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Dimstag, dm 19. Mai 1896.

23. Jahrgang

(Nachdruck verboten.)

23]

Die kirchliche Feier vollzog acht Tage später am Sonntag, den 15. Januar 993, der Erzbischof Willigis feierlich in der Hauptkirche Sankt Martin zu Mainz. Z« diesem Feste kamen nicht allein die benachbarten B schüfe, die Geistlichkeit und der Adel zusammen, auch das Volk strömte in hellen Schaaren nach dem Metro­politansitze, welcher der Schauplatz einer so glänzenden Feier sein sollte.

Dichte Menschenmassen füllten die mächtige, pracht­voll geschmückte Sankt Martinskuche. Sie harrten mit freudiger Ungeduld auf den Beginn der h iligen Hand­lung. Da ertönte volles Glockengeläute, und ehrerbietig machte die Menge der Prozession festlich gekleideter Priester und Prälaten Platz, welche den hohen geist- lickren Oberhirten, den Bischöfen von Mainz, Trier und Worms voranschritten. Der Anbttck der drei so würdevollen Kirch nfürsten in reichen dis^öflichen Ge­wändern mit der Insul und dem Hirtenstabe wirkte überwältigend. In deren Mitte schritt ernst und bleich mit demüthig gesenktem Haupte Bernward.

Rach dem vor dem Hochaltar« grmemsam verrich­teten Gebete bestieg Willigis den Thron. Zu seiner Rechten nahm dec majestätische Erzbischof Egbert von

Vie Grifm tum Ssomnschendurz.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt

Wteet ttMch, 6mm* m* geiertey os»genoBnwte. — «ierteiMrkcher Abou»« »e»t»Greis ohne SriwniNw und B Inserate koste» di« enmxiltigc Aarmnndzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Prtit»ei'<- 25 Pf., bei

charakteristisches Zeichen der in städtischen konservativen Wählerkreisen herrschenden Stimmung.

h. Tas preußische Staatsministerin« hat am Mittwoch zwei Sitzungen abgehalten, eine am Bor­mittag nnd eine am Nachmittag. Es wurde beschlosien, die Landtagssession nicht vor Pfingsten zu schließen. Das Abgeordnetenhaus soll am Diens­tag, 19. Rai, in die Ferien gehen, die bis zum 9. Juni dauern sollen. Das Herrenhaus will am Mittwoch das Richtergesetz erledigen und sich dann auf unbestimmte Zeit vertagen. Der Reichstag wird am Dienstag, ebenso wie daS Abgeordneten­haus, seine letzte Sitzung vor den Ferien halten, die gleichfalls bis zum 9. Juni währen sollen. Ran wünscht, daß der Reichstag bald nach Pfingsten mit der 2. Lesung der Bürgerlichen Gesetzbuchs be­ginne. Die Reichstagskommission will mit der 2. Le­sung ev. schon kurz vor Schluß der Pfingstferien an­fange« und hofft in 8 Tagen damit fertig zu werden; die erste Lesung geht dieser Tage zu Ende. Präfide« Frhr. v. Buol hat erklärt, seinen Einfluß dahin gel­tend machen zu wollen, daß der Reichstag bis Ende Juni zusammen bleibe. Ob das gelingt, wird freilich davon abhängen, ob der Reichstag so lange beschlußfähig bleibt, und das bezweifeln wir sehr.

* Die Verstärkung der südwestafrikavischev Schntztruppe geht, laut dem .Hamb. Korresp/, be­stimmt am 31. Mai auf zwei Dampfern von Ham­burg ab, da die Mannschaften (416 Mann mit Offi- zieren und Aerzten) und ihre Ausrüstung (mehr als 2000 Tonnen) auf einem Schiffe nicht unterzubringev find.

* Das Margartnegesetz soll, wie die „Weserztg." zuverlässig erfahren haben will, vom BundeSrathe abgelehnt werden, wenn nicht das Färbeverbot und der Zwang getrennter Verkaufsräume gestrichen wird.

h. In dem Prozeß gegen Auer und Genossen, d. h. gegen die sozialdemokratischen Parteiorganisationen, wegen Verletzung des Vereinsgesetzes beantragte am Montag der Staatsanwalt: Die 18 Vertrauens­männer und die 2 mitangeklagten Frauen, sowie den Angeklagten Metzner freizusprechen, dagegen die Ange- klagten Auer, Bebel, Singer, Pfannkuch, Gerisch zu je 150 Mk. Geldstrafe, sämmtliche übrigen Angeklagten, soweit sie Wahlvereinsvorstände und Mitglieder der Preß- und Agitationskommission waren, zu je 100 Mk. Geldstrafe zu vemrtheilen und die polizeiliche Schließung der verschiedenen Organisationen aufrecht zu erhalten. In der Begründung sagte der Staatsanwalt, man müffe sich nach dem Gesetz richten, wie er ist, und nicht, wie es sein sollte. Danach scheint selbst der Staatsan­walt da- preußische BereinSgesetz für verbesserungs­bedürftig zu halten. Und doch hat Herr v. Köller sogar noch eine Verschlechterung derselben geplant! — Es scheint übrigen» beinahe, als wenn jetzt auch gegen andere Parteiverbände vorgegangen werden sollte. Da- Trier, zu seiner Linken der fromme Bischof Hildewald von WormS den bereit gestellten Sessel ein. Die beiden Kirchenfürsten assistirten dem Mainzer Oberhirten bei der Weihe, denn: „Es ziemt sich, daß der Bischof von allen Bischöfen der Provinz gewecht werde; im Falle aber dieses zu schwierig wäre wegen bestehender Hindernisse oder der Weite der Reise, so geschehe die Weihe wenigstens von drei Bischöfen," also befahl der vierte Kanon der Kirchenrathes von N cäa.

