139 Freitag, den 19. Juni 1896. 23. Jahrgang
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Einweihung des Kaiser Wilhelm- Denkmals aus dem Kyffhäuser.
Auf dem Kyffhäuserberge wurde am Donnerstag da? von den Kriegervereinen dort errichtete Kaiser Wilhelm-Denkmal enthüllt. Der Feierlichkeit wohnten von deutschen Fürstlichkeiten bei der Kaiser. Prinz Leopold von Bayern, Prinz Friedrich August von Sachsen, der König von Württemberg, der Groß- Herzog von Baden, Prinz Wilhelm von Hessen, Herzog Heinrich von Mecklenburg - Schwerin, der Großherzog von Sachsen-Weimar mit zwei Enkeln, der Ecbgroß- herzog von Mecklenburg-Strelitz, Prinz Friedrich von Sachsen-Meiningen, der Erbprinz von Sachsen-Koburg und Gotha, der Erbprinz von Anhalt, der Fürst von Schwarzburg-SonderShausen, der Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt, Prinz Sizzo von Leutenberg, der Fürst von Waldeck, der Erbprinz von Reuß jüngere Lime, der Fürst zu Schaumburg - Lippe, der Prinzregent von Lippe-Detmold, der Fürst von Hohenzollern, ferner die drei präfidirenden Bürgermeister von Bremen, Hamburg und Lübeck. Auch der Reichskanzler Fürst Hohenlohe war zur Feier erschienen.
Vertreter von Kriegervereinen waren gegen 16000 an Zahl aus alle» Theilen des Reiches eingetroffen. Der Vorsitzende des Denkmal» - Ausschusses, General z. D. v. Spitz, begrüßte den Kaiser mit einer Ansprache, in der er den Denkmalsbau als einen mäch- tigm Markstein einer gottgesegneten Zeit bezeichnete, der BölkerfrühlingS, welchen Kaiser Wilhelm I. den deutschen Landen gebracht habe. L Z
Die Festrede hielt der Schriftführer des Denk- malaurschusfes, Professor Dr. Westphal-Potsdam. Die Antwort des Kaisers auf die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
„Freudig bewegte» Herzens stehe ich mit meinen erhabenen Bundesgenossen heute in Ihrer Mitte, um dem Denkmale die Weihe zn geben, welche» Hunderttausende von alten Kriegern aus allen Gauen Deutsch- land» in eiumüthigem Zusammenwirken dem Andenkm an meinen erhabenen Herrn Großvater, der Kaiser» und Königs Wilhelm I. Majestät, auf diesem sagenumwobenen Berge gewidmet haben: der würdige Schlußstein für die Gedenkfeier der SiegeStage der großen Krieges.
Ich danke Allen, welche dieses unvergleichliche Werk erdacht, gefördert und vollendet haben, an erster Stelle dem durchlauchtigsten Landesherrn, welcher es unter seinen besonderen Schutz zu stellen geruht hat.
Ich weiß, daß die Erinnerung an den großen Kaiser von denen bis zum letzten Athemzuge heilig gehalten werden wird, welche seinen sieggekrönten Fahnen folgen und mit ihm für die Einigung de» geliebten Vaterlandes Leben und Blut einsetzen dursten. Solcher Gesinnung ist die» Denkmal ein unvergänglicher Wahrzeichen; die ihm zugewiesene Aufgabe ist aber eine noch höhere, edlere: den kommenden Geschlechter» soll es ein Mahn-
Dir Grase« von Lmmkschknbmg.
Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 49] ------- (Nachdruck verboten.)
„Dazu sage ich Amen!" fügte Herr Thangmar hinzu. Seine Augen glänzten in freudiger Rührung:
«Herr Ekkehard, als ich unfern erlauchten Kaiser in feiner Majestät inmitten der zwölf Bischöfe da stehen sah, al» ich mir sagte, dieser fromme und gerechte Herrscher der Deutschen Reicher und vier dieser hohen kirchlichen Würdenträger: Herr Bernward von Hildesheim, Herr Ekkehard von Schleswig, Herr Benno von Oldenburg, Herr Meinwerk von Paderborn, diese ausgezeichneten Männer alle find aus unserer Hildesheimer Domschule hervorgegangen, da schwoll mir das Herz in freudigem Srolz, in innigem Dank gegen Gott."
Bischof Ekkehard sprach warm:
„Nächst Gott danken wir Euch, die wir al» Schüler zu Eueren Füßen gesessen haben, daß wir zum Guten erzogen und in den Wissenschaften gebildet wurden."
Die Frage aber, so ihm von Heribert nicht beantwortet war, hatte er nicht vergessen:
„Wo blieb unser Herr, wo bleibt Ihr so lange noch dem glücklich beendeten Feldzuge?" forschte er nun.
