M 113 Montag, »«t 18. Mai 189«. 28. Jahrgang
Fuldaer WßZkitllig
mit Pntrrhaltnugs-Keilasr »Ltrrnr rm- Blumen".
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Die Umgestaltung der vierten ^Bataillone
welche jetzt dem Reichstag zur Entscheidung vorliegt, bedeutet leine Erhöhung der Präsenzziffer der Armee, sondern nur eine Aenderung in den Formationen.
Während seither infolge deS Militärgesetzes von 1893 172 Halbbataillone L 193 Mann bestanden, sollen diese zu 86 Bollbataillonen ä 500 Mann mnge- wandelt werden. Die hierfür fehlenden 114 Mann pro Vollbataillon werden nicht etwa mehr eingestellt, sondern dem Bestand der alten Bataillone entnommen. Infolge dessen ist auch keine Vermehrung der Kasernen an und für sich nöthig, sondern nur soweit sich solche aus der Zusammenziehung der Halbbataillone ergibt.
Gleichwohl war lange Zeit die Rede davon, daß je 2 volle Bataillone »u einem Regiment vereinigt und für diese ganz neue GarnisonSorte geschaffen werden sollten. Dies würde natürlich sehr erhebliche Mehrkosten, im Ganzen vielleicht 180 Millionen Mk. verursacht haben. Die militärischen Autoritäten haben sich jedoch in dieser Frage den Rücksichten auf die Steuerzahler deS Lande- fügen müssen und sich damit begnügt, nur überall da» Rothwendigste zu fordern, um die Bollbataillone im Anschluß au schon bestehende KasernementS für Halbbataillone oder sonst verfügbare Gebäude der Heeresverwaltung unterzubringen. Nur in einiaen wenigen Fällen ist eine Ausnahme gemacht wv'- den und dieses ist wesentlich aus Giürden der Land.Svertheidigung geschehen, ei betrifft natürlich wieder Elsaß-Lothringen, wo in Anbetracht der starken Militärmacht, welche Frankreich in seinen Srenzprovinzen zusammengezogen hat, auch auf deutscher Seite eine entsprechende Truppenmacht bereit gehalten werden muß Deshalb werden neue Kasernen gebaut in St. Avold, Bitsch, Münster in Elsaß, und Mutzig. Verlegungen finden statt von Neumünster nach Itzehoe, von Butzbach nach Darmstadt, indem im ersteren Falle die reitende Artillerie, im letzteren die Kavallerie zusammengezogen wird, während die vorhandenen Gebäude in Butzbach und Neumünster zur Unterbringung von 4ten Bataillonen verwendet »erben. In Wiesbaden wird ein Neubau stattfinden, um ein seither provisorisch untergebrachtes Halbbataillon zu einem Bollbataillon zu ergänzm.
Neubauten für 2 Bataillone erhalten nnt Coblenz und Paderborn. Diese beruhen jedoch auf früheren Festsetzungen, indem die Stadt Coblenz ein Stück FestungSterrain erhält, dagegen die gesammten Kosten deS Neubaues für 2 Bataillone zu bezahlen hat; der Neubau in Paderborn hängt dagegen mit den Garnison-Verhältnissen in Köln zusammen und ist schon im Etat vom Jahre 1889 begründet. Alle anderen jetzt auszuführenden Bauten werden als Ergänzungen zu bestehenden oder bereit» im Bau begriffenen Kasernen gefordert. Deshalb beschränkt sich auch die
Die Grast« eie Lmmkschrudmz.
Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 22] ------- (Nachdruck verboten.)
VIII.
Die Bischofiweihe.
Eiumüthig ward er da erkoren Und ihm die Nachricht vorgelegt. Deß ward sein Herz gar tief bewegt Bon Demuth und Bescheidenheit Er sprach: „Es war mir bitter Leid So all des Amtes schwere Bürde, Mir Schwachen übertragen würde; Denn meiner Ohnmacht war es g'nug An dem, was ich bisheran trug." Aus Philipp des Karthäusers Marienleben.
