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,HS 135 Montag, den 15. Juni 1896. 23. Jahrgang

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mit Unterhattrrngs-Keilage „Sterne und Kinmen".

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X Die Arbeit unserer Parlamente.

Sowohl der Reichstag als dar preußische Abgeord» netenhuu», der Reichstag auch in sernen Kommissionen, hatten in den letzten Tagen schwerwiegend» Entscheidungen zu fällen. Im Reichstage hat die Novelle zur Gewerbeordnung noch in dritter Lesung viel Mühe gekostet, und gar leicht hätte überdies alle auf­gewandte Mühe vergeblich sein können, wenn nämlich bei den vielen namentlichen Abstimmungen sich die Beschlußunfähigkeit des Hauser ergeben hätte. Doch zum Glück waren stets die zur Beschlußfähigkeit erforder­lichen 199 Abgeordneten und auch noch ziemlich viel mehr zur Stelle. ES hat nach der Rede de» Prinzen Hohenlohe, der sich in einem elsässischen Wahlkreise zum Abgeordneten hat wählen lassen, als sein Bater, der jetzige Kanzler, noch Statthalter in den ReichSlanden war, Leute gegeben, welche die Hoffnung hegten, das Gesetz werde, auch wenn eS im Reichstag zu Stande komme, an dem Widerspruch der BundeSrathS gegen die ReichStagSbelchlüsie scheitern» weil nämlich der Prinz, der mit seiner Rede gegen die angeblich zu weit gehenden Bestrebungen deL CentrumS und der Mehrzahl der Konservativen den Beifall der Linken gewann, dabei im Auftrage seiner BaterS, des Reichs­kanzlers, zu handeln schien. Das Letztere mag ja auch wohl der Fall sein, aber der Zweck, den Fürst Hohen­lohe mit dem Borschicken seines Sohnes verfolgte, war sicherlich nicht der gleiche, wie die Absicht der Linken; diese möchte am liebsten da» ganze Gesetz zu Fall bringen, der Reichskanzler aber will es zu Stande bringen und konnte daher nur bezwecken, den Reichstag in dem Sinne beeinflussen zu lassen, daß die Beschlüsse der Reichstags sich nicht allzuweit von der Regierungs­vorlage entfernten.

Es handelte sich ja hier auch um schwierige Fragen, die mit Schlagworten nicht zu lösen sind; eS ist ganz gewiß leichter und bequemer, sich au dar schöne Schlag­wort von der „Gewerbefreiheit" zu halten und die Hände in den Schooß zu legen, alr sich zu bemühen, den einzelnen Mißständen auf gewerblichem Gebiete abzuhelfen und den Schwachen beizustehen, ohne doch weiter zu gehen, als wirklich nothwendig ist. In diesem Geiste, der freilich der „liberalen" Auffassung vom Staat als Nachtwächter schnurstracks zuwiderläuft, isi dar Centrum immer thätig gewesen, und die Konser­vativen und sogar die Nationalliberalen, wie auch, wenngleich etwa- zaghaft, die Regierungen haben sich dieser „Mittelstandspolitik" mehr und mehr angeschlossen. Die Schwierigkeiten und die daran» entspringenden Meinungsverschiedenheiten in Einzelfragen des Wirth- schaftlichen Lebenr können un« nicht dazu verleiten, jene Politik der werkthätigen Hilfe im Stiche zu lassen und über Schwierigkeiten im Einzelnen das edle Ganze aus dem Auge zu verlieren.

AuS demselben Grunde legen wir auch dem Geschrei der Manchesterliberalen über dm vom Cmtrum deS

Sie Guski mi jommrlchkidmg.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 45) ------- (Nachdruck verboten.)

Bardo fuhr eilig, anstatt mit einer rechtschaffenen Bürste, vermittelst der flachen Hand über sein präch- tig'S Kriegskleid.

„Besser staubbedeckt zur Stelle teilt, al» glanz- übergrssen fehlen", erklärte er lachend und schritt an Diethelms Sette hinaus.

DaS dauerte aber eine geraume Weile, ehe die Ordnung sich herstellte. Herr Bardo hatte vollauf Zeit, an den viellöblichen Meister Diethelm über- flüssige Fragen zu richten:

„Als ich vor etwa dreißig Monden bei Euch war, da fchiens mir, als ob Euere Jungfrau Chlothild Gefallen an dem jungen Herrn Klaus, so bei Euch wohnt, gefunden hätte. Täusche ich mich hierin oder weigert Ihr Euer» Segen, daß die beidm noch kein Bündniß geschlossen haben?"

