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Samstag, den 23. Mai 1896.

23. Jahrgang

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•fr Zum hl. Pfingstfeste.

Ein eigener Wunderglanz von reiner HerzenSfn ude und lauterem Glücke ruht auf dem hl. Pfingstfeste, dem „lieblichen Feste", wie eS ein deutscher Dichter treffend genannt hat. An diesem Feste zeigt sich wieder, wie vortrefflich t8 unsere heilige Kirche verstanden hat, ihre hohen Festzeiten mit den Jahreszeiten und mit den Bedürfnissen deS menschlichen HerzenS in eine sinnvolle Harmonie zu bringen. TaS heilige Osterfest, dar Fest der Auferstehung unseres Herrn und Heilandes, fällt in die Zeit, wo auch die Natur aus ihrem Winter- schlafe und mit ihr da- menschliche Herz hoffnung-froh zu neuem Leben aufersteht; und daS hochheilige Pfingst­fest, an dem sich der Ge st des Allmächtigen, die dritte Person der dreieinigen Gottheit über die junge Kirche ergossen hat, der heilige Seist, der die Seelen läutert, erhebt und heiligt, auf daß sie im Schmucke und in der Reinheit der heiligmachenden Gnade erstrahlen, dieser schöne, erhebende Fest nahet uns, ganz unge­zwungen, in der Zeit, wo die vor kurzem auferstandene Natur sich bräutlich geschmückt hat und in reiner, roch ganz ungetrübter Frühlingspracht erstrahlt.

Auch die Seele des Menschen im Glanze der Gnade ist vor Gott wie ein schöner Garten in seiner Blüthen- zier, in der Pracht seines jungen, lichtreinen Laubes. Und wer anders ist er, der diese übernatürliche Schönheit der Seele verleiht, als der heilige Geist? Wir Menschen, die wir mit wahrem Entzücken die reine Schönheit der jungrn Frühlingsnatur schauen, vergiften wir dabei nicht, wieviel schöner und liebt ns- würdiger noch ein reines Herz, wie viel erhabener das unbtfltckte Ebenbild Gottes ist, als jede körperliche Schönheit! Freilich, es wird uns schwer, ja es ist uns unmöglich, unS eine annähernd richtige Vorstellung von der übernatürlichen Schönheit und erhabenen Würde der menschlichen Seele iw Stande der Gnade zu machen, denn unser G-ist ist gefissrlt an seine körperlichen Or­gane, und oll; unsere Vorstellungen kleiden wir iu die

Solutore Zola!

Großes Aufs.hen hat ts üverall erregt, daß vor kurzem der italienische Ingenieur Eugen Zola, einer der erstkn unter den Freimaurern Italien», der Frei­maurerei den Rücken gekehrt und reumüth g in den Schooß der katholischen Kirche zurück gekehrt ist. Be­züglich der Abschwörung dieses Großmeisters der Frei­maurerei hat der Hochwürdige Herr Daurelle folgen­den Brief an die französische Z sttung »Virite“ gerich­tet, den wir in der Uederzeugung, daß er die Leser unseres Blattes in hohem Grade inten ff:ren und er­bauen werde, in wörtlicher Uebersttzung wiedergeben: i

Rom, bett 1. Mai 1896. Herr Chef-Redakteur!

Es drängt mich, mit diesem Datnm des ersten Tages eines der Himmelskönigin gewidmeten Monates die Schilderung eines kürzlich durch dieselbe erlangten großen Wunders zu verknüpfen, *

Die katholischen Blätter — die andern hüllten sich in mög- ’ lichst dichtes Schweigen — berichteten vor kurzem von der über- i laschenden Bekehrung des wohlbekannten piemontesischen Ingenieurs i Solutore Zola, Großmeisters, Groß-Hierophanten und souveränen Groß-KommandeurS der ägyptischen Freimaurerei des schottischen Ritus von Misralm und Memphis, ... Inhaber zahlloser Diplome aller möglichen Logen der ganzen Welt, welcher am 18. April von Mgr. Sallua, Generalkommissär des hl. Osfiziums, seinen Verirrungen abgeschworen hat.

