Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Weilsge pw Wulösrv Leitung.

M 140

Samstag, den 20. Juni 1896.

23. Jahrgang

Sie Sraftn vo« SovMWMrg.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 50] ------- (Nachdruck verboten.)

Heribert folgte der Weisung. Beklommen stieg er die Wendeltreppe hinan. Bangen Herzen» pochte er droben an die Pforte des ThurmstübleinS. Als ihm keine Aufforderung zum Eintreten ward, öffnete er dennoch leise die Thür.

Da saß Hathumod auf erhöhtem Sitze am Fenster- lein; ihr Goldhaar schimmerte in der Sonne. Wie andere Edelfräulein den Stickrahmen, so hatte sie die Staffelei vor sich. In diesem Augenblicke aber ruhten Pinsel und Palette; ihre großen blauen Augen, so blau wie der Himmel selber, schweiften sehnsüchtig hin­an» in die Ferne. Heribert'» Kommen hatte sie über­hört.

Er schaute die Wonnesame eine Weile an. Dann sprach er mit hebender Stimme:

„Gott zum Gruß, Jungfrau Hathumod!"

Da sprang sie aus und that einen Freudenschrei: „Heribert, liebster Seribert! Gott sei gelobt, daß Ihr wieder da seih! Wie für Euch gebetet," so rief die Selbe in der Freude der Wle^-beyS und «lte ifor. entgegen.

Er legte den Arm um die Jungfrau und sah ihr tief in die blauen Augensterne:

„Ihr habt für mich gebetet?"

Sie nickte freudig;

immer!"

Da zog er sie fest an sein Herz, war sie auch ge­schehen ließ, und fragte kühn:

„Seid Ihr mir gut? Wollt Ihr meine liebe Haus­frau werden?"

Sie schlang die Arme um seinen Hal» und flüsterte: „Ach Liebster, wenn der Vater es nur erlaubt." „Er hat schon Ja gesagt!" rief Heribert außer sich vor Glück und drückte einen Kuß auf ihre rothen Lippen.

Graf Tammo und Frau Hilderwitha waren freudig überrascht, al» die Glücksstrahlenden vor sie hintraten, um ihren elterlichen Segen baten und ihnen gestanden, wie lange sie einander schon heimlich geliebt.

Der Segen ward den Kindern nicht vorenthalten.

VIII.

Bernward» Heimgang.

Ihn hat nun als den Seinen Der Herr dem Leid entrückt, Und während wir hier weinen. Ist er so hoch beglückt.

Er trägt die Lebenskrone Und hebt die Palm empor Und singt vor Gottes Throne. Ein Lied im höhern Chor.

Spitta.

Die schönste und bedeutendste Schöpfung Bifchof Bernwards, die herrliche. Sankt Michael geweihte dreischiffige Basilika, stand vollendet da in eigenartiger Schönheit. Auf einem Hügel erbaut, hob sie ihr sechs- thürmiger Haupt majestätisch empor. Da» Innere dieser Tempels drückte große und tiefsinnige Gedanken au». Seine mit Bildwerken geschmückte Decke, Wände und Getäfel, sowie die prachtvoll errichteten Altäre, alles ordnete sich dem großartigen Gedanken unter, der den Erbauer beseelt hatte. Bon dem Hochaltäre herab strahlte das von Bernward eigenhändig geformte Kreuz mit der kostbaren Reliquie.

Nachdem Maurer, Steinmetze, Maler, Erzgießer, ja Kunstbeflissene jeglicher Art unter Bernwards Leitung

während einundzwanzig Jahren an der Vollendung des herrlichen Baues ihre Kräfte geübt und bethätigt hatten, wurde die Kirche zur Ehre des Erlöser», seiner er- habenen Mutter und de» heilbringenden Kreuzes ein- geweiht; sie wurde unter den besonderen Schutz de» heiligen Erzengel» Michael und aller himmlischen Heer- schaaren gestellt. Dar geschah am Feste der heiligen Michael im eintausend und zweiundzwanzigsten Jahre nach der Menschwerdung Christi, im dreißigsten der bischöflichen Amtsführung Bernward».

Herr Bernward selber weihte die Kirche in Gegen­wart der Kardinals Friedrich, als apostolischen Ge­sandten, sowie der Erzbischöfe von Mainz, Magdeburg, Bremen, der Bischöfe von Meißen, Schleswig, Olden­burg, Paderborn, Halberstadt, Naumburg, Merseburg und Verden, desgleichen von siebenundsechzig Prälaten und Aebten, sowie einer großen Volksmenge aus ver­schiedenen Gegenden.

