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Montag, den 1. Juni 1896.

. __________ 23. Jahrgang

FiiIdiikrWZtitiiilst

_____„Htekne uub Daumen".

♦ Eine landwirthschastliche Berkaufs- genoffenschaft.

(Mit Randbemerkungen.)

Er schritt auf sie zu und beugte sich zu ihr nieder, o Habt Ihr allein keinen Segensspruch, keinen Wunsch für mich?" fragie er bewegt.

Die Maid schaute traurig empor, und Klaus sah chre großen blauen Augen in Thränea.

''Mir geht's wie der Mutter,- sprach sie einfach. ,Jch hab? leinen Bruder gehabt, und doch habe ich die Empfindung, als ob ein Bruder von mir in daS Wälsch. land zöge. O möge d.i liebe Sott Euch beschützen

volle^Trauer" Wn ®etfiänbn$ stir ihre gefühl- - ."Daü wird er, Jungftau Chlothild; ganz gewiß wird der liebe Herrgott das, denn er hat mich berufen,- sagte er fteudig und zuversichtlich.

Heribert stand beiseite, wischte verhohlen mit der Hand über die Augen und dachte:

hat,-^°hl dem, der ein solches HeimathhauS gefunden

Meister Diethelm entriß ihn seiner Betrachtung.

„Heribert, Ihr wäret dazumal mit unserem Herrn "°ch„^andersheim geritten, erzählt, wie war'S mit der Unbild, so ihm daselbst geschah.-

Der Aufforderung entsprach Heribert nicht ungern. Es wurmte ihn noch grimmig, wenn er an daS Er- lebniß dachte.

„Dar war folgendermaßen: Wir kamen des Mor- gen S früh nach Gandersheim und fanden dort statt feierlichen Empfanges und rechtmäßiger Ehrenbezeu- gungen vor der Kirchenthür eine erkleckliche Menschen­menge, so bereit war, mit Stargen und Waffen auf unseren hochwürdigen Herrn einzudringen, falls er sich herausnehmen würde, die Einweihung der Kirche zu vollziehen Dazu war er doch auf altes Recht hin von der Aebtissin Gerberga berufen.-

„Das Stistlgehört zu Mainz, wierhaben eine neue

Sein Gastherr Diethelm trat vor, bot ihm die Hand und sprach fteudig: v

™ ”®° »im»! meinen Segenswunsch, Du beglückter Menschenkind! Unser heiliger «ltfried behüte und schirme Dich auf der Reise!"

»Dank Euch für den guten Wunsch," sagte Klaus. « Jam Ä bie m,Ibe Hausfrau auf ihn zu, Wehmuth im Blicke. 8

"Jch.habe niemals einen Sohn gehabt," also sprach Frau Gisela. „Doch heute ist eS mir, lieber Klaus

°b 'S. «nen Sohn in die weite Welt entlassen sollte. Mein Segen geleite Dich!"

Klaus vom Rheine dankte herzlich und schaute sich um nach der stillen Chlothild. W v

Die war bleich und stumm geworden wie ein Marmorbild und ebenso unbewegt.

Sie Graft« m Somnschmttrg.

Erzählung auS dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt ------- (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem ersten Blatte.)

Freudig hießen Alle den späten Gast willkommen.

Der strahlte vor G ück und platzte sogleich mit seiner Bor schäft hervor:

„Lieber Klaus, ich soll Dir vermelden, Du darfst gleich mir unseren Bischöflichen Herrn nach Wälschland, nach Rom begleiten. Schnüre Dein Büudrl. In wenig Tagen reiten wir." °

Wirkung dieser Worte war außerordentlich.

Fassungslos starrte Klaus den Freudenboten an: er vermochte kaum zu fassen, daß ihm solches Heil widerfahren sollte. Dann plötzlich aber sprang er in wahrem Taumel auf, warf sich jubelnd an des Freundes Brust und umhalste ihn stürmisch. Ja, er hätte di- ganze Welt umarmen, alle Menschen glücklich sehen wögen. Erlesen zu sein, unter des gelehrten Bischofs Führung, unter der Leitung Herrn Brrnwards, den er schwärmerisch verehrte, wie keinen anderen Menschen, die Kunftschätze Italiens, Roms sehen und kennen zu lernen, da- war mehr, als Klaus jemals erhofft und harte. Er war außer sich vor stolz-demüthiger

Slückseligkert. i

, , Der Kaiser H elt heute Bormittag auf dem Tempel- Hofer Felde die diesjährige FrühjahrS-Parade über die Gardetruppen der Berliner Garnison ab. Nach der $orr^em?a^m ber Kaiser auf dem Paradefelde mili- tänsche Meldungen entgegen und kehrte dann nach dem Schlosse zurück. Um 6 Uhr Abends war Parademahl zu etwa 340 Gedecken im Weißen Saale und den an- Lenzenden Gemächern des Schlosses, bei dem sich der Gesandte in Brasilien, Dr. Krauel, welcher sich auf seinen Posten zurückbegibt, und der Legationssekretär Frhr. Spcck v. Sternberg bei dem Kaiser meldeten. -Der Kaiser wird der ,Voss. Zig/ zufolge gelegen!- lich seiner diesjährigen Nordlandrreise, welche an der Westküste Norwegens entlang geht, mit König Oskar von Schweden und Norwegen zusammentteffen. Dieser der im Sommer mit seiner Yacht meistens eine Reise an der schwedischen Küste emlang macht, stattet dies- mal auch der Westküste Norwegen» einen Besuch ab In Bergen wird der König vom 11. bi» 13. Juli Aufenthalt nehmen, dann geht die Reise nach Voß, Sogn und Nordfjord, und in einem der beiden letzt­genannten Fjorde findet einer Mittheilung aus Bergen zufolge die Zusammsnkunft der beiden Monarchen statt ~ Dft .unterm 18. April d. I. gefaßte bekannte StaatSmmisterialbeschluß wegen Richtbekämpfuug der Regiernngs-vlUik wird jetzt auf Befehl des Ressort- chefS sammtlichen Beamten mitg-theilt. Die Ber« ?a«H.nr.^ber indirekten Steuern scheint es mit der Ausführung de» Beschlusses besonder» gründlich zu nehmen, denn e» ist angeordnet worden, daß eine große Anzahl von beglaubigten Abschriften diese» Beschlusses geserttgt werden, von denen die einzelnen Beamten bis

Im Herbste deS JahreS 1894, zu einer Zeit, wo die Setreidepreise den niedrigsten Stand feit Jahren hatten, und zu einer Zeit, wo Alles nach Staatshilfe schrie, wurde in den Bergen des bayerischen Fichte!- gebkrge» durch Selbsthilfe'und au» eigener Kraft diese Kalamität bekämpft. Der auS „Polittschen Maßregeln" nach Wunsiedel im Fichtelgebirge versetzte, jetzige Real- lehrer in AnSbach, Dr. G. Heim, organisirte dort- selbst auS kleinen Anfängen heraus die jetzige Fichtel- gebirgS-Beckaufsgenossenschast. Noch vor drei Jahren bestand keine Spur von der jetzigen Organisation, deren Unterlage 16 DarlehenSkaffenvereine nach dem System Raiffeisen bilden. Fast alle diese Vereine wurden selbst wieder von dem BerbandS-Anwalt der BerufSgenossenschast, Herrn Dr. Heim, inS Leben ge- rufen. Die Organisation umfaßt heute 1200 Oeko- nomen und co. 100 Ortsgemeinden (Bauerschaften) 3« einem AmtSgerichtSbezirke sind alle Gemeinden organisirt. Durch Unterstützung seitens der bayerischen Staattttegierung ist die Möglichkeit gegeben, daß die Senosseuschast bi» zum kommenden Herbste an vier Stationen Lagerhäuser stehen hat. Jede einzelne Ge- nossenschaft (Darlehen»kassenverein) hat ihren eigenen Obmann für die Berkaufsgeschäste. Die BerkaufSge- schäfte leitet der geschästsführende Verband» - Anwalt, welcher al» Hmiptaufgabe hat, Absatz zu suchen und Berkaustgeschäste abzuschließen. DaS Kassaqeschäst be­sorgt ieder einzelne (Betreibe liefernde Verein für sich. Der geschäftsführende BerbandS-Anwalt hat von dem Augenblicke an mit dem Geschäfte nichts mehr zu thun wo ein Verein mit der Lieferung beauftragt ist. „ ES ist also wohl zu unterscheiden zwischen der Centtale (Geschäftsstelle), welche den Absatz vermittelt und den einzelnen, die Organisation bildenden Ver­einen, welche daS zur Ausführung zu bringen haben Selbstverständlich handelt der Geschäftsführer immer nur im Einvernehmen mit den Vereinen, wa» beson- der» hinstchttich der Preisfestsetzung gilt. Sobald die BerkaufSkampagne beginnt, versammeln sich die Vereine von Zeit zu Zeit, um sich womöglichst über einheitliche Preise zu einigen und dem Geschäftsführer für seine Abschlüffe einen gewissm Spielraum zu lassen.

Die hauptsächlich in Bettacht kommenden Produkte sind Hafer und Roggen (Korn), zum Theil auch * * Weizen und Gerste, sovann Kartoffeln. Besonders star ist der Hafer- und Karttffelbau. Diese beiden Pro­dukte, FichtelgebttgShafer und Fichtelgebirgskartoffeln ersterer besonder» als Saathafer (auch Sechsämter- Hafer genannt), erfreuen sich eines großen Rufes. Aber trotz dieses Rufe» erhielten die Bauern nicht mehr,

auf die Unterbeamten hinab unter Hinzusetzung ihrer Überschrift Kenntniß zu nehmen haben. Diese Urkunden werden in die Akten behufs sorgfältiger Aufbewahrung eingehestet. ES wird allgemein an­genommen, daß bei vorkommenden Verstößen das Disziplinarverfahren gegen die Beamten auf Entfernung au« ihrem Amte minachsichtlich eingeleitet werden wird, wozu al« erste beweisende Urkunde die eigenhändige Namenszeichnung des betreffenden Beamten dient, der damit bescheinigt hat, von dem Staatsministerialbeschlub Kenntniß erhalten zu haben.

* Der Gouverneur von Deutsch-Ostaftika, Major v. Witzmamt, ist zu einer kurzen Erholung wieder in Deutschland eingetroffen. Er hat in seinem Urlaubs- Gesuche, welcher er an da» AuSwärttge Amt eingereicht hat, die Hoffnung ausgedrückt, daß ein Aufenthalt von kurzer Dauer in Deutschland genügen würde, um feine angegriffene Gesundheit wieder herzustellen. Von ge- wisser Seite, die mit ber Uebeitragung ber Verwal­tung Oftafrika'S an Wißniann aus bekannten Gründen nicht einverstanden war, wird seine Gesundheit aller­dings al» völlig erschüttert hinqestellt. Man wftd hoffentlich nunmehr auS sicherer Quelle erfahren, daß letztere Behauptung falsch ist. Major v. Wißmann hat die auf ihn gesetzten Hoffnungen vollauf gerechtfertigt, und e» wäre im höchsten Grade beklagenSwerth, wenn eS gelingen sollte, ihn von einer Stelle zu verdrängen, für die er bessere Erfahrungen besitzt, nlS Männer, deren Aufenthalt m Afrika wenige Monate gedauert hat.

Der Ceremonienmeister Herr von Kotze ist von semer italienischen Reise zurückgekehrt; er hat dieselbe unterbrochen, um in Berlin an einer Familienfeier theilzunehmen. Da» kriegsgerichtliche Urtheil weg«i ferne» Duells mit dem Freiherrn von Schrader, welches bekanntlich auf 2 Jahre Festung lautet, unter- hegt letzt der Bestätigung de» obersten KriegSherrn; eine bezügliche Eröffnung ist bisher Herrn von Kotze nicht zugegangen. Berliner Blätter wollen bestimmt wissen, daß ber Kaiser das Urtheil bestätigen werde daß aber m kurzer Frist die Begnadigung de» Herrn von Kotze folgen werde. — ??

(*) Verschiedene Blätter melden, da» Cent rum we^e nach den Pfingstferim im Reichstage den Jesutten- Mtrag wieder einbringen. In dieser Form ist die Meldung jedenfalls unrichtig. Bisher hat der Bundes- rath noch nicht Zett gefunden, eine Entscheidung über den Beschluß des Reichstages vom vorigen Jahre zu treffen. Bi» dahin ist die Wiedereinbringung de» Antrages nicht möglich. Vielleicht handelt e» sich mn eine Anfrage an den BundeSrath, die allerdings wohl am Platze wäre. 8 ’

* Mit Senugthuung muß man es begrüßen, daß wieder ein Stück alten Zopfes abgeichuitten ist Der Fmanzmmister und der Minister des Innern er- laffen unter dem 20. Mai 1896 neue Bchimumngen über Vereinfachung deS Geschäftsganges und Verminderung de» Schreibwerkes. U a. heißt e» darin:

sondern weniger für ihr Produtt als die Bauern aus anderen Gegenden, bi» die Organisation die Sachlage mit einem Schlage änderte. Als die Organisation ge- gründet wurde, im Herbste 1894, wurde z. B. für la Haftr pro Ctt. (50 Kilo) ein Preis von 5,10 Mark für mittlere Qualität 4,80 Mk. bis 4,80 Mk. bezahlt. Der Organisation ist e» gelungen, innerhalb w niger Tage die Preise um 1 Mk. pro Ctt. in die Höhe zu tteibai Die anfangs engbegrenzte Organisatton hatte

Geschäftsjahre bereits einen Umsatz von 10,122 Mk. Hierbei ist aber nicht zu vergessen, daß dieser HandlerpreiS ohne die Konkurrenz der Organi­sation ein weit niedriger geblieben wäre. Berück­sichtigt man bei dem materiellen Erfolge diesen Um­stand, so dürfte sich der Mehrerlös auf das Doppelte berechnen. Die Geschäftsunkosten für daS erste Ge- schaltrjahr beliefen sich auf ca. 110 Mk., wovon 73 Mk. Portoauslagen. Berücksichtigt muß dabei aller- dmgs werden, daß der geschästsführende BerbandS- Anwalt und Gründer der Berkaufsqenoffenschast, Herr Dr. Heim, die Geschäftsführung allein und ohne Bei- Hilfe besorgte.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Mai.