23. Jahraana
Mittwoch, de» 20. Mai 1896.
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(Nachdruck verboten.)
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Was nun gar das Duell angeht, eine Frage, in der das Militär-Wochenbl.' den Reichstag bekanntlich so schroff brüSkirt hat, so will der Minister seine An
sicht darüber nur privatim Abends nach ^lO Uhr mittheilen. Den Artikel bei Mlitär-Wochenbl.' schob er mit der Erklärung bei Seite, daß er aus das Blatt keinen Einfluß habe, da es ein Privatunternehmen sei. In der Duellfrage ist jedenfalls gar nichts Befriedigendes zu erwarten. SW
Die Vorlage selbst wurde von dem Minister nicht ungeschickt befürwortet, wobei er sich auch ritterlich der Grafen Caprivi annahm, der neuerdings wegen der Halbbataillone viele Angriffe hat erfahren müffen. Aber e- kommt, wie gesagt, nicht so sehr auf den Inhalt der Vorlage an, als auf da», war drum und dran hängt. Und da laffeo die Erklärungen der Ministers noch viel zu wünschen übrig. Er hat für die Kommission nähere Aufklärungen zugefagt. Hoffentlich werden da auch die vom Centrum verlangten Garantieen gegeben, ohne die eS nicht zustimmen kann.
Sie grafte mb SoomeWud»-.
Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt
Run erhoben sich Alle und der Konsekrator legte das Evangelienbuch offen auf Racken und Schulter deS vor ihm Knienden.
Ein unbefchreiblich feierlicher und erhabener Augenblick war es, al» in hoher, geheimnißvoller Bedeutung zu gleicher Zeit die drei Bischöfe mit beiden Händen da- Haupt des zu Weihenden berührten und einstimmig sprachen:
„Empfange den heiligen Geist!"
Diese Händeaufiegung stnnbildete den Schutz der allerheiligsten Dreifaltigkeit und vorzüglich die Gnadengaben de» heiligen Geiste», so aus den Neugewählten in reichem Maße niederströmen sollten. Durch die Händeauflegung der Bischöfe wurde die heilige Weihe ertheilt.
Rach vielen Gebeten und nach der allgemeinen feierlichen Anrufung des heiligen Geistes falbte der Erzbischof da- Haupt und die Hände Bernwards mit heiligem Oele und ChriSma im Namen deS dreieinigen Gottes, in Form eine» KreuzeS: Dann überreichte er dem Knieendes den Hirtenstad und sagte:
„Nimm hin den Stab deS HirtenamteS, damit Du
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je? Die erste Berathung der Militärvorlage
hat nur einen Tag in Anspruch genommen. ES war, wie von vornherein zu erwarten stand, nicht sowohl die Vorlage selbst, sondern eine Reihe anderer militärischer Fragen, um die sich dar Haupttntereffe drehte.
Zunächst erhebt sich die Frage: Bedeutet die Umwandlung der vierten Bataillone den ersten Schritt zur Abschaffung der zweijährigen Dienstzeit? Die Freisinnigen verlangten zur Sicherheit dauernde gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit. Der Kriegsminister behandelte die Sache „dilatorisch"; bis 1890 sei die zweijährige Dienstzeit gesetzlich festgelegt; die Entscheidung, ob Beibehaltung oder Abschaffung, könne aber auch 1899 noch nicht getroffen werden, da man noch weitere Ersahrungen sammeln müsse; habe man doch 1899 noch keinen einzigen unter der zweijährigen Dienstzeit ausgebildeten Reservemann. Aehn- lich hat sich der Minister dieser Tage schon privattm ausgesprochen.
Eine weitere Frage ist: Werden die neuen Regimenter mit zwei Bataillonen nicht bald nach dem dritten „schreien", wird also nicht diese Vorlage weitere Forderungen in großem Umsange nach sich ziehen? Darauf antwortete der Minister noch unbestimmter. Wenn die Militärverwaltung dritte Bataillone haben wolle, werde sie weitere Mannschaften brauchen; diese werde ihr aber der Reichstag kaum anbieten; sie würde sie also verlangen müssen; mehrere Regimentskommandeure seien überhaupt für Regimenter mit zwei Bataillonen; vielleicht kommt man nach dem nächsten Kriege ganz auf sie zurück; er sei kein Freund von militärischer Zukunftsmusik; in militärischen Fragen finde ein fortwährender Wechsel statt.