Neben diesem schönsten Bau deS großen Bernward erhob sich da» neuerrichtete Kloster, von den Söhnen deS heiligen BenediktuS aufgebaut. Nach vollbrachter Kirchweihe fetzte der Bischof den Abt Goderam und dessen geistliche Brüder in den Besitz deS neuen Kloster» ein und begab sich sodann all seiner Habe zu Gunsten

Nach erlangter Zustimmung seinks geliebten Brutzerß, deS Grafen Tammo, bestätigte er feierlich sein 93er- mächtniß durch eine Stiftung-Urkunde, wonach die dem Kloster St. Michael geschenkten Güter in nicht weniger bestanden, als in „vierhundertundsechzig Hufen Landes, zehn Zehnten und zchn Mühlen, neunzehn Landgütern, dreizehn Kirchen und einigen Gütern in und um Hildes­heim belegen," überhaupt in allem, was er nach Erb­recht besaß ober durch Kauf erworben hatte, mit Aus­nahme dessen, was er dem Altäre der heiligen Maria im Dom an goldenen Kronen, Kelchen, Leuchtern, Gewändern und anderen kirchlichen Zierrathen über­tragen hatte. Gegen Schluß der Urkunde hieß e»:

„Da aber die Grundlage deS neuen Werkes gelegt war, und schon die einzelnen Räumlichkeiten hervor­traten, da wurde ich, damit nicht etwa durch mein Umherschweifen in der Fremde daS angefangene Werk verschoben würde — Ruhm sei Dir, Christa»! — vom Fieber ergriffen und war siech fünf Jahre lang. Weil aber nicht» auf Erden ohne Ursache geschieht, glaube und verttaue ich zum Herrn, daß er mich züchtigte, aber dem Tode nicht übergab, auf daß nicht durch meine Abwesenheit die Erfüllung meiner Hoffnung verzögert werde."

Die schweren Körperleiden nahm der fromme Bischof voll Dank als ein Zeichen der göttlichen Güte, al» ein willkommenes Läuterungsmittel an. Er wußte ja, daß Gott denjenigen züchtiget, welchen er liebet.

So waren unter Leiden und Mühen die letzten Jahre Bernwards dahinge stoffen. Als er empfand, daß fein Lebensende nahe, so verlangte er, der all seine Habe hingegeben hatte, dem Heilande noch mehr zu g-eichen in Armuth und Entsagung. Darum wollte er sein bischöfliche» Gewand mit dem demüthigen Orden-kleide deS heiligen Benediktu» vertauschen.

Zwischen der Kapelle deS heiligen Kreuzes und der großen Klosterkirche St. Michael hatte Bernward zu Ehren de» heiligen Martinu», dessen Grab er ja zu Tours besucht und von dessen Reliquien er einen Arm erhalten hatte, eine Kapelle errichtet. Am Feste dis heiligen Martinu» ließ er selbige durch Herrn Bischof Ekkehard von Schleswig einweiheu, da er selber sich zu schwach fühlte. Nach geschehener Weihe ließ

er sich in die seinem Schutzpatron zu Ehren errichtete Kapelle geleiten. Allhier nahm er int Beisein aller Mönche und in Gegenwart seines Bruders Tammo und de» Bischof» Ekkehard aus den Händen de» Abte» Goderam da» OrdenSkleid de» heiligen Benediktu».

Nicht large trug er da» Kleid der Weltentsagung. Er wurde von Gott berufen, den Lohn seiner Werke zu empfangen.

E» war an einem trüben Morgen de» Windmonat» am neunten Tage nach Herrn Bernward» Aufnahme in daS Kloster St. Michael, da trat der junge Dom- schüler Benno in die weltferne Zelle seine» verehrten GroßoheimS ein. Er that das allmorgendlich vor dem Besuch der Schule. Benno war der älteste Sproß Heriberths und HathumodS von der Bullenburg. Wie ehedem Heribert der Lieblingsschüler deS Bischofs ge­wesen war, so hegte Bernward nun für dessen Sohn die innigste Neigung. Seit fünf Jahren war Benno der Trost und die Freude de» Greise», dem er alle Wünsche an den Augen abla», ja von dem er schier unzertrennlich war.

Al» heute der Knabe dem Bischof seinen Morgen­gruß bot, da erschrack er. Eine große Veränderung war mit dem Lelie bien Oheim vorgegangen: wie durch-

Wachs erschienen dessen durchgeistigte Züge, ein stiller verklärender Friede lag darüber auSgegoffen.

.Mein Benno, wenn Du mir den letzten Dienst ettoetuT? willst," also Hub der Bischof nach “f""- grüß an, „p? Eile und entbiete Deinen Großvater, meinen geliebten Tammo, hierher; ich weiß, et wem in Hildesheim. Rufe auch meine geistigen Brüder, die Söhne de» heiligen Benediktu», auf meine Zelle und bringe Deine eigenen liebsten Freunde, die Edel­knaben Udo von Hammerstein, Bruno von Isenburg und Hermann von der Mundburg zu mir. Ich fühle den nahen Tod und will vor meinem Ende noch zu Allen reden."

