JE 123 Samstag, den 30. Mai 1896. 23. Jahrgang
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mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klurnen".
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Zweites Blatt.
[] Zum Feste der allerheiligsten L Dreifaltigkeit.
Dar Geheimniß bei einen und doch dreiprrsön- lichen Gottes würdig zu feiern, ist so recht in dieser Zeit, wo theils verschleierter, theils offener Unglaube an den Grundfesten des Gebäudes der christlichen Wahrheit zu rütteln sich vermißt, einer jeden gläubigen Christen Pflicht. Denn gerade daS macht den gläubigen Christen, daß er an die allerheiligste Dreifaltigkeit glaubt. Es gibt Leute genug, die sich Christen nennen, aber über Christi Wort ihren eigenen beschränkten, irrenden Verstand setzen, indem sie nur so weit an Christi Wort glauben wollen, als es sich mit ihrem kurzsichtigen Verstände zu vertragen scheint. Zugleich ist er ihrem Stolze unerträglich, anerkennen zu müssen, daß eS für den menschlichen Verstand Schranken gibt, die er niemals überwinden kann, und daß ihnen daher gar Vieles ein ewiges Geheimniß bleiben wird. Scheitert schon der menschliche Verstand an der Aufgabe, dar Geheimniß des natürlichen Lebens, seiner Ursache und Fortpflanzung, zu enträthseln, wie viel unbegreiflicher müssen ihm da jene übernatürlichen Geheimnisse sein, welche unsere Religion uns zu glauben gebietet! Jene Thatsache, daß der Mensch nicht fähig ist, so mancher Geheimniß in der sinnlichen Natur zu enträthseln, sollte ihn demüthig genug machen, um zu bekennen: „Jo mein Verstand ist schwach und beschränkt, wie dürfte ich da wagen, chn zum Richter zu fetzen über die Geheimnisse der göttlichen Offenbarung?"
Allein jene Bernunftgläubigen find zu hochmüthig, als daß sie diesen unwiderleglichen Schluß ziehen möchten. Allenfalls wollen sie an einen Gott glauben, weil ihr Verstand sonst keine befriedigende Erklärung der Herkunft aller Dinge fände. Aber es geht ihnen damit wie den Juden, an die auf Sinai das Gebot erging: „Du sollst Dir kein geschnitzter Bild machen, dasselbe anzubeten." Der Gott, an de» die Bernunftgläubigen glauben, ist auch nur ein Gott, den ihr Verstand sich gemacht hat, und darum behält ihr Verstand über dieses sein Geschöpf stets die Oberhand, er ist größer und erhabener als der Gott, den er sich gebildet hat, denn er ist persönlich, dieser Gott aber nur eine unpersönliche Urkraft dec Natur. Freilich bleibt da der Verstand die Antwort schuldig auf die Frage: „Wie kann ein unpersönlicher Gott die Ursache eines persönlichen Menschengeister fein?" Aber das ist
dir 6taftu m Ämmschmdirz.
Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 32] ------- (Nachdruck verboten.)
Da schlug Bernward die Augen auf. Verwundert richtete er den Blick auf Heribert.
„Du hier?" sagte er leise. „Ach, wie ist mir doch! — Ich trachtet-, die Reliquie in Kreuzform diesem Gerüste einzufügen. Allein der Span litt nur eine Spaltung in drei Theile, ein Splitter fehlte mir; und während ich bekümmert darüber nachsann, wie er zu beschaffen sei, übermannte mich — ich weiß nicht wie — der Schlaf. Da hatte ich einen wunderschönen Traum: es ward hell, ein Engel, sonnenlicht und klar, erschien mir und legte den fehlenden Theil in meine gefcüttten Hände."
So sprach er, noch in der Erinnerung verklärt, löste die Hände und siehe da — der fehlende Splitter lag darin.
„Er ist Wahrheit, kein Traum! — Mein Heribert, ich halte die Partikel in meiner Hand!" Er blickte zum Himmel, seine Augen füllten sich mit Thränen. „Dank Dir, o großer Gott!" rief Bernward außer sich in frommer, freudiger Begeisterung.
Ohne Verzug faßte er alle vier Theilchen in dem verferttgten Kreuzqerüste also ein, daß selbige in Form eines Kreuzes durch den Edelkiystall in der Mitte, da wo die KreuzeSbalken sich schnitten, hervorschienen.
Heribert stand tief in btt Seele durchschauert von heiliger Ehrfurcht. Ihm fehlte drr Ausdruck, seiner Bewegung Worte zu verle hen. Jetzt sank er auf die Kniee und küßte dar Kreuz, so der Bischof ihm mit dm Worten vorhielt:
Felix Freiherr von Loö f.
Mit dem so unerwartet von Gott abberufenen Freiherrn Felix von Los ist ein Mann oul dem Leben geschieden, vessen Name mit dm traurigstm, aber auch erhebendsten Zeiten des Kulturkampfes unzertrennlich verbunden ist. Mitte der 70er Jahre gab er wohl kaum ein katholischer HauS, wo man nicht mit Begeisterung und Hochachtung von dem unerschrockenen und unermüdlichm Präsidenten des„ Mainzer Vereins" sprach.
Felix Frechen von Los war, wie schon am Mitt- woch in der ,Fuld. Ztg/ anknüpfend an da» unS die Todesnachricht übermittelnde Telegramm erwähnt, am 23. Januar 1825 als jüngster Sohn des Grafen Friedrich Karl von Los und dessen Gemahlin, einer geb. Gräfin Wolff-Metternich geborm. Er studirte Jura an den Universitäten Bonn, Würzburg, Heidel
berg und Berlin, und wandte sich dann der militärischen Laufbahn zu, verließ diese aber, nachdem er den badischen Feldzug unter dem damaligen Prinzen Wichelm von Preußm mitgemacht hatte, um sich dem Verwaltungsdienste zu widmen.
Zunächst bei der Düsseldorfer Regierung beschäftigt, wurde er 1854 dem Landrathamt zu Gelbem zugewiesen und bald darauf mit der Verwaltung der Land- bürgermelsterei Geldern betraut. Im Jahre 1857
Sn diesem Augenblicke erdröhnte der Schritt einer Gewoppnetm. Gleich darauf stand der stattliche Bruder des Bischofs, Graf Tammo, im Thürbogen. An seiner Hand führte er sein blonder Töchterlein Hathumod, ein etwa elfjähriger Mägdlein. Der sonst so Helle Blick des ritterlichen Herrn war umflort und über seinem männlich schönen Antlitz lag ein Zug von Mhamth.
Der Bischof sah et.
„Du bringst k-ine Freudenbotschaft, mein Tammo," sagte er.
Ter Eintretende senkte das Haupt.
„Biellieber Bernward, ich bringe die letzten Grüße und den letzten Segen unserer Schwester Judsth. Mr haben sie verlorm. Die Aebtissin von Ringelheim ist sanft in dem Herrn entschlafen und schon zur Ruhe beigesetzt."
Bernward schaute gen Himmel.
„Also tobt! Ich wußte ts," flüsterte er. „Ihr opferwillige- Leden war wie das Giühen einer heiligen Opferflamme, die sich vor Sott verzehrt. Sie ist zu den Heiligen gegangen. Dort mag sie für unsere Seelen Bitten, auf daß wir, wie sie, einst selig vollrndkn. Wir aber, Schüler der Gtkreuzigten, wollen unsem Schmerz und unsere Trauer um die geliebte Schwester aufopfem
Eine besonder» kluge Maßregel war übrigens die Amtsentsetzung durch die Regierung nicht; denn sie wies dem Freiherrn von Los einen Platz an, auf welchem er der Regierung noch viel mißliebiger wurde. Die nächste Antwort, welche dar katholische Volk auf diese DiSpofitionSstellung gab, war die Wahl Los» in dm norddeutschen Reichstag, die drei Monate später, am 31. August erfolgte. Im Jahre 1868 präsidirte er darauf die Katholiken-Versammlung in Bamberg und stand von da an in der ersten Linie der Bewegung.
Bor Allem ist hauptsächlich sein Werk der am 21. Mai 1872 gegründete Mainzer Katholiken-Verein, dem er auch als Präsident Vorstand, bi» das Apell- gericht zu Münster am 15. Juli 1875 das TodeSurtheil über ihn sprach. WaS dieser Verein in jenem schweren, über die Köpfe der Katholiken hinwegbrauseadm Sturm geleistet, ist mit unauslöschlicher Schrift in der Geschichte verzeichnet. Nicht eine künstliche Bewegung hatte chn hervorgerufen, sondern nur der allgemeinen Stimmung gab er Ausdruck; er hat die Fahne enttollt, unter welcher die Katholiken sich sammeltm zur entschiedmen Abwehr des ihnen aufgedrungenen Kampfe». Al» am 8 Juli 1872 der öffentliche Aufruf zur Bildung de» | Verein» erschien, zeigten sich die Borbotm des heran-
„Siehe da das Holz der Kreuzes, an dem das ' Heil der Welt gehangen."
Roch waren die Beiden in andachtsvolle» Beten s vkrsenkt zu Ihm, der am Kreuzerholze sein Leben hingab, da erklang vom nahen Thurme deS Dome» da» 5 „Ave", die Engelbotschaft — „Gegrüßt leist Du Maria!" ’ so wi,derholten Beide den Gruß des Engel» mit einer ' Inbrunst, wie nie zuvor im Leben. -
am Fuße deS Kreuze», auf daß fie vereinigt werden mit dem Leiden des Heilandes."
Der Bischof sank in brünstigem Gebete nieder vor dem KrenzeSholze. Auch die Anderm kaietm betend nieder.
@1 Als Bernward sich endlich erhob, heischte er von Tammo nähere Kunde über da» Ableben der Schwester, von dem er 'erst später erfuhr, da er längere Zeit durch kaiserliche Aufträge von Hildesheim abwesend war.
„Biellieber Heribert," so wandte er sich an diesen, „führe mein BruderStöchterlein Hathumod in dar Vorgewölbe und zeige ihr das Meßgewand, welches meine Schwester Judith mir einst kunstvoll verfertigte; zeige auch dem Äinbe ben karmischen Wasserkrug, so Kaiser Otto unS kürzlich geschenkt hat, sowie bie heiligen Ge- räthe, bie Kelche und Patenen, welche wir vor Kurzem vollendeten."
Als die Beiden gegangen waren, Hub Tammo an: „Hathumod ist just in dem Alter, wie ehedem unsere Schwester Judith und wie mein holdes Weib HildeSwitha es waren, als fie den frommen Frauen zu Gandei sheim zur Obhut anverttaut wurden. Dort- hin aber wallte ich mein Kind nicht geben, sintemalen die Herrin Gerberga an'S Krankenlager gefeffelt ist und die edlen Schwestern, so noch in der alten Zucht aufgezogen waren, durch den Tod abgelöst find, und weil ich der stolzen Stellvertreterin Gerbergas, der Kaisers- schwester Sophia, mein Kind nicht anvertrauen wollte. Reichlicher Erwägung gemäß wollte ich meine Hathumod unserer Schwester Judith im Kloster Rmgelheim zum Unterricht in den Wissenschaften und Künsten übergeben.
„Judith aber war, als wir nach Ringelheim kamen,
eben nur einer der Widersprüche, in denen sich die Anschauungen der Halbgläubigen und Ungläubigen stets bewegen. Sie sind voller Widerspräche in sich selbst und untereinander und wollen dennoch richten und uriheilen über die geoffenbarte göttliche Wahrheit! Wenn man fie fragen würde, war sie glauben, welcher Wirrwar der widerspruchsvollsten Meinungen käme da zu Tage! Fragt man sie aber, was sie nicht glauben, dann sind sie gleich in recht Vielem einig, vorab in der Ablehnung eines persönlichen Gottes und erst recht eines breipersönlichen unb boch einigen Gotte»! ES kann ihnen freilich nicht schwer werben, biesem wunber- baren Geheimniffe ben Glauben zu versagen, benn sie wollen ja auch nicht an bie Existenz ober Göttlichkeit der einzelnen Personen selbst glauben. Wenn sie vom Geiste Gottes reden, so meinen fv damit höchstens Gott als die Ursache des Lebens. Christus ist ihnen nur der „weise Rabbi von Nazareth", ein höchst genialer Mensch, aber kein Gott. Wo sollte da also bei ihnen der dreipersönliche Gott Herkommen?
Aber mit ihrer Vernunftvergötterung, mit ihrem Unglauben gegen die geoffenborten Wahrheiten bleiben fie Blinde, denn die menschliche Wissenschaft irrt beständig, wenn ihr nicht die Wahrheiten deS Glaubens auf ben dunklen Gängen der Forschung voranleuchten. „Ignoramus et ignorabimus“, wir wissen nicht» und wir werden nichts wissen, hat daher einer der größten Gelehrten der gottentfremdeten Wissenschaft verzagend ausgerufen. Da erkennen wir, was wir an unserem Glauben haben. Möge Gottes Gnade ihn stets lebendig in uns erhalten, da» fei unser erstes Gebet am Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit.
| zum Landrath des Kreises Cleve ernannt, verblieb er, = von dem Vertrauen und der Achtung der KreiSeinge- feffenen getragen, in dieser Stellung bis zum 8. Mai 1867, wo er durch königliche KabinetS-Ordre, vom Minister Eulenburg gegengezeichnet, zur Disposition gestellt wurde mit der Begründung, „die Regierung habe nicht mehr die Ueberzeugung, in allen Dingen auf feine vollkommene Hingebung zu der preußischen : Politik vertrauen zu können". Freiherr von Los hatte ? in einem Gespräch zu offen seine Meinung über den italienischen Bundesgenossen ausgesprochen. So war ; seine Maßregelung durch Minister Eulenburg daS erste ! Wetterleuchten deS am Horizont langsam Heraufziehen- f den Gewitters, da» im Kulturkampf sich entlud. Die in diesem zu Dutzenden erfolgenden Entfetzungen katho- i lischer Beamten zeigen in ihrer Motivirung eine über- i laschende Aehnlichkeit mit der Begründung drS Herrn ’ Eulenburg.! HM MW