Eine solche unbestimmte Antwort kann jedensall» da» Centrum nicht beftiedigen. Soll es der Vorlage zvstimpien, so muß e» schon bessere Garantieen für die zweijährige Dienstzeit und gegen weitere Mehr- forderungen verlangen. — Weniger im Zulammenhang mit der Vorlage steht die Frage der Militärstrafprozeßreform. Hier aber lautete die Au-Iunft schon bestimmter. Der Reichskanzler erklärte, ein Entwurf sei auSgearbettet; er erwarte sicher, ihn im nächsten Herbst vorlegen zu können; der Entwurf sei aufgebaut auf den Grundsätzen der modernen Rechtsanschauung. Gar so viel Sicherheit liegt nun sreilich in dieser Erklärung auch nicht. Der Entwurf kann noch immer ganz auSbleiben oder so beschaffen sein, daß dem Reichstage die Annahme unmöglich ist trotz aller „Grund- sätze der modernen RechtSanschauung." Der Kriegs- t Minister äußerte überdies große Abneigung dagegen, sich eine Entscheidung „abnöthigen" zu lassen und mit der militärisch-technischen Frage pollttsche Fragen zu
sür erfüllt und eine Verbindung für vorliegend erachtet hat. Letztere wurde fchon durch die Verabfolgung von Geldern an den Parteivorstand durch Vermittelung der Vertrauensmänner für gegeben erachtet.
Die Beschlüsse deS Reichstags in der 2. Lesung d s Margurine-GesetzentwurfS werden in der Mein. Volksstimme' sehr abfällig beurtheilt; sie verlangt jetzt die Ablehnung der Gesetze», weil e» ganz werthloS geworden sei. Hierbei schreibt die ,Rhein. Vollst.'u. a.: „Nicht einmal die latente Färbung des Regierungsentwurfs, der doch nicht einseitig agrarifch war, ist gestattet worden." — Darnach sollte man glauben, so schreibt man uns au» parlamentarischen Kreisen, der Regierungsentwurf hätte eine „latente Färbung" (Zusatz von Phenolphthalein) für die Margarine vor- geschrieben und der Reichstag sie abgelehnt, aber gerade da» Gegentheil ist der Fall; die latente Färbung ist im Entwurf nicht enthalten, sie wurde von Seite« der RegiemngSvertreter stets aufS lebhafteste bekämpft und noch in letzter Stunde wurde darauf hingewiesen, welche Gefahren für die Gesundheit infolge Schimmel- bildung daraus entstehen könnten. Infolgedessen war er für jeden Abgeordneten eine leichte Entscheidung, sich gegen eine solche unverständliche und nicht zu verantwortende Forderung auszusprechen. Wenn die ,Rhein. BolkSst.' glaubt, das Gesetz werde dadurch werthloS, so können wir ihr antworten, daß das Gesetz „mit dem Phenolphthalein" überhaupt nicht zur Annahme kommen würde. Unserer Erachten- ist, wenn da- Gesetz in der Fassung 2. Lesung zu stände kommt, hinreichend dafür gesorgt, daß kein Letmg mehr stattfinden kann, einerseits durch das Verbot de» Färben», andererseit» durch die Vorschrift getrennter Verkaufsstellen von Butter und Margarine. Aber auch durch die gesetzlichen Kontrolvorschriften und Verschärfung der Strafen wird jede Täuschung außer- ordentlich erschwert werden, so daß das Gesetz, wenn eS von den auSführenden Behörden richtig gehandhabt wird, in jeder Hinsicht genügen muß, den beabsichtigten Zweck zu erfüllen.
* München, 19. Mai. Die Vertrauensmänner des CentrumSwahlkomitee» im Reichstagswahlkreise Iller- tissen haben den ReichSrath Professor Dr. Freiherrn v. Hertling al» Reich»tag»kandidaten ausgestellt. Herr Professor Dr. Freiherr v. Hettling hat die Kandidatur definittv angenommen. Bekanntlich war Frhr. v. Hertling schon früher Mitglied de» Reich», tage», wo er einen hervorragenden Platz in der Cm- trumsfraktion einnahm.
bei Ahndungen der Fehler mit Liebe züchttgest, ohne Zürnen Urtheile fällst und durch Pflege der Tugenden die Semüther der Zuhörer sänftigest und mit ruhigem Ernste Zucht und Strafe übest."
Rach kurzem Gebet steckte er dem Geweihten den Bischof»riug an de» Finger mit den Worten:
„Empfange den Ring, da» Sinnbild der Treue, auf daß Du geschmückt mit dem unversälschten Glauben die Braut Gottes, die heilige Kirche unversehtt bewahrest."
Run erst nahm Willigi» das Evangelienbuch von den Schultern Bernward», überreichte e» ihm geschloffen und sprach mit erhobener Stimme:
„Nimm hm das Evangelium, ziehe aus und predige dem Dir anverttauten Volke; denn Gott ist mächttg, daß Er in Dir seine Gnade vermehre, Er, der da lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit."
