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Samstag, den 20. Jwi 1896.
23. Jahrgang
Erscknnt täglich So«, und Friertag« ausgenommen. - Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Juierate kosten die emspaltrge Garmondteile oder deren Raum 15 Pi., Reklamen die Petitzeile 25 Pf,, bei Wiederholungen entfprechender Rabatt.
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mit Unterhaltung» Keilage „Sterne und Klumeu".
| Vor Allem aber ist ei der Bauernstand, der
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Wedenheit und Aufopferung. Unerschrocken wird sie jederzeit, wie bisher, für Kirche und Vaterland, für Thron und Altar den Kampf gegen die verderblichen Umsturzbestrebungm aufnehmen, die sich in unseren Tagen überall Boden zu verschaffen suchen.
Besondere Aufmerksamkeit widmet die .Fuldaer Zeitung der christlichen Schule. In Ueberein-
Ueber die parlamentarischen Verhandlungen im deutschen Reichstage wie im preußischen Landtage bringt die .Fuldaec Zeitung' gleich am folgenden Tage übersichtliche Orrginal-Berichte. In gleicher Weise berichtet sie rasch und zuverlässig über alle wichtigen Ereignisse im In- unb AuS lande. Durch zahlreiche Mitarbeiter auS fast allen größeren Orten ihres Verbreitungs-Bezirkes ist die »Fuldaer Zeitung' in den Stand ges tzt, alle bedeutenden Borkommmsse in Stadt und Land rasch zurKennt-
Nicht minder wendet die .Fuldaer Zeitung' den Interessen der Bürger-, Handwerker- und Arbeiterstandes ihre Aufmerksamkeit zu. In der heutigen Zeit, wo der nackte Materialismus und der fr affe Egoismus die einzelnen Klassen immer mehr von einander trennt, fällt der christlichen Presse die Aufgabe zu, im Sinne der auSgleichenden Gerechtigkeit die Grundsätze bei ChristenthumS im öffentlichen Leben zur Geltung zu bringen.
mit Muth und Entschiedenheit zu wahren und zu vrr- theidigen.
Hierzu eine KeUage
Am 16 d. MtS. stellte Dr. Lieber den Antrag, die abgel hnte Forderung für Wiesbaden nachträglich doch zu genehmigen, worauf eine längere Diskussion entstand, über welche wir, da solche für unsere Stadt ' und Umgegend von Interesse sein dürfte, auf Grund der stenographischen Berichte wenigstens da« Haupt- sächlichste berichten wollen:
Neue Kasernen.
Die Frage der neuen Kasernenbauten beschäftigte, wie unseren Lesern bekannt, am vergangenen Dienstag den 16 d. Mts. aufs Neue den Rnchstag. Bekanntlich hatte die Budgetkommisfion in Folge der schon früher gemeldeten Ausführungen des Abgeordneten Müller-Fulda jede Neubewilligung für Kasirnen« bauten in der Provinz Hessen-Nassau abzelehnt, nachdem solche zunächst nur für Wiesbaden angefordert worden u ar, über die anderen GarnisonSorte indessen vorerst nicht entschieden werden sollte.
stimmung mit der gesammten CenttumSpress: hält sie fest an der Forderung eine- christlichen BolkS- schulgesetzeS, sie tritt ein für die Rechte der Kirche und der Eltern auf die Erziehung der Kinder, sie »er« theidigt die katholischen Lehrer vereine gegen die Angriffe böswilliger Gegner und forbert für die kathol. Lehrer dieselben Rechte, welche den anderen zugestanden werden. Die Würde und das Ansehe» deS Lehrerstandes zu stützen und zufördern, ist für die .Fuldaer Zeitung' eine um so angenehmere Aufgabe, als viele katholischen Lhrcr — besonders auf dem Lande — bis auf den heutigen Tag ihr eine thatkräftige Unterstützung durch eifrige Mitarbeit angedeihen lassen.