Ueber die Nachricht dieses feierlichen Aktes waren die Mit­glieder der Sekte so erschüttert, daß sie ganz den Kopf zu ver­lieren schienen.

Farbe und Gestalt dessen, was unsere leiblichen Augen schauen. Könnten wir mit rein geistigen Augen, ohne alle körperliche Hülle, unsere Seele schauen, so wie wir dereinst, hoffentlich in der Ewigkeit, Gottes Majestät und Schönheit selber schauen werden, so würden wir nie mehr irdische Schönheit, nie mehr alles das, was unseren leiblichen Sinnen Lust bereitet, der übernatür­lichen Schönheit eines reinen Herzens vorziehen, sondern nur noch danach trachten, uns selbst diese erhabene Schönheit allezeit zu bewahren, als den herrlichsten und köstlichsten Schatz, den er nächst Gott selber geben kann.

Aber wenn wir auch nicht diese übernatürliche Schönheit der begnadeten Seele unS sinnlich vorstellen können, so sagt uns doch unser Verstand und lehrt uns noch deutlicher unser Glaube, daß diese übernatür­liche Schönheit weit erhabener und erstcebenSwerther sein muß, als die höchste natürliche Schönheit. Das müßte genügen, um in unS einen unerschütterlichen Entschluß hervorzurufen, jene größte Zier, ein reines Herz, uns zu b-wahren oder, wenn wir eS verloren, uns zurückzugewinnen. Und dennoch sind wir so schwach in unseren befferen Vorsätzen! So groß ist das Unheil, daS die Erbsünde über uns gebracht hat, daß sie uns so schwach gegen die Verlockungen dcs Bösen deS Irdischen und Sinnlichen gemacht hat; daS ist eine ihrer verderblichsten, wenn nicht ihre verderblichste Wirkung. Wir erkennen selbst, wie häßlich die Lüge, wie ekelhaft die Unreinheit, wie abstoßend der Geiz, wie verächtlich die Ruhmsucht, wie widerlich die Ge­nußsucht und Unmäßigkeit, wie erbärmlich die Eitel­keit ist, wir wissen ganz genau und sehen eS besonders an Anderen sehr deutlich, welches häßliche Zerrbild daS Ebenbild Gottes geworden ist, wenn es in solche Laster und Leidenschaften versunken ist.

Und dennoch fänden wir in uns selbst niemals die Kraft, an die Stelle dieser Häßlichkeit die Schönheit eines gereinigten Herzens zu setzen; wir müßten unterliegen in dem Kampfe gegen unsere häßlichen Leidenschaften, in dem Ringen um die Schönheit unserer Seele, wenn nicht der heilige Geist gesandt wäre von dem göttlichen Erlöser, der durch sein Leiden und Sterben uriS die Gnade Gottes wieder zugänglich gemacht bat. Ohne unsere eigene Mitwirkung geht es freilich nicht, denn dazu ist uns die Freiheit deS Willens gegeben, und ohne Kampf kein Sieg.

Möge da» hl. Pfingstfest uns stärken in dieser geistigen Topferkeit, möge es in uns mehren die Liebe zu Gott und dar Verlangen nach jener übernatürlichen Seelen- schönheit, die uns Gott ähnlich zu machen berufen und bestimmt ist!

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Mai.

* Der Kaiser trifft während der Regattawoche in der zweiten Hälfte des Juni in Kiel ein und nimmt

Was man aber noch zu wenig weiß, das ist, daß diesem so trostreichen Ereigniß eine der inhmwürvigsten Gnadenbezeig­ungen von Maria's Güte zu Grunde liegt. Die ,Vera Borna1 allein hat darauf mit einigen Worten angespielt. Heute beeile ich mich, alle Einzelheiten zu berichten, wie ich fte gestern Abend von den Lippen dessen schöpfte, dem diese Huld zu theil wurde.

