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Neilsge pw Wulfiaev Zeitung

23. Jahrgang

Samstag, Öen 16. Mai 1896.

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halten des BundeSrathS auch dessen Stellung in der Diätensrage gerückt. Sine solche Zumuthung, tote sie der BundeSrath jetzt dem Reichstage wacht wäre doch nur dann berechtigt und praktisch durchführbar, wenn der BundeSrath endlich einwilligte, den ReichS- tagSmitgliedern Diäten zu geben, und zwar nur für die Tage, wo die betr. Abgeordneten wirklich an- wesend sind, und unter Ausschluß derjmigm, die schon als Mitglieder des preußischen Abgeordneten­hauses Diäten beziehen. Die Weigerung des Bundes- rathS wirkt nahezu komisch angesichts der Thatsache, daß jetzt dar Abgeordnetenhaus nur deswegen nach Pfingsten künstlich zusammengehalten werden soll, um diejenigen Landtagsboten, die zugleich ReichStagSabgeordnete sind, zum Hierbleiben zu bewegen und so den Reichs­tag beschlußfähig zu erhalten. Und dabei wird der letztere Zweck doch kaum erreicht werden. Was der Landtag an Eigenem noch zu thun hat, ist, wenn er nicht künstlich, um den Schein zu wahren, neuen Arb-itSstoff erhält, so unerheblich, daß deswegen die preußischen Steuerzahler nicht noch 2—300000 Mark an Diäten zu tragen brauchten, um ihre Landtag-- abgeordneten noch 9 Wochen in Berlin zu unterhalten.

Wir müssen er geradezu als ungehörig bezeichnen, daß die preußischen Steuerzahler mit einer solchen Summe belastet werde», die eigentlich Re ich-zwecken dient. Die preußischen Landtag-abgeordneten selbst — da- Gegentheil anzunehmen, wäre eine Beleidigung für sie — müssen eS als unstatthast empfinden, un- nöthiger Weise, einem an sich sehr ftagwürdigen Reichr- interesse zu Liebe, den preußischen Steuerzahlern auf der Tasche zu liegen. Vielleicht kommt daher diese Sache, wenn die Regierung wirklich da- Eingang» mit- getheilte Programm auszuführen sich anschickr, im Abgeordnetenhaus- zur Sprache. Der Reichstag aber hätte die Pflicht, bei einem solchen Anlasie ganz energisch seine Diätenforderung zu erneuern und zu erklären, daß er nur dann bis in den Hochsommer zusammen bleiben will, wenn au- Reichs Mitteln durch Diäten dafür gesorgt wird, daß die Abgeord­neten so lange in Berlin leben können — zumal bet derTheuerung derWohuungSpreise u. s. w. infolge der Gewerbeausstellung!

Die Zumuthung an die Abgeordneten, so lange hier auSzuhalten, ist um so stärker, als der Landtag und wohl auch der Reichstag in diesem Jahre schon sehr srüh wieder im Herbst zusammentreten sollen. Wir sehen gewiß gern, wenn unsere Abge- ordneten recht fleißig sind, aber ein zweck- und nutz­lose» HinauSziehen der Session können wir nicht billigen. War zuviel ist, ist zuviel!

DeS ritterlichen Ranne» Auge leuchtete auf. Er umschloß die zarte Rechte der Jungfrau mit beide« Händen und sagte mit tiefer, bebender Stimme:

.Die Mutter hätte Such willkommen geheiße», HildeSwitha"; er beugte sich nieder und schaute der erglühenden Maid tief in die blauen Augensterne, „«nr ist al» ob der verklärte Seist der Mutter mir zu­hauchte: .„Diese ist e», welche ich von Sott für Dich erbeten habe."" Hilde»witha, täuscht mich meine Em- bildnngSkrast, oder seid Ihr, die ich liebe feit de» Augenblicke, da ich Euch in Quedlinburg sah, mtt wirklich von Sott beschieden?"

Ein wundersames Leuchten ging über der Jungfta« Antlitz.

„Er muß wohl so sein, denn niemal» hat em Mann solchen Eindruck auf mich gemacht," sprach sie einfach.