Bon tiefem Schmerz erschüttert willfahrte Benno allsogleich, und gar bald umstanden die Gerufenen dm Lehnstuhl des Scheidenden.

iFortjetzung

Das Beste ist das Billigste. Dies kann mit Recht von Mack's Doppel-Stärke gesagt werden, welche alle nöthigen Glanz- zusätze enthält u. das Plätten ungemein erleichtert. Mack'S Doppel- Stärke ist das vollkommenste aller Stärke-Präparate u. ermöglicht, Kragen, Manschetten, Hemden rc. ohne viel Mühe so schön, wie neu zu plätten. Ueberall vorräthig zu 25 Pf. per Karton von '/«kg.

MMWM

Es 'st eine alte hergebrachte Gewohnheit, des Morgens Kaffee oderTheezutrinken. Man will da- durchdieNerventhätigkeit anregen. Man erzielt aber gerade das Gegentheil. Die Nerventätigkeit wird wohl auf kurze Zeit gereizt — bei starkem Kaffee sogar über­reizt — dem Reiz folgt aber die Erschlaffung. Ein schwächlicher Körper und überhandnehmende Nervosität sind denn auch die Attribute unserer heutigen Generation. Als ein Zdeal-NahrungS- mittel kann daher ein reiner Kakao, wie er von der Kakno- Bersandt Compagnie Theodor Reichardt in Halle a. S. in unübertroffener Güte und Preiswürdigkeit auf den Markt gebracht wird, angesehen werden. Kakao gibt nicht nur den Nerven eine leichte Anregung, sondern er führt auch dem Magen neue, nährende Stoffe zu. Alle Menschen, die Reichhardt schen Kakao noch nicht kennen gelernt haben, erhalten auf Verlangen Koftprobenpacket Nr. 2

umsonst und franko.

In Berücksichtigung der besonderen Güte und Preiswürdig­keit ist der erwähnten Firma die alleinige Lieferung von Kakao für die Abtheilung für Volksernährung auf der Ber­liner Gewerbe-Ausstellung überttagen worden.

Gerichtliche Versteigerung. Montag de« 22. Juni er., Vormittags 10 Uhr werde ich in Tann:

1) Möbel und Hanshaltungs- Gegenstände,

2) Waarenbestände,

3) 1 Apfel- n. Ruukelmühle, 4) 1 Kuh

sowie noch verschiedene andere Gegenstände

öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung versteigern.

Kaufliebhaber wollen sich in der Gastwirthschastzur „Krone" versammeln.

Der Verkauf findet voraus­sichtlich statt.

H i l d e r S, den 19. Juni 1896.

Pippart, Gerichtsvollzieher.

Eine kleinS

I Hüttner-Anwesen in der Nähe Fuldas, Hau» und Scheuer mit Nebenhaus sowie 2 Ui Acker Land, ist sehr preis- werth zu verkaufen. Reflektanten wollen sich unter 8. 793 in der Expedition der Fuld. Ztg. melden.[1818

Thonrohre

zu Abort- und Wasser-Anlagen,

Backofenplatten,

DrainirröHren

in großer Auswahl. [365

Leopold Traut, _________Bahnhofstraße, Fulda. Doppelte Buchführung!

Vj Gründlichen Unterricht — auch für Damen. — Hugo Schmidt,

W Schulstraße 191, Fulda.

usverkauf!

2 MwW-Wei Ci« Lchmllllgkskllk

i

6

8

10

h rt ft ft

rt ft

ff ff

ff

ff ff ff

finden dauernde Beschäftigung.

K. Lammeyer, Fulda.

wird gesucht von [1862

F. ciewing. Fulda.

ältere Regenmäntel

zu 2, 3 und 4 M.

Carl Künstler, Fulda.

Regen-Mäntel mit Kragen

farbige Krage«

schwarze „ „ 6 . „

farbige und schwarze Kleiderstoffe

zu bedeutend reduzirten Preisen,

IW* Wege« vorgerückter Saison verkaufe ich: schwarze Frühjahr-Jaguettes von 8 M. an farbige Regen-Paletots

Wohnung, 2 Zimmer, Mche und Kammer mit Zubehör zu verrniethen. 1750s Kanalstr. 21, Fulda.

Portland -Cemeut

in stets frifcher Waare,

roth und glasirt, Il'urpl'crLten, Aach- und Isottrpappe, Holeltielen, Latten, Stollen, nnche Kretter ii ult« Sorte» äußerst billig. [364

Leopold Traut,

Ecke der Bahnhofstraße, Fulda.

Eine freundliche Wohnung auf sofort zu verrniethen. [1852 Edelzellerstr. 72, Fulda.