Bor etwa fünf Jahren hat Zola in der Umgebung Roms ein ganz nahe bei der vom Volke so hochverehrten Kirche der „Mutter der göttlichen Siebe" gelegenes Besttzthum gekauft und dasselbe seither fast ununterbrochen bewohnt, ohne je das Heilig- thum Maria's besucht zu haben. Am 27. Oktober des ver­flossenen JahreS, dem Tage, an welchem das Volk in diese Kirche strömt, lockte ihn die Neugierde: er wollte sehen, waS alle diese Leute dort treiben; und was er dort sah, rief nur ein höhnisches Lächeln auf seine Lippen.

Die beb re Gottesmutter wollte aber dieses spöttische Lächeln in ein von Freude und Dank gegen sie erfülltes umwandeln; — und so winkte sie dem Schmerze. Sm selben Abend stürzte Solutore Zola und brach sich den linken Fuß an drei Stellen. . Es dauerte geraunte Zeit, ehe die Aerzte bei ihm auf dem Land- i sitze eintrafen, und so war inzwischen der Fuß derartig ange- I schwollen, daß es unmöglich war, die Bruchenden an einander - zu rücken. Alle Versuche, die Geschwulst zu mindern, erwiesen sich fruchtlos, im Gegentheil, dieselbe nahm einen ungeheueren Umfang an und zeigte bereits die besorgnißerregende schwärzliche Färbung. Die Schmerzen waren furchtbar, zeitweise geradezu unerträglich. Diese entsetzliche Lage schleppte sich durch lange Tage hin und brachte den Leidenden nahezu zur Verzweiflung.

Der Weihnachtsabend brach heran. Zola's Schwager und andere Verwandte waren von Rom herausgekommen, um mit ihm das herkömmliche Mahl in der Weihnachtsnacht zu halten. Auf ihr Drängen ließ er sich aus dem Bette heben und zur Tafel schleppen, aber schnell durch diese Schmerzen gebrochen, legte er sich wieder.s

auf der Kaiseryacht.Hohenzollern' Wohnung. Anfangs Juni tritt der Kaiser an Bord der ,Hohenzollern' eine Nordlandreise an.

* Der Bundesrath h t in seiner gestrigen Sitzung daS Gesetz, betreffend die Abänderung des Zucker- steuergesetzeS,und dar Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes angenommen, sowie sbeschlofsen, dar Gesetz, betreffend den Abgabentarif für den Kaiser Wilhelm-Kanal, dem Kaiser zur Vollziehung vorzulegen. Die Reichstagsbeschlüsse zu dem Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des Ge­setzes über die Erwerbs- und WirthschaftSgenoffenschaften vom 1. Mai 1889, und zu dem von den Abgeordnete» eingebrachten Gesetzentwurf betreffend die Aufhebung deS JmpfgefetzeS wurden dm zuständigen AuSschüflm überwiesen., - :"'i •-«SSRäFj

* Bon gewisser Seite scheint man einen BerfassumjS- kovfltkt mit Vorliebe an die Wand zu malm. Eine Meldung der ,Boff. Ztg.' aus Frankfurt a. M., deren Richttgkeit vom,F-änk. Kur ' bestätigt wird, besagt nämlich: Ein hoher Hofbeamter hat bei der Frank­furter Friedenfeier Gelegenheit gehabt, mit einigen Fest Heilnehmern über die Gesetzvorlage betreffend die vierten Bataillone zu sprechen, und dabei die Aeußerung gethan, aus die Haltung deS Reichstags könne man kein entscheidendes Gewicht legen; die Reorganisation deS preußischen HeereS in den 60er Jahren sei gegen dm Willen der Kammer durchgeführt worden, und so sei eS gut gewesen. Ebenso werde man bei der Umgestaltung der vierten Bataillone handeln." Daß gewissen Kreisen in Berlin derarttge Absichten zuzutrauen sind, istumsowenigerunwarscheinlich, als ja bekannt ist, wie wenig theilweise noch die con« stituttonelle Monarchie und die auS der Verfassung W daS Volk resultirenden Rechte Sympathie findm. Haben doch Konservative im preußische« Landtag die Idee vertreten, daß die Verfassung durch eine« Ast der Krone wieder aufgehohen werden könne. Nachdem zur erfolgreichen Durchführung eines Verfassung«- konflikt'S aber die Zustimmung deS Bundesrath» er­forderlich wäre, darf man diese hofmännischen Aus­lassungen wohl nicht allzu tragisch nehmm. Sonst tönte man ja den Reichstag besier — gleich ganz zu Hause lassen.

