Einzelbild herunterladen
 

JK 117 Freitag, dm 22. Mai 1896. 23. Jabraanq

FuIdaerWZeitllng

mit Antertzaltrrngs-KeiLasr Sterne mrd Klnmen".

thteext tckMch, ®eee- «* Werter ae#fien»iEwee. — K*rrtrttähr«cher Abo«»« «e»t»yrei- ohne 8nuoed*6n in» Befrly» m Fotta *e» au«te»d» 1 Werf 50 Pieomg. 3«ftratr foftf« t*r ftutixtltiq.: Okramitaeile vher bereu Raum 15 Pf., Äeflewn die Betitzers« 25 Pf., bei ^«eberboluugen euti»rechenber Rabatt.

% Der tiefste Grund, u.

Mit dkm Gesagten soll nun nicht etwa bihauptet werden, daß wir mit dem Erlasse von Gesetzen auf­hören sollen, ich sage nm: daS Notdwendigste nicht unterlassen. Im ersten Artikel habe ich den Sitz zu beweisen gesucht, daß im Allgemeinen die btsten Gesetze mehr oder minder unwirksam sind, wenn die Menschen an sich nicht» taugen. In Folgendem soll die» im Einzelnen bewiesen werden.

Nehmen wir zuerst das Bankerott-Gesetz. Man kann anerkennen, daß eS Fälle geben kann, wo e» berechtigt ist, dem Schuldner die Wohlthaten de» Gesetz eS zu Theil werden zu lasten, um ihn nach Er­füllung dec verringerten Verbindlichkeiten in Stand zu setzen, von neuem zu beginnen. Hier treten sofort große Verschiedenheiten zu Tage zwischen einem Manne, der ein gläubiger Christ ist, und demjenigen, der da» Christenthum als einen überwundenen Standpunkt betrachtet. Der erstere ist im Gewissen ver­pflichtet, auch nach dem Bankerotte in dem ersten Augenblicke, wo er ihm möglich ist, seinem Gläu­biger die ganze Schuld unverkürzt zu be­zahle»; der Letztere lacht nicht nur über diese „veraltete Moral," sondern er betrachtet den durch den Bankerott erzielten Nutzen alr sein wohl und sauer erworbener Ligenthum, was ihm Niemand streitig zu wachen habe. Man komme nicht mit der Entgegnung, do- seien Ausnahmen, mit welchen man keine Regel begründen könne. Wäre es so! Aber er ist längst nicht mehr so, sondern eS gibt heute schon wohlhabende Familien, denen man rückwärtSblickevd in einem Men- schenalter den Bankerott Nachweisen kann, bei welchem die Annahme wohl erlaubt ist, daß sie den Grund ihre- Vermögen- durch die Bankerotte, er — nun, sagen wir: erworben haben, obwohl auch dies Wort nicht recht paßt. Und nun denke man sich die Macht der Beispiels: Wie muß der ehrliche Mann in seiner An­sicht von Recht und Unrecht erschüttert werden, wenn ec sich den härtesten Entbehrungen auSsitzt, um ehrlich zu bleiben, und wenn er dann sieht, wie der Nachbar sich breit macht, der etwa seinen Besitz durch allerhand unsaubere Praktiken mittelst deS Bankerott-GesetzeS er­gaunert hat! Liegt nicht die Gefahr nahe, daß durch die Wirkungen solcher schlechten Beispiele mit der Zeit selbst die fest begründete Mora! wankend gemacht wird? Und nicht nur dos haben wir erreicht, sondern man sucht durch Bovpiegelmg von sogen. Bankerott- Verkäufen daS Publikum irre zu führen, um eS in irgend einer Weise ebenfalls wieder auSzubeuten, d.h zu betrügen. — In die» Kapitel gehört noch eine andere Thatfache. Es mag vielleicht ein Jahr oder etwas länger vergangen sein, da fand man in einigen rheinischen TageSdlättern Anzeigen der Inhalt», daß Waaren als besonders billig ewpfvhlen worden, weil sie inGefängnissen hergestelltworden seien. Kann man einen größeren Hohn auf die ehrliche freie Arbeit denken? Seit jener Zeit sind mir diese sonderbaren

Hit Krise« von ÄMNschendmg.