Während der Dauer von sieben Jahren hatte die Kaiserin Therphana das Reich mit Ruhm verwaltet und sich als eine Herrscherin von festem adeligem Charakter und großer Umsicht erwiesen. Ueberall, wo das Wohl des Reiches ihre Gegenwart erheischte, begab sie sich persönlich hin. In Italien zwang sie die Aufrührer zur Unterwerfung und brachte das kaiserliche Ansehen zur Geltung. Rach Deutschland zurück- g kehrt, feierte sie im Jahre 991 noch einmal da» Osterfest zu Quedlinburg in großem Glanze, umgeben von vielen deutschen und fremden Fürsten. Alsdann begab sich die thatkräftige Herrin nach Ny nwegen zu einer neuen Reichsversammlung. Hier ereilte sie der
Gefammtforderung für alle KasernementS des preußischen Heeres einschließlich der elsaß-lothringffchen Garnison im vorliegenden Nachtrags-Etat auf nur 4,620,000 Mk., wozu in den nächsten 3 Jahren noch Restraten von 9,320,000 Mk. — kommen werden. Die Anforderungen find aui gleichen Gründen auch für die sächsische, bayrische und württembergische Armee von keiner großen Bedeutung. IMA
Eine größere Anzahl von Städten wird durch die Zusammenlegung der Bataillone von ihrer jetzigen Garnison einen Theil verlieren, allerdings nur den, welchen fie im Jahre 1893 durch die Neubildung der Halbbataillone erhalten hat. Daß es unter diesen Umständen bei allem gutem Willen der Heeresverwaltung nicht Möglich war, für Fulda, wo keine militärfiskalischen Gebäude mehr vorhanden find, jetzt eine Garnison zu erlangen, dürfte erklärlich sein. AuS den wiederholten Verhandlungen mit dem Kriegsminister habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, daß dieser die günstige Lage unserer Stadt für Unterbringung irgend einer Einrichtung der Heeresverwaltung wohl zu würdigen weiß und daß, wenn ei auch nicht möglich ist, unsere Wünsche jetzt zu berückfichtigen, die Geneigtheit dazu doch vorhanden ist und bei der ersten passenden Gelegenheit zum Ausdruck komme» dürfte. Augenblicklich müssen wir uni den Rücksichten auf dai finanzielle Interesse bei Reichs unb auf die militärischen Verhältnisse in Elsaß-Lothringen fügen.
Berlin, 17. Mai 1896.
Richard Müller.
□ Das Zuckersteuergejetz ist, wie unser m Lesern aui dem Parlamentsberichte schon bekannt ist, nach langen Verhandlungen im Reichstage endgiltig mit 144 gegen 124 Stimmen angenommen worden.
Gegen die Regierungsvorlage ist dai Gesetz aller- dingi wesentlich verändert. Während diese den Aui- fuhrzuschuß von 1,25 Mk. pro Doppelzentner auf 4 Mk. erhöhen wollte, hat ihn der Reichstag nur mit 2,50 Mk. genehmigt, dagegen ist dai Kontingent statt auf 14 auf 17 Millionen Doppelzentner, jedoch einschließlich deS Melaffezuckers erhöht worden. Die Berbrauchisteuer, welche von seitherigen 18 Mk. pro Doppelzentner nach der Vorlage auf 24 Mk. erhöht werden sollte, ist nun mit 20 Mk. genehmigt worden, ei beträgt also die Bertheuerung bei Zuckers durch die Erhöhung der Berbrauchiavgabe genau ein Pfennig pro Pfund. Was hierdurch an den Zu- fchüfsen fehlt, wird durch eine Betriebssteuer, welche allen Fabriken auferlegt wird und 10 bis 30 Pfennig pro Doppelzentner auf ihre Gefammtproduktion beträgt, aufgebracht. Der Reichskaffe verbleibt nach den endgiltigen Beschlüssen bei Reichstags kein Mehrüberschuß gegen ihre seitherigen Einnahmen.
Tod in der Blüthe ihrer Jahre. Die Regentenlast war den zarten Schultern der edlen Frau zu schwer. Za Köln in der Kirche Sankt PaMaleon wurde sie ihrem Wunsche gemäß beigesetzt.
Rach Theophanas Tode schloß sich der frühverwaiste Otto noch inniger an seinen treuen Lehrmeister Bernward. Ihn zog er allein zu Rath, um zu prüfen, was andere durch Schmeichelworte ihm einreden wollten; denn bei seiner hohen Begabung durchschaMe Otto die Verstellung der Hofleute, erkannte er die unbestechliche Ehrenhaftigkeit des väterlichen Freundes. Ja, Bernward mit feiner hohen Bildung, mit seinem für alles Edle und Schöne aufgeschlosienen Sinn war für den geistig regfamen Kaiser-Knaben der rechte Lehrer. Und dieser übertrug der sorglichen Leitung des geschätzten Lehrmeister» die wichtigsten Staatsgeschäfte. So ordnete Otto durch seinen Lehrer und dieser durch seinen Kaffer die Angelegenheiten des ganzen deutschen Reiches.
Trotz solcher Machtstellung durfte Bernward sich rühmen, keine Neider zu haben. Inmitten der Reichen und Hohen, der Armen und Niedrigen ging der besonnene Priester mit Ehrfurcht erweckender Bescheidenheit einher. Ueberall wußte er das rechte Maß zu finden, den Schüchternen liebreich zugänglich, den Uebermüthigen achtunggebietend zu begegnen. Den Sinn seines Zöglings weckte er für das Große und Ideale.
Der kaiserliche Knabe machte wunderbare Fort-
Da durch den höheren Ausfuhrzuschuß sich der Zucker bei der Ausfuhr nach anderen Ländern entsprechend bester verwerthet, bedeutet die Annahme de» ZuckergesetzeS für die Rübenbauer», welche ihre Rüben nach dem Zuckerpreis gezahlt bekommen, eine PreiSanfbefferung von 5 Pfennig pro Zentner Rüben, für die Zuckerfabriken selbst entsteht dagegen kaum ein Vortheil, weil dieselben einerseits die Rüben entsprechend höher bezahlen müssen, andererseits der Betriebssteuer unterworfen werden.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Mai
* Der Kaiser geht dieses Jahr nicht nach Cowes — das wird in Form eine- Dementi» in einer Mittheilung des offiziösen TelegraphenbureauS in diplomatisch, geschickter Weise folgendermaßen kundgegeben:
Ein« Nachricht auswärtiger Blätter, welche totffcn wollte, daß der Kaiser auf den Rath des Reichskanzlers, Fürsten zu Hohenlohe, die Reife nach Cowes für diesen Sommer „aufgegeben" habe, ist dahin richtig zu stellen, daß von einem „Auf- S'en" einer solche« Reise gar nicht die Rede sein kann, weil elbe überhaupt nicht geplant gewesen ist.
Die Leser werden sich erinnern, daß in den letzten Jahren ebenso wie eine Nordlandfahrt, so auch ein Besuch des Kaisers in Cowe» regelmäßig statt- gesunden hat, so daß angenommen werden konnte, daß auch in diesem Jahre die Reise nach Cowes, wo die großen englischen Segelregatten abgehcckten werden, aus dem Reffeprogramm des Kaisers stehen werde.
* Schwedische Blätter bringen bereit» Einzelheiten von der bevorstehenden Rordlaudreise des Kaisers (längs der schwedischen Küste). Ec werde von Christiania aus das Gut Stora Sundby in Södermanland, den Sitz des früheren deuffchen Gesandten in Stockholm Grasen Wedel, besuchen, wobei er von der Kaiserin begleitet sein werde. Im dorttgen Schlosse haben während der Winter» umfaffende Herstellungsarbeiten stattgefunden. Als sicher wird betrachtet, daß wenigsten» die Kaiserin nach Stora Sundby fährt. Tine norwegische Zeitung in Finmarken hatte mitgetheilt, daß der Kaiser dis nach BadSo hinauf reifen werde, um die im August einttetende gänzliche Sonnenfinsterniß zu beobachten. Auf dem deutschen Konsulat zu Kristiania ist jedoch von dieser Absicht nichts bekannt.
* Die .Kölnische Zeitung' soll, wie ein Berichterstatter meldet, wegen ihrer Artikel gegen die „m»er- antwortlichen Rathgeber" (General v. Hahnke u.s.w.) auf Befehl des Kaffer» in den königl. Schlössern nicht mehr gehalten werden dürfen. Wenn sich diese Nachricht bestätigt, dann wird die alte Tante in Köln sicher ihre monarchische Gesinnung einer neuen Revision unterziehen.
* Eine charakteristische Beschwerde Bismarck» wird bekannt. In einem Augenblicke, wo die,Hamb. Nachr.' gegen die „Pastorenpolitik" blind wüthen, schritte in den Wissenschaften, und sein Geist wurde durch die freifbmiae Weise deS Unterrichtes stütz zur Uebernahme aller ReichSgesckäste gezeittgt, so daß man Otto bald „mirabilia mundi“, da» Wunder der Welt, nannte. Selbst in'S Feld zum Kampf gegen die auf- ständischen Wenden und Slaven begleitete der Waffen» kundige Bernward mehrmals den siegreichen Kaiser- knaben.
Das Weihnachtsfest deS Jahre» 992 feierte Otto und fein Hof in der Pfalz zu Mainz, in jener vornehmen und reichen Stadt, bereit Erzbischof die Erb- Würde de» Reich»-Eczkanzler» bekleidete.
Am majestätischen Rheinstrom erhob sich der KönigS- hos nicht weit von der erzbischöflichen Barg- Vom Königrhofe aus fiel der Blick auf den großartigen, noch unvollendeten Dom, dessen Bau Willigis nn Jahre 978 begonnen hatte. Mit regster Theilnahme verfolgten der fo kunstgelehrte Bernward und sein begeisterter Schüler die Fortschritte dieses Werkes.
Am Neujahrsmorgen 993 finde« wir die Beiden in einem freundlichen Gemache der KönigSburg in gelehrtem Zwiegespräch. Der dreizehnjährige Otto ist mit allen Gaben de» Geistes und des Körpers reich auigestattet; die Vorzüge des BaterS und der Mutter find auf ihn übergegangen. Er ist von stifcher, lebhafter Sinnesart und von schwungvoller Einbildung»- kraft, wa» seinem Lehrmeister nicht wenig zu schaffen macht. An ritterlichen Hebungen hat es dem Knaben