* Der Juftizmiuister hat sämmtlichen Beamten seine» RessorlS dte nachfolgende dankenswerthe Ver­fügung zugehen lassen: „In letzter Zeit sind mehr- fach Klagen darüber zur Kenntniß deS Justizminift rs gelangt, daß das rechtsuchende Publikum bei dm Justizbehörden nicht immer dasjenige Entgegen- kommen im persönlichen Verkehr findet, auf das e» berechtigten Anspruch hat. Wenn es sich hier­bei auch um vereinzelte Vorkommnisse handeln mag, so werden darau» doch nur zu leicht abfällige Urtheile allgemeiner Art hergeleitet. Den Justizbeamten wird dahn zur Pflicht gemacht, im amtlichen Verkehr mit dem Publikum j-de Schroffheit zu vermeidm, bei Ab-

Der Schlaf übermannt ihn und ein Traum stellt sich ein.

Er fühlt, sich von Freunden in einen großen bequemen Wagen gehoben, und weich auf Kissen gebettet, wähnt er sich zur Kirche der „Mutter der göttlichen Siebe" fahrend. Er er­innert sich, schon einmal dagewesen zu sein. Wie er, auf seine Krücken gestützt, feine n ugierigen Blicke umher schweifen läßt, erscheint ihm, auf einer der Seitenwände eine majestätsvolle, wenn auch nur in schlichtes rothes Gewand und blauen Mantel gekleidete Frauengestalt mit einem Kinde in den Armen. Es scheint ihm, als ob dieses Gebilde an der Wand haste, aber eS löst sich von derselben, gleitet bis zum Altäre und richtet von da folgenbe Worte an ihn: „Du warft schon einmal gekommen, nm mich zu sehen, aber Du hast mich nicht angerufen. Du hast sogar meiner gespottet. Bete diesmal. Hast Du nichts von mir zu verlangen? Du klagst wegen Deines Fußes; das ist nichts. Wirf Deine Krücken weg und gehe!"

Er versuchte es, und siehe da, er kann ohne Schmerzen gehen. Jedoch, mit jener Art von Ueberlegung, deren man zu­weilen im Traume fähig ist, sagt er sich: Ja, hier geht eS ganz gut! Wie rot d es aber sein, wenn ich wieder draußen bin?

Die Erscheinung beunruhigte ihn in keiner Weise. Er fühlte in ihr eine Mutter und so schien ihm Alles ganz natürlich. Um ihr jedoch für so viele Güte zu danken, suchte er in seinen Er­innerungen nach einem Gebete. Vergebens, jede Gebetsformel war seinem Gedächtnisse entschwunden und da er sonst nichts fand, so sagte er: Dominus vobiscum!

Der Traum war zu Ende, und der Schlaf umfing ihn bis zum Morgen. „Was hattest Du diese Nacht?" frug ihn beim Erwachen seine Frau. „Mit wem glaubtest Du zu sprechen? Ich hörte Dich Dominus vobiscum sagen, als ob Du Jemanden grüßen wolltest."

Bei diesen Worten erwacht die Erinnerung an den bereits vergessenen Traum und sanfte Rührung ergreift ihn. „Zünde eine Kerze vor Deinem Mutter-Gottesbildchen an," begnügte e