Unfteudig berührt schaute Diethelm den harmlosm Frager an. Da er aber aufS Neue dessen Wohl­wollen und Gutherzigkeit au» jeder Falte seine- ehr­lichen Antlitzes heroorlugm sah, reichte er ihm die Hand und sprach:

„Graf Bardo, ich weiß, Ihr nehmt Amheil an 1 unS, und darum erzähle ich Euch, wa» ich noch keinem

Abgeordnetenhauses auSgegangenen Gedanken einer progressiven Steuer auf die gewerblichen Großbetriebe (im Jnteresie de» kleineren und mitt­leren Gewerbestande») kein Gewicht bei. Die Ausführung diese- Gedanken- mag zunächst nicht ganz leicht sein, aber richtig ist er zweifellos, und zwar schon deshalb, weil die Großbetriebe von den staatlichen Einrichtungen, z. B. Poft und Eisenbahnen, ungleich größere Bortheile ziehen, als die kleinen und mittleren Gewerbetreibenden, und daher auch in besonderem Maße zu den staatlichen Lasten beitragen sollten.

Soweit die Thätigkeit unserer Parlamente auf wirthschastlichem Gebiete. Auf idealem Gebiete lag ganz besonder- die entschlossene Abwehr der im § 8 der RichtergesetzeS auch in der Herrenhausfasiung liegenden Attentäter auf die Unabhängigkeit des Richter- standeS. Mit einer noch ganz erheblich verstärkten Mehrheit ist der berüchtigte Assesiorenparagraph am Donnerstag zum dritten Male vom Abgeordnetenhause ab gelehnt worden. Damit ist dieser Paragraph, dank der „geschickten" Bertheidigung desselben durch den Kammergerichttpräsidenten Drenkmann im Herren- Hause, wenigstens für die jetzige Session endgiltig be­seitigt. Ans die spärlichen GehaltSverbesierungen, mit denen der § 8 verbrämt war, werden alle unabhängig denkenden und ihren Beruf richtig würdigenden Richter gern verzichten.

Wir dürfen diesen Rückblick nicht schließen, ohne weniastenS kurz auch deS Abschluss?« der Brrathunqe« der ReichStagSkommission für das Bürgerliche Ge­setzbuch gedacht zu haben. Auch darin liegt ja eine hervorragende Leistung auf idealem Gebiete. Mit an- erkennenSwerther Unparteilichkeit hat Herr v. Bennigsen warme Worte deS Dankes der „umsichtigen und ge­schickten Leitung" der KommisfioaSverhandlungen durch den Vorsitzenden, den Centrumsabgeordneten Spahn, gewidmet, und mit Recht. Aber auch die anderen Centrumsmitglieber haben mit selb st verleugnender Hingabe für dar Zustandekommen des Werkes gearbeitet. Ob es gelingen wird, den Entwurf auch im Plenum glatt durchzubringen, steht dahin. Die Freisinnigen, Sozialdemokraten und Antisemiten wenigstens scheinen bereits etliche Anträge auf namentliche Abstimmung -auf der Pfanne" zu haben.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Juni.

* Der Landtag soll am Freitag, 19. Juni, in ge­meinsamer Sitzung beider Häuser im Saale der Ab­geordnetenhauses durch den Vizr Präsidenten des Staats- Ministerium- von Bötticher geschlossen werden.

* Die Interpellation deS CentrumS, be­treffend die Aufhebung des JesutteugesetzeS, ist am Samstag dem Reichstage unterbreitet worden. Die­selbe laitt-t:

Am 20. Februar 1895 beschloß der Reichstag mit großer Mehrheit den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Aufhebung

Menschen vertraut habe. Ja, ich würde mein einziges Kind dem einarmigen Klaus zum Weibe geben, nicht weil er ein Künstler ist, dem Gott wahrhaft seine Gnade geschenkt hat, sondern weil mein armeS Kind ihm anhängt mit allen Fasern seine» Herzen». Klau» aber lebt nur für seine Kunft und wird niemal» aus irdischer Neigung eine zum Weibe begehren."

„So?" sprach Graf Bardo und versicherte: „Mit dem Künstler werde ich ein Wöitlei» reden. Wer sich dem Dienste GotteS am Altäre nicht widmen will, der muß ein Weib nehmen; und für Klaus zur HauS- frau geeignet ist Niemand befler al» Chlothild."

DaS hatte Herr Bardo nicht nöthig, nämlich zu einem zaghaften Brautwerber zu reden. KiauS, der thätige, ganz feiner Kunst hingegebene, hatte längst geahnt, daß CH othild ihm gut war, auch hatten die stillen Zeichen verflossener Minne tief en, gar rührenden Eindruck auf ihn gemacht.

Al» die Glocken läuteten, da wandelte Cblotbild im Gärtlein des Hause»; sie neigte sich und pflückte, war der Lenz darbot. Gar zierlich formte ihre Hand ein duftige- FrühlingSsträußlein: Schneeglöcklein, Primeln und Veilchen, rundum einen Kranz von Immergrün. w

„Da» ist die Treue," sprach sie leise.

Ein Kräutlein sproß am Wege; sie pflückte eS rasch.

deS Gesetzes über den Orden der Gesellschaft Jesu vom 4. Juli 1872 (R.-G.-Bl. S. 253).

