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Freitag, den 8. Mai 1896.

23. Jahrgana

FuldaerWZeitllng

mit Nrrterhattungs-KeilaKe ,.Sterne und Flumen".

Getchemt UlML, 6ew« *ab geiertagt -iu»fleiiemwe. — Nvrtcijährkicher Abonne mentspreiS ohne Bringectsdn und BeKeSzrtd in Kaldo imb autetiat# 1 Mark 50 Pfennig. Jojerate foftfü bie einivaltige Garnwndzeile ober bereu Raum 15 $f., Reklamen die Pentzeile 25 Pf., uti Wiebe rholsagen eatlvrecheicker Rabatt.

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Deutsches Reich.

Berlin, 7. Mai.

* Drr Kaiser hörte gleich heute stütz den Vortrag des Krieg smimsterS General Bronsart von Schellen- dorff, der in Begleitung der OberstlieutenantS Brinck- mann im Neuen Palais erschienen war. Gegen 88/< Uhr ritt der Kaiser nach dem Bornstedter Feide, um daS Garde-Jägerbataillon, dar Lehr-Jufanteriebataillon und die Untercffiz erschule zu Potsdam zu besichtigen. Abends wird der Kaiser bei dem ersten Garde-Regi­ment z. F. an einem Ess n theilnehmm. Die Kaiserin ist heute früh auS P om wieder eingetroff n und wird woraen Vormittag der Gedenkfeier des Rothen Kreuzer im Weißen Saale deS königlichen Schlosser beiwohnen. — Die Großherzogin von Baden ist heute früh in Berlin eingetrvff-n und hat im Alten Palms Wohnung genommen.

st Das Jubelfest des Ceutrums, über d ssea Be­ginn wir schon gestern berichteten, hat auch in seinem weiteren Verlaufe die Hoffnungen, die man auf die herrliche Feier gesetzt, nicht nur erfüllt, sondern über­troffen. Unser geftriqer Bericht über daS Festmahl mutzte leider, mit Rücksicht auf den sebr früh abgehen­den Postzug nach Süddeutschland, nach der begeistern­den Rede d?r Frhrn. v. Heereman auf die treuen C-ntrumSwähler adbrechen. Der nächste R dner war ein verdienter Veteran der CentrumSpresse, Redakteur Rienkemper -Zahlendorf. Er gab eine gedankenreiche Schilderung der Kämpfe und Erfolge, der großen Ver­dienste der Cmtrumsfrastionen. Die Geschichte des CentrumS kennzeichnete er durch vier, genau je acht Jahre auseinander liegende Merksteine: 1871 die Ge- bmt deS CentrumS, Beginn des Kulturkampfes; 1879 die neue Zoll- und WirthschaftSpolitik unter ausschlag­gebender Mitwirkung deS CentrumS. 1887 die schwere SrlsiS in der Militärfrage und 1895 — wird Frhr. von Buol Präsident des deutschen Reichs­tages. (Heiterkeit und Beifall.) Die erste Periode war vorwiegend die der Tapferkeit, die zweite die der Geduld, die dritte und schwierigste, weil verant­wortungsvollste, die der Klugheit. Die Klugheit ist Sarde der Fraktionen, die Einigkeit ist unsere Sache, die Sache der Wöhler, und dazu mitzuwirken wird die Press i stets ihre Schuldigkeit thun. Nicht nur die deutschen Katholiken, sondern daS ganze Vaterland be­darf einer starken Cmtrumsprrtei, die immer eine AurocitätSpartei ersten Ranges, aber auch eine BolkS- partei vom reinsten Wasser ist. (Lebh. Beifall.) In der Verbindung dieser beiden Punkte liegt das Heilserum für unsere Zeit. (Sehr gut!) Wollen wir nun, Wähler und Gewählte, den vor 25 Jahren geschlossenen, in die Herzen geschriebenen Pakt erneuern? (Lebh. Rufe: Ja!) Und wenn wir nach einem Notar dazu verlangen, so haben wir ihn: der Gott, der von droben auf unseren Bund gesehen, er bat seinen Segen dazu gegeben. (Stürmischer Beifall) Laflen Sie uns jetzt zum Aus­druck der Dankbarkeit für die vergangene Zeit, der

die Kralen m Saumerlchenbnrg.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt. 15] ------- (Nachdruck verboten.)

Sophia war bald roth, bald bleich geworden, während der freimüthige Priester überzeugungSooll zu chr sprach. Jetzt entgegnete sie:

»Wie könnt Ihr glauben, die deutsche Kaiser­tochter werde lange in demüchiger Unterwerfung dienen muffen !M Sie warf den Kopf zurück. „Der Aebt fsinnen- stab ist mir aufbewahrt. Ich werde gebieten, freier, unumschränkter, als wenn ich einer Herrscher- ange- traute- Weib wäre."

Bernward rief schmerzlich erregt:

„Mit solchen Gestnnungen wollt Ihr in den Orden eintrrlen! Ich sage Euch, wer sich im Kivsterleben nicht vestrebt, der Geringste und Demürhigste zu sein, wird sich und anderen btn Frieden nicht bewahren können."

Heftig erwiderte de Prinzess n:

„Da scheint Euere Schwester Judith andere Mri- nu g zu hegen; denn nach kaum einnn Jahre seit ihrem Eintritt in den Orden nahm sie d e Würde einer Äebtissin zu R ngelheim an."

Bernward entgegnete ernst:

„Nur ungern und nur im Gehorsam gegen ihre

Liebe für die Gegenwart und der Hoffnung für die Zukunft einstimmen in den Ruf: Die Fraktionen des Centrums, sie leben hoch! — Als da- brausende Hoch verklungen und der jubln de Beifall, das Händeklatschen verhallt war, feierte Abg Dr. Lieber die Verdienste der Führer und Mitstreiter, die H ute nicht mehr unter uns weilen, ferner die Mitwirkung der Polen und Welfen und dann besonders die opferwillige, treue, rastli sr Mitarbeit der „herrlichen, unvergleich­lichen CentrumSpresse", der sein Hoch galt. Weiter toasteten: Fürst Radziwill NamenS der Polen auf die Fraktionsvorsitzenden Graf Hompesch und Frhr. v Hrereman, der Alterspräsident „Papa Dieben" in sröhlichen Reimen auf die Präsidenten v. Buol, Frhr. v. Heereman und Spahn, Frhr. v. Buol in g-MÜthvvllm Worten auf die ka.holischen Frauen und Jungfrauen u-d Abg. Götz v. Olen- hausen Namens der Welftn auf -las Centrum, ins­besondere seinen Alterspräsidenten Dieben. Abg. Krebs verlas dann noch mehrere von den circa 200 einge­laufenen Begrüßungstelegrammen, darunter solche der bayerischen und württembergischen CmtrumSfraktion, vom Bischof von Münster, vom rheinischen und vom westfälischen Provinzial - Wahlkomitee u. s. w. u. s. w. Nach dem Mahle blieben die Theilnehmer noch large in der festlichsten Stimmung in zwangloser Geselligkeit beisammen. — Am Donnerstag Vormittag bildete ein Requiem für die verstorbenen Mitglieder den ernsten und würdigen Abschluß des so großartig und herz­erhebend verlaufenen Silberjubiläums unserer ruhm­bedeckten Partei.

* Der Seniorenkouvml des Reichstages trat heute vor der Plenarsitzung zusammen. Präsident v. B u o l theilte mit, die Regierung habe den Wunsch, daß das Bürgerliche Gesetzbuch noch in gegenwärtiger Session, und zwar ohne Vertagung, erledigt werde. Hiergegen wurde von den Vertretern aller Parteien Wieder pruch erhobm und der Präsident ersucht, der Regierung von diesem Widerspruch Mittheilung zu machen. Hingegen wünscht man, daß in der Kommission j-denfall» die zweite Lesung der Bürgerlichen Gesetz­buches noch vor der Vertagung bis zum Herbst ab­geschlossen werde. Diese Vertagung soll jedenfalls erst nach Pfingsten eintreten. Am Dienstag oder Mittwoch vor Pfingsten will man in die Ferien gehen und am Dienstag, 2. Juni, wieder zusammen­treten. Der morgige Tag soll als „SchwerinStag" benutzt werden und am Sonnabend zu Gunsten der Kommission für daS Bürgerliche Gesetzbuch die Plenar­sitzung ausfallen. Montag nächster Woche soll die Zuckersteuernovelle zur zweiten Beraihung kommen, welche bis Mittwoch dauern dürste. Donnerstag ist HimmelfahctStag. Sodann soll die Gewerbeordnungs- Novelle und das Börsrngeietz in dritter Lesung erledigt werde». — Nach den Pfingstferien würde dir dritte Beraihung deS MargarinegesetzeS und der Z.ck-rsteuer- novelle erfolgen, an welche sich vielleicht roch die zweite Lesung der Juskznovelle anschlöffe. Während

Milschwestern übernahm Judith da» Amt, zu dem diese sie gewählt hatten."

Er unterdrückte die Bemerkung, daß Judith ihrer heldenmüthigen Tugenden, ihrer heiligmäßigrn Lebens­wandels halber so bald schcn zu dieser hohen Stelle auserkoren sei, denn er wolle die Aufgebrachte nicht erzürnen.

In Sophia» stolzes Herz aber hatte er einen Stachel grfrnkt. Seine wohlgemeinte Warnung ver aß und vergab diese ihm nie und nimmer.

V.

Das Waffenspiel zu Quedlinburg.

Es hält der Kaiser ein großer Turncy, D'rum zogen die Ritter all' herbei, Wohlansgerüstet nach Rttterbranch Mit Lanzen und blanken Schwertern auch.

Griebel.

Glückliche Tage für Bernwa'd brachte das schöne Osterfest zu Quedlinburg. Da konnte er endlich, wie er er längst ersehnt halt, mit seinem heimgekchrten Bruder Tammo plaudern, da empfing ihn mit herz­licher Liebe sein Oh'irn, der Bischos Volkmar von Utrecht, da begrüßte ihn der kluge Bischof Osdag von Hildesheim; sein getreuer Freund, Graf Altman von OleSburg, trat ihm entgegen, sein junger Mitschüler

dessen würde, wie gesagt, die Kommission für das Bürgerliche Gesetzbuch die zweite Lesung in der Kom­mission zum Abichluß bringen, so daß vor Ende Juni die Vertagung bi» zum Herbst eintreten könnte.