-eichen fein, einig und treu zu bleiben in der Hingebung an Kaiser und Reich, an Fürst und Vaterland; festzuhalten an Dem, wa» da» Vaterland groß gemacht hat; Deutschland» Ehre und Wohlfahrt höher zu stellen al» alle» irdische Gut. |
Wenn in dem deutschen Volke der Geist lebendig bleibt, au» dem diese- Denkmal erschaffen ist — und dazu erflehe ich den Segen de» Allmächttgen —, dann wird das Vaterland allen Stürmen, welche die Zukunft heraufführen mag, mit unerschütterlichem Vertrauen entgegensetzen können, dann wird auch das heute ausgerichtete Wahrzeichen die Frucht tragen, welche seine Stifter erhofft und eriehnt haben.
Mit wahrer Befriedigung habe ich da» erneute Treugelöbniß meiner alten Krieger entgegengenommen, von denen ich weiß, daß ihnen der Wahlspruch „Mit Gott für Kaiser und Reich" kein leerer Schall ist. Möge solche Gesinnung die Kriegervereine durchdringen bis in die fernste Zukunft und herauSgetragen werden au» ihnen in di- weitesten Kreise des Volkes.
Möge eS dem deutschen Volke nie an Männern fehlen, welche in Treue, Opferwilligkeit und Vaterlandsliebe denen gleichen, welche dem großen Kaiser dienen und dadurch zur Vollendung seines Lebens- Werkes, der Wiederaufrichtung des Reiche», Mitwirken durften. Das walte Gott."
Fürst Günther zu Schwarzburg übergab darauf das Denkmal der Oeffentlichkeit und brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Die Festversammlung sang darauf „Heil Dir im Siegerkranzl", während 101 Salut- schlisse von der gegenüberliegenden Bergwand herüber- schallten. Den Schluß der Feier bildeten die Befich- ttgung und Vorbeimarsch der Kriegervereine. Bald darauf zog sich ein Gewitter zusammen; al» der Kaiser und die übrige» Fürstlichkeiten in Ratsfeld ein- getroffen waren, fiel heftiger Regen.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Juni.
* Fürst Hohenlohe gibt am Montag eine parlamentarische eoitee, bei gutem Wetter im Garten de» Reichskanzlerpalais.
* Frhr. v. Marschall gab am Donnerstag zu Ehren Li-Hung-Chang'S ein Frühstück, an dem auch der Kriegsminister und Admiral Hollman» theil- »ahme».
* Reichsfceiherr von Talwigk-Lichtenfels, früher Centrum»-Abgeocdneter, ist am 16. d. M. Nachmittag, 66 Jahre alt, gestorben. Freiherr v. Dalwigk war am 18. Februar 1830 geboren, widmete sich zuerst \ dem Offizierstande bis 1860. Da» nächstfolgende ■ Jahr diente er in der päpstlichen Armee, wo er unter ; Samoricere den Feldzug mitmachte und den Sregorius- ; Orden erhielt. 1866 und 1870 war er als Delegirter ] bet rheinisch-westfälischen Maltesergenossenschaft bei der l freiwilligen Krankenpflege thätig. Er war Mitglied i
Thangmar zögerte eine Weile mit der Antwort. i Dann entgegnete er bedächtig:
»Ich darf'- Euch wohl sagen, da Herr Bernward glücklich heimgekehrt ist, er verheimlichte den ©einigen da» Vorhaben au» Furcht, er möge ihre Thränen nicht ertrage» tonnen. — Rach den Gebeinen des heiligen Martin»» zu Tour» unternahm Herr Bernward mit uns, seinen Begleitern, eine Wallfahrt, so er lange schon gelobt hatte. Za Paris bliebm wir eim'ge Tage beim Grabe des heiligen Dionysius. Wir besuchte» die heiligen Orte und mein Bischof opferte fich mit großer Zerknirfchung des Herzens ganz dem ; Herrn. Von da ritten wir nach Toms. Wir hatten \ auf dem Wege uns von Seiten des Frankmkönig» - Robert vielfacher Aufmerksamkeit zu erfreuen. In der j Stadt TourS verblieben wir eine Woche. Es war rührend zu sehen, wie unser Herr vor seinem treuen | Schutzheiligen täglich viele Thränen für seine und der - Seinen Sünden vergoß. König Robert und die | Bischöfe ehrten ihn durch die kostbaren Reliquien von - de» heiligen Rartinu» Körper, obgleich e» sonst schon für etwas Große» erachtet wurde, das kleinste Stückchen von der Kleidung des heiligen Bekenner» zu erlangen.
