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Dienstag, den 9. Juni 1896.

23. Jahrgang

iilduer

NZeitunA

mit Uuterhaltungs-Keitage „Sterne und Stnmen".

Erjcheint taqlich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — «ierteljährlicher A b o n n e Inserate kosten die einspaltige Garmondzelle oder deren Raum lo

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(Nachdruck verboten.)

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Theile sind unseres Erachtens im Unrecht. Die O-st-r- reicher brauchen sich deswegen nicht zu beunruhigen, daß zwischen Deutschland und Rußland ein etwas fteundlichereS Berhältniß sich herauSgebildet hat, denn damit ist nur der Sache des Friedens gedient, zumal Rußland dar offenkundige Bestreben hat, auf der Balkanhalbinsel und in Kleinasien keine Friedensgefahr aufkommen zu lassen, weil eS mehr und mehr seine Hauptkraft in Ostasien braucht. Die Oesterreicher haben aber auch nicht nöthig, der deutschen Regierung einen Programm-Wechsel anzudichten oder sie erst hierzu zu drängen, denn daS sogen. NichtinterventionS-Prmzip, dieser „NichteinmischungS-Srundsatz", den BiSmarck al- maßgebend für die deutsche Orient-Politik erklärt hat, ist nicht so wörtlich zu nehmen. Ergeht d esemGrund­sätze gerade so wie allen anderen Grundsätzen in der „hohen Politik": sie sind Paradestücke, welche die wirklichen, sehr realen Gründe sür die politische» Aktionen zu verdecken haben, Paradestück-, mit denen man sehr leicht wechselt, je nachdem der eine oder der andere „Grundsatz" bester geeignet ist, jenen Zweck zu erfüllen. Keiner war so groß in diesem Spiel mit „Grundsätzen" wie BiSmarck, der „große Realpolitiker", selbst. Schien er ihm räthlich für Deutschland, um diesen oder jenen Vorgang im Orient sich nicht zu kümmern, so mußte dar „RichtintervmtionS-Prinzip herhalten, und dann war Bulgarien „nicht die Knochen eine- pommerschen Grenadiers" werth. DaS hielt ihn aber nicht ab, sehr flott sich „einzumischen", wenn dabei nicht- Schlimmer zu riSkiren war, auch bei sehr bedeutenden Angelegenheiten; der Berliner Kongreß z. B. war doch der reine Hohn auf daS „Nichtein­mischungs-Prinzip". Die deutschen Blätter, welche jetzt so laut auf dieses schöne Prinzip sich berufen, haben also auch Unrecht — und sie wissen daS auch, ihr ganzer Spektakel soll nur dazu dienen, den Rusten zu zeigen, war für brave und zufriedene Leute doch wir Deutsche sind und wie prächtig sich mit unS leben läßt. Im Grunde genommen wird nach wie vor die­selbe Politik gemacht.

V.

Die Belagerung.

Nun fühl' ich erst, wie eitel Des Glücks Geschenke sind, Wiewohl ich auf dem Scheitel Schon Kronen trug als Kind! Was je mir schien gewichtig, Zerstiebt wie ein Atom: O Welt, Du bist so nichtig, Du bist so klein, o Rom!

Aus Platen - Klagelied Kaiser Ottos des Dritten.

Kurze Zeit nach Bischof Bernwards Ankunft in Rom hatte ein Gesandter au- HildeSbeim Botschaft gebracht, daß Erzbischof Willig 8 zwei T:ge vor dem Feste deS helligrn Andrea- in Gan^er-heim ein Send­gericht abgehalten habe. Er habe dar gethan trotz der Vermahnungen deS rnannhaften Bischofs Ekkehard; ja, er habe sich von einigen Leuten bestätigen lasten, daß Gauder»heim zum Mainzer Sprengel gehöre. Daraufhin habe er unter Androhung deS Banne- verboten, daß ihm irgend Einer dar Kloster wieder zu entziehen suche.

Da- neue Vorgehen des Mainzer Erzbischofs hatte Bernward dem Papste und dem Kaiser vermeldet. Die hohen Herren hatten ungesäumt zar Schlichtung deS

Deutsche- Reich.

Berlin, 8. Juni.

• ®ug Kaiserpaar hat die Absicht kundgegeben, im Laufe des Monats Ottober im königlichen Schloff - zu Wiesbaden einen mehrtägigen Aufenthalt zu nehmen. — Der Kaiser gedenft in der ersten oder zweiten Woche des Monats August Herrn Kommerzienrath Krupp in Essen zu besuchen. Der Kaiser kommt am 7. August zur Einweihung de- Denkmal- für Kaiser Wilhelm nach Ruhrort, von wo er sich noch an demselben Tage nach Wesel begibt, um an der dortigen Feier der Wiederherstellung de» (protestantischen) Willibrordi-DomeS Theil zu nehmen.

♦ Der Bunde-rath wird auf die Frage: „Wie Streite» eine Sy.rode von zwanzig Bischöfen berufen. Auch Herr Heinrich von Bayern, der dazumal in Rom weilte, und den der GanderSheimer Streit zu allen Zeiten heftig verdrossen hatte, ließ e» sich eifrig an­gelegen sein, den Frieden herzustellen.

Die Synode der Bischöse unter dem Vorsitz deS apostolischen Herrn Sylvester II. hatte dem verehrung»- würdigm Herrn Bernward sein Recht auf Ganders­heim vorläufig bestätigt und erneuert und eine neue Synode zur endlichen Beilegung de» Streite» auf den einundzwanzigsten Tag de» Brachmonat» in Pölde festgesetzt.

So hätte Herr Bernward zufriedengestellt feine Heimreise antreten können. Aber er that e» nicht, er hatte sich noch eine Aufgabe gesetzt.

Alle Stürme und Anläufe auf die Stadt Tivoli waren vergeblich gewesen. Die Tiburtiner hatten be­gonnen, ihre Belagerer mit Pfeilen, Steinen und siedendem O-l zu überschütten, und e» war l ihnen gelungen, die Sturmleitern der Kaiserlichen, so sich an ihre Mauern lehnten, zu brechen.

Auf dem flachen, mit Blumen und Lorbeer ge­schmückten Dache des aventinischen Paläste» stand Kaiser Otto. Er hatte keinen Blick für die reizvolle Stadt, die sich zu seinen Füßen au»d-hnte; sein Auge spähte sorgenvoll nach dem N-benhügel, an dessen blühendem Hange da» belagerte Tivoli in goldene» Licht getaucht sich sonnig emporhob.

steht es mit dem JefntteugesetzeI" in allernächster Zett, vielleicht schon in den nächsten Tagen, Antwort geben müssen, da da» Centrum im Reich»tag eine Interpellation stellen wird, war der hohe BundeSrath denn eigentlich mit dem im vorigen Jahre gefaßten Reichstagsbeschluß betr. Aufhebung des Jesuiten- gesetze» zu thun gedenke. Darob gewaltiges Geschrei in allen kulturkämpferischen Blättern, die eine gerade- zu lächerliche Furcht vor den Jesuiten zur Schau tragen. Der brave.Schwäbische Merkur', Organ der national- liberalen Schwaben, von denen es sonst doch heißt: „der wackere Schwabe forcht sich nicht", will sogar lieber das ganze bürgerliche Gesetzbuch prei»geben, als einen Jesuiten in Deutschland sehen. — Hilft aber Alle» nicht: Di-Jesuiten kommen doch wieder!

* An da» Oberlandesgericht sind jüngst acht neue Rät he berufen; diese Personalvermehrung war nothwendig wegen der ungemein gesteigerten Belastung dieses Gerichtshofes in Folge der zahlreichen Be­rufungen in Steuer-Angelegenheiten. Nach sorgfältigen Ermittelungen der .Köln. BolkSztg.' ergibt sich nun die auffallende Thatfache, daß die sämmtlrchen neu ernannten Räthe protestantisch sind; und daS, obgleich bisher schon von 14 Mitgliedern 12 d-m protestantischen Bekenntniß angehörten. In der Folge werden also bei diesem höchsten preußischen Gericht»- Hof für B-rwaltungrsachen von 22 Mitgliedern 20 protestantisch und 2 katholisch sein. Diese Zahlen von verblüffender Deutlichkeit zeigen unS wieder einmal recht deutlich, wie die Pirität gehandhabt wird.

* Die Nummer der »Kölnischen Volkszeitung' vom 23. April ist am letzten SamStag, also l1/» Monate nach ihrem Erscheinen, konfiSzirt worden. Anlaß zu dieser Maßregel, bei der von vorn herein daS nach- trägliche Vorgehen verwunderlich erscheinen muß, hat eine Betrachtung über da» Verhalten der Behörden im Falle Kotze-Schrader gegeben. Die,Köln. Volk»- ztg.' hatte Bezug genommen auf eine Aeußerung de» Staatssekretär» v. Bötticher im Reichstage, welcher be­stritten hatte, daß die Organe der Staatrgewalt, die strafbare Handlungen möglichst zu verhüten haben, gegenüber den Zweikämpfen ihre Schuldigkeit nicht ge­than hätten. Das Blatt hatte dem gegenüber die Frage gestellt, weshalb die Staatsanwaltschaft, welche doch bri jedem kleinsten Vergehen sofort mit umfangreiche« Vernehmungen bezw. Verhaftungen bei der Hand ist, im Falle Kotze-Schrader die doch jedenfalls zu ihrer Kenntniß gelangte längst vollendete strafbare Hand- fang der Herausforderung zum Zweikampfe nicht rechtzeittg verfolgt hat, und weshalb man Kotze nicht sofort nach dem tödtlichen Auigange des Duell» ver- haftet habe, anstatt ihm „Urlaub" zu einer Reis- zu bewilligen. Hieran knüpften sich Betrachtungen über die Einseitigkeit de» staatSanwaltlichen Vorgehens, die anscheinend von einem eifrigen Ausspürer von Preß­delikten alS strafbar h-raurgefunden worden sind.