* DaS Depvtgesetz ist heute in der mit der Vor- berathung beauftragten Kommission des Reichstags in einer kurzen Sitzung in zweiter Lesung nach den Be­schlüssen erster Berathung angenommen worden. Zu­gleich gelangte eine von den Abg. Gamp (Rp.) und । Singer (Soz.) beantragte Resolution zur An- - nähme, wonach im Falle des Konkurses des Depositars i die sog. reinen Depots, welche nicht zu geschäftlichen I Zwecken hinterlegt sind, vor allen anderen Depots den ■ Vorrang haben sollen. Abg. Müller-Fulda wird f schriftlichen Bericht an daS Plenum erstatten.

* Trier, 7. Mai. Am Montag fand hier ein l Bezirkstag desBezirkSvereinS deutscher Fleischer der Provioz Hessen und Nassau, des Großherzogthum» Hessen, der Regierungsbezirke Koblenz und Trier, sowie des Fürstenthums Waldeck statt, auf dem auch die Fuldaer Metzgerinnung vertreten war. i Den Verhandlungen wohnte auch Herr Oberbürger- I' meister Geheimer Regierungsrath de NyS bei. Herr Obermeister Ochs auS Frankfurt erstattete den Jahres­bericht. Wegen der Aufhebung der Fleischsteuer wurden Eingaben an dar Abgeordnetenhaus, sowie auch an die einzelnen Gemeindeverwaltungen gemacht, welche ohne Erfolg blieben. Das Lehrling- und Ge- i sellenwesen wurde auf dem letzten BezirkSvereinS- f tag von dem Obermeister Herrn Lantz aus Darm- s stadt ausgiebig besprochen; besonders wurde betont, i daß daS gute Berhältniß zwischen Meister, Gesellen i und Lehrlingen thunlichst gewahrt bleiben müsse. Der I Frage der Gründung einer Sterbekasse näher zu treten, - erschien nicht empfehlenSwerth, well die Betheiligung 1 doch sehr schwach ist. Betrefft bei beaufsichtigten i MargarinegesetzeS wurde beschlossen, einePetition i nach Berlin zu senden, weil hierdurch die Fleischer erheblich geschädigt würden, da ihre Fettvorräthe sonst kaum verwerthet werden könnten. Ein Antrag, die allgemeine deutsche Fleischerschule zu Worms auf den BezirkSverein zu übernehmen, wurde einstweilen abgelehnt. Herr Obermeister Goldmann in WormS berichtete über den Ladenschluß um acht Uhr und dessen Folgen für das Fleischergewerbe. ES wurde die Resolution gefaßt: „den BerbandSvorstand aufzu­fordern, unverzüglich mit Entschiedenheit gegen dm geplanten acht Uhr-Laderschluß Stellung zu nehmm und dies an zuständiger Stelle zu betätigen.

Ausland.

(*) tHow, 7. Mai. Kardinal Galimberti ist ; heute früh gestorben. Er waren geboren in Rom - am 25. April 1836, studirte Theologie und RechtS- l Wissenschaft, wurde zunächst Professor und trat dann später in den diplomatischen Dienst über. So führte s er u. A. die 'Brrhaadlung-n mit der preuß scheu Re-

auf der Hildesheim« Domschule, Heinrich von Bayern, war beglückt, ihn wiederzufinden.

Der junge Hofkaplan und kaiserliche Lehrmeister hätte sich vervielfältigen »äffen, um Allen genügen zu können, welche Ansprüche auf ihn «hob n. Die Großen des Reiches suchten den gelehrten, bat arbeit-freudigen Erzieher dr- Kaiser» kennen zu lernen. Diesen be­scheidenen Priester zinten ja die edelsten Gaben — Tugend und Wiffenschast —, welche Hochachtung und Bewunderung herauSforderten.

Am ersten Tage nach dem Osterfeste wurde draußen auf dem weiten Wiesenplane eia großes Kawpfspiel gehalten, wobei die Blüthe der Ritterschaft Probai ihrer Kraft und Waffengewandtheit ablegen sollte. Die mit bunten Teppichen geschmückten Trrbünen belebten sich mit erlesenen Zuschauern der vornehmsten Stände.

Unter dem Pu pur-Baldachiu nahm Bernward neben seinem kais«lichen Zögling Platz. Sein kunstfinniger, für aller Schöne empfängliche Auge schweifte heute üb« da- weite, glänzende Rundbild.

Gnade gegenüber erhob sich der goldbefranzte Altan der Kaiserin. Die schöne Frau saß in der Mitte ihr« Töchter und war umringt von einem Kranze edler Hofdamen. Ein heitere- und farbenreiches Bild!

Prinzessin Sophia batte das Ehrenamt Übernommen, die Sieger mit dem Preise zu krönen. Die Kaisers-