, sowie die Gesammtabstimmung über die Ge-verbenovrlle und dann die brüt' Lesung be» Bürgerlichen Gesetzbuch» folgen, die man bis zum nächsten Samstag beendigen zu können hofft. An diesem Tage würde dann also die Vertagung bi» zum Herbst eintieten. Wenn Aller nach Wunsch geht, natürlich!

* Die Reichseinnahme« an Zöllen und Ver-

* Der Delegirtenlag der uattonalliberalen Partei ist, der.Rat.-Ztg.' zufolge, nunmehr endgiltig für den 3. und 4 Oktober nach Berlin einberufen. In national­liberalen Kreisen ist viel von der Rothwendigkeit die Rede, die Partei gründlich zu reformiren und von dem Ueberwuchern der materiellen Jntereffenbestrebungen zu reinigen. Auch die nationalliberale Presse, insbe­sondere auch ihr Berliner Hauptorgan die .National- Zeitung', zeigte sich oft mit der Haltung der Fraktion in sozialen und wrrthschaftlichen Fragen sehr unzu­frieden. Es bleibt abzuwarten, wie weit sich diese Strömungen auf dem Parteitage geltend machen werden. Mit der „Einigkeit" in der Partei ist er jedenfalls nicht weit her.

♦ Die vor einigen Tagen gemeidete Verleihung einer preußischen Orden» an Herrn Camesa- SaSra, den unglücklichen Tischridner von Moskau, stellt sich als ein gänzlich unpolitischer Akt heraus. Aus Anlaß der Zarenkrönung sind in Berlin zahlreiche Orden verliehen worden, die im .Reichsanzeiger' noch nicht veröffentlicht wurden. Bet dieser Gelegenheit wurde auch dem Präsidenten de» deutschen Beretns in Moskau, Heren Camesa-SaSca, der Rothe Adlerordm 4. Klaffe verliehen. Die Liste solcher Verleihungen

Ausland

* Brüssel, 21. Juni. Ja Tourcoing überfielen und zersprengten 700 Sozialisten eine Prozession und mißhandelten die Priester, welche in die b machbarten Häuser flüchteten. Ungefähr 100 Personen wurden verwundet.

* Budapest, 20. Juni. DerKanzelparagraph, für den im deutschen Parlament keine Mchcheit mehr zu finden wäre, hat nun in Ungarn seinen Einzug gehalten. Das Abgeordnentenhau» erledigte gestern den Gesetzentwurf über die KurialgerichtSbarkeit in Wahl- fachen, darunter auch den Kanzelparagraphen, welcher den Geistlichen die Wahlagitation von der Kanzel herab bet G fängnißstrafe verbietet. Seitens der Oppo­sition be» Magnatenhaufe» wirb bereits der Widerstand aag-kündigt, der dort diesem neuen KalturkaDpfgesetz entgegengesetzt werden wird.

* Mainz, 20. Juni. Der Landesausschuß und i dos Landes-Komitee der hessischen Cent rum! Partei er- I lasst« einen Aufruf zum vierten hessischen Katho- ; likentaa. in dem e» heißt:

Kampf auf Leben und Tod geben. Leider stoßen wir auch bei diesem Kampfe gegen die Sozialdemokraten bei dem Liberalismus k ' t cm , . „ - ; , , . < "c- ay r, . ; auf das gefährlichste Hinderniß. Er ist zwar gern bereit, der

steuern gaben Mehreltcage, desgietchen die Post- und Polizeistock auch auf die Sozialdemokraten anzuwcnden, bei - • - « . -t-- !j“:x ' ”um“' dem, was allein helfen kann, der Pflege derReligion und gründ­

lichen sozialen Reformen, dem setzt er den zähesten Widerstand entgegen. Zur Zeit gilt es deshalb in unserem Lande, die Ueber- macht des Liberalismus zu brechen! Wie in früheren Jahren, wollen wir auch jetzt wieder in entschiedener Weise unsere Stimme erheben. Wir werden vernommen und je mehr beachtet werden, je zahlreicher wir uns versammeln, und wenn man erkennt, daß es mit unseren Forderungen tiefster Ernst ist.

Christen im göttlichen D enste zu bestärken, nicht aber, j um eitele Ehre zu erwerben. Gott, der in bas Innere meines Herzenz sieht, ist mein Zeuge. Die heilige s Schrift erklärt: „„Wann Ihr alles getha« habet, wa» i Euch befohlen ist, alsbann rufet, wir sind unnütz; ! Knechte!"" Unb dies wirb zu den AuSerwählten; gesagt. Wo sollen benn die Trägen, bie Unnützen bleiben ?“ — Darum, liebe Brüder, bienet Goit bem > Herrn in Furcht; denn bie Gottesfurcht gibt viel I Stärke. Wahrlich, Brüder, kein Mensch weiß, ob er ? bet Liebe, ober bes Hasser---“ Der Bischofs j

Stimme war leiser geworden; er vollendete ben be- ’ gonnenen Satz nickt, sondern sank, von Schwäche über- mannt mit geschlossenen Lidern rückwärts in ben Lehn- ■ stuhl.

Große Bewegung überkam bie geistlichen Stüber. Sie »ermeinten, ihr Vater würde in dresem Augenblick ; verscheiden.

Der Abt Godetum schlug die Augen nieder und - rief faffungSloS in herbem Seelenschmerz:

„O lieber Vater, warum willst Du uns so bald verlassen?"

Da schlug Bernward die Augen auf und sprach i mühsam:

„Liebe Brüder, ich will Euch nicht verlassen, Wenn ich schon meinem Leibe nach von Euch ge­

schieden bin, so werde ich dem Geiste nach stet» bei Euch sein "

Der junge Benno aber, welcher vor allen Andern wahrnahm, welche große Beränderunq mit bem ge­liebten Großoheim vorgegangen wat, fing bitterlich zu weinen an, unb bis anderen Edelknaben folgten so­gleich seinem Beispül.

Da richtete Bernward sich empor, faltete die Hände und betete:

„Diesen Kindern gib, 0 allmächtiger Gott, Deine Gnade, daß sie in Deiner Liebe grstärket werden und zu dem Lichte gelangen, welches ewig ist. Gib ihnen, 0 Herr, die Kraft, daß fie dermalS mit Weisheit und Bescheidenheit ihrs Unterthanen im Frieden regieren mögen. Gib ihnen Deinen Geist, also zu leben, daß sie das ewige Reich erlange«.

Benno lag faffungSloS vor Schmerz auf den Knieen unb barg schluchzmd sei« Gesicht in beiben Hände«.

Mit Anstrengung tastete Bernward nach dem Weinende«, löste ihm sanft die Hände und mahnte ihn:

„Du stehst, mein Sohn, daß wir nur durch daS Feuer bet Trübsal zu Gott gelangen, berowegen nimm meine Ermahnung an unb beherzige meine letzten Worte. Fliehe unb verachte bieie W lt wie eine an- strck-nde unb giftige Seuche. Halte Dich allein zu Gott. Damit Du aber dieser leichter auSfÜhren