ist das einzr e c.s^meiwe Blatt der Diözese j Fulda mit klar ausgesprochenem katholischem Cha« \ rakter. Sie vertritt die Interessen der katholischen ' Kirche und deS katholischen Volkes mit Ent- ;
Dr. Lieber begründete sri"cn Antrag wie folgt: Meine Herren, ich erlaube mir, den Antrag zu stellen, die Forderung der Vorlage für den Neubau einer Kaserne nebst Zubehör und Ausstattungsergänzung für ein Jnfanteriebataillon in Wiesbaden, erste Rate, mit 300000 Mark wieder herzu» stellen beziehungsweise zu bewilligen. Die drei Bataillone des nassauischen Infanterieregiments Nr. 87 sollen in Mainz, wo der Standort des Regiments ist, wieder vereinigt werden, und ebenso könnte für das von Hanau zu entfernende zweite Bataillon des Infanterieregiments Nr. 80 außer Wiesbaden mit seinem hier vorgeschlagenen Neubau nur noch Mainz mit den Räumen der alten, sehr ungesunden Reduitkaserne in Castel in Frage kommen. Diese Kaserne liegt dicht am Rhein und ist dadurch und durch den inzwischen vorgenommenen Neubau des Bahnhofs und die Aufschüttung eines hohen Zufahrtsdammes von diesem Bahnhof auf die neue feste Rheinbrücke zu Castel von beiden Seiten dumpfig und so ungesund geworden, daß sie seit langen Jahren als Herd ständiger Typhuskrankheiten gefürchtet ist, und wir im Interesse unserer Soldaten und insbesondere ich als Bertteter eines nassauischen Wahlkreises im Interesse der Soldaten auS Nassau, die im 87er Regiment stehen, dringenden Anlaß haben, degegen Stellung zu nehmen, daß diese Mannschaften in die Reduittaserne neuerdings verlegt werden.
AuS diesen Gründen, sowohl wegen der befieren Zusammenlegung wenigsten? zweier Bataillone des Infanterie-Regiments
Feuilleton nur gute fittenreiue Erzählungen, bie • jeder christliche Vater und Erzieher ohne Gefahr auch - den heranwachfenben Söhnen unb Töchtern zu lesen ! gestatten barf. Für das folgende Quartal ist eS i uns gelungen, wiederum vortreffliche Arbeiten von den i beliebten Schriftstellern v. Neidcgg und C. Borges für unser Feuilleton zu erwerben.
So bietet die ,Fuldaer Zeitung' ihren Leser» Alle«, war man billiger Weise von einem katholischen Provinzialblatte erwarten darf, und vir dürfen daher wohl erwarten, daß wir keine Fehlbitte thun, wenn wir unsere Freunde in Stadt und Land ersuchen, nicht nur selber uni treu zu bleiben, sondern uns neue Freunde zu erwerben. Je mehr L ser, desto mehr und desto Bessere« kann ein Blatt leisten. Der billige Preis (1.50 Mk. pro Quarta!) ermöglicht es auch dem Minderbemittelten, die,Fuldaer Zeitung' zu halten.
Jede Postanstalt, alle Postboten unb Zeitung-träger nehmen Bestellungen entgegen
halten und lesen soll. Der hl. Vater, die Bischöfe und Priester betonen e« immer wieder, daß e« eine h eilig e Pflicht der Katholiken sei, die katholische Presse zu unterstützen. In gleicher Weise wird auf den Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands stets diese Pflcht dem katholischen Volke von Neuem eingeschärst. So lautete z. B. eine Resolution, die auf der Katholikenversammlung in Köln im Jahre 1894 beschlossen wurde: „DaS katholische Volk möge sich immer wieder ins Bewußtsein rufen, daß eS nur durch Unterstützung und Förderung $ der entschieden und ausgesprochen katholischen Presse j möglich sein wird, in Zukunft auch die Bertheidigung i der Rechte unserer heiligen Kirche durchzuführen, welche \ für unS al« Katholiken wie al« Staatsbürger unumgängliche Nothwendigkeit ist." — Eifrige Mitarbeit und Unterstützung der guten Sache ist daher Pflicht eine« jeden echten und rechten Katholiken. In dieser Hinsicht bleibt leider immer noch viel zu wünschen übrig, namentlich von solchen Leuten, die vorzugsweise zum Nörgeln sich berufen fühlen.