Bernward, in langem, weißem Gewand mit der Stola und dem Chormantel bekleidet, wurde vor den Erzbischof Willigis geführt. Er neigte sich in tiefer Shrbezeugung.

Auf einen Wink des KonsekratorS Willigis verlas der bischöfliche Notarius die cpostolische BestäügungS- Urkunde der Weihe.

Der Neugeweihte kniete niid-r vor dem Erzbischof und gelobte feierlich mit lauter Stimme Ergebenheit und heilige Treue dem Nachfolger deS heiligen Petrus, dem Oberhaupte der Kirche, und brtheuerte, seiner Ge­meinde ein wahrer apostolischer Bischof sein zu wollen.

Willigis hielt dem Erwählten das offene Evangelien- buch vor. Dieser legte seine Hände auf den Text und sprach:

„So wahr mir Gott helfe und diese heiligen Evan­gelien Gotte»!“

Willigis sagte alsdann mit verständlicher Stimme:

FiiIdlierWZeitlliig

mit Wrrteichaitrmgs-Keilasr .»Sterne und Slrrmen".

rauf könnte man wenigstens schließe« angesichts folgender Meldung der „Post": Das Berliner Polizeipräsidium hat die antisemitischen Vereine aufgefordert, eine neue, ganz genaue Mitgliederliste einzureichen. Nur zu! Um so schneller wird sich die Ueberzeugung von der Rothwendigkeit eines Reichs-Berein-gesetzes Bahn brechen!

* Weimar, 18. Mai. Die Verlobung der jungen Königin Wilhelmine von Holland mit dem Prinzen Bernhard Heinrich, dem zweiten Sohne deS verstorbenen ErbgroßherzogS von Sachsen- Weimar, soll an den Höfen beider Staaten ernstlich in Aussicht genommen sein. Die Verkündigung der Verlobung sei jedoch erst am 80. Geburtstage deS GroßherzogS (24. Juni) zu erwarten. Der Prinz steht gegenwärtig im 19. Lebensjahre. Bekanntlich ist dessen Großmutter, die Gemahlin des regierenden Sroßher- zogs, eine geborene Prinzessin der Niederlande. Gegen- wärtig studirt Prinz Bernhard Heinrich in Jena.

x Bonn, 16. Mai. DaS Interesse für den in den Tagen vom 14. bis 17. August hier stattfinden­den Congreß der katholischen kaufmännischen Bereinigungen Deutschland» zieht ersrmlicher- Weise immer weitere Kreise in der Bürgerschaft. Die verschiedenen Commissionen find emsig und begeistert am Wirken. Wenngleich Bonn mit seiner herrlichen Umgebung dafür bekannt ist, daß man e» versteht, frohe Feste zu feiern, so hat man doch den anzuerkennen- den Grundsatz aufgestellt: erst die Arbeit, dann da» Vergnügen. DaS Programm ist wie folgt vorgesehen. Freitag, den 14. August: Sitzungen des CongreffeS. Abends Begrüßungsfeier rat Bonner Bürger-Berein. Samstag, den 15. August: Requiem in der St. Re- migiuskirche für die verstorbenen Mitglieder des Ver­bandes. Sitzungen de» KongreffeS im Bonner Bürger- Verein und im großen Saale des kacholifchen Gesellen­hauses. Abends gemüthliche Zusammenkunst im „Hähnchen". Sonntag, den 16. August: Feierliches Hochamt in der Mimsterkirche unter Ritwirkung der MünsterchoreS. Zu dieser kirchlichen Feier wird wahr­scheinlich der hoch». Herr Weihbischof Dr. Schmitz er­scheinen. Rach Schluß der Congreßarbriten Festessen in der Beethovenhalle, wobei voraussichtlich auf ca. 500 Theilnehmer zu rechnen ist. Abends findet in der Halle eine große Festversammlung statt, die einen glänzenden Verlauf nehmen dürste. Hervorragende Parlamentarier habm ihr Erscheinen zugesagt. Der unter dem Protettorate des Prinzen Heinrich von Preußen stehende, durch seine Mitwirkung an der Kieler Kanalfeier rühmlichst bekannte „Bonner Männer-Ge- sang-Berein" hat sich in entgegenkommender Weise zur Verschönerung de» Festes bereitgefunden. Zu dieser Versammlung haben auch Damen Zuttitt. Montag, den 17. August: Festfahrt auf dem Rheine. Einer der großen Salondampfer der Köln-Düffeldorfer Gesell­schaft wird hierzu benutzt. Der bevorstehende Congreß äußert schon jetzt eine gute Wirkung herselbst. Sine

„Eine alte Satzung der heiligen Väter lehrt und befiehlt, daß derjenige, welcher zum bischöflichen Amte erwählt ist, zuvor auf daS gewiffenhasteste, aber mit aller Liebe geprüft werde nach dem AuSspruche deS Apostels: „Lege Niemand zu voreilig die Hände auf!"