Unter den Segnungen Aller traten wir die Rück- reise an. Wir verweitten wiederum einige Tage zu Paris, allwo Herr Bernward streng den gewohnten Hebungen des Gebete» oblag Hier empfing er aber«
des Reichstages seit 1878, des preußischen Abgeordnetenhäuser seit 1881 und des rheinischen Provinziallandtages seit 1883. Gesundheitsrücksichten zwange» ihn in letzter Zeit, sich vom politischen Leben zurückzuziehen. Er war ein treue», eifrige» Mitglied der Centrumrpartei und ein ritterlicher Kämpe für die Rechte und Freiheiten der hl. katholischen Kirche in Deutschland. E. I. P.
ti Zum dritte» Male i» dieser Woche, und zwar an drei Tagen hinter einander, angesichts der Aufgabe, da» Bürgerliche Gesetzbuch noch rasch zu erledigen, hat sich der Reichstag am Donnerstag al- beschlußunfähig erwiese». Allerdings waren am Donnerstag 3 Abgeordnete mehr anwesend (184), al- am Mittwoch und 8 mehr al- am Dienstag, aber wenn am Freitag nicht wenigsten- noch 15 Abge- ordnete zu der al- sicher zu betrachtenden Abstimmung über einen Antrag auf Vertagung bis zum Herbst zur Stelle sind, fo erlebt die Welt da» unerfteuliche Schauspiel, daß der deutsche Reichstag nicht in die Berathung des Gesetzbuchs eintreten kann, weil mehr als die Hälfte feiner Mitglieder kein Interesse an dem baldigen Zustandekommen dieses Werkes hat oder annimmt, daß es damit noch recht gut Zeit ist bis zum Herbste. Die hoffnungsvollsten unter den begeisterten Anhängern de» Gesetzbuchs glauben freilich noch immer, daß eS gelingen werde, in etwa 8 Tagen mit Allem fertig zu werde». Andere Leute aber sind der Meinung, daß der Reichstag noch viel eher nach Haufe gehen werde, und zwar ohne das Gesetzbuch erledigt zu haben. Run, am Freitag wird man ja ziemlich klar sehen, warte» wir'S also ab!
* Der Entwurf des neuen Handelsgesetzbuches ist auf Grund der Berathungen, die über ihn mit Vertretern de- Handels und der Industrie, mit angesehenen RechtSverständigen und mit Vertretern der Landwirihschaft stattgefunden haben, im Reichsjustizamt einer Umarbeitung unterzogen und nunmehr nebst einer erläuternde» Denkschrift den Bundesregierungen mit dem Ersuche» um Prüfung und Arußerung übrrfandt worden. Im Herbste wird dann der Entwurf voraussichtlich an den BundeSrath gelangen. Um auch weiteren Kreisen Gelegenheit zur Geltendmachung von Wünschen und Ausstellungen zu geben, wird, wie die ,Rordd. Allg. Ztg/ mittheilt, eine für de» Buchhandel bestimmte amtliche Ausgabe veranstaltet, die in einigen Tagen hier bei der Guttentag'schen Verlagsbuchhandlung erscheinen soll.
* Die AuSsühruugsbesttmmuugeu zum ueue« ; Zuckersteuergesetz, soweit sie die erste Rontingentirung ! betreffen, sind bereit- fertig gestellt. Was den übrigen Theil der genannten Bestimmungen betrifft, soll es, den ,Berl. Pol. Nachr.' zufolge, in der Absicht de- Staatssekretärs de- Reichsschatzamtes, Grafen Posa- dowSky, liegen, Sachverständige au- der Industrie und Landwirihschaft zu berufen und mit ihnen die neuen Vorschriften zu berathen. Diese Besprechungen dürften mals von dem König Robert und den Bischöfen heilige Pfänder von Sankt Dionysius und seinen Genossen. Dann setzten wir von Segenswünschen begleitet unsere Reise fort in die deutsche Heimath.
In Aachen endlich machten wir Rast. Doriselbst erwartete der Kaiser sehnlichst unsere Heere; er empfing un» auf das liebevollste
Hier am Grabe seine» so früh dahingeschiedenen OttoS betete Bischof Bernward lange und inbrünstig für dessen Seelenruhe.
Kaiser Heinrich wünschte, daß unser Herr ihn nach Frankfurt begleite, wohin er eine Synode beschieden harte, weil er nämlich mit dem Plane umging, in feiner Stadt Bamberg einen neuen Bischofssitz zu errichten.
Obgleich Herr Bernward selber, wie wir Alle, eine schnelle Heimkehr wünschte, fo weigerte er fich nicht, durch unverzügliche» Gehorsam den Kaiser zu ehren. Wir fuhren nach Frankfurt, und Herr Bernward gab allda gleich den übrigen Bischöfe» seine Zustimmung zur Errichtung des neuen BiSthumS.
Nun endlich heimgekehrt, liegt uns nichts Weiteres ob, als die mitgebrachten Reliquien an einem Otte beizusetzen, wo sie würdig verehrt werde» können." Also schloß Herr Thangmar seinen Bericht.
Inzwischen war Heribert freudigen GemücheS nach der Sommerschenburg geritten und war doriselbst mit