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, verdimt. Die Nothlage der Landwirthschaft | bat einen solchen Umfang angenommen, daß auch das \ blödeste Auge sich nicht mehr der Erkenntniß verschließen kann, daß durchgreifende Maßregeln getroffen werden müssen, um diesen wichtigen Stand vor dem völligen (S’itt neues ültaHal i Ruin zu retten. Die .Fuldaer Zeitung' ist durch ,. „ . . ...... „ i tüchtige sachkundige Mitarbeiter in den Stand gesetzt,
steht vor der Thure, und damit tritt an a«e Manner i allen dahin zielenden Bistrebungen mit offenem Auge
welche Zntung sie für da« ■ zu folgen; sie wird nach wie vor eS sich besonder«
«»Vierte-sahr bestellen wollen. Er mag viel- . angelegen sein lassen, die Interessen des Bauernstandes
leuht Mancher da denken oder sagen: .Der Sommer t mit Muth und Entschiedenheit zu wahren und zu ver- beginnt jetzt und da brauche ,ch ferne Zeitung; ich ’ habe doch keine Zeit zum Lesen." Wir wissen sehr wohl, daß der Landmann zur Erntezeit nicht über viel freie Zeit zu verfügen hat, aber ein Viertel- stündchen darf sich doch ein Jeder am Abende gönnen, um sich zu erkundigen, wai in der nahen und weiten Welt vorgeht. DaS muß heutzutage Jedermann toi ff m, der über etwas mitsprechen will. Und wenn es nicht am Werktage geschehen kann, so soll eS wenigstens an Sonn« und Festtagen geschehen; da hat man genügend
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_ »vohl mch. mehr auseinandergesetzt zu z niß ihrer Leser zu bringen. Dabei bringt sie im
werden, daß ein Katholik ; ~. ..... ~ "
Nr. 80, als auch wegen der Verhütung der Unterbringung des dritten Bataillons deS nassauischen Infanterie-Regiments Nr. 87 und des zweiten Bataillons von Nr. 80 — die beiden Bataillone müssen aus Hanau gezogen werden, um bort Platz zu machen für ein neues Regiment von zwei Bataillonen —, bitte ich dringend, die von der Kommission abgelehnte Forderung für Wiesbaden zu bewilligen und damit der angemessenen Unterkunft sowohl des zweiten Bataillons des Regiments Nr. 80 in Wiesbaden als des dritten Bataillons des nassauischen Regiment- Nr. 87 in Mainz die Wege zu bereiten.
Ihm antwortete zunächst Abg Werner (Hünseld- Hersfeld-Rotenburg):
Meine Herren, ich bitte, es bei den Beschlüffen der Budgetkommission belassen zu wollen. Es ist gewiß sehr anerkennens- werth, daß Herr Dr. Lieber als Vertreter eines nassauischen Wahlk eises für Wiesbaden eingetreten ist. Ich wundere mich aber einigermaßen, daß der Vertreter von Wiesbaden, Herr Koepp, es nicht einmal der Mühe werth hält, bei einer so wichtigen Frage für die Stadt Wiesbaden hier zu erscheinen. In der Budgetkommission hat man von verschiedenen Seiten mit Recht großes G wicht darauf gelegt, daß gerade kleinere Otte mit Garnisonen bei den Neusormationen bedacht werden sollen. Man hat in erschöpfender Weise die Gründe, die hierfür sprechen, auch angeführt. Ich meine, daß vor allem die Militärverwaltung sich bemühen sollte, möglichst billig zu bauen, und das ist ja auch das Bestreben des Herrn Kriegsministers. In der Budgetkommission sind drei kurhessische Städte genannt worden, die unter großen Opfern bereit sind, Garnisonen zu nehmen, Fulda, Rotenburg und Rinteln. Ich als Bettreter des Wahlkreises Rotenburg-Hersfeld-Hünfeld werde zunächst für Rotenburg eintreten. Die Stadt Rotenburg hat sehr große Einbußen zu erleiden gehabt, und die schwerste war wohl die, als ihr die Garnison im Jahre 1889 genommen wurde; später wurde auch das Bezirkskommando von Rotenburg nach Hersfeld verlegt. Die Stadt Rotenburg ist zu großem Entgegenkommen bereit; sie ist bereit, Grund und Boden unentgeltlich an den Militär- fiskus abzutreten, auch noch vielleicht für weitere Opfer zu haben. Ich glaube ganz bestimmt, daß man seitens der Militärver- waliung auch bereit sein wird, eine kleine Stadt zu berücksichtigen, um den Bewohnern derselben einigermaßen Ersatz zu bieten und um auch der Bevölkerung auf dem platten Lande etwas in ihrem Erwerb zu helfen. Die Stadt Rotenburg hat durch ihren Bürgermeister Herrn Wetzell eine ausführliche Petition an den Herrn Kriegsminister und den Herrn Reichskanzler eingereicht und gebeten, daß einer Deputation eine Audienz gewähtt werden möge. Ich hoffe, daß der Herr Kriegsmimster bei der Neuformation der Bataillone in erster Linie die kleinen Städte, besonders Rotenburg a. F., berücksichtigen wird, da Herr v. Bron- satt in der Budgetkommission gesagt hat, daß er kein prinzipieller Gegner kleiner Garnisonen sei.