Nachdem er dar „Amen" gesprochen, umfing der Erzbischof den Neugewechten zum heiligen Frieden»- küsse:
„Der Friede sei mit Dir!"
Bernward antwortete:
„Und mit Deinem Geiste."
Auch Egbert und Hildewald gaben ihm den Frie- denSkuß zur Versicherung wechselseitiger Liebe, Ein- ttacht und Freundschaft, worin sie als Bischöfe der
Ausland.
* Wien, 19. Mai. Erzherzog Karl Ludwig ist (wie schon telegraphisch gemeldet) heute früh gestorben. Erzherzog Karl Ludwig Joseph Maria wurde geboren den 30. Juli 1833 zu Schönbrunn al» Sohn deS Erzherzog» Franz Karl. Er war dreimal vermählt und zwax mit Margaretha, Prinzeffin von einen heiligen Kirche Gotte» miteinander stehen und wirken wollten.
Sodann feierte der ebengeweihte Bischof mit dem Erzbischof, der ihn geweiht, zusammen die heilige Meffe. Ein rührende- Bild: Zwei Bischöfe an einem Altäre, die wie zwei Brüder von einem Brode aßen, aus einem Selche träntet!
Nach vollbrachter Meffe und nach feierlicher Segnung der BrodeS nahm der Confekrator wieder feinen Thron em. Der Reugeweihte kniete vor ihm nieder, und Willigis fetzte mit Hilfe der afsistirenden Bischöfe unter Segnungen, Gebeten und Gesängen die Mitta, „dm Helm der Stärke und des Heils, als Kopfschmuck deS HohmpriesterS", auf das Haupt deS Knieenden.
Mit gleicher Feierlichkeit wurden Bernward die bifchöflichen Handfchuhe angezogen, auf daß er feine geweihten Hände vor jeglicher Befleckung bewahre.
Nachdem auch diese Ceremouie vollzogen war, erhob sich Willigi», faßte Bernward, den Bischof vou Hildes- heim, an feiner Rechten, Erzbischof Egbert nabm ihn an der Linkm; so führten sie ihn aus dm Bischofs- thron, welchen der Consckator selber soeben verlassen hatte, ein Zeichen, daß er nun wirklich zum Coer« Hirten gesetzt sei und die oberste Leitung seiner Kirche anjetzo übernehme.
Willigis stimmte den Lobgefang an:
je 30 M , der Angeklagte Kiesel zu 40 M. Geldstrafe zu verurtheilen. Sämtliche übrigen Angeklagten sind freigesprochen. Die Leitung der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, sowie die sozialdemokratischen Wahlvereine deS 2., 4 und 6. Reichstagswahlkreises sind zu schließen. Die Wahlvereine deS 1. und 3. Wahlkreises, die Preßkommisflon, die Agitationtkom- Mission und die Organisation der Vertrauensmänner sind nickt zu schließen. Bon den Borstandsmitgliedem deS 6. Wahlkreises werden die Angeklagten Emst und Kröhn freigesprochen, weil sie nur ganz kurze Zeit thätig waren und Gelder nicht in Empfang genommen - haben. Der Gerichtshof hat durch dieses Urtheil aus- ' gesprochen, inwieweit er den Begriff deS „Vereins"
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Mai.
* Der ,ReickSanzeiger' veröffentlicht einen Dank- erlatz des Kaisers für alle diejmigen, welche ihm zum Friedersfeste Telegramme und andere Kundgebungen geschickt haben.
* Zur Frage der zweijährigen Dienstzeit berichte die .Magdeb. Ztg.', der KriegLrninister habe auf dem parlamentarischen Abend, den er dieser Tage gab, darauf hingewiefen, daß, ehe nicht eine ganze Generation in Linie, Reserve und Landwehr durch die Schule der zweijährigm Dienstzeit gegangen, auch nicht von einem Abschluß der Erfahrungen gesprochm werden könne. Aus diesem Grunde ergebe sich aber auch, daß selbst im Falle ungünstiger Erfahrungen erst im nächsten Jahrhundert an die Rückkehr zur längeren Dienstzeit zu denkm sei. Wir meinen, eine solche Rückkehr sollte überhaupt anSgeschlossen fein.
K Im Prozeß Auer hat der Gerichtshof am Montag Abend 10 Uhr nach 7 stündiger Berathung folgende» Urtheil gefällt: Wegen Vergehen gegen dar Bereinsgefetz find die Angeklagten Auer zu 50 M., Bebel zu 75 M., Singer zu 40 M, Pfaunkuch zu 50 M, Gerisch zu 40 M die Leiter der Wahlvereine mit Ausnahme des 1. und 4. Wahlkreise» zu