Erzählung auS dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 26J ------- (Nachdruck verboten.)

Einem altehrwürdigen Brauche gemäß gab der Voistsbers des Domkapitels arjetzo dem neuen Bischöfe die Lipsanotheca mariana „Unserer lieben Frau Heiligthum" in die Hände. Em Wunder durch jenes Rel.quien-Gefäß hatte ja einst Ludwig den Frommen zur Erbauung der MariendomeS und der Stadt Hildes­heim veranlaßt.

Bernward küßte daS heilige Behältniß und hielt eS vor sich, während die Gläubigen in mächtiger Be­geisterung sangen: „Großer Gort, wir loben Dich!"

Als das Trdeum ver klungen war, sang ein Priester­chor die Antiphon:

„Gestärkt werde Derne Hand und erhöht Deine Rechte. Gerechtigkeit und Gericht sei Deines Stuhle» Schmuck und Rüstung! Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste. Wie es war im An­fänge, jetzt und in Ewigkeit, Amen."

Thargmar aber sprach mit lauter Stimme:

„Lastet uns beten!

Gott, Du Hi-.t und Führer aller Gläubigen, sieh auf diesen Demen Diener, den Du zum Vorsteher

Empfehlungen nicht mehr zu Gesicht gekommen. Ohne Zweifel deshalb, weil der Skandal im preußischen Ab- geordnetenhause gerügt wurde und man so von oben herunter solche Anzeigen verhindert hat. Daß die Ver­fasser jener Anzeigen selbst ein Einsehen gehabt und erkannt haben werden, daß sie Unrecht hatten, ist natürlich gar nicht anzunehman.

Sehr häufig liest man in den Tagesblättern Ge­schäfts-Empfehlungen mit dem Hinweis: Veerund- zwanzig Geschäfte in den folgenden Städten. Ja, e» ist schon gar nicht» Seltenes mehr, daß eine Firma in einer größeren Stadt mehrere Handelshäuser hat; und in Berlin soll es ein Tabak- urd Cigarrengeschäft aeben, welches in dieser Stadt allein mindestens 40 Niederlagen und Verkaufsstellen hat. Nun wird eS ja Stute geben, die e» als einen Triumph für unsere heutige Zeit ansehen, wie herrlich weit wir es gebracht haben. Mm scheint jedoch die Sache wesentlich anders zu liegen. Gewiß hat Jedermann daS natürliche Recht, um zu leben, ein Handelsgeschäft zu betreiben, am Ende auch ein anderes anzukangen, wenn er mit dem ersten sein Bestehen nicht mehr findet. Darüber hinaus aber wird daS Recht zum Unrecht, und wer mehr als ein Geschäft betreibt, untergräbt mit den weiteren die berechtigt Existenz einer Dritten, der von seinem Geschäfte zu leben ein Recht hat.

Wie oft liest man: „Ausverkauf," und man kann wohl sagen, daß da» Wort unter hundertmrl neunzigmal unwahr und nur deshalb gebraucht ist, um Käufer anzulocken. — Wie oft erscheint der groß angekündigte „KonkurS-Verkauf" zu gleichem Zwecke! Unter welchen nur möglichen Formen kommen die „Wanderlager" in die kleineren Städte! Ueberall Ver­stellung, Lüge, Unredlichkeit!

So viel über da» eigentliche Gewerbsleben. Nur noch einen Blick auf die Verhältnisse der Arbeit. Wie hoch find manche Löhne gestiegen in einem mitunter bedeutenden Maße. Da» ist in der Ordnung, wie auch die Erhöhung mancher Beamtengehälter gerechtfertigt war. Steigt Der Lebenibedarf, muß auch der Arbeits­lohn steigen. Aber sieht man einen Erfolg? Nein. Nur daß die Forderungen von Jahr zu Jahr steigen. — Und wie steht's in den besser gestellten Be­völkerungsschichten, ist dort Genügsamkeit, Zufrieden­heit zu finden? Erst recht nicht. LuxuS, Genuß, Bäder, Reisen werden auch in solchen Kreisen zum unerläßlichen Lebensbedarf, wo sie ftüher unbekannt waren.

Die Religion muß der Grund-Regulator deS Volkslebens werden, sonst wird alle Ge- setzesmacherei vergeblich fein.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Mai.

* Der Kaiser hörte gestern in Prökelwitz den Vor­trag de» Chefs deS Mtluärkabinet», Generals von Hahnke, und unternahm am Mittwoch früh und Abends Pürschgänge, auf denen derselbe je einen Rehbock streckte.

Deiner Kirche eingesetzt hast, gnädig herab; laß ihn fernen Untergebenen durch Lehre und Beispiel nützlich weiden, damit er einstens mit der Heerde, die Du ihm anvertraut hast, zum ewigen Leben eingehe, durch Christum unfern Herrn. Amm."

Der Bischof trat mit dem Jnful auf dem Haupte und dem Hirtenfiab in der Hand vor die Mitte des Altar» und wendete dann nach kurzem Gebet sich zu seinem Volke. Er schritt vor bis an die Stufen de» Chors — eine ungemein majestätische, eh .furchtgebietende Erscheinung. Cs schien, als ob sein Angesicht leuchte, als ob sein ganzes Wesen Hellen Schein au-strahlc. Mit klarer, voller Stimme Hub er also an:

„Ehrwürdige Brüder, Volk Gottes, mein Volk! Der Friede sei mit Euch! Im Namen des Herrn, der mich gesendet hat, rufe tch Euch zu: Pax vobiscum! Der wahre, innere, ächt« Seelenfriede, den die Welt nicht geben kann, den allein Christus der Herr uns er­worben und verliehen hat, der fei mit Euch!

Im Namen Jefu, fv feine von ihm gegründete Kirche als makellose Braut dem Felsenmanne PetruS anvertraut hat. stehe ich in Eurer Mitte. Ich kam zu Euch, die Ihr auch gerufen habt, im Bewußtsein meiner Schwäche, aber auch im Vertrauen auf den Herrn, dessen Werkzcug ich bin, und beffen Lehre ich

Gestern Vormittag herrschte in Prökelwitz regnerische- Wetter; Nachmittag« klärte sich dasselbe auf. — Der Kaiser hat den früheren Ministerpräsidenten StaatS- minister Grafen Botho zu Eulenburg mit seiner Vertretung bei der heute Nachmittag stattfindenden Leichenfeier für den verstorbenen Staatsminister Camp- hausen beauftragt. — Dem Generaladjutanten deS Kaiser» von Oesterreich, General der Kavallerie Grafen Paar ift der Schwarze Adlerorden verliehen worden. — Da» Staatsministerium trat heute Vormittag 10 Uhr in feinem Dienstgebäude am Leipziger Platz unter dem Vorsitz der Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.

• Der Cermonienmeister v. Kotze wird demnächst von seiner Reise zurückkehren, um sich auf die Festung Glatz zur B-rbüßung seiner zweijährigen Festung»- strafe zu begeben. Der Rittmeister a. D. Dietrich v. Kotze, der bei dem Duell feiner Vetters, de» Cere- monienmeisters v. Kotze, mit dem Hofmarschall Frei­herr v. Reischach alr @e cunbant fungirte unb bann selbst ein unblutig verlaufene» Duell mit bem Cre- monienmeister Freiherrn v. Schrader hatte, hat sich nach Magdeburg begeben, um dort die wegen de» letzteren Duell- gegen ihn verhängte Strafe von drei Monaten Festungshaft zu verbüßen. Hoffentlich wird den Herren die ihnen zugedachte Ruhezeit nicht durch Begnadigung abgekürzt.

h. Dem Reichstage find in diesem Jahre nur kurze Pfingstf erien vergönnt. Am 2. Juni bereits soll er wieder in seinem prächtigen, aber nicht im Ge­ringsten nach den Bedürfnissen der heißen Jahreszeit eingerichteten Gebäude am Königsplatze zu Berlin zu­sammentreten. Und dabei ist „dieser Reichstag" schon fleißiger gewesen, al- alle ober mmbefteiii doch die meisten seiner Vorgänger. Das Lob, welche» ihm ge­bührt, betrifft auch nicht nur den Umfang feines Arbeit-stoffes, sondern auch die große Zahl und hohe Bedeutung der positiven Leistungen, welche er zu Stande gebracht hat. Gesetze, bereit Aussicht auf Zustanbekommen zu Anfang ber Session al» äußerst gering betrachtet würbe, haben rheils schon alle brei Lesungen glücklich überstanden, theil» sinb sie auf bem besten Wege, nach Pfingsten noch eine befriedigende Erledigung zu finden. So hat der Reichstag in der vorigen Woche auch noch da- Zuckersteuer-Gesetz zu Stande gebracht, dessen Aussicht sogar bis zuletzt noch als sehr zweifelhaft betrachtet worden war. Dieser Erfolg ist wesentlich der Taktik de» Centrums zuzu­schreiben, das geschickt zwischen den Klippen der sehr verschiedenartigen provinziellen, landwirthschaftlichen und industriellen Interessen hindurchsteuerte und so schließlich einen Erfolg herbeiführte, mit welchem so­wohl di- deutsche Landwirthschast wie auch die Zncker- industrie und die Konsumenten im Allgemeinen durch­aus zufrieden sein können, wenn dabei auch der Ein­zelne in seinen besonderen Wünschen und Jntereffen manche Opfer bringen muß. In Süddeutjchland hat das Gesetz freilich auch in der Gestalt, die ihm ber Reichstag schließlich gegeben, wenige Freunde gesunden;

Euch verkünden werde. Euch, meinem Volke, gehöre ich an von heute bis zu meinem Tode. Die Hildes­heimer Diözese wurde mir bei meiner Weihe als Braut verlobt. Ich nehme die Braut an, welche mir vertraut wurde. An sie bin ich gefesselt für immerdar, gekettet durch Bande, welche stärker sind, als jede» irdische Band, durch die Fesseln ber Liebe GotteS.

Da» Heiligthum, welche- ein deutscher Kaiser, der fromme Ludwig, einst Eurem ersten Bischöfe Gunthar in die Hand gab, um es feiner neugegründeten Hildes- heim'schen Kirche zu schenken, dasselbe Heiligthum Über­reichten heute mir, dem zwölften Nachfolger Gunth irS auf dem Hildesheimer Bischofsstuhl, geweihte Priester- Hände. Dasselbe Heiligthum wurde mir anüertraut, welches dem heiligen Bischof Altfried, welche- meinen großen Vorgängern, die ich von Angesicht kannte, den erhabenen Herren Othwin, Osdag und Gerdag bei ihrer Thronbesteigung in die Hand gegeben wurde. Ich trete das Erbe an und nehme den kostbaren Schatz meiner Braut in Obhut.

A s Gegengabe bringe icb, zu Euerer hohen Freude sei e- verkündet, eine werthvolle Reliquie, welche Kaiser Otto uns schenkte, ein Stück vorn wahren LreuzeSholz unseres Herrn Jesu Chrrfti. Dieser Theil vom Kreuze soll un» allein eine stete Mahnung sein, daß der Heiland