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Notlage jiw Mulösev Zeitung.

JE 134

Samstag, den 13. Juni 1896.

23. Jahrgang

W Grafen von SoumeWuburg.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 44] ------- (Nachdruck verboten.)

VI.

Kaiser Heinrich in Hilde-heim.

Und rauschend tönt's wie Meeresbranden, Wo sich das Volk in Festgewanden, Des Feierzuges harrend, drängt. Schack.

Wer die Stadt Hildesheim seit drei Jahren nicht gesehen hatte, der erkannte sie, da man die Zahl Ein­tausend und drei schrieb, nicht wieder.

Bischof Bernward hatte nach seiner Rückkehr von Rom die Hauptstadt seiner SprengelS mit mächtigen Ringmauern, Thürmen und Thoren umgeben, so daß Herr Thangmar, der Vielgereiste, nicht mit Unrecht behauptete, im ganzen Sachsenlande finde er an Schön­heit und Festigkeit nicht- Aehnliche- wie Hilde-Heim.

Statt der grauschillernden Holzdächer leuchtete dem staunenden Ankömmling feuerfeste rothe Ziegelbedachung entgegen; und wenn er die Stadt betrat, so nöthigten herrliche Kunstdenkmäler ihm Bewunderung ab. Handel und Verkehr waren im Schutze der neuen Befestigung rasch gediehen. Alle- hatte sich zu reicher Blüthe ent­faltet. Ganze Stadttheile waren entstanden, ja fogar vor den Mauern mehrten sich neue Ansiedelungen. Auch Herbergen zur Aufnahme fremder Gäste waren in Fülle erbaut worden.

Solche genügten aber in der Woche vor dem Palm­sonntage de- Jahre- Eintausend und drei nicht, um alle zu fassen, so hier Unterkommen heischten. Au- allen Gegenden de- Sprengel- strömten Völker zu­sammen. Sie wollten ihren neuen Kaiser sehen, den frommen Kaiser Heinrich, der dem Bischof Bernward feinen Besuch angekündigt hatte. Am Vorabende de- Palmsonntag» sollte der hohe Herr in Hilde-heim eintreffen.

Die Stadt war mit Gästen überfüllt. In der Domschenke besonder- ging e- laut und lustig zu. Der dicke Wirth schmunzelte vergnügt, denn heute umschloß der Domschenke Gewölbe Leute, die sonst während des Jahres niemals diese Schwelle überfchritten. AdelS- herren der Stifter, ja sogar Kunstschüler, so biSheran fern geblieben waren, drängten sich mit Bürgern der Stadt und mit einfachen Landsleuten um die langen Eichentische. Hinter hohen Steinkrügen und schweren Humpen besprachen sie einträchttg mit lebhaften Worten das Ereigniß des Tages.

An einem Tische in der Nähe de- Fenster- saß Meister Diethelm vom Hofe Sommerwerk mit dem Grafen von OleSburg und etlichen anderen Herren vom Hildesheimer Adel beisammen. Während sie sich in ersprießlicher Unterhaltung am braunen Meth er­labten, schauten sie mit Begierde zum rundbogigen Fensterlein hinaus.

Draußen wimmelte da- Getriebe der Fremden durcheinander, gleichwie dar Lager eine» Ameisenstaates. Da sprengte staubbedeckt ein kleiner Reitertroß gar eilig hindurch.

„Siehe, der Schwestermann unsere- Bischof-, Graf Bardo von der Mundburg!" rief OleSburg erfreut.

Meister Diethelm strich bedächttg seinen Vollbart:

„Der ritterliche Herr kommt just nicht zu früh, wenn er den Bischof Bernward begrüßen will, ehe der dem Kaiser entgegengeht," sagte er.

Dem Grafen Bardo aber schien augenblicklich etwas näher am Herzen zu liegen, als die Begrüßung deS bischöflichen Herrn. Bor der Domschenke stieg er ab,

gab seinem Troß Unterweisungen und trat eilig ein.

„Herr Wirth, rasch einen Humpen voll deS besten Rheinwein-! Meine Kehle ist au-gedörrt nach dem staubigen Ritt in der scharfen Lenzluft, und meinen hohen Verwandten darf ich mit dem großen Durst nicht erschrecken. Also rasch!"

Ah, grüß Gott, Meister Diethelm! Sott zum Gruß, Ihr Herren Altmann, Jppo, Liudolf! Schön, daß ich Euch treffe."

Die Ritter schüttelten sich derb die Hände.

Kaum saß Herr Bardo, so rief er au-:

„Schaut, da schreitet der Dekan Thangmar zur Bischof-burg. Ein thatkrästiger Herr, dem die Jahre nicht- anzuhaben vermögen!" Besorgt fügte er die Frage hinzu:

„Hat unser viellieber Herr und Bischof sich in gleichem Maße jugendkräftig erhalten?"

Meister Diethelm seufzte.

„Er sieht merklich älter aus, seitdem Herr Thang­mar im Anfang deS vorigen Jahres aus Italien wiederkam und unserem verehrungswürdigen Herrn die letzten theuern Grüße seines geliebten Kaiser» über­brachte zugleich mit der Kunde, so chn auf der Heim­reise ereilt hatte, mit der Kunde, daß der junge Otto verschieden sei. Als Herr Bernward dann von der Trauerfeier zu Aachen zurückkehrte, allwo die Leiche deS Kaisers mit feierlichem Gepränge beigesetzt war, da sah er um zehn Jahre ernster aus und viel gereifter, als ein Mann, der, wie er, nicht mehr all vierzig Sommer gesehen hat."

„Ja, ja, ich traf ihn dazumal bei der Kaiser- bestattung", versetzte Graf Bardo ernst.

Diethelm fuhr fort:

„Außerdem zehrt auch die Betrübniß über den Gander-heimer Streit an dem Herzen deS Oberhirten. Welche Fluth von Unbilden und Kränkungen brachte diese leidige Sache schon unserem starkmüthigen Herrn!"

Graf Jppo vom Harzgau rief staunend:

„Was sagt Ihr, der Gander-heimer Strett wäre noch nicht ausgeglichen? Und ich vermeinte doch, als wir vor länger denn zwei Jahren unseren Bischof nach Rom begleiteten, die Sache sei dazumal von einer Synode zu Gunsten HildeSheimS entschieden und der Streit aus der Welt geschafft worden."

Meister Diethelm nickte:

„Da» wohl, Herr Graf. Der Herr Willigis von Mainz aber und die nunmehrige Aebtisfin Sophia waren anderer Meinung. Unterdessen wurden noch in demselben Jahre über die leidige Angelegenheit zwei stürmische Synoden, die erste im nahen Pölde und die zweite in der Stadt Frankfurt, abgehalten. Herr Willi­gis fügte sich nicht und auch nicht die Aebtisstn."

Graf Liudolf von Guddingo schlug gewaltig mit der Faust auf den Tisch:

„Herr, sende Deine Blitze! Habt Ihr Hildesheimer Euch denn nicht gewehrt?"

Meister Diethelm zuckte die Achseln:

„Gen Weihnachten desselben Jahres Eintausend und eins da ritt Herr Thangmar als Abgesandter unseres Bischofs zum päpstlichen Concil, so in Todi angesagt war. Der apostolische Herr Sylvester, wie der Herr Kaiser, sie nahmen den Gesandten unsere» Herrn gar freundlich auf. Doch das Concil der Bischöfe berieth kirchliche Fragen, wußte in unserer weltlichenStreitsache wenig Bescheid und entschied nichts."

Graf Bardo rieb sich die Hände:

„Hoffe, daß unser neuer Kaiser Heinrich ein Macht­wort spricht zu Gunsten HildeSheimS. Der sanfte

und fromme Herr hat daS Herz auf dem rechten Fleck und wird das zu Ende bringen, was der junge Kaiser Otto nicht vermochte. Was Herr Heinrich will, da- führt er durch; wir sahen das beim Kampf um die Kaiserkrone."

Meister Diethelm sprach ernst:

„Dazu mag daS Gebet, welche- wir Hildesheimer als Anordnung unseres Bischof- einmüthig für Herrn Heinrich verrichteten, auch etwa» beigetragen haben. ÜnS dünkte eS als Sieg, als Herr Bernward und Herr Willigis zugleich mit den übrigen Fürsten de- Reiche- den Gewählten, Herrn Heinrich, ehrenvoll nach Mainz geleiteten und ihm daselbst feierlichst die Salbung ertheilten."

Mächtiger Hnfschlag, laute- Pferdegewieher lentte die Aufmerksamkeit Aller nach dem Domplatz.

„Wahrhaftig, da ist schon unser Graf Tammo von Sommerschenburg mtt seiner Gefolgschaft", sprach Jppo vom Harzgau und gürtete sein Schwert fester.

Liudolf rief lebhaft.

„Herr Tammo bringt Kunde von der baldigen Ankunft de- Kaisers. Er war Herrn Heinrich auf etliche Tageslängen gen Silben entgegengeritten.

Graf Bardo reckte den Hals.

„Fürwahr", bestätigte er, „das ist mein viellieber Verwandter, der treue Bruder meiner Hausfrau. Ich sah den Töpfern nicht mehr, seit wir deutschen Edeln trauernd die Leiche Otto- unter vielen Mühseligkeiten über die Alpen geleiteten. Kein Held ist herrlicher auS den siebentägigen Kämpfen mit den tückischen Römern hervorgegangen, al» er. Die Undankbaren wollten uns ja die Kaiserleiche streitig machen. Mit geschlossenem Helm und blankem Schwert eroberten wir jede Spanne Wege-, so wir fürbaß schritten. Tammo in seiner Heldenkraft hat uns mit seinen Mannen den Rücken gedeckt vor dem wälschen Raub­gesindel. Auf der Burg Paterno hat er einst in Treue den Kaiser zu schützen gelobt und den Schwur begeistert und muthig gehalten bis über den Tod Otto» hinaus. Ohne Tammo hätten wir unseren Otto nicht den letzten Wunsch erfüllen und ihn neben Karl dem Großen bestatten können."

Graf Altman nickte zustimmend und sprach traurig sinnend:

„Das goldene Kreuz von der Leiche Karls hat dem jungen Otto kein Heil gebracht."

Diethelm lenkte ab. Er erzählte:

„Graf TammoS Töchterlein Hathumod, eine lieb­liche Maid von fünfzehn Jahren, wird den Kaiser mit dichterischem Gruß am Eingang der Stadt empfangen." Er lächelte. „Unser junger Meister Heribert hat daS holdselige Jungftäulein gemalt als heilige Agnes. DaS Bild ist just dar schönste im Dovunünster."

Graf Bardo horchte auf.

„Berichtete man mir nicht, daß der Kunstschüler Klau» unter Bischof Bernwards Leitung den Dom mit prächtigen Gemälden auSgeschmücket habe?"

„Recht so, Graf Bardo; da» that KlauS vom Rheine. Er hat sich al» Künstler voll Geist mtb Kraft erwiesen. Da» eine Bilb aber, bie heilige Agnes, malte Heribert, ber wie unser bischöflicher Herr alle Künste versteht", antwortete Diethelm.

Mächtige» Geläute von allen Glocken übertönte seine Worte. Alle Insassen ber Domschenke würben lebendig.

„3d) sagte eS, ber Kaiser nahe. Die Glocken rufen zum Sammeln, auf baß wir im Festzug ihm entgegen gehetz", sprach Liubolf unb erhob sich. (F. f.)

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Gelnhausen, 10. Juni 1896.

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1 ÄchnhmchttgMk auf Besohlen findet dauernde Beschäftigung bei [1782

J. J. Kollmann, QSS Kronhofstraße 5, Fulda.