Ich bitte also, die Forderung für Wiesbaden gemäß den Beschlüssen der Budgetkomission ablehnen und der Stadt Rotenburg bei der Neuformation ein Bata llou geben zu wollen.
Dirfern schloß sich Abgeorbr-eter Müller -Fulba wie folgt an:
Ich möchte noch einmal kurz diejenigen Erklärungen hier Vorbringen, die bereits in der II. Kommission gegeben worden sind anläßlich der Frage der Neukasernirung der neuen Bataillone im Bereiche des XI. Armeekorps. Damals war die Rede davon, daß nur für ein einziges dieser Bataillone eine neue Kaserne gebaut werden solle, und zwar zu Wiesbaden; für die übrigen wurde vorläufig noch keine Bestimmung getroffen. Wir haben deshalb die neue Kaserne für das eine Bataillon in Wiesbaden abgelehnt, nicht etwa aus Animosität gegen die Stadt Wiesbaden ober aus irgend welchen anderen Rücksichten der Kaser- nirungsfrage, sondern aus der Rücksicht, daß man überhaupt bie Verhältnisse des XI. Armeekorps zuvor geregelt wiflen wollte. Man wollte diese Angelegenheit nicht Stück für Stück bebandeln, so daß man schließlich in anderen Städten nur das Nachsehen hätte, sondern im ganzen Bereich des XL Armeekorps wollte man solche g l e i ch z e i t i g geregelt sehen. Meine Herren, die ehemaligen kurhessischen Otte, namentlich Rotenburg, Fuldy, Rinteln, haben von Alters her auch Garnisonen gehabt; diese sind ihnen nach 1866 allmächtig entzogen worden. Die kleinen Städte haben dadurch einen wesentlichen Nachtheil gehabt, aber nicht allein die Städte, sondern auch das flache Land, das in der Umgegend der Städte liegt; denn bekanntlich haben die Landbewohner auch Bortheil von der Garnison: sie liefern dahin, für ihre Produkte, die ihnen da abgekauft werden, schafft man durch die Garnison vermehrte Konsumtion. Die Belegung der Ottschaften kommt also dem platten Land auch zu statten.
Nun haben wir den Wunsch ausgesprochen, daß wenigstens diejenigen Städte berücksichtigt werden sollen, die sich Bereit erklärt haben, für die Garnison Opfer zu bringen, wie die Stadt Rotenburg, die ihr Schloß zur Verfügung stellt, die sich auch bereit erklätt hat, es auf eigene Kosten zu erhallen, die Stadt Rinteln, die sich bereit erklätt hat, eine Kaserne für zwei Bataillone zu bauen, und Fulda, das sich bereit erklärt hat, einen Bauplatz zu schenken. Andere Städte haben gar nichts geleistet und werden begünstigt.
Meine Herren, hier handelt es sich nicht allein um eine militärische Frage, sondern auch um finanzielle Interessen deS Reichs. Wenn b'er Hundetttausende und Millionen auSgegeben werden sollen, die doch von anderer Seite freiwillig angeboten werden, so könnte man auch in Erwägung ziehen, was die drei Städte geboten haben, und was Wiesbaden dagegen bietet. Der Vertreter von Wiesbaden, der Herr Kommerzienrath Koepp, tat es nicht einmal für erforderlich gehalten, heute hier im Reichstag zu erscheinen; dagegen haben mir and re Herren von dort gesagt: an der Kaserne liegt uns gar nichts.
Ich möchte Sie bitten, diese Frage einer eingehenden Erwägung zu unterziehen, und halte eS für besser, sie auf einen weiteren Etat zu verschieben, wo wir erst prüfen können, ob die