Er breitete die Arme au».

„Hilderwitha, willst Du mein sein?

Sie flüchtete an de» ManneS Brust und nickte glückselig: „Ja!" ,

Die Verlobten hielten sich umschlungen, al» die kaiserlichen Herrschaften mit Bernward eintraten.

„Hier fehet die zukünftige Herrin der Sommerfchen- bürg!" rief der Graf mit Augen, welche von Wonne strahlten. „Die Traute hat eingewilligt, meine Haus­frau zu werden, sie liebt mich, wie ich sie."

Da war bei Allen große Freude ob de» frohen EreignisieS; keiner wunderte sich, wie da, so rasch ge- kommen. ES war so natürlich, daß diese Herzen sich gefunden hatten. t _ ...

„Ich selber werde Such »n der Pfalz zu Quedlin­burg die HochzeitSfeier rüsten," sagte die Kaiserin. „Ich entlasse Dich, mein lieber Kind, nicht eher au» dem Hosdienste, bi» ich an Deinem Ehrentage Dich mit dem Brautkranze schmücken durste. Nem — wende nichts ein, Deine vielliebe Mutter, Frau Frederunde, muß mir die Freude gestatte«, sie muß selber al» «ast zu dem Feste kommen."

Es geschah alsdann «ach dem Wunsche Theophana ».

Ehe der Winter seine weiße Decke über das Land gebreitet hatte, legte im Dom zu Quedlinburg der Hoskaplan Bernward die Hände Tammo» und Hilde»- withaS zum Lebensbunde in einander. Er sprach über die Worte deS Apostel» Paulu»: »Die Ehe ist ein große» Geheimniß, ich sage aber in Christo und in der Kirche."

Die Herzensfreude Bernward» an diesem Hochzeltr- tage war kaum geringer, al» die de» stattliche» Bräutigamsund der wonnesamen, bräutlich mit Myrthe geschmückten HildeSwitha.

Da» Hochzeit»gefolge war nicht klein, der ganze sächsische Adel hatte die Brautleute zum Traualtar ge­leitet. , , L ,

An der Hochzeitstafel aber, so m der Kaiserpfalz gar prunkvoll bereitet war, begann ein hohes Froh­locken, als der Bruder HildeSwitha», Gras Altmau von Olerburg, den Gästen verkündete, daß er sich just eben mit der Jungfrau Hedwig von Stederburg zu« Ehebunde versprochen habe.

Die Brautmutter, Frau Frederunde, war beglückt, daß ihre» Sohne» Herz sich der emstfinnigen Hedwig zugewendet hatte. Nachdem die Jungfrau, welcher Altman» erste 'schwärmerische Neigung gewecht war, Judith von Sommerschenburg, de» himmlische« Bräutigam» Minne dessen irdischer Liebe vorgezogen, da hatte die würdige Frau Frederunde nicht ohne Gmnd befürchtet, der Stammherr au1 der Olerburg werde unvermählt bleiben. Um fo größer war heute da» Glück und die tiefempfundene Freude ihre- mütterlichen Herzm». _ t _

„Mit Gott!" sprach fie und gab den Setzen.

Da erscholl der Jubel der frohen Hochzestsgaste, und Pauken- und Trompetevschall verherrlichte lauter noch das Fest. (Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* Eine künstliche Insel mitten im Meer zu bauen, ist das neueste Projekt unternehmungslustiger Jngemeure icnseits des großen Wassers. In New-York hat sich nämlich eine Aktien- Gesellschaft gebildet, welche beabsichtigt, mitten ,m atlantischen Ozean etwa 10 bis 12 Meilen von der Küste entfernt, ernt künstliche Insel zu bauen und aus derselben ein comsortables Seebad zu errichten. Ein geeigneter Platz ist bereis auige- wählt und durch Verankerung eines Boie gekennzeichnet worden. Aebnlich ro;e beim Bau von Brücken sollen eiserne Caisions auf den dort nicht allzu tiefen Meeresgrund versenkt und auf dresm dann die Insel aufgebaut werden, dessen Bewohner sich mtt Fischen Rudern, Baden rc belustigen und alle Annehmlichkeiten einer Seereise genießen können, ohne den Gesahren einer solchen ausgesetzt zu sein. Da die neue Insel den Namen Atlantis" erhalten soll, bereits im neutralen Gebiet des Ozean- liegt, wird die Welt dann um die kleine Republik wieder reicher sein. __________________

Bit Grase« io« rmmW«b«z.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 2i] ------- (Nachdruck verboten.)

Der junge Kaiser, dem Bernward in diesem Raume da» verdeckt- Thürlein zu einem unterirdischen Sange gezeigt hatte, fand so viel Wohlgefallen an ter seinen abenteuerlichen Sinn reizenden Wendeltreppe, daß er, ohne lange zu sragen, hinabstieg, um sich weiter um­zuschauen ; sei» Lehrmeister mußte wohl oder übel ihm folge«!.

So geschah e-, daß nur Tammo und HildeSwitha selbander ein traulich Gemach betraten, welches mit sonderlicher Sorgfalt hergerichtet war. Decke und Wände deS Gemache» wäre» mit Holz bekleidet, und die Sonnenstrahlen huschten freundlich über das alte braune Schnitzwerk und über die prächtigen, buntgestickten Kissen hin, welche die Truhen bedeckten. Der schönste Schmuck der eigenartigen Raume» aber war daS willle Eph-ugerank-, welche» von der äußere« Thurmmauer, an der eS üppig emporkletterte, feinen Weg hier hinein S' ttben hatte durch die fäulengetheilten Rundbogen­er, allwo e» sich laubenartig um die tiefen Nischen zog. An einem der umrankten Fenster stand auch ein Webstuhl und an der Wand hing eine Laute, welche von blauem Band umschlungen war.

„Der LieblingSnusenthalt meiner selige« Mutter!" erßärte Tammo bewegt. „Hier saß die milde Frau gar oft im Sommer und im Winter, ließ g-fchäftic die Spule tanzen und lugte dazwischen hinaus nach der heitern Fernsicht über Thäler und Hügel. Wenn die Dämmerung kam, so nahm sie die Laute und hob leise an, mit ihrer vollen, weichen Stimme schöne, meisten» gottselige «eisen zu singen."

Auch Hilderwitha war bewegt, chr dünkte er, ali ob fie an geheiligter Stätte eingedrungen sei. Zaghast bot fie dem Burgherr« die Hand:

„Ehre den Manen jener Frau, welche solche Söhne erzog! O, daß ich die Edle gekannt hätte!" so sprach fie leise und innig.

Die parlamentarische Geschäftslage.

Die Regierung will, wie die ,Post' schreibt, unter allen Umständen darauf bestehen, daß der Reich»- tag nicht au-einandergeht, ehe alle bie Vorlagen — vor allem auch da» bürgerliche Ge­setzbuch —, bie dem Reichstage vorliegen oder noch i« bett nächsten Tagen »«gehen werbe», erledigt sind. Der Staatssekretär des Innern Dr. v. Bötticher hat sich in diesem Sinne auf da» allerbeftimm- teste im Reichstage gegenüber verschiedenen hervorragen­den Parlamentariern au»gesprochen und dabei ange- deutet, die Regierung rechne darauf, beit Reich»tag Ende Juli zu schließen. Gleichzeitig würbe er- wähnt, baß auch das Abgeordnetenhaus noch nach Pfingsten längereZeittagenwürde. Diese» Programm ist ja gut gemeint, wir bezweifeln aber nach wie vor auf» entschiedenste, daß es möglich sein wird, dieses Programm auszuführen. Die Zumuthung, welche die Regierung an den Reichstag stellt, ist eine so starke, daß auf allen Seiten de» Reichstages der beste Wille bestehen müßte, alle jene Vorlagen, insle- sondere das bürgerliche Gesetzbuch zustande zu bringen. Dieser Wille ist aber jedenfalls bei den Sozialdemo, kraten nicht vorhanden. Diese werden im Gegentheil von allen gefchästSordnurigsmäßigen Mitteln Gebrauch machen, um durch Konstatirung der Beschlußunfähig- keil u. dgl. die Vollendung de» Gesetzbuches zu hinter- (reiften. Dadurch würde aber eine weitere Ausdehn­ung der Session von selbst unmöglich werden.

Ist e» denn überhaupt durchaus nothwendig, daß daS bürgerliche Gesetzbuch noch in diesem halben Jahre erledigt wird? Die Kommission arbeitet jetzt mit Dampf; alle Tage „sitzt" sie von 10 bis 2 Uhr, ihretweg-n ist der Beginn der Plenarsitzung auf bie letzgenarmte Stunde verlegt worden, am Mittwoch hat die Kommission etwa 150 Paragraphen durchberathen, unb eS ist anzunehmen, baß baS Tempo fortan noch schneller wirb, und daß bie Kommission bie erste Lesung am SamStag ober spätestens bis Mittwoch nächster Woche zu Ende führt. Wenn man nun auch die Kommission»berathung vor der Sommerpause voll­ständig durchpeitschen will, also die Kommission nach Pfingsten noch die zweite Lesung vornehmen läßt, wo­zu 3 Wochen genügen dürsten, so braucht man da» Gesetzbuch doch nicht auch im Plenum noch fertig­stellen zu lasten. Die 2. Lesung in der K o m m i s s i o « «icht bis zum Herbste zu vertagen, hat einigen Grund, weil man fürchtet, sonst kämen im Herbste bie Sozial- demokraten mit allen ihren jetzt abgelehnten Anträgen »lebet, aber bie 2. unb 3. Berathung im Plenum jetzt noch vornehmen zu lasten, hätte boch nur bann Sinn, wenn man hoffen zu bürfen glaubt, baß bie Sozialdemokraten jetzt der schnellen Durchb rathung weniger Widerstand entgegensetzen würden, als im Herbst. Diese Rechnung scheint uns aber entschiede!: ohne den Wirth, nämlich ohne die Sozialdemokraten gemacht zu sein; da» sommerliche Ruhebedürfniß wird bei diesen nicht so groß sein, um ihren grundsätzlichen Widerstand gegen das Gesetzbuch zu dämpsen ober zu lähmen. Umgekehrt ist viel eher anzunehmen, baß bei den andere« Parteien deS Reichstages, vielleicht auch bei den Sozialdemokraten, die ja übrigens Parteidiäten beziehen, dar Bedürfniß nach Erholung bei der Herr- schenden Hitze viel zu groß ist, als daß e» möglich wäre, .einen beschlußfähigen Reichstag — 199 An­wesende sind dazu ersorderlich — bis Ende Juli zu- sammenzuhalten.

WaS die anderen Vorlage« angeht, so ist die dritte Lesung der Zuckersteuer am Freitag zu Ende ge- führt worden. In den ersten Tagen der nächsten Woche sollen die Vorlagen wegen Umgestaltung der vierten Bataillone folgen; die erste Lesung derselben wird aller- dingS wohl noch die vor den Pfingstserien noch übrige Zeit in Anspruch nehmen, falls nicht die Regierung so befriedigende Aufilärung über den Stand der Mül- tärprozeßreform und die politische Seite der Rilitar- srage überhaupt abgeben kann, daß der Reichstag sich auf eine sachliche Behandlung der BataillonS-Ange- legenheiten selbst beschränkt. JedensallS wären die etwa drei Wochen, die «ach Pfingsten für die K o m m i ss i o n S- Berathung der bürgerlichen Gesetzbuches nothwendig wären, völlig auireichend, um alle Vorlagen — mit Ausnahme der Justizvorlage, deren Durchberathung die Sozialdemokraten wohl auch unmöglich machen werden — zum Abschluß zu bringen. Es bliebe dann nur noch die 2. und 3. Plenarberathung der Justiz­vorlage und de» Bürgerlichen Gesetzbücher übrig, und diese könnte man dann ruhig bis zum Herbst vertage«. Wir glauben, daß eS auch jetzt noch, ttotz allen Wider- strebens der Regierung, zu dieser Vertagung kommen wird.

In ein seltsame» Licht wird durch diese» Ber-