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M 127 Freitag, den 5. Juni 1896. 23. Jahrgang

F«ldakrWZkitl»ig

mit Unterhaltungs-KeiLage „Sterne und KLumen".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mar? 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt

rt Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb

wird bereits am 1. Juli ds. IS. in Kraft treten. Jeder, der die Verhandlungen im Reichstage verfolgt und sich die Bestimmungen der Gesetzes näher ange- sehen hat, wird anerkennen müssen, daß seit Jahren kein Gesetz von so tief eingreifender Bedeutung für unser ganzer Geschäfts- und GewerbSleben erlasse» ist, wie da» gegenwärtige. Er handelt sich bei demselben um Abstellung von Mißständen im gewerblichen Ber- kehrSleben, die vielfach eine solch; Ausdehnung ange­nommen hatten, daß die Existenz zahlreicher redlichen Gewerbetreibenden, die sich dem unehrenhaften Geschäfts- gebahren kernhielten, ernstlich in Frage gestellt wurde.

Der Zweck de- gegenwärtigen Gesetze- ist, gegen die- unlautere GeschästSgebc hren dem redlichen Geschäfts­mann einen wirksamen Schutz zu gewähren, der ihm bisher durch die Rechtsprechung in ausreichendem Maße nicht zu theil wurde. Da die Verfolgung der Machen­schaften deS unlauteren Wettbewerbs von Arnts- wegen aber nur eintritt, wenn da» öffentliche Interesse dies erheischt, grundsätzlich vielmehr dem Gewerbetreibenden selbst es überlaflen ist, an der Handhabe der Gesetzes den Schutz gegen den unlauteren Wettbewerb sich selbst zu verschaffen, so wird wesent­lich die wohlthätige Wirkung der Gesetzes durch die eigene zweckentsprechende Inanspruchnahme derselben bedingt sein. Wie allgemein dies erfaßt ist und ein wie große» Interesse das gesetzgeberische Vorgehen auf diesem Gebiete erregt, beweist die Reihe von Schriften, die über diesen Gegenstand bereits angekündigt find.

Der erste Kommentar, der bereit» vorliegt, ist: „Da» Gesetz zur Bekämpfung der unlauteren Wettbewerbs erläutert von Rechtsanwalt Julius Bachem und OberlandesgerichtSrath Hermann Roer en zu Köln."*) Die Verfasser haben, der eine publizistisch, der andere parlamentarisch, von Anfang an der aus die gesetzgeberische Bekämpfung deS un­lauteren Wettbewerbs gerichteten Bewegung in hervor­ragendstem Maße ihre Thätigkeit gewidmet. Dieselben waren daher auch an erster Stelle berufen, dem Gesetz bei seinem Eintritt in da» praktische Leben eine Er- läuterung mit auf den Weg zu g-ben. Die Schrist ist nicht nur auf die juristischen Kreise berechnet, die das Gesetz anzuwenden haben, sondern sie gibt vor Allem auch den Gewerbetreibenden selbst eine klare, allgemeine verständliche Anleitung darüber, wann und in welcher Weise sie den Schutz der Gesetzes im Einzel- falle mit Erfolg anrufen können.

Wir stimmen der im Vorwort ausgesprochenen Zuversicht bei, daß bei richtiger Handhabung der Gesetzes in der Rechtsprechung und bei zweckent­sprechender Inanspruchnahme des nunmehr gewährten Schutzes von Seiten der betheiligten Gewerbetreibenden die vielfach geschwundene Redlichkeit im GeschästSleben wiederhergestellt wird und Treu' und Glauben in

* ) Leipzig, Verlag von Duncker und Humblot.

Mr Kraft« mm Äonmschendurg.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 37] ------- (Nachdruck verboten.)

Lange, lange, bis tief in die Nacht saßen Otto und Bernward an diesem ersten Abend in vertraulicher Zwiesprache beisammen und Bernward that einen tiefen Blick in daS Herz seine- Liebling».

„O mein Vater, begreift Ihr nicht, schon nachdem Jhx nur auS der Ferne auf allen Höhen die alte Herr­lichkeit erschaut, begreift Ihr nicht, daß ich im ewigen Rom nach Thaten ringen muß! Hier sehen mich die Tempel, da- Kolosseum, daS Kapftol, die Triumphbogen vorwurfsvoll an, sie drängen und erheben mild. Die Geister der Märtyrer, der Helden, der alten Cäsaren g hm mir nach und fragen: Wer bist Du, waS hast Du bis heute gewirkt? — Mir ist es nicht genug, mit Bewunderung um die Zeugen der alten Thaten herumzuschleichen. Rchmt hier mein festes Wort und schließt es in Euere Brust: Meine Thaten sollen mächtig wirken, daß mein weites Land blühe, mein Herr triumphire und die Macht de» heiligen römischen Reiches deutscher Nation ausgebreitet werde, auf daß ich ruhmvoll in dieser Welt leben, ruhmvoller auS den Banden dieses Fleisches mich zum Himmel ausschwingen und im höchsten Ruhme einst jenseits mit dem Herrn

ihrem früheren Maße wieder in den ganzen Geschäfts­verkehr einkehren werden.

Die Centrumspartei aber kann mit besonderer Genuzthuung auf daS Zustandekommen dieses Gesetzes blicken, welches wesentlich der Initiative von Mit­gliedern derselben — wir brauchen da ja nur an die Verfasser der genannten Schrift zu erinnern — zu verdanken ist und einen neuen Erfolg der sozialpoli­tischen Bestrebungen des Cmtrums zum Schutze eine» gesunden Mittelstandes bezeichnet.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Juni.

* Der Kaiser sandte sofort nach dem Empfange der Unglück-Nachricht aus Moskau ein Beileids­telegramm an den Kaiser von Rußland. — Heute srüh unternahmen beide Majestäten von 71/« Uhr ab einen Spazierritt in die Umgebung des Neuen Palais. Von diesem zurückgekehrt, empfing der Kaiser den Chef des Geheimen CivrlkabinetS, Wirkt. Geh. Rath Dr. v. Lucanu», zum Bortrage und hörte daran anschließend die Vorträge deS Staatssekretär» deS ReichSmarineamt», Admiral» Hollmann, und des stellvertretenden Chefs des Marinekabinet», CorvettenkapitänS von der Groeben. Nachmittag» wohnte der Kaiser dem Wettrennen des Potsdamer ReitervereinS bei Sperlingslust bei. — Zu den Kaisermanövern hat der Kaiser den großen Operation-plan für die im September stattfindenden Manöver selbst ausgearbeitet. Während der großen Kavallerieübungen wird auch ein große- Kavallerie- Nachtmanöver stattfinden. Für die Kaisermanöver ist gleichfalls ein solches in Aussicht genommen.

* Obschon die zweijährige Milttärdienstzeit die Anspannung aller Kräfte und die vollständige Aus­nutzung der AuSbildungskrast erforderlich macht, ist eS den Generalkommandos doch wieder anheimgestellt worden, zur Unterstützung der Landwirthe bei den Erntearbeiten Beurlaubungen von Mannschaften der Infanterie je nach Maßgabe der dienstlichen und lokalen Verhältnisse eintreten zu laffen.

X Der AugustinuS-Berein zur Pflege der katholischen Presse wird am Mittwoch, den 15. und Dienrtag, den 16. Juni eine außer­ordentliche Generalversammlung in Mainz abhalten. Der Abend deS Montag ist für eine gesellige Zusammenkunst bestimmt, in der ein Vortrag die Zwecke und Ziele des Vereins erläutern soll, während der Vormittag dks Dien-tagS von früh 9 Uhr ab für die Abhaltung der eigentlichen Generalversammlung bestimmt ist. In dieser soll auch die Bildung einer neuen Gruppe in die Wege geleitet werden, um einen engeren Zusammenschluß der Mitglieder, und damit gleichzeitig aller der CentrumSblätter anzustreben, die in dem Gebiete der neu geplanten Gruppe „Hessen- Mittelrhein-Mosel" (Großherzogthum Hessen, preußische Reg.-Bez. Wiesbaden, Kassel, Koblenz und Trier) ihren Wohnsitz haben.

herrschen könne!" Der Kaiser hatte in Begeisterung mit erhobener Stimme gesprochen.

Bernward aber wiegte ernst daS Haupt.

„Mein Otto," so sprach er bedächtig, „vertraue Dich nicht sorglos Deinen schwärmerischen Gedanken und Vorstellung n von irdischer Größe an. Du möch­test von der schwindelnden Höhe, auf die sie Dich ver­locken, jählings hinabstürzen und Alles verlieren, weil Du zu viel begehrst."

Auf diese Worte hin bemächtigte sich deS leicht be­weglichen, zart besaiteten Jünglings ein tiefes Gefühl von der Eitelkeit aller weltlichen Macht. Just so über­schwänglich, wie er eben seine irdische Hoheit aufgefaßt hatte, ergriff Otto auch rückhaltsloS den Gedanken, der Welt zu entfliehen. Bischof Bernward hatte wahrlich Mühe, den Kaiser wieder zum Bewußtsein seine- WettheS und seiner Pflichten als Herrscher emporzuheben.

So trennte Otto sich spät in der Nacht von dem väterlichen Freunde mit den Worten:

„Auf Wiedersehen in der Morgenfrühe auf dem Aventin!"

Nach der ersten in Rom durchlebten Nacht folgte Bernward der Einladung in die Kaiserburg. Er stieg mit wenigen Begleitern unter hohen Pinien zwischen dunklem Lorbeer, weiß blühenden Myrthen- undOrargen- büschen den aventinischen Hügel hinan.

f (*) Der sogenannte „deutsche Lehrertag" welcher in der Pfingstwoche in Hamburg abgehalten wurde und von 7000 Lehrern besucht war, hat wie in früheren Jahren so auch heuer wieder sein alte- agitatorisches Thema: „Die Beziehungen der Schule zur Religion und Kirche" in dem bekannten kirchenfeindlichen Sinne unter dem üblichen „donnernden Beifall" seiner Theilnehmer behandelt. Ein „liberaler" „deutscher Lehrertag" ohne dieses Thema und ohne grobe Aus­fälle gegen Kirche und Glauben wäre geradezu undenk­bar, aber originell waren diesmal die folgenden Aus­lassungen M Professor- Leftmann aus Hamburg: „Unsere Vorfahren waren Bestien, ans denen wir nnS allmählig entwickelt haben." „Unserer Ahnen aus der Thier­welt dürfen wir unS nicht schämen." Weiter meinte der Mann: „die verrostete Dogmenrüstung der Kirche flößt Nie­manden mehr Respekt ein."

Und solchen die Menschheit tief herabwürdigenden Erklärungen gegenüber verhält sich der „deutsche Lehrer­tag" nicht etwa ablehnend, nein: e- wurde ihnen kräftiger Beifall gespendet, die beste Charakteristik für d:e Nachkommen der „Bestien" und der „Ahnen an- der Thierwelt." Daß von einem der anwesenden katholischen — auch auS unserer Provinz war ein solcher dort — ober protestantischen Lehrer Ein­spruch gegen solch unerhörte Ausschreitung erhoben worden sei, davon weiß leider keiner der vielen Zeitungs­berichte etwa- zu melden.

Ausland.

* Loudou, 3. Juni. Bei Kegan, Trench u. Co. ist soeben die erste englische Uebersetzung von Janssen'S Geschichte de- deutschen BolkeS eischienen. — Die hiesigen Zettungen veröffentlichen ein langer Schreiben Gladstone'- an den Kardinal- Staat-sekretär Rampolla in Betreff der Giltigkeit der Ordination der anglikanischen Kirche vom Stand- punkt der römisch-kath. Kirche aus. Gladstone fühtt aus, die Verwerfung der anglikanischen Ordination seitens RomS würde die religiösen Differenzen zwischen den Kirchen der Christenheit verschärfen und die Schwie­rigkeit einer zukünftigen Ausgleichung derselben erhöhen. Er erwarte keine baldige Wiederherstellung der Ein­heit deS ChristenthumS, begrüße jedoch ben Schritt, ben der Papst gethan, indem er eine Untersuchung über die Giltigkeit der anglikanischen Ordination an- ordnete.

* Moskau, 3. Juni. Die Zahl der Opfer der Katastrophe auf dem ChodynSkifelde ist noch immer nicht annähernd festgeftellt worden. Ein Arzt, der bei der Bergung der Verunglückten thättg war, schätzt die Anzahl der Tobten auf 2800, die der Verwundeten auf 1500, ungerechnet diejenigen Verwundeten, welche sich selbst zur Stadt begaben oder geflohen sind. Die Gerüchte über die Ursache der Katastrophe sind un­erschöpflich.

* Konstantinopel, 3. Juni. Letzter Tage ist ein vollständiger Bericht über die türkischen Schlächtereien

Da dehnte sich zu seinen Füßen aus die wunder­bare Siebenhügelstadt mit ihren Tempeln, Palästen und Säulenhallen, mit ihren holden Gärten, dunklen Lorbeerhainen und rauschenden Springbrunnen. Bon Hang zu Hang zog sie sich in reizvoller Pracht. Wer zählte ihre Thürme und Koppeln! Gerade gegenüber erheben sich auf dem Palatin kühn und stolz die mäch­tigen uralten Kaiserzinnen. Die ewige Stadt war vom Glanze italischen AeiherS übergossen und die Schatten der Vergangenheit schwebten vor Bernwards Geist darüb-r hin. Weiter schweifte sein Blick durch die stille Campagna. Dort funkelte in vielfachen Win­dungen, einer gelben Riesenschlange gleich, der T'.ber. Goldenes Licht floß von den Höhen von Tuikulum unb von Tivoli in die weite grüne Ebene.

„Das ist groß," sprach Bernward aufalhmend; sein Auge schimmerte in feuchtem Glanze.

Welche Ueberraschung wurde dem Demüth-gen zu Theil, als er gleich darauf den Pforten der Kaiser- bürg sich nahte!

Da trat an der Seite det Kaiser- ihm der Mann entgegen, vor dem der christliche Erdkrei- sich neigte, dessen Haupt die dreifache Krone schmückte, Papst Sylvester II. Der eilte auf ihn zu, umarmte und küßte ihn.

Der Statthafter Christi, war eine hohe schlanke