Mit diesen Worte» leitete er die vorgeschriebenen neuen Fragen über deS Erkorenen Lebenswandel und die weiteren Fragen über dessen GlaubenSbekenntniß ein.

Rach bestandener Prüfung geketteten die Bischöfe von Trier und WormS den Erwählten zu dem Kon- sekrator. Bernward beugte das Knie und küßte in Ehrfurcht deS Erzbischofs Hand. Der legte hierauf die Jnful ab und begann das Staffelgebet.

Der Erwählte wurde von den asfistirenden Bischöfen nach dem Nebenaltare geführt, allwo er den Chormantel ablegte und wo ihm die bischöflichen Schuhe, die San­dalen, angezogen wurden mit den Worten de» Propheten JsaiaS:

„Wie schön sind die Füße dessen, welcher den Frieden verkündet, vom Heile predigt und zu Sion sagt: Dein Gott wird herrschen."

Hierauf empfing Bernward daS Brustkreuz, wobei er selber die Worte de» Apostels sprach:

„Es sei ferne von mir, daß ich mich in etwa» Anderem rühme, als in dem Kreuze unseres Heim Jesu Christi."

E» wurden dem zu Weihenden dann die Tunika,

^Deutsches Reich.

Berlin, 18. Mai.

* Der Kaiser hat dem Staatssekretär v. Bötticher ar läßlich der Verunglückung seine- Sohnes telegraphisch sein Beileid ausdrücken lassen. — Am königlichen Hose weilen gegenwärtig der Kronprinz von Italien und Prinz Albert von Belgien zum Besuch. Beide Prinzen sind auf der Reise nach Mo-kau, um an den Krönungsfeierlichkeiten des russischen Kaiser- p rares theilzunehmen.

* Der Kaiser hat die Kaiserin von Rußland zum Chef de- 2. Garde-Dragoner-RegimentS ernannt, das von fitzt ab heißt: „2. Garde-Dragoner- Regiment Kaiserin Alexandra von Rußland." Wohl eine Aufmerksamkeit zur Krönung!

* Der ehemalige preußische Finanzminister v. Camp- Hausen, einer der Männer der so verhängvißvollen „liberalen" Aera, der Finanzminister der „1871er Milliardensegens" und der unverdienten Ueberschüffe, ist am Montag im Alter von fast 84 Jahren ge­storben. Sr war von 1869—1878 Finanzminister; er stürzte, weil er mit dem BlSmarck'schen Tabaks- Monopolprojekt — und darin hatte Camphausen Recht — nicht einverstanden war.

* Der Duellmörder Kotze ist dem ,Hann. 6/ zu­folge wegen deS Duellr, in welchem er den Ceremonien- meister v. Schrader ermordete, vom Kriegsgericht zu zweiJahrenFestung verurtheilt worden. Hoffent­lich wird diese gelinde Strafe nicht noch durch eine Begnadigung verkürzt.

* Der „konservative deutsche Bürgerverein der Halle'schen Thorbezirke" zu Berlin hat, wie dar ,BE meldet, einstimmig eine Resolution ge­faßt, in welcher er den Austritt Stöckers auS der Partei bedauert und die Rothwendigkeit der Herbeiführung dieses Austrittes durch den Elfer-Ausschuß anerkannt. Der Verein miß­billigt aus'S entschiedenste die gegen Stöcker gerichtete Broschüre deS Obersten z. D. Krause, der dieselbe als Vorsitzender des Wahlvereins der Deuffch-Konser- vativen Berlins veröffentlicht hat, und macht das Ver­bleiben seiner Mitglieder in dem konservaüven Wahl­verein von dem Rücktritt dieses Herrn als Vor­sitzenden deS WahlvereinS abhängig. Behufs Stellung­nahme zu diesen Fragen erachtet der Verein den Zulammenttitt und die gemeinschaftliche Tagung der Gesammt-Borstände der konservattven Vereine Berlin» für nothwendig. Stöcker, al» dem „unermüdlichen, aufopfernden und bedeutendsten Führer und Vorkämpfer der konservativen Partei und dem Schöpfer der Ber­liner konservativen Bewegung", spricht der Verein seine unbedingte Anerkennung und sein vollstes Vertrauen aus. — Wie gefällt da» der Parteilei­tung? Wenn auch der Verein keine große Bedeutung hat, so bleibt sein Eintreten für Stöcker darum ein