Am 7. Dezember 1895 theilte der Stellvertreter des Reichs­kanzlers, Herr Staatssekretär und Staatsminister v. Bötticher, dem neu zusammengetretenen Reichstag amtlich mit, ein Beschluß des BundesratheS über den obigen Reichstags-Beschluß sei bis­her nicht erfolgt (Drucks. Nr. 38, S. 3).

Die Unterzeichneten richten an den Herrn Reichskanzler die Fragen:

1) Ist ein Beschluß des Bundesrathes in dieser Angelegen­heit auch heute noch nicht erfolgt? Und wenn nicht,

2) aus welchen Gründen hat der Bundesrath die Fassung einer Entschließung über den genannten Beschluß des Reichstages bis jetzt verzögert?

3) Gedenkt der Herr Reichskanzler eine solche Entschließung nunmehr nach Ablauf von 16 Monaten, und jedenfalls noch vor Beendigung des gegenwärtiges Abschnittes der Reichstags-Ar- beiten herbeizuführen?

Berlin, 13. Juni 1896. Gras Hompesch.

(Folgen die Namen der Mitglieder und Hospitanten in alphabetischer Ordnung.)

Voraussichtlich wird diese Jnterpellatton an einem der ersten Tage dieser Woche im Reichstage zur Ver­handlung kommen und vom Vorsitzenden der Centrums- Fraktion des Reichstages, Abg. Graf Hompesch, von dem auch der Antrag auf Aufhebung des Jesuiten- gefltzeS an .erster Grelle unterzeichnet war, begründet werden.

* Nach der offiziösen .Norddeutschen Allg. Ztg/ hat sich der Schatzfekretär Graf vou Posadowsky tn der Budgetto «Mission der Reichstags nicht in Gegen­satz gestellt zu den Anschauunaeu deS KolonialdireklorS Dr. Kayser bezüglich der Zweckmäßigkeit der Unter­stützung der Neuguineakompagnie durch da» Reich. Die gegentbeilige Mittheilung soll auf „irrigen Angaben" jener der Kommission angehörenden Herren beruhen, welche dem Kolonialdireftor aus irgendwelchen Gründen nicht hold sind. Hoffen wir, daß da» Einvernehmen zwischen dem ReichSschatzsekretär und der ReichSregierung überhaupt mit dem Kolonialdirektor Dr. Kayser lange anhält! Für die Entwickelung de» MissionSwesenS könnte man sich keinen einfichtigern und wohlgesinntem Herrn an der Spitze der Kolomalabtheilung des aus­wärtigen Amtes de» deutschen Reiches wünschen als Herrn Dr. Kayser.

* An die Verhandlungen des Reichstag« über den Zinsfuß der Reichsbank bei Lombardirung der laudfchaftltchen Pfandbriefe sind neuerdings in einigen Zeitungen Erörterungen geknüpft, welche das Vertrauen und die Sicherheit dieser Pfandbriefe oder einiger Gruppen von ihnen zu gefährden geeignet sind. Zur Vermeidung gegenstandsloser Befürchtungen genügt eS, darauf hinzuweisen, daß der Präsident des Reichsbank­direktoriums, indem er die von den Landschaften ge­wünschte Erleichterung als unthunlich bezeichnete, sich ausdrücklich dagegen verwahrt hat, die Sicherheit der landschaftlichen Pfandbriefe irgendwie bezweifeln zu wollen. Ebensowenig ist bei den voraufgegangenm Erörterungen der beteiligten Ressort» ein Bedenken gegen die Sicherheit der Pfandbriefe nur in Frage ge­kommen, er find vielmehr lediglich die vom Reich«.

„Wegewart, Du mußt dabei sein," flüsterte sie. „Sag' ihm, o sag' ihm, ich warte auf ibn."

Die Domglocken lauteten. Herr Klau« im Feier- tagikleide schritt rasch durch den Garten und erspähte die Maid, wie sie leise zu den Blümlein sprach. Gc- feffelt von dem wunderlieblichen Bilde blieb er stehen. Dann aber nahte er mit schnellem Entschluß.

„Jungfrau Chlothild, schenkt mir da» Sträußlein, zu dem Ihr so freundlich niederschaut," bat er, und ferne tiefe Stimme bebte.

Sie blickte zu ihm auf, und er empfand nicht zum erstmmal, welch schöne Innigkeit aus ihren blauen Äugen sprach.

„Da» Sträußlein war für Euch bestimmt," sagte sie einfach und heftete die FrühlingSblüthen an sein Gewand.

Währenddessen schaute er zu ihr nieder, blickte er ihr tief und tiefer in die blauen Augen und auch auf die rothen Lippen, die chm holder, al» die buftigften Blumen erschienen. Und er selber wußte nicht, wie eS geschah — er drückte einen Kuß auf die weichen Lippen der Jungftau und flehte:

„Sei mein, sei mein, Du herzliche, wonnesame Maid."

Sie schmiegte sich an die Brust bei heißgeliebten Mann»S, und alle Seligkett der Liebe leuchtete au» ihren Augen, al» sie die beiden Wörtlein sprach: