Einzelbild herunterladen
 

Beilage ?uv Wulöaev Leitung.

Jig 118 Samstag, den 23. Mai 1896. 23. Jahrgang

Ium teil. Mngstfeste.

ew*-tie wunderbar in Waid und Flur <gVwj- Ein junges Leben grünt und blüht!

Wer'S schaut mit gläubigem Semüth, Sieht überall des Schöpfers Spur.

Und wie es rauscht im grünen Hain, Und wie es singt und wie es klingt, Der Lebensodem, der durchdringt So zaubermächtig alles Sein:

WaS ist'-? Ein Hauch aus GotteS Mund, Sin Ausfluß seiner Schöpfermacht, Die auS dem Nichts, aus leerer Nacht Die Sonne fchuf, das Erdenrund!

Was ist der stolze Menschengeist, DaS Leben, das den Stoff beseelt Und Menschenwerken ewig fehlt, Ob du auch Zell' an Zelle reihst?

Wie nur vom Sonnlicht glänzt der Firn, Ist GotteS Geist des Lebens Born, Ist mächtig in dem kleinsten Korn Wie in des größten Denkers Stirn.

Gewiß ein Wunder hoch und hehr, DaS nie genug der Sänger preist! Und doch thut GotteS heil'ger Geist Der größ'ren Wunder noch viel mehr!

Ja, Er, der flammend niederstieg,

Und treu das heil'ge Feuer nährt, Bis einst der Heiland wiederkehrt. Er leuchtet uns voran zum Sieg! KL

Dit Tresen m Smwnslhenbmg.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 27] ------- "(Nachdruck verboten.)

Zweiter Theil.

I.

In der Kaiserpfalz zu Aachen,

Da saß «, als ob er lebte, Angethan im völl'gen Schmuck; In der rechten Hand des Kaisers. Lag das Evangelienbuch.

Rückert.

Ran schrieb daS Jahr Eintausend nach Christi, nnsereS Herrn, Geburt.

Die Welt war aufgeregt. Boll banger Erwartung harrten die Völ'er bei bevorstehenden Untergangs der Mnge. Die Weissagung der Apokalypse bezog die Menschheit auf das baldige Weltende:

„Wann vollendet sein werden die tausend Jahre, wird der Satan gelöst werden auS seinem Kerker; und er wird auSgehen und verführen die Völker an beit vier Enben bet Erbe, ben Bog und ben Magog, unb wirb sie versammeln zum Gefecht, beten Zahl ist wie bet Sand am Meere."

Also lautete die Prophezeiung bei hl. Johanne!.

Sie würbe nachbrücklicher gemacht bmch auffallenbe Zeichen am Himmel unb auf ber Erde. Ein großer Komet stieg am Himmel empor; auch geschah el, baß zu berselben Zeit ein furchtbares Erbbeben burch ganz Emopa ging. Eine Sonnrnfinsterniß schreckte bie Seelen, ein Nordlicht zog herauf und machte die Nacht zum Tage.

Dal hatte auf die erregten Gemüther schrecklichen Eindruck gemacht, hatte die Einbildunglkrast der Völker krankhaft gesteigert. Da war Keiner, der dem Verlauf bei Jahres Eintausend mit Gleichgiltigkeit entgegensah.

Auf dem deutschen Kaiserthron saß ein schwärme­rischer Jüngling von zwanzig Jahren, ein phantastischer Träumer, jedoch erfüllt von dem Bewußtsein der hohen Aufgabe, die ihm zu Theil geworden war.

In Otto'- III. für alles Ideale glühender Seele stritten stolze Welcherrschlust und akcttische Weltent­sagung um die Oberhand. Mit fünfzehn Jahren schon hatte er selbstständig die volle RegieruvgSgewatt über­nommen. In Rom hatte Papst Gregor V. am Himmelfahrtitage 996 dem sechzehnjährigen Otto die Kaiserkrone auf'! Haupt gesetzt.

Ein Wendenaufstand an den Ufern der Elbe rief ben ganz von bett Eindrücken bet alten Cäsarenstadt, von ben Erinnerungen an bie alte Römerherrlichkeit erfüllten Kaiser nach seinem Deutschlaub zurück, um den Räubern eine Rieberlage beizubringen.

Balb aber zog Otto von Neuem mit großer Heerel­macht nach bet ewigen Roma, nach bent Mittelpunkte bei kirchlichen Reiches unb der abendländischen Kultut.

Richt» GetingeteS als bie Wieberherstellung bei antiken Kaiserthuml in einet neuen Weltmonarchie er­strebte er. So wollte er bai deutsche Kaisetthum auf ben Gipfel der Vollendung führen. Dai wm sein »eltlichei Ziel.

Att nun sein ttefblickenber Lehrer Gerbert, der vormalige Erzbischof von Ravenna, am zweiten April 999 all Papst Sylvester II. den Stuhl Petri bestieg, da wetteiferte bet junge Kaiser mit bent Papste in bet Wiederbelebung bei christlichen Sinnes trab in bet Sorge um die Kirche, in deren BlÜthe er, wie

bie Besten ber Karolinger, bai Gedeihen ber christ­lichen Reiche sah. Ja, bie engste, werlthätigste Ver­bindung der geistlichen unb weltlichen Macht erstrebte er, bannt bai Reich Gottei auf Erden begründet unb bie Wünsche Aller zu bem einen hohen Ziel gelenkt würben.

So nahm er seinen Herrscherfitz in ber alten Kaiserstabt, bie, glorreicher als je, Gebieterin ber Welt werben sollte. Doch mitten in ben größten Erfolgen, auf der Höhe bei Ansehens war er von bem Gefühle ber Richtigkeit aller irdischen Macht vor Gott auf bar lebhafteste erfüllt.

Zu Tube beS Christrnonati 999 entschloß Otto sich, bie Alpen zu übersteigen unb eine Wallfahrt zu unternehmen, um Trost unb Halt zu suchen am Grabe seine- FreunbeS, bei mit ber Marlyrerkrone geschmückten heiligen Adalbert in Snesett.

Hier begründete er all dauerndes Denkmal seiner Anwesenhett da» EtzbiSthurn für Polen. Dann zog er nach seiner deutschen Heimath. In Magdeburg (eierte et Palmensonntag und in Quedlinburg da» Osterfest. Darauf fuhr er mit großem Ehrengeleite au» allen deutschen Sauen übet Mainz nach Köln und Aachen, bet zweiten Hauptstadt de» Reiche».

Aachen war ihm wegen der Erinnerung an Karl den Großen der liebste Aufenthalt. Dott in bem Palaste, m ben glänzevben Hallen Karl», hielt er Hof; bort feierte er btt» liebliche Pfingstfest.

Währenb btt brei Wochen seine» Aufenthalte! ge­wahrte man m bem bunten, heiteren Leben, welche» fich in bet fränkischen Kaiserstabt entfaltete, nicht! von ber bildeten Stimmung jener Zeit. Bunt war da» bewegte Treiben auf ben Gassen. Alle Sprachen schwirrten burcheinanber; benn au» aller Herren Länder waten Völker hier zusammengekommen. Lustig unb lebhaft ging e» allerorten zu, unb nicht am wenigsten laut wat e» am Abende bei Pfingstsonntags, am neunzehnten be» Wonnemonats, in ber großen Säulen­halle ber Kutpfalz, allwo Höflinge, Kämmerer, Dom- schüler, Pagen unb Kriegsleute am Bankrt theilnehmen durften, während ber Kaiser mit wenig Auserlesenen broben im hohen Saale beim Festmahle saß.

Die fackelbeleuchtete, säulendurchtheilte Halle bot bem Auge ein bunt phantastische» Bild dar.

Verwandte Geister finden sich überall, da» sah man an den lebhaft bewegten Gruppenbildungen.

Um bai obere Ende einer langen Tafel schaarte sich eine Zahl von jungen Männern: Langlockige Kunstjünget, blonde Sachseusproflen, wie sie dem ge­lehrten, kunstsinnigen Bischof Bernward von Hilde!- heim, so auf dringenden Wunsch bei Kaiser! mit hierher gekommen wat, auf Wegen unb Stegen zu folgen Pflegten, waffenkundige Rrieper au! allen Län­dern, geschmeidige Höflinge italiemfcher Herkunft unb fröhliche Rheinlänber, bie ber Kunst holb waren. Sie alle lauschten aufmetlsam bem begeisterten Vortrage eine! schlanken Jünglings, besten feingeschnittenes Antlitz von langen bfonbee Locken umrahmt war.

Ein Aachener Patriziersohn, besten gebiegene Rath»- hertnkette gar wunbetlich zu seinem frischen jungen Gesichte staub, rief bem Redner halb bewundernd, halb eifersüchtig zu:

„Wenn Ihr Hildesheimer Herten nicht mit Worten prunkt, und dem so ist, wie Ihr sagt, so wirb die Kunstschule Euere? Bischofs an Ruf gar bald bem Euerer berühmten Domschule gleichkommen unb Euere Stabt bie hetvortagenbste Kulturstätte Deutschland» werben."

Ein Magbebutget Ebelknabe im Kriegskleibe be­stätigte eifrig:

„Es wirb so sein, wie Herr Heribert au» Hildes­heim uns berichtet. Bischof Bernward leuchttt Allen voran durch Kenntniste und Leistungen. Er ist selbst ausübender Künstlet. Da ist fürwahr keine Kunst, fo et nicht mit Geist und Geschick versucht. Bei meine« Aufenthalt in Hildesheim sah ich ihn mit dem Schurz- fell bekleidet, mit Hammer und Meißel in bet Hand ben KunstjÜngetn Unterricht ertheilen. Ich sah ihn, wie er alle Werkstätten, bie ber Steinmetze, ber Bilb- Hauer, ber Erzgießer, ber Golbschmiede burchwanberte, hier belehrte, dort Rath erteilte, da ermuthigte unb überall schöpferische Begeisterung weckte."

DeS blovben Heribert Augen leuchteten. Er sprach mit Bewegung:

„Erkennet, Ihr Herten, baran, wie sehr unser bischöflicher Fürst für bie Hebung seiner heimischen Kunstschule sorgt, baß er immer etwelche seiner Schüler mitnimmt auf Reisen an ben Hof ober zu Reichstagen, auf baß Jedem in seinem Fache Gelegenheit werde zur möglichst vollkommenen Ausbildung. Dabei mahnet et immerbar, un! in allem zu üben, was in irgend einer Knust al! bai Würdigste fich darbietet."

„Mit Verlaub, Herr Heribert," also rief ein schwarzlockiger Mainzer, der im Aeußern sich kaum von den dunkeläugigen gebräunten Römern unterschied, vorlaut dazwischen, „verrathet uns doch, welche ber ehrsamen Künste Ihr all Tuet Fach ansehi."

Da schüttelte ber ernste Sachse mit lustigem Lachen bie blonben Mähnen zurück.

„Darin geht'! mit just, wie unser« gelehrten Meister. In rastlosem Eifer strebe ich nach ber Kunst, eble Steine in Golb zu fasten, Metalle zu schmieben, Erz bildnerisch zu gießen. Ich möchte bie Gesetze bet Architektur gründlich kennen lernen, die Malerei mit Feinheit üben und mir die Bildhauerkunst zu eigen machen. Ja, in allem dem möchte ich el dem Meister nachthun; und das gelingt mir vielleicht später unter bem Einfluß seines herrlichen Geistti. In Einern frei­lich wirb «einer ihn annährenb erreichen: in ferner tiefen Gelehrtheit unb Bücherweisheit."

Der Aachener Magistratlherr wiegte bedenklich ben rothwangigcn Kopf, er hatte ein Häkchen gefunden:

„So wirb Euer bie Wissenschaften und Künste also pflegender und fördernder, ja sich ganz denen hin­gehender Landls Herr nicht viel zum heute so nöthlgen Schutze und zur Grenzvertheidigung seine! Sprengell zu thun vermögen." , „ M

„Oho, Herr Rathlherr, da habt Ihr gründlich fehlgeschosten!" ries in ehrlicher Entrüstung ein keck dreinschauendet Kriegsmann mit spitz emporgedrehtem Schnurrbart m

„In mir seht Ihr Graf Bardo, der als Befehl»- Haber auf bet Beste Mundburg in bischöflichen Diensten steht. Solche Beste hat bet Gelehrte mit großem Geschick am Zusammenfluß bet Ocker unb ber Aller erbaut unb noch eine zwe'te durch G: ätzen gt sicherte sehr feste Burg bei «itiuhoü errichtet zum Schutz gegtn bie heidnischen Ro manen und Slavenvölker, so unsere Gauen verwüsteten. Auf bie Klieglkunst ver­steht fich der Bischof so gut, wie auf bie Bildner« und bie Baukunst; unb ba» Schwert weiß er ebenso geschickt zu führen, wie die Rohrfeber unb ben Maler­pinsel. Den hättet Ihr sehen sollen, wie er an ber Spitze seiner Mannen gegen bie Feinde zog, selber befehligte unb babei bteinschlng, daß bie Funken stoben. Nun haben wir Ruhe vor ben norbischen Räubern."

^Fortsetzung folgt.)

Literarisches.

KontroverS-Katechismus. Kurze Begründung des katholischen Glaubens und Widerlegung der gewöhnlichsten Einwände von L. v. Hammerstein. 8. J. Ca. 64 Seiten 8*. Preis drosch. 50 Pfg., geb. 85 Pfg.

Borliegende Schrift bezweckt, Nichtkathotikrn mit dem katho­lischen Glauben und besonders mit jenen Punkten bekannt zu machen, welche für Andersgläubige von größerem Jntereffe find. Bon den drei Abschnitten handelt der erste über die Religion im Allgemeinen, und es kommen hier besonders die GotteSbeweise, die Gleichgiltigkeit gegen jede? religiöse Bekenntniß und der Re­ligionswechsel treffend zur Sprache. Der zweite Ablchnitt beweist die Gottheit Christi und damit die Göttlichkeit deS ChristenthumS als einer geoffenbarten Religion. Im dritten Abschnitte vom Katholizismus werden die immer neu aufgeworfenen Fragen von der alleinseligmachenden Kirche, vom GlaubenSzwang, Bibel- Verbot, Heiligenanbetung, Reliquienverehrung, Ohrenbeicht rc. beantwottet. DaS Büchlein ist ein richtiger Katechismus. Ab- gesaßt in Frage und Antwort geht er Schlag auf Schlag voran, läßt sich auf tiefere Erötterungen natürlich nicht ein, sondern verweist auf die einschlägigen, namentlich die Hauptwerke des Verfasser» selbst. Der Kontrovers-KatechismuS zeigt alle Bor» züge der v. Hammersteiu'schen Bücher: Einen sehr reichhalttgen, aber sicher und scharf in gefällige Theile zerlegten Stoff, eine klare, bestimmte AuSdruckSweise, eine geradezu erstaunliche Furcht­losigkeit in Hervorhebung und Beantwortung mancher tief ein­schneidenden Frage und schließlich eine so eigenartige, intereffante Auffassung, daß man mit steigendem Interesse die Schrift bis zum Ende durchliest. DaS knapp, aber in lichtvoller Vollständig« kett zusammengestellte Büchlein ist besonders wegen seiner Schlag­fertigkeit Jedemf der für religiöse Fragen sich interesfitt — und da» sollten eigentlich Alle sein — angelegentlich zu empfehlen.

,Mode auk Haus". Alle 14 Tage ein Heft. Verlag von John

Henry Schwerin, Berlin W. 35. Preis 1 Mk. vierteljährlich.

Der schönste Sommerausenthalt kann die böse Langeweile nicht bannen, wenn man nicht auch ein Geist und Herz erfrischende» Familienblatt zur Hand hat, in welchem herrliche Illustrationen und eine feflelnde Lektüre einander ablösen, und ein solches ist das obengenannte Blatt: „Mode und HauS". Die neuesten Bäder« und Reisetoiletteu, leichte Handarbeiten, Nutzbringende» für HauS und Familie, reich illustrirte Bellettistik, ein origmelle» Damen-Witzblatt „Humor", Modengenrebilder, Meisterwerke der Holzschneidekunst, ein großer Schnittmusterbogen mst jeder Nummer, viele Beilagen bieten eine so reiche Fülle von Lesens» und Sehenswerthem, daß „Mode und HauS", zumal bei seiner staunenSwerthenBilligkeit — es kostet nur 1 Mk. viertel­jährlich — (Ausgabe mit Stahlstich-ColoritS und Muster» Frisuren 1,25 Mk), der unterhaltendste Reisebeglefter ge­nannt werden darf. Abonnement» bei allen Buchhandlungen und Postanstallen. GratiS-Probenummern bei ersteren und durch den Verlag. '

ES übertrifft in Geschmack u. Geruch der Halläud. Rauchtabak o.B.

Becker inSeefea a.H. alle ähul.Fabrik. lOPsd. lose i.Beut. sco.8M.