„Meine Freunde, meine Heißgeliebten! O, hätte ich die Theuern nicht in jene treulose Stadt ziehen lassen! Da» rasende Boll ermordet sie, die Edelsten der Erde, wie meinen MatholinuS. Gott, mein Gott, laß' nicht zu, daß sie mir entrissen werden!" So rief der Kaiser und rang die Hände in Seelenqual. Er sank auf die Knie und betete au» tiefstem Herzens­drange. . ~ t _

Da siehe, eine weiße Fahne, daS Zeichen der Er­gebung entrollte sich auf den Mauern von Tivoli. Die Thore der Stadt öffneten sich weit, und Menschen strömten daran» h;rvor. , , ~

Otto spähte schärfer hin. Sah er denn recht? DaS, was er schaute, glich einem SiegeSzug.

Ja wahrlich — der Zug näherte sich aDmoltg dem Aventin — das waren der apostolische Herr, Papst Sylvester II. und Bischof Bernward von Hild-Sheim, so vom Tiburtiner Volk im Triumph auf Tragfeffeln ehrenvoll au» bet Stadt hierher geleitet wurden. Und, der Saifer rieb sich die Augen, die Tiburtiner gingen nebenher im Büßerkleide. In der Rechten trugen sie Schwerter, in der Linken Geißeln. So kamen sie näher. „ „ . M,

Dem seltsamen Zuge voran stürmte em Retter im Kriegskleide. E» war Heribert. Der war von feinem Bischof entsandt, um dem Kaiser frohe Botschaft zu überbringen und ihn vorzubereiten auf daS, wa» kommen sollte. Der Jüngling, der seinen Bischof in

□ Hat der Dreibund ein „Orient- Programm"?

Diese Frage wird in deutschen und österreichischen Blättern feit der Thronrede lebhaft erörtert, mit welcher ßaifet Franz Joseph in Ofen-Pest die Delega­tionen deS österreichischen und ungarischen ReichSrmheS eröffnet hat. Der Kaiser Franz Joseph hatte in jener Rede das Verdienst hervorgehoben, da» sich der Drei­bund im letzten Jahre um die Erhaltung de- Friedens erworben, zugleich aber auch im Hinblick auf die orien­talischen Wirren die „sympathische Mitwirkung aller Großmächte" sehr nachdrücklich betont. Diese Sätze haben nun die Wiener ,N-ue Freie Presse', daS öfter- reichische jüdische „Weltblatt", zu einem Artikel be- geiftert, der auS ihnen herleitet, daß Deutschland heute nicht mehr auf dem Standpunkte stehe: Der ganze Orient geht unS nichts an, so daß der Dreibund heute ein politiche» Orient-Programm habe.

Diese AuSsührungen haben in der deutschen offi­ziösen Presse einen wahren H x-nsabbath hervorgeruseu. E» ist geradezu unglaublich, wie viel Brillantfeuerwerk von künstlicher oder echter Entrüstung gegen daS ge­nannte Wiener Blatt in diesen deutschen Z-itungen verpufft wird. Sie verwahren die deutsche Regierung in sehr erregtem Tone dagegen, daß fte gegenüber den Dingen int Orient ihr RichteinmischungS - Verfahren aufgegeben habe, und sie preisen die vermitttelnde, der Erhaltung deS Friedens dienende Thätigkeit der deut­schen Diplomaten in den orientalischen Angelegenheiten. Weiter wird in deutschen Blättern behauvtet, die Wiener ,R. Fr. Pr.' und andere österreichische Leitungen hätten das Bestreben, da» gegenwärtig sehr gute Ber­hältniß zwischen Deutschland und Rußland zu trüben, um Deutschland desto fester an Oester­reich und dessen orientalische Politik zu ketten.

Alle diese Zänkereien find nur die Fortsetzung der deutsch - österreichischen Preßfehde zur Zeit der Tele­gramms Kaiser Wilhelm- an den Transvaal - Präfi- benten Krüger. Damals bemühten fich die öster­reichischen Blätter, Deutschland zur Nachgiebigkeit gegen England zu drängen und zu veranlassen, statt gute Beziehungen mit Rußland und Frankreich zu suchen, lieber mit England sich zu verständigen und diese» dem Dreibunde anzuglied-rn. Dem wurde in der deutschen Presse lebhaft widersprochen. Damals wie heute liegt also der Kernpunkt de» Streite» darin, daß die Besse­rung der deutsch-russischen Beziehungen gewiffe Kreise in Oesterreich beunruhigt. Indem sie sich nun bemühen, Deutschland mehr sür eine thätige Oriem Politik im Sinne Oesterreich» mobil zu machen, beunruhiaen sie ihrerseits wieder einen Theil der deutschen Pcesie.

Wir glauben, daß die Beunruhigung auf beiden Seiten mindestens stark übertrieben ist und jedenfalls keinen so erregten Ausdruck finden würde, wenn nicht schon die Sauregurkenzeit im Herannah-n wäre. Beide

Vü tofte hob jommnlchcudmz.

Erzählung au- dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt