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Montag, den 1. Juni 1898.

ßik sulHtmkS IlngU

durchschritt alle drei Zelte huldvoll grüßend

Während der Kaiser sich mit den Dorfältesten

Auss-md.

i Stunde ausgegeben.

Gleich nach Mittag fand auf dem Chodynrkyfelde dre Huldigung der Volker statt, wobei Gedenkkrüge und andere Gaben vertheilt wurden, Als da» Kaiser- paar vom Palais nach dem gegenüberliegenden Pavillon abfu^, erfolgte der Aufstieg zahlloser Signalballonr.

Wahrend des feierlichen Einzuges der Kaiserpaare- waren nicht nur zwei Reihen Soldaten läng« des Trottour der Straßen aufgestellt und wurden von den Gendarmen die ganze Stadt abpatrouillirt, sondern er war auch der Zugang zu den Häusern durch Agenten der Geheimpolizei überwacht. Die Thore der Häuser und der Geschäfte wurden cm Vorabende der Einzuges dir zum nächsten Abend geschlossen und die Haurschlüssel wurden den Portiers zur Aufbe­wahrung übergeben. Diese durften nur die HauS- parteren und jene Leute einlassen, welchen von den Behörden gestattet wurde, von den Fenstern aul dem Einzüge des KaiserpaareS zuzusehen. Andere Personen konnten nur mit der besonderen Erlaubniß der Polizei in die Häuser oder Geschäfte eingelassen werden. Die Polizei hat die Keller und Böden der Häuser durch- sucht die Zugänge zu denselben geschloffen und auch die Feuerleitern derart in die Höhe gehoben, daß sie von keinem Unberufenen benutzt werden konnten. Die WohnungSeigmthümer wurden übrigens sttr jede Nebel- that der Personen, denen sie ihre Fenster zur Besich- t<gung des Einzuges vermiethet hatten, verantwortlich gemacht, obgleich diese Personen nur nach der genauesten Prüfung seitens der Polizei den hierfür nöthigen Erlaubnißstüein erhalten hatten. Auch bei der Besich- ttgunq der Pässe aller ankommenden Fremden entwickelte die Polizei eine peinliche Genauigkeit und Strerge.

spiel und stimmte fromme Weisen an, zuerst den eng­lischen Gruß. Sie schaute fromm gegen den Abend­himmel und sang mit ihrer tiefen Altstimme:

. »Gegrüßt seist du Maria!" und die Andern fielen em in ihren Gruß, und dar Aveglöckchen bei Marien- domel läutete sein Amen.

Deputationen verschiedener Moskauer Körperschaften, darunter eine Deputation der deutschen Kolonie, welche eine Adresse überreichte, empfingen. Darauf war in drei gewaltigen Zelten vor dem Palais die Speisung

welche der entsetzlichen Katastrophe vorangingen, liegt uni folgende Meldung vor:

Bei diesem frommen Lied ließ Chlothild er nicht bewenden, und Herr Klaul, der manchen neuen Sang mü> manche alte Mär, wie das Waltharlied und den Sang von Hildebrand und Hadubrand zu singen wußte Md selber Ton und »eise dazu finden konnte, gab der Äungfrau an, wie sie das Saitenspiel handhaben mußte, um das, was er fingen und sagen wollte, so wie ihm ums Herz war, nach seinen Gedanken zu begleiten.

vorhatte und zu leisten vermochte. Aber das Unaus­gesprochene war ein Hinderniß im unbefangenen Ber- kehr. Da» fühlten Alle.

Gegen Ende der WeinmonatS, der fteilich seinen Namen im nordischen Hildesheim gar wenig Ehre machte, saßen sie wie jeden Abend traulich in Meister DiethelmS Wohnstube beisammen. Draußen gingen die Herbststürme, und drinnen sprühte dar Kaminfeuer. Um das warme, hellaufsprühende scharte sich die Familie. Es war ein gar freundliches Bild.

Wie ist doch die Welt so schön, so reich, wenn Freunde sich einander anschließen! WaS der belebende Sonnenstrahl der Erde, dar ist die herzliche Freund­schaft dem Menschen. So wenig reicht auS, um glück­lich zu sein. Nur der ist arm, der im großen Welttreiben auf dem Erdenrund kein friedsam Plätzlein gefunden hat, um sich nieder zu setzen.

Sie sangen vierstimmig zu Chlothildens Spiel die wunderliebliche Melodie: „El ist ein Reis entsprungen aus einer Wurzel zart." Da» Lied gab ihnen ein Vorgefühl vom nicht allzuferven Christfest. Und die vier glücklichen Menschen dachten an der Engel Sang: »Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden allen, die guten Willens sind." Sie hatten nur den einen Wunsch: »Daß er lange so bleibe!"

„Hier ist gut sein", sprach Heribert, der unvermertt in das nicht verschlossene HauS eingetreten war.

rFottfrtzung

Vermischtes.

* Thorn, 31. Mai. Auf dem hiesigen Pionier- Uebungiplatze entzündete sich eine Flattermine von selbst. Hauptmann Adams, Lieutenant Hanne- mann, Unteroffizier Plater, sämmtlich von ber zweiten Kompagnie bei zweiten Pionier - Bataillons, würben schwer, mehrere Mannschaften leicht ve r- wundet. Alle Verletzten würben burch bie Explosion »n bie Lust geschleubert.

, , * Köln, 30. Mai. Eine eigenartige Rechtsauffassuna hat ein hiesiges Gericht sich zu eigen gemacht. Zwei Knaben standen unter der Anklage der Hehlerei vor dem Schöffengerichte Sie hatten von einem anderen Jungen, der seiner Mutter ein Zwanzigmark-Stück gestohlen hatte, sich einen Theil des Geldes schenken lasten, obgleich sie wußten, daß es gestohlen war. Das Gencht erkannte auf kostenlose Freisprechung, da das Zwanzig. mark-Stuck vorher von dem Diebe gewechselt worden war und £ M somit nicht um das gestohlene, sondern um andere-

,handele. Das Schöffengericht stützte sich bei der Begründung des Urtheils auf erne Entscheidung des Reichsgerichts.

Erprobt seit 1880 u. belobt in tauf. Zuschrift, ist nurdecHoll. Tabak, 10 Psd. lose rm Beutel fco. 8 Mk., bei B. Becker in Seesen a. Harz.

«n c t, ------ pw|. j Paris, 30. Mai. Jrn Ministerium bes Innern

kicher Weise zahlreiche Opfer. Nach ben Polizeiberichten y wurden bedeutende Unterschlagungen entdeckt wurden bi! 4 Uhr Nachmittags 331 Tobte unb 459 ' Seit 1886 wird nämlich im StaatShauShat die Summe ^^vundtte festgestillt. Der Kaiser ist tief betrübt l von 400000 Frankl alljährlich all Subvmtion eine! und befahl, tote gemeldet, je 1000 Rubel an jede ver- Kabeli nach Der westafrikanischen Küste aufaefübrt. waiste Familie zu zahlen und die Begräbnißkosten auf i Das Kabel ist bi! heute noch nicht gelegt. — Die

seine Rechnung zu nehmen." > Ernennung del Marquil de Noailles zum Bot-

<&o haben also bie m:t märchenhaftem Pomp in ” schaltter in Berlin wird vom »Journal osfiriel" in

Szene gesetzten KrömmgSfeierlichkeiten einen schauer- i Paris veröffentlicht.

8<Äen' .AH °ur Nachmittage war | * Moskau, 30. Mai. Für die Sicherheit deS

Allel m Hellem Jubel und Abendl b- deckten mehr als Zaren während seines Aufentbaltel in Mosko» t tauW^eijet^ben Festplotz. lieber die Vorgänge, ; wurden sehr umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen !

__ 23. Jahrgarm

FiildakrMZkitlliig

„ Sterne und Klumen".

ourcyscyntt alle drei Zelte huldvoll grüßend Der

Moskau, 30. Mai 10 Uhr Abends. | Ät'ÄTOÄ wurde amtlich festgestellt, daß die - Bauern sei feinem Herzen ebenso nahe wie feinem Zahl der Getödteten oder den ' nÄ^ater und unvergeßlichen Vater. Die Aeltesten Verletzungen erlegenen Personen iÄ Äüffi sich auf 1138 beläuft. f f1et8 «ne feste Richtschnur bilden. Möge Sott ihnen

MEN d-, gatamt, 8u«u, ter Mmift-r E" a,Ml «d i-

de» kaiserlichen Hofe! habe über dal Unglück folgendls 9 ! s 9 1 ,

Telegramm an den ,Regierungsboten' gesandt: „Der 8 , «ährend ber Kaiser sich mit den Dorfältesten glänzende Verlauf der Klörungsftierlichkeiten wurde ; fn.^onb ,n.ber Volksmenge auf btm Cho-

durch einen traurigen Vorfall getrübt. Lange vor dem ^uskyseloe em gewaltiges Gedränge, weil jeder einen Begum des Volksfestes drängte sich eine Menge von ®ebenHru9 A «langen suchte. Hierbei ereignete sich mehreren Hunderttausend Menschen so ungestüm zum i °ai oben geschilderte Unglück. Platze, der Gabenvertheilung auf dem Chodynskyfelde, I daß mit elementarer Gewalt Hunderte Menschen erdrückt < wurden. Alsdann war die Ordnung wiederhergestellt, i Infolge des ersten Andranges gab es in äußerst schmerz- j

hat sich am Samstag in Moskau bei Gelegen- , .

heit der Krönungsfeier des russischen Kaiserpaares ' Die Geschützbatterie begann ihre Salven und ein mehr- zugetragen. Das offizielle Wolff'sche Telegraphen- \ Chor intonirte: Gott schütze den

tawUmrttfhM d-rüborf-hend-D-p-schm: fc.™ XÄÄÄÄte Uioe'ttu, 30. Mai, 4 Uhr Nachm. Auf - Hurrahs. Dal Kaisetpaar verneigte sich während der dem Chodynskyfelde bei dem Petrowsky-Palais * Dauer der Ovation. Die erwähnte Hymne waren seit gestern Abend mehrere Hunderttausend i Raren" ,"2-6en für. ben

um °n ber heutigen Ber- ' tÄÄÄÄ ^etIun9 der Gedenkkrüge und Speisen theilzu- ■ fast wolkenlos. Nach Beendigung der Huldigung begab nehmen. Als die Vertheilung begann, entstand ' sich das Kaiserpaar nach Dem Petrowskypalai», wo eS

Vir Kraft« vo« ZoMerscheubmg. Er fand eine verständige Freundin, eine Geistesgenossin.

»jSWto. u.d°°„XÄÄ'äC--»™ nuj feer Kunstschule arbeitet der Strebsame tagsüber kühner Recken Streiten möget ihr nun Wunder hören

er f^dikn.manä traulich Stündlein mit Frau Gisela < bringend. Dankbar aab er fitfi Mühe „g-M s«. Unb^oUfa&rte^irt?BIf/e?Ac ; Wünschen seiner Gastleute zu machen.'

beschaulich des Abends beisammen, t. So war in Meister Diethelms stillen Haulbalt seit ^hen dem Sonnenmitergang zu, hörten die letzten ! der Einkehr des rheinischen Gastes ein neuer froher Sieber der Amsel. Dann rahm Chlothild ihr Saiten- ; Geist gezogen; nicht laute Lustigkeit, die paßte in dal tarnt, h-n.™, »----Hta, L.ni° w.ML wi, in di, »rch-'°krLmLnm

stille Freude an den Künsten und verdoppelte Fröhlich- keit der Herzen im gegenseitigen Ermuntern zum Guten und Sdeln. Das Aussprechen mit einander, die Wechsel­reden über Kunst gab neuen Stoff zu ernstem Nach- denken, zu fruchtbarem Schaffen.

Herrn Klaus schien ei auch eine rechte Freude, zu sehen, wie wirthlich und gewandt die anmuthige Chlothild alle! zu ordnen wußte. Ein schlimmerer Puntt aber war ber: Wenn auch ber Maler «laus sehr wott- reich vom rheinischen Leben zu berichten wußte, so würbe er redekarg, wenn er von sich selber, von seiner Vergangenheit, von seinen Verwandten erzählen sollte. Er sprach nur gern von dem, was er heute zu schaffen

ein fürchterliches Gedränge. 221 Männer, Frauen

und Kinder wurden erdrückt, 459 verwundet.

Der Kaiser läßt 1000 Rubel an jede verwaiste OCHtn D0I oem V0l0t, Ole &ütt]ana

^anidte zahlen und die Begräbnißkosten auf feine von mehreren Hundert Dorfältesten. Dar Kaiserpaar

Rechnung nehmen. -s «- - - - -