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Donnerstag, den 7. Mai 1896.
28. Jahrgang
FilldaerMZeitiiiig
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S^Das Margarine- und Butter-Gesetz wurde gestern und heute im Reichstage in 2. Lesung beratheu. (Vergl. Parlamrnis - Bericht. Die Red ) Von den wichtigeren Bestimmungen wurden die Som« Missions-Beschlüsse zu § 2, welche die Verwendung von Vollmilch zur Herstellung von Margarine verbieten wollten, mit großer Mehrheit ab gelehnt und die RegierungS-Vorlage wiederhergestellt, wonach diese Verwendung auch künftig gestattet bleibt.
Dagegen wurde dar Verbot jeder künstlichen Färbung der Margarine mit 138 gegen 97 Stimmen beschlossen, so daß also Margarine nur in der Natur- färbe hergestellt und verkauft werden darf. Der von der Kommission beschlossene zwangsweise Zusatz von Phenolphtalöin zur Margarine wurde wieder aufgehoben, weil ditser Zusatz doch keine Sicherheit gegen Betrug bietet und eS unzulässig erscheint, eine Substanz zuzusetzen, von deren Unschädlichkeit man keineswegs vollständig überzeugt sein kann. Damit ist den wesentlichen Bedenken gegen die Kommissions-Beschlüsse, welchen der Borwurf gemacht wurde, daß sie ein wichtiges VolkSnahrnngSmittel v e r e k e ln und v e r f ch l e ch - lern, Rechnung getragen und bleibt von diesen nur die Bestimmurg des NichtfärbenS aufrecht erhalten.
§ 4, welcher die Margarine fabriken und Molkereien unter polizeiliche Aufsicht stellt, wurde gleichfalls mit großer Mehrheit angenommen, ebenso § 6, wonach die Herstellung, Aufbewahrung und der Verkauf von Butter und Margarine nicht in denselben Räumen geschehen darf, mit 151 gegen 113 Stimmen. — Das Gesetz ist nun so gestaltet, daß es keine berechtigten Interessen schädigt und doch allen betrügerischen Manipulationen gründlich abhilft, wenn die Ausführung des Gesetzes Seitens der Polizeibehörden mit der nöthigen Strenge gehandhabt wird. Hierauf hat auch der landwirthschaftliche Minister Freiherr v. Hammer- stein-Lr xten in seiner gestrigen Rede ausdrücklich hingewiesen und betont, daß das beste Gesetz Nichts Hilst, wenn ihm die ausführenden Organe nicht den nöthigen nachdrücklichen Beistand leisten.
Für die Landwirthschaft der KreiseFulda,Ger S- feld und Schlüchtern ist dar Margarinegesetz von großer Wichtigkeit, weil durch dasselbe der Fälschung und der daraus für reine Butter entstehenden PreiS- drückerei in den Hauptabsatzgebieten, den großen Städten, vorgebeugt werden soll.
L Der Thronwechsel in Persien
hat die englische Presse in Aufruhr gebracht. „Die Ermordung deS Schahs von Pe> sien dürfte den Wendepunkt in der mittelasiatischen Frage bilden/ so urlheilt der .Standard', dar Organ der konservativen Regierung, und ähnliche Aeuß-rungr» finden sich in der gejammten „tonangebenden" Londoner Presse. Und doch hat keines- w gS erst der Tod Nossr-td-d'N» die Lage in P-rfen
Die Kwskn m Somerschmbikz.
Erzählung auS dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt.
14] ------- (Nachdruck verboten.)
Der junge Kaiser ging dem Grafen entgegen, sprach herzliche Dar-keSworte, umarmte und küßte ihn.
Auch Bernward und Bischof Volkmar war n aufgesprungen; sie umarmten in freudiger Rührung dm Bruder und Neffen.
Der Marschall geleitete die Ankömmlinge zum Ehrenplätze; und selbst Sophia fand, daß dem stattlichen Helden die Stelle gebühre. Der Wendenpnnz Slavomir wurde am untern Ende dir Tafel zwischen die Hofl-ute eingrreiht.
Des war eine frohe Unterbrechung der Festmahls! Manchem mundete der Spießbraten noch einmal so gut auf dir Kunde, daß der üdermüthige Wenden- und Obottiden-Fürst Mistui endlich gedemü- thigt und besiegt sei, und daß das Laad zwischen Elbe und Weser vorläufig sicher sei vor räuberischen Einfällen.
AIS nach Aushebung der Tafel einem Jeden da) Recht zustand, sich in sein Gemach zurückzuziehen, gedachte wohl Bernward trauliche Zwiegespräche mit dem heimgekehrten Bruder zu Pflegen. Mit Nichten. Der junