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Freitag, den 12, Juni 1898. 23. Jahrgang

iildlicrMZcitiiliß

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Ktumen".

Erscheint täglich Sona- und Feiertage ausgenommen. - Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Zierate kosten ine einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. 9

% Die Stellung der einzelnen Parteien zur Sozialreform.

ii.

Ganz im Gegensatz: zu den bisher behandelten Parteien steht nun die Sozialdemokratie. Ihre Wähler sind fast ausschließlich Arbeiter, welche für die Auswahl ihrer Abgeordneten keinen andern Gesichts» punkt kennen, als den des eigenen JnterefleS. Wirth» fchastliche Abhängigkeit der Wähler von den Abgeord- mtm, oder höhere, z. B. religiöse Gesichtspunkte, sind bei der AuSwe hl ihrer Kandidaten ausgeschlossen. Wer nicht dar Jnteresir der Arbeiter rücksichtslos und einseitig vertritt, wird nicht wieder gewählt. Die Abgeordneten sind zum großen T eil aus dem Kreise der Arbeiter hervorgtgangen, andere als Arbeiler-Ber» hältnisie, und zwar speziell die Verhältnisse der In» dustrie»Arbeiter, sind den sozialdemokratischen Adgeord» neten nicht sonderlich bekannt. Mir den agrarischen Berhä tnissen scheinen sie wenig vertraut zu sein. ES ist deshalb nicht zu verwundern, wenn die sozialdemo­kratische Partei einseitig die Interessen der Arbeiter vertritt und anderen Volk-klassen nicht gerecht wird und gar nicht einmal gerecht werden kann.

Da die Sozialdeu okraten im Abgeordnetenhause nicht vertreten sind, so würden die Arbeiter daselbst gar nicht vertreten sein, wenn nicht daS Centrum vorhanden wäre.

Sowohl bei der Debatte im Reichstage über die Regelung der ArbeitSverhältnesie im Bäckereibetriebe wie im Abgeordnetenhaus« über den Ladenschluß hat dar Centrum daS Jntensse der Arbeitnehmer in entschiedener, aber maßvoller Weise vertreten und sich dadurch sowohl von einer einseitigen Vertretung der Interessen der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber fern» gehalten.

Das Centrum ist zur Durchführung einer maß» vollen, von einseitiger Vertretung besonderer wirth» schaftlicher Jnt-r.ssen freien Pol tik besonders geeignet. Die Wähler des Centrums gehören allen wirthschaft» lichen Vo kSklasien in ziemlich gleicher Weise an. Zu denselben gehören ebenso gut Großgrundbesitz« r wie Landarbeiter, Fabrikanten wie Fabrikarbeiter, Groß­industrielle wie Handwerker, höhere wie niedere Beamte, Geistliche und Laien rc. Dazu kon mt, daß eine mate­rielle Abhängigkeit der Wähler von den Wahlkandidaten nur in den seltensten Fällen vorhanden ist. Im Centrum deS Reichstag?- wie des Landtages sind deshalb alle Stände vertreten: Großgrundbesitzer, Bauern, Fabrikanten, Geistliche, Gelehrte, Beamte, Handwerker sitzen dort zusammen. Auch der Arbeiterstand ist im Centrum vertreten; zudem hat das Centrum mehrere Abgeordnete, welche man geradezu als Arbeiter-Kan­didaten bezeichnen könnte. Es fi hlt also k-.inem Stande im Centrum an Vertretern, welche die Verhältnisse ihres Stander durch eigene Erfahrung und Studium kennen. Für eine gleichmäßige und gerechte Behänd-

Bit Kraft« m Soumerlcheadarg.

Stählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 43] ------- (Nachdruck verboten.)

Bernward, den nichts mehr in Rom zurückhillt, war nun auf seine Heimkehr bedacht.

Südlich von der Sankt Peters-Basilika, außerhalb der Stadt, aber mit ihr durch einen Säulengang ver­bunden, prangte über d m Grabe des Aposteltürsten Paulus die ihm geweihte Basilika, ein wunderbar herrlicher Bau. Ehe Bernward von dec heiligen Stadt Abschied nahm, lenkte er roch einmal zu dies«m weihe­vollen Gott; shause seine Schritte. Hier wallte er seinen Heeßen Dank aursprechen für die Gnade, so ver All- gütige ihm auf der Re.se gewährt hatte, wollt er Schutz für die Heimfahrt erflehen. 86:r auch reiche Geschenke des Kaisers, kostbare Rel'qu«!, sollte er daselbst in Empfang nehmen.

Herr Thargnar nur und seine Schüler Heribert \ und Klaus durften ihn begleiten. Letzterer, halb gr- I »esen, wollte um keinen Preis auf f inem Lager bleiben, ; als Heribert ihm mittheilt-', welches Gii'ck ihm ge­boten werde.

So betrat Bischof Bernward und sein kleines Ge­folge eine Vorhalle mit vierfachen Säulengängin und «rum rauschenden Springbrunnen. Durch das mittlere der sieben Thore, welche in daS Innere führten, ge- i

lung aller wirthschaftlichen Verhältnisse hat aber das Centrum ein Element, welches den anderen Fraktionen entweder ganz oder fast ganz fehlt, d. b. die Geist­lichen. Sie können den wirthschaftlichen Verhältnissen und Kämpfen ohne eigenes Jnteresir sich gegenüber- stellen. Durch die Seelsorge und die BereinSchätigkeit fernen sie die verschiedensten Stände und deren Jnter- eflen und nicht am wenigsten die Jntrresien der Ar­beiter kennen. Sie selbst gehören ihrer Herkunft nach den verschiedensten Ständen an. Es fehlt unter ihnen weder der Graf noch der Sohn bei Arbeiters. Söhne von Bauern und Handwerkern gibt es unter dem Klerus ebenso oft wie Söhne vvn Lehrern, höheren und niederen Beamten.

Da- Centrum ist zudem diejenige Partei, welche mit dem religiösen Gedanken am meisten Ernst macht. Selbst bei vielen Konservativen sind die Standes- vorurtheile mächtiger, als die religiösen Gedanken. @8 zeigt sich das deutlich genug bei der prinzipiellen Beurtheilunq des Duelle-. Der religiöse Gedanke aber schärft dar Gewissen auch in sozialer Beziehung und macht bereit, allen Ständen gegenüber Gerechtigkeit walten zu lassen.

Dar Centrum kennt die Beihältnisie am besten, weil ihm Mitglieder auS allen Ständen angehören und er viele Mitglieder hat, welche die Berhältnisie aller Stände lernten $u fernen fortwährend Gelegenheit haben.

Das Centrum will allen Ständen gerecht werden, weil es auf religiöser Grundlage steht und deshalb die von der Religion geforderte Gerechtigkeit zur Richt- fchnur nehmen muß.

DaS Centrum muß danach trachten, allen Ständen gerecht zu werden, weil das Zentrum allein feine Wähler ziemlich gleichmäßig unter allen Ständen be­sitzt. Zudem besitzt es kein anderes Mittel, die Wähler» maffen festzuhalten, als wenn eS denselben die Ueber- zeugung gewährt, daß die gerechten Forderungen aller Stände im C-ntrum B-rthndiger finden.

DaS Centrum ist also am besten geeignet, eine gerechte und ausgleichende Sozialpolitik zu verfolgen und betritt liegt die Hauptaufgabe der Centrums in den folgenden Jahrzehnten. Professor Elster auS BreSlau hat vor einiger Zeit gesagt, kaS Centrum sei jetzt mehr eine soziale als eine religiöse Partei. Wir sagen, dar Centrum ist eine religiös-soziale Partei, und darin liegt seine Kraft und seine Bedeutung.

Deutsche- Reich.

Berlin, 11. Juni.

* Die Rede, welche unser ReichstagS-Abgeoro- neter Herr Richard Müller, am 8. d. M. im Reichstage bei der Berathurg deS Handelsver­trages mit Japan gehalten hat, lautet nach dem offiziellen stenographischen Bericht rote folgt:

Meine Herren, der Herr Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Freiherr von Marschall, hat bereits den Zweifel des

langten sie in das Heiligthum. Welch' ein Anblick! Bom hihren Eindruck überwältigt, blieben sie bewun­dernd steh-n:

Viermal zwanzig gewaltige Marmorsäulen schreiten in langen Zeilen durch die Basilika, theilen den Raum in fünf Schiffe und tragen die schönen reich gezierten Bogen. Aus Cedern vorn Libanon ist die Decke ge­baut, sonnenähnlich überkleidet, mit goldenem Schimmer. Darstellungen aus der heiligen G- schichte der alten und neuen $eftamente8 zieren die hohen Wände. Beim Abschluß deS Mittelschiffes erhebt sich ein gold- strahlender Triumphbogen über dem mit prächtigem Baldachin überschatteten Hochaltar. U ber dem mit Riesensäulen gestützten, mit goldg^äzmder Mosaik be­setzten Triuwphvogen erscheint dar Brustdi d Christi; neun Strahlen gehen vom göttlichen Haupte aus, und ein in ollen Farben spielender Lichtkreis umfließt eS. Bei den Ansätzen deS BogeuS stehen die beiden Apostel- fürsten. Heiliger Ernst, himmlische Majestät und Er­habenheit spricht aus deren Zügen.

D:e Besucher sinken in Andacht nieder. Daan folgen sie dem Führer, den der Küfer dor hin geschickt hat, zur Gruft dkS hl. Timotheus. Dec Sarg öffnet sich auf Bernward; Wunsch, und der Bischof nmmt unter inbrünstigen G> beten den rechten Arm des Mär­tyrers für seine Kirche in Empfang.

Auch Herr Thangma'-, nicht zaghaft, nimmt einen

Herrn Grafen Kanitz über die Auslegung des Vertrages bezüg­lich deS GrundeigeuthumS beseitigt. Der Herr Graf Kanitz hätte aber auch nur nöthig gehabt, auf Seite 16 der Vorlage das Protokoll vom 4. April 1896 nachzulesen, dann würde er diesen Zweifel überhaupt nicht erhoben haben. Auf Seite 16 heißt es, daß, wenn auch den Fremden in Japan nach den zur Zeit dort geltenden Gesetzen der Erwerb deS Eigenthums an Grundstücken noch versagt ist, hierdurch die Befugniß der deutschen Reichsangehörigen nicht berührt wi.d, daselbst, zur Erreichung der in Artikel I und III des Vertrages ange­gebenen Zwecke, gleich den Inländern und nach Maßgabe der jeweiligen landesgesetzlichen Bestimmungen emphyteutische, superfiziarische und sonstige dingliche Rechte an Grundstücken zu erwerben und persönlichen Mieths- oder Pachtrechten an Grundstücken durch Eintragung in die hierfür bestimmten Register den Charakter dinglicher Rechte zu verschaffen.

Wenn wir eine derartige Erklärung durch das Protokoll haben, dann, meine ich, ist eS vollständig ausgeschlossen, daß von eigent­lichem Grunderwerb die Rede sein kann; die Anfrage des Herrn Grasen Kanitz war deshalb in diesem Falle vollständig über- flüssig-

Nun hat der Herr Gras Kanitz weiter darauf aufmerksam gemacht, daß man doch jetzt vor der Situation stehe, daß Japan seine Zölle sehr bedeutend erhöht habe, daß er das schon früher vorausgesetzt hätte, daß die ausländischen Staaten allmählich dahin kommen werden, ihre Zölle sämmllich zu erhöhen. Nun muß ich mich aber doch fragen: find daS überhaupt Erhöhungen, die Japan durchgeführt hat? Hier handelt eS sich um Aus­fuhrzölle, von 5 bis 8 Prozent und 10 Prozent, nur in ganz vereinzelten Fällen von 15 Prozent. Ich glaube, das find Überhaupt noch gar keine Eingangszölle, die von irgend welcher Bedeutung sein können. Nehmen Sie z. B. den Zoll auf Eisen­bahnschienen, der in Japan 5 Prozent beträgt, während er bei uns auf 30, 40 und 50 Prozent des Kostenpreises kommt. Da sind unsere deutschen Schutzzölle auf Eisen doch nahezu das Acht- unb Zehnfache der japanischem; bei uns kann man von hohen Zöllen reden, aber nicht bei diesen außerordentlich mäßigen Preisen, die die Japaner in ihren Verträgen festgesetzt haben. (Sehr richtig.)

Der japanische Handelsvertrag gab uns selbstverständlich um so mehr Anlaß zur gründlichen Prüfung nach der Anfechtung, die die Übrigen in den Jahren 1892 bis 1894 geschlossenen Betträge erfahren haben; und da muß ich sagen, daß dieser Vertrag mich in vieler Hinsicht weit mehr befriedigt, als die anderen Betträge. Es war mir seinerzeit nicht möglich, für alle die Verträge, die uns vorgelegt wurden, zu stimmen; ins besondere habe ich mich gegen den russischen, serbischen und spanischen Vertrag seinerzeit nble^-nend verhalten. Aber hier beim japanischen Vertrag muß ich doch sagen, daß die deutschen Rechte und Bortheile nach Kräften gewahrt sind sowohl in landwirthschaftlicher wie industrieller Beziehung.

Ich muß zunächst erwähnen, daß in diesem Vertrage sowohl die landwirthschaftlichen als auch die industriellen Interessen in Betracht kommen. Wir haben weniger mit der Einfuhr aus Japan an landwirthschaftlichen Produkten zu rechnen, sondern hauptsächlich mit der Ausfuhr nach Japan. Wir führen nach Japan jährlich aus etwa für 2'1i Millionen Mark landwirth- schaftliche Erzeugnisse, insbesondere Hopfen, kondensirte Milch Zucker, während an landwirthschafttichen Erzeugnissen herein­kommt nur etwa für */» Million Reis. Bom ausschließlich landwirthschaftlichen Standpunkt aus muß der Vertrag mit Japan für uns gleichfalls von Wichtigkeit sein. Wir haben durchaus keinen Grund, uns dagegen auszusprechen; denn daß etwa die japanischen laudwirthschafllichen Erzeugnisse anderer Art uns im Inland Konkurrenz machen könnten, ist absolut erklecklichen Antheil von Rel quien für die HildeS- heirnifche Kirche mit, und der Kaiser schenkt dem thit- tcäftigm Herrn mit Freuden alles dar, roaS er nach seinem Hildesheim zu bringen wünscht. Dann werden die Rel quien in weiße Seile gelegt und die Umhüllung sorglich versiegelt.

Wmige Tage später, es war am Sonntage Ex- surge quare, dem 16. Tage des Thauml nats, da ver­ließ Kaiser Otto Zugleich mit Herrn Bernward die Stadt Rom.

Zu Putecno am Berg Sorccte ließ Otto halten, hier ließ er dar Lager für feine Trippen aufschlagen. E: selbst nahm feinen Wohnsitz dort in der festen Burg. Diese Pfalz lag auf einem durch eine tiefe Schlucht von dem Sorccte getrennten Hügel; hoch- ftämnvge Eichen umgaben sie und erinnerten an den deutschen Wald.

Hier in der stillen Einsamkeit vertraute Kaiser Octo alle Sorgen und Kümmernisse, so ihm bisher bedenk­lich erschienen, auszusp rechen, dem verschwiegenen Herzen seiner treuen LchrerS an, und weiser Rath wurde ihm zu The.l. Der Bischof redete jetzt dem Kaiser, wie dereinst dem Knaben, mit zärtlichen Worten und lehrreichen Ermahnungen friundlich zu. Er rief ihm seine Pflichten in's Gedächtn ß, mahnte ihn, alle Laster zu fliehen, und rttth ihm, alle Widersacher mit Geduld und Freundlichkeit zu bearbeiten und