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Dienstag, den 12. Mai 1896.

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Den Fraktionen des Crntrums deS Reichstags und des Hauses der Abgeordneten sind zu der 25 jährigen Jubelfeier Glück- und Segen-Wünsche und Zuschristen der Anerkennung und Zustimmung in so außerordentlich großer Anzahl zugegavgm, daß er nicht möglich ist, dieselben einzeln zu beantworten.

Im Auftrage und Namen Leider Fraktionen, welche durch diese Beweise freundlicher Gesinnung hocherfreut sind, beehren wir uns den Absendern derselben unser« verbindlichsten Dank recht herzlich auszusprechen.

Wir fühlen uns durch dieselben besonders angetrieben und erwuth'gt, mit allen Kl ästen unsere Grundsätze aufrecht zu erhalten und nach wie vor einzutreten für Wahrheit, Freiheit und Recht!

Berlin, 11. Mai 1896.

Für die ReichstagSfraktion: Graf v. Hompesch.

Für die Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses: Dr. Freiherr v. Heerrman.

® Gesellschafts-Waldungen.

(Schluß.)

Abg. Knebel: Dem Hrn. Minister ich muß darin entgegen­treten, daß, wie er meint, keine Klagen über den gegenwärtigen Zustand vorlägen. Ich kann mir eigentlich diese Aeußerung des Herrn Ministers kaum erklären; denn ich meine, es liegt eine Reihe von Thatsachen vor, die dieser Auffassung wider­sprechen. Ich erinnere an die vielen in den allerdringendsten Farben die Verhältnisse schildernden Petitionen, die die Agrar­kommission und das Hohe Haus beschäftigt haben und die der Königlichen Staatsregierung überwiesen worden sind. Sodann meine ich, müßte doch auch der Herr Minister einige Rücksicht darauf nehmen, daß nicht ein Abgeordneter aus dem Regierungs- Bezirk Trier oder Koblenz hier vorhanden ist, der nicht be­stätigte, daß die Klagen erhoben werden. Wir stehen doch alle mit den Leuten in unmittelbarer Fühlung, und wir würden doch wahrlich nickt hier derartige Klagen vorbringen, wenn sie nicht ihre Begründung im Volke hätten. (Sedr richtig!) Was hätte es für einen Zweck für uns, derartige Klagen vorzub tagen — unsere Absicht ist doch ganz gewiß nicht, Aufregung in der Be­völkerung hervorzurufen, sondern wir wollen Ruhe und Frieden wieder herstellen, so wie sie früher vorhanden waren. (Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen.) Das ist der Grund, weshalb wir unseren Vorschlag gemacht haben.

Abg. Dasbach: Meine Herren, der Minister hat gesagt, aus der hessischen Gegend sei nicht eine Beschwerde darüber an ihn gelangt, daß die Forstbehörden unterlassen hätten, die von dem Gesetze voraeschriedene Berathung mit den Interessenten vorzu­nehmen. Meine Herren, der Grund ist ein sehr einfacher; die Betheiligten haben gar nicht gewußt, daß sie das Recht haben, eine solche Berathung zu verlangen. Als ich aus deren Bitten mich dorthin begeben habe, habe ich ihnen mitgetheilt, daß sie auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen dieses Recht haben. Dort gelten nämlich ungefähr 5 Bestimmungen aus den Jahren 1711, 1777, 1821, 1834 und 1840. Die Landleute kennen eben die gesetzlichen Bestimmungen nicht; sie wissen gar nicht, welche Rechte sie haben; die Förster haben es unterlassen, sie mit ihren Rechten bekannt zu machen. Die Leute waren ganz erstaunt, als ich .hnen diese Mittheilung machte; sie hegten Zweifel daran, und ich habe ihnen erst aus meinen Notizen den Wortlaut der betreffenden Gesetze vorlesen müssen.

Was den Ort Lütter anbetrifft, so Hobe ich nicht be­hauptet, daß dort nie Berathungen stattgefunden hätten; ich habe Leute aus Lütter nicht gesprochen; ich habe aber hier eine

Petition aus Lütter, die ohne meine Veranlassung an mich ge­langt ist. Ich werde dem Herrn Minister nachher sämmtlicke an mich gelangte Petitionen — 10 an der Zahl — überreichen. Diese Petition ist am 28. Februar 1896 abgefaßt und unter­schrieben von dem Vorsteher Wahl und den Bürgern Liebert, Schmitt und Walter. Ich pflege die Namen zu nennen; ich bitte auch, daß jeder Redner stets den Urheber seiner Berichte nennt. Da heißt es wörtlich:

Wenn diese Waldung nicht der Staatsaufsicht unter­worfen wäre, so würden die Theilhaber mehr erzielen an jährlichem Ertrag, besonders an Streu; weil aber nach und nach fast sämmtliches Laubholz vertilgt, und dagegen Nadelholz an gepflanzt wird, welch letzteres auch noch mit vielen Kosten verbunden ist, so müssen wir dadurch die zu mancher Zeit so bedürstigen Streumittel entbehren. Wenn z. B. wir im Jahre 1892 die Streu, um welche wir nachgesucht hatten, erhalten hätten, so hätte die Futternoth nicht den Höhepunkt erreicht im Jahre 1893, daß manches nothwendige Stück im Un­werth abgegeben werden mußte; allein weil die Leute die Strohvorräthe zu Streumitteln verwenden mußten, so konnten diese nicht auch zugleich für Futtermittel ihren Zweck erreichen.

Bei der Geschäftlage verzichte ich darauf, Ihnen weiter höchst interessante Proben aus diesen zahlreichen Petitionen vorzu­lesen.

Meine Herren, ich möchte Ihnen noch sagen, wie die Petitionen zu Stande gekommen sind. Der Herr Minister hat vorhin angedeutet, daß auf künstliche Weise eine Unzufriedenheit geschürt worden sei. Die Vertreter der Gegend von Fulda, der Herr Abgeordnete Kircher und ich, haben gar keine Ahnung davon gehabt, daß in jener Gegend solche gemeinschaftliche Waldungen bestehen; die Betheiligten haben erst aus den Zeitungen, aus den Berichten über den Antrag Roeren gelesen, daß hier diese Materie verhandelt wird aus Anlaß der Klagen aus der Trierer Gegend, aus dem Wahlkreise des Abgeordneten Roeren. Dadurch erst sind die Leute ausmerksam gemacht worden darauf, es sei zweckmäßig, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Wir haben ihnen geschrieben, sie müßten ganz genau Auskünfte geben. Hier sind die Auskünfte, sie stehen jedem zur Verfügung. Ich hoffe, daß man hier nicht wiederum den Verdacht erhebt, es sei aus irgend welchen niedrigen Motiven Unzusciedenheit geschürt worden. Hier in den Beschwerden ist folgende That- fache mitgetheilt worden: in Rasdorf stad 24 gleiche Antheile des Waldes; also wenn man dort das Holz in zweckmäßiger Weise vertheilen will, dann muß man den Leuten 1 oder l’/a ober 1 */« Klafter, also im Ganzen entweder 24 oder 36 oder 30 Kloster geben, dann können die Leute bequem das Holz theilen. Aber die hohe Weisheit des betreffenden Forstbeamten hat Folgendes zu Stande gebracht: er hat 28 Klaiter Kloben­holz und 26 Schock Reisig gegeben. Wie soll der Vorstand das vertheilen? In einem anderen Orte war bei Festsetzung des zu bauenden Quantums übersehen, daß die Schule ein Recht auf 2 Klafter Holz aus diesem Walde hat; das hat der Förster nicht gewußt. Wenn er nun eine Berathung angestellt hätte, würde man ihm das gesagt haben. Die von ihm festgesetzte Anzahl der zu fällenden Klaftern konnte man teilt theilen, wenn nicht auch noch die 2 Klafter für die Schule hätten ge­geben werden müssen. Der Vorstand stellte den Antrag, noch nachträglich 2 Klafter zu gewähren; dieser Antrag wird abge­lehnt. Das ist doch nicht jene Fürsorge für die Interessenten, welche nothwendig wäre, wenn das Gesetz seine wohlthätige Ab­sicht erreichen soll.

Ich hatte dem Herrn Minister in den Osterserien mitge­theilt, daß in den von mir namhaft gemachten Orten der Kreise Fulda und Hünseld, in denen Gesellsckaftswaldungen sind, die Eigenthümer behauptet hätten, es habe dort nie eine Beo thung des Försters mit den Interessenten stattgefunden; ich habe den Herrn Minister gebeten, er möge feststellen lassen, ob diese That- sache war sei ober nicht. Dieser meiner Frage ist der Herr Minister ausgewichen. Ich möchte dringend bitten, d ß der Herr Minister uns daraus eine ganz klare Antwort gibt: Be­haupten die Königlichen Förster von Fulda und Umgegend,

daß sie jedes Jahr die gesetzlich vorgeschriebene Berathung mit den Interessenten vorgenommen haben? Wenn sie das nicht behaupten können, dann geben sie zu, daß sie ungesetzlich ver­fahren haben, geben sie zu, daß gerade durck dieses ungesetzliche Verfahren eine Hauptquelle der bisherigen Unzufriedenheit ge­geben war. Meine Herren, ich glaube, wir können die Geschäfte des Hauses nicht daun führen, wenn hier unerroteiene Verdäch­tigungen aufgestellt werden, wenn hier die guten Absichten der­jenigen, welche sich um Berücksichtigung der Beschwerden des Volkes bemühen, verdächtigt werden.

Abgeordneter v. Pappenheim-Liebena«: Meine Herren, wenn das Gesetz von 1881 dazu Veranlassung gegeben hat, daß subalterne Forstbeamte Gemeinden und Gemeindeverwaltungen qaradezu chikanirt haben, so ist es ganz naturgemäß, daß wir suchen, zur Abhilfe solcher Sachen hier Mittel zu finden. Meine Herren, ich gehe noch viel weiter. Es ist das gar nicht etwa in den Händen der subalternen Forstbeamten geblieben, sondern es ist mir aus meiner eigensten Ersahrung — und eine ganze Menge der hier anwesenden Landräthe werden mir das bestätigen können — bekannt, daß übellaunische Oberförster, die im Neben­amt mit der Beaufsichtigung dieser Gemeindeforsten betraut sind, l sehr oft dazu geschritten sind, ihr Kompetenz dazu zu benutzen, ? um in einer Weise, die meiner Ansicht nach nicht mehr durch- : aus sachgemäß war, die Gemeinden in der Verfügung über ihr ? Eigenthum zu beschränken.

8 Regierungskommissar Oberlandforstmeister Donner: Von ! einer Gemeinde oder Genossenschaft in Hessen war darüber Klage ; geführt, die Staatsregierung begünstige die Verkäufe aus den ; Staatswaldungen dadurch, daß zunächst die Auktionen in den 5 Staatswaldungen abgehalten würden und daß erst dann die Verkäufe in den gemeinschaftlichen Holzungen oder Gemeinde­waldungen zugelassen würden. Die Nichtberechtigung dieser i Beschwerden ergibt sich einfach daraus, daß die Inhaber der ! gemeinschaftlichen Holzungen ebenso wie die Vorstände der Ge­meindewaldungen bezüglich ihrer Holzverwerthung gänzlich von der ' Staatsregierung unabhängig sind. Diese sorgt lediglich da­für, daß das Holz angemessen aufgearbeitet wird. Sobald dies ! geschehen, wird es den Gemeinden und Genossenschaften über- k wiesen. Die Verwerthung ist lediglich deren Sache.

" Abgeordneter Dasbach: Meine Herren, der Herr Oberland­forstmeister hat erklärt, es sei unwahr die Behauptung, die Ver- käufe des Holzes aus Staatswaldungen geschähen in einer Weise, daß dadurch die Inhaber der Gesellschastswaldungen benachtheiligt werden. Ich habe behauptet, daß es vielfach vorkommt, daß zuerst das in den Staatswaldungen gefällte Holz versteigert wird, und daß dann, wenn dadurch das Bedürfniß gedeckt ist, erst aus den Gesellschaftswaldungen die gefällten Hölzer verkauft werden. Ich habe hier ein Aktenstück aus Rothemann unter­schrieben von dem Gemeindevorstand Johannes Witzel, Ludwig Weß und Florus Schäfer. Es ist nicht von den Leuten selber abgesaßt, sondern von dem Herrn Professor Schick aus Fulda, einem Mitgliede des dortigen Bauernvereins. Die Leute sind nicht im Stande, selber eine Petition abzufassen; sie sind deshalb zu ihm gegangen und haben ihn gebeten, er möge ihnen ihre Angaben zu Papier bringen. In dieser Erklärung vom 27. Februar 1896 wird folgendes gesagt: Nr. 3. Holzverkäuse werden in der Regel erst angesetzt, wenn die Verkäufe in den Staatswaldungen stattgefunden haben. Dadurch wird der Preis für das Holz aus Gesellschaftswaldungen gewöhnlich gedrückt.

Meine Herren, ich glaube, es ist doch heute der Beweis ge­liefert, daß die Berichte, auf welche der Herr Minister sich stützt, in vielen Fällen Jrrthümer enthalten. Wir können die ob­jektive Wahrheit nicht erfahren, wenn der Herr Minister beständig die von den Abgeordneten vorgetragenen Angaben für unrichtig hält und sich einseitig nur auf die Berichte seiner Beamten verläßt. Die Klagen der Interessenten richten sich gegen die Beamten; also sind die Beamten doch sicher nicht kompetent, ein richtiges Urtheil zu fällen. Wenn sich der Herr Minister nur auf die Berichte seiner Beamten verläßt, wird er gegenüber den bestehenden Mißständen stets in der Lage sein, zu erklären: Wir haben nach unseren Akten die Ueberzeugung, daß solche Uebelstände, wie sie behauptet werden, nicht bestehen.

Regierungskommissar Oberlandforstmeister Donner: Ich

Die Grast« m« Smmrlchmdulg.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt 18] ------- (Nachdruck verboten.)

Im nächsten Augenblicke breitete Herr Thivgmar wortlos die Arme aus. Lehrer und Schüler hielten sich umschlungen.

„Laßt Euch willkommen heißen!" sprach Herr OSdag und trat hinzu. So saßen die brer alsbald in eifrigem Gespräch beisammen.

Bernward war unbefangen:

„Verzeihet," sagt- er, „mir dünkt es kein Eingriff in die HrlüeSheimer Rechte, wenn der Mainzer Erz­bischof ausnahmsweise der KaiserStochter und den Jungfrauen, so zugleich mit ihr das Gelübde ablegen, den Schleier gibt."

„Eine Ausnahme dürfen wir nicht gestatten, die- weilen sie allzuleicht zur Regel würde", gab Herr Osdag in ruhiger Bestimmtheit zurück. „Bedenket, Gandersheim liegt hart an der Grenze, und die Mainzer haben lange schon geglaubt, Rechte auf daS Stift zu haben."

„Glücklich, wer der Dinge geheimste Ursache er­kannt hat", singt Birgilius. So steht die Sache!" rief Bernward erstaunt.

„Werde aüsogleich ein Wort mit der Herrin Theo-

phana reden und auch mit Herrn W lligiS," fügte er hinzu, als er den genannten Herrn just mit großem Gefolge in den Klosterhof einreiten sah Er eilte hinweg.

Herr Thangmar trat an's Fenster und murrte grollend:

„DaS Geleite des Erzbischofs ist wahrlich noch größer, als daS deS Kaisers. Was Bernward wohl bei dem Stolzen ausrichten mag?“

Der junge Priester blieb lange auS. Endlich kam er.

„ES ist schlecht Wetter bei Willigis. Er behauptet im Recht zu sein und will nicht nachgeöen," also berichtete er, fügte aber freudig hinzu:

„Bei der Kaiserin habe ich erreicht, daß Ihr zu­gleich mit Willigis die Einkleidung der Herrin Sophia vornehmt, während für die übrigen Jungstauen Ihr, Herr Osdag, alles allein besorgt. Durch Vermittlung der andern Bischöfe und durch seine eigenen flehent­lichen Bitten erlangte Willigis, daß er am morgigen Tage die Hochmefle halten darf. Doch daS hat keinerlei Einfluß auf Euere Gerechtsamkeit."

„Ich danke Euch, Herr Bernward, für Euere Be- rnühung," also sprach der Hildesheimer Bischof; dann verstummte er nachdenklich. Er wußte, waS er wollte.

ThangmarS ehemaliger Lieblingsschüler bemächtigte

i sich hierauf ganz des verehrten LehrerS. Arm in ; Arm sah man d.e Beirren allsogleich im Klosterhofe ■ auf und nieder schreiten. In altgewohnter Weise redeten k sie über gelehrte Gegenstär.dr. Hierbei machte Herr ' Thangmar zu seiner uneigennützigen Freude die Wahr- i nehmung, daß sein Schüler an Geist und Wissen i weit über ihn hinausgewachsen war. Im Umher- ' wandeln gerieten die Herren auf eine Baastätte.

„DaS ist die zukünftige Kirche, so Herr Othwin nach Deinem Plane aufzubauen bestimmt hat," er» । klärte Thangmar.

s „Laß sehen!" Bernward spcachs freubig und kletterte sogleich mitten zwischen den Bauleuten prüfend

i in dem begonnenen Werke umher. Hier lobte, dort tadelte er, da ordnete tr an, ermunterte er, und zu- letzt ergriff er in hellem Schaffenseifer Hammer und

j Kell? und fügte Stein auf Stein.

„Dem GotteShause, welches so ganz nach meinem eigenen jugendlichen Entwurf aufgebaut wird, muß ich ; doch selber einige Steine einverleibeo," rief der Kinst- beflissene lachend in schier kindlicher Freude seinem : Lehrer zu.

Thangmar nickte verständnißvoll und lachte:

„In dem finden wir Alles vereinigt, waS einen Künstler zur Schöpfung großer Werke fähig macht. Herz und Verstand, Liebe und Begeisterung die für