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M 126 Mittwoch, bett 3. Juni 1896. 23. Jahre,au°

mit Unterhalttmflv Beilage ,,Stritte und B>»men".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld ttt Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Des hl. Frohnleichnamsfestes wegen er­scheint die nächste Nummer am Freitag.

(*) Frohnleichnarn.

Die ka holische Kirche fordert von ihren Gliedern, daß sie jährlich wenigstens einmal zum Tlfche des Herrn gehen, und zwar in der hochheiligen Osterzeit, und sie macht von der Erfüllung dieser Vorschrift die Zugehörigkeit zu ihr selbst abhängig. Damit zeigt die katholische Kirche, welche fundamentale Bedeutung in ihr dar oller heiligste Altarssakrament einnimmt. Dem entspricht denn auch die festliche Pracht und die heftige Freude, mit welchem sie das Fest dieser erhabenen, geheimnißvollen, göttlichen LiebeSopferS, dar heilige FrohvleichnamSfest begeht. Selbst die reichgeschmückten Kirchen, die Wohnstätten Gottes, genügen an diesem Tage der heiligen Begeisterung der Kirche nicht, und die weiten Hallen ihrer gewaltigsten Dome vermögen dann ihre festliche Freude nicht zu fassen; sie über­schreitet die Schwellen der Gotteshäuser, sie eilt hinaus auf die Straßen, auf denen sie im Triumphe einher- zieht, ihren erhabenen König und göttlichen Meister, der in seiner Demuth und seiner Liebe zu unr die arme Brods- und WeineSgestalt zum Kleide gewählt hat, in festlichen Prozessionen geleitend. DaS ist der herrliche Ausdruck ihrer reinen Freude, ihrer tiefen Dankbarkeit, aber auch da» freie Bekenntniß ihres felsenfesten Glauben» an die wahre Gegenwart Jesu Christi als Gottes und Menschen im allerheiligsten Sakramente des Altares.

Gerade hierin liegt daS unterscheidende Merkmal unserer heiligen katholischen Kirche. Sie, die am hoch­heiligen Pfingstfefte sich froh und dankbar erinnert, daß ihr und nur ihr für alle Zeiten die Erleuchtung und Führung durch den heiligen Geist verliehen ist, sie allein ist e» auch, die in unzweifelhafter Gewißheit und Reinheit das große Geheimniß und die unver­siegbare Gnadenquelle de» fort und fort sich unblutig erneuernden ErlösungSopferS auf Golgatha in sich bewahrt hat und bis an'S Ende der Zeiten bewahren wird. Wie wir am letzten Sonntage sagen konnten, daß wir mit dem Feste der allerheiligsten Dreifaltig­keit beweisen, daß wir Christen sind, so können wir jetzt erklären: Mit dem hochheiligen Frohnleichnams- feste, dem Feste der wirklichen Gegenwart de» Gott­menschen unter den Gestalten von Brod und Wein bekennen wir uns al» katholische Christen, d. h. als die treuen Söhne jener allgemeinen und untheil- bare« katholischen Kirche, welche allein die Lehren und Gnadenmittel Jesu Christi durch die Jahrhunderte und Jahrtausende rein und unversehrt bewahrt und verwaltet.

Welcher erhabene Vorzug, Mitglieder dieser ewigen, untrüglichen Heiltgemeinschaft zu sein, in welcher der göttliche Eilöser au8 der unendlichen Liebesfülle s-ineS

Sie Krast« mm LmmeWibug.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt

361 ------- (Nachdruck verboten.)

IV.

In der ewigen Stadt.

O Roma, eitle Stadt, du weltbeherrschende, Hoch ob all' anderen Städten erhabene, Rosig im Martyrerblute geröthete. Weiß von der Jungfrauen Lilien erglänzende: Grüße dir bringen wir, hehre durch jegliche Zeit und entbieten dir Heil durch Jahrhunderte.

Alter Hymnus.

Da» Jahr Eintausend, von den Menschen nut F.:tcht und Bangen durchlebt, war vorüber. Die Welt be­stand noch, bte Vö ker athmeten auf.

Aar vierten Tage dis WintermtwaiS Eintausend und Eins nährte sich Bischof Bernward mit seinen Begleite.« der ewigen Roma. Von Gottes Gnade ge­führt waren sie hoch zu Roß unter vel-n Abenteuern und Schwierigkeiten über den Brenner und dann durch das Thal v"n Trient gezogen und kamen so, da Alles nach Wunsch ging, zu der Hauptstadt der Christ« cheit.

In zart röthlichem Duft vetschwammen die wiite Campagna und die weichen Linien des schönen Albaner- Gebirge»; schärfer aber hoben sich vom Abendputpur ab die kriegerischen Mauern und Thürme, die glän­zenden Kuppeln und Zinnen der befestigten uralten Kaiserstadt. 1

für uns durchbohrten Herzen», dessen besonderer Ver­ehrung der Monat Juni geweiht ist, uns Unwürdigen seine Gnadenschätze spendet! Ja, uns Unwürdigen! Denn womit haben wir jenen unschätzbaren Vorzug verdient? Was haben wir gethan, um unS der über­strömenden Liebe der göttlichen Herzen» werth zu machen? Ach, die Antwort auf diese Frage zwingt uns, demüthig und reuevoll unser Haupt zu beugen und zu gesteh m: „Domino non sum dignus, Herr, ich bin nicht würdig, daß du einkehrest unter mein Dach!"

Aber wenn wir auch niemals der unendlichen Liebe des göttlichen Heiland» würdig werden können, wenn wir stets unwürdig wären,z ihn im allerheil. AltarS- sakramente zu empfangen, fall» nicht er selbst unS würdigte, so können wir doch und müsien darum auch, soviel in unseren Kräften steht, unS dankbar erweisen. Dazu bedarf e» zunächst, daß wir nicht nur heute unseren Heiland im Triumphe durch die Straßen ge­leiten, sondern ihn auch allzeit in unserem eigenen Herzen tragen und nicht nur Hute, sondern immerdar auf Wegen wandeln, die ihm wohlgefällig sind, auf Wegen, auf d-nen wir die Blumen r-iner Frömmigkeit und guter Werke aussteuern! Dazu bedarf eS weiter, daß wir in gleichem Sinne auch für unsere Nächsten thätig sind, namentlich für jene, welche unserer be­sonderen Fürsorge anvertraut sind. Und weiter gehört eS zur Erfüllung unserer großen Dank-Spflicht g"gen die göttliche Liebs, daß wir auch m öffentlichen Leben, jeder an seiner Stelle, dem Herrn die Wtge zn bereiten suchen und dazu mitwirken, daß der Well­erlöser nicht nur durch tie Straßen unsere Wohnorte in der Frohnleichnamlprozession, sondern auch durch all« Schichten unsere» ganzen Volkes al» Sieger und Segrnspender von Jahrhundert zu Jahrhundert einen ununterbrochenen, glorreichen Triumphzug friere. DaS wollen wir am heutigen hehren Festtage feierlich ge­loben und dann, mit unsere» Heiland» mächtigem Bei­stand?, furchtwr und treu au»harren, um unser Ge­lübde zu erfüllen!

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Juni.

* Der Kaiser machte heute früh um 61/» Uhr einen Spazierritt in die Umgegend von Potsdam und arbeitete später mit dem General - Adjutanten von Hahnke. Um 10 Uhr fuhr er von der Wildparkstation «ach Berlin und begab sich nach dem Opernhause zur Beiwohnung der Generalprobe de» unter Leitung der Kap llmelsterS Dr. Muck demnächst in Moskau beim deutschen Botschafter Fürsten Radolm coscertirenden philharmonischen Orchesters. Nach dieser Musikauf­führung begab sich der Kaiser um 1 Uhr wieder nach Wildpark bezw. dem Neuen Palais zurück und nahm während dir Rückfahrt im Zuge den Vortrag de» HandelsministerS Frhrn. v. Berlepsch entgegen.

* Die Berichte der Kommission für das Biirger- liche Gesetzbuch über die erste Lesung.derfKommission sind zum Theil schon fertig gestellt. Der,Bericht des Abg. v. Buchka über daS Sachenrecht ist bereit- gedruckt und in den Händen der Mitglieder der Kom­mission und der Kommissare der BundeßratheS zur Korreftur und Kontrole. Der Bericht des Abg. Schröder über das Erbrecht ist im Druck. Der Bericht de» Abg. EnnecceruS über den allgemeinen Thril und das Obligationenrecht ist auch bereits so weit gefördert, daß er morgen oder übermorgen zum Druck kommen dürfte. Nur der Bericht de» Abg. Bachem Über das Familienrecht ist noch nicht beendet; er wird allerdings auch wohl weitaus der umfang­reichste werden, da die Verhandlungen der Kommission über diesen Theil einen sehr breiten Raum beansprucht haben. Doch auch von diesem Bericht ist bereits der Thril über da» Eherecht im Druck. Der Rest, der Bericht über dar eheliche Vüterrecht und da» Familien- recht im engen Sinne, soll in den nächsten Tagen beendet werden. Man darf daher annehmen, daß die abschließenden Berichte seh? bald nach Beendigung der zweiten Lesung in der Kommission in die Hände deS Reichstages gelangen werden.

* Der Verein deutscher Zettung» - Verleger trat gestern im Kaiserhof zu einer außerordentlichen General- Versammlung zusammen, um über die Frage der Post- zettuvgs - TarifeS zu verhandeln. Die Versammlung kam zu dem Beschluß, vorzuschlagen, daß der neue Tarif auf den Sätzen von 25 Pfg. X ErscheimmgS- r ziffer und 4 Pfg. für da» Kilo Papiergewicht mit ■ Preisermäßigung des zweiten Satze» auf 2 Pfg. inner­halb der 10 Meilenzone bastrt werde.

* Mit der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit wird in Köln ein Versuch, der erste in Deutschland, gemacht. Man hat dort eine Kasse mit vorläufig 60000 Mk. Vermögen gegründet, die am Montag (1. Juni) in Betrieb gesetzt wurde, und zwar in An­lehnung an die dort bestehende allgemeine städtische ' Arbeitsnachweis-Anstalt. Der Geschäftsbereich der Kosse beschränkt sich auf männliche Arbeitsnehmer im Geviete der Stadt Köln. Als Eintrittszeit in die Kasse wird ein Alter von mindestens 18 Jahren angenommen. Die Unterstützungsberechtigung beginnt mit dem Mon­tag der 27. Woche der Beitragszahlung. Wünscht jedoch der Eintretend- einen früheren Beginn, so kann ihm gestattet werden, bis zu sechs Wochenmarken in da» Markenbuch einkleben zu lasten. In diesem Falle be­ginnt die Berechtigung um die entsprechende Zahl von Wochen früher, aber frühestens vom Beginn eines neuen Geschäftsjahres ab. Jeder Versicherte hat wöchent­lich einen Beitrag von 35 Pfg. zu leisten, und zwar nach dem 1. April 1896 während 34 — int ersten Geschäftsjahre während 26 — aufeinander folgender Wochen. Der Versicherte ist zur Annahme der ihm nachgewiesenen Arbeit verpflichtet und hat keinen An-

W:e schlug Allen daS H-rz in freudiger Rührung beim erseh' tm Anblick der heiligen Roma!

Bald ritten sie über die T'berbrück« und dann durch ein festes bethücmteS Thor in die ewige Stadt hinein. Säulenhallen, Marmorgebilde von Pracht und Schön­heit umgaben sie. Majestätisch stieg vor ihren bewun­dernden Blicken die Riesenbasilika auf, zu deren Er­richtung Kaiser Konstantin einst selber den ersten Spaten- st.cht gethan hatte. Ihr Dach strahlte in goldenem Schimmer.

„Sehet die Ruhestätte des heiligen Apostelfürsten Petrus!" sprach der Bischof. Sein mildes Auge leuch­t' te in begeistertem Ganze.

„Wir wollen 'eintreten und an dieser erhabenen Stätte unS Kraft und Muth zu allem Guten erflehen."

Sie stiegen von den Rossen.

Noch aber hatten sie die Vorhalle de- Gotte-Hauses nicht erreicht, da nahte gar eilig ein prachtvoller Zug. Der jugendschöne Rann, so an der Spitze des Zuges auf goldenem Prunkwagen selber das Viergespann der weißen Roste lenkte, war in altrömische Gewandung, in eine sternbesäete Tunika und eine purpurfarbene, mit goldenen Adlern, mit Edelsteinen und Perlen ge­zierte Toga gekleidet. Sein mit goldenem Stirnreif geschmückte» blondes Lock nhaar flatterte bei der Schnelle, mit der er fuhr, im Winde.

„Mein Otto!" rief Bernward freudig.

Der Kaiser, er war'S, sprang vom Wagen, um­

armte stürmisch den geliebten Freund und Lehrer und rief mit Freudenthränen:

„Willkommen, o tausendmal willkommen in Rom, ‘ mein theurer Vater! Ich brannte vor Verlangen, Euch i wiederzusehen, und mußte Euch auS meinem Palaste entgegeneilen, sobald ich die Nähe Eurer Ankunft er- ' fuhr. Mein Vater, wie glücklich bin ich!"

Der Bischof erwiderte die stürmische Zärtlichkeit de» jungen Kaiser- mit ruhiger inniger Herzensfreude.

„Heil B.schof Bernward!" riefen die erkorenen Begleiter Otto'- zum Gruße.

Bernward neigte sich dankend.

Die Sachsenhelden aber, so sich um ihn schaarten, riefen nun, fast beschämt, daß sie eS versäumt, ihr „Heil dem Kaiser Otto!"

„Mein Vater, ich sah e-, Ihr wolltet den Eintritt in di« ewige Stadt mit einer Andacht am Grabe des ersten Bischofs von Rom in Santt Peters Dom feier­lich begehe«. Folget Eurem Herzen, ich begleite Euch," sprach Otto, der vor Glück sich kaum zu fasten vermochte.

Gemeinsam stiegen sie die Stufen zum sänken» • umgrenzten, mit rauschendem Springbrunnen geschmückten Vorhofe empor.

Weihevolle Stimmung umfing sie allsorglich beim Eintritt in da- wunderbare Gotte-hau- zu dessen » Ausstattung Päpste, Kaiser und Könige in Freigebig- -■ leit gewetteifert hatten, und welches Denksteine fast 6 aller wichtigen Ereignisse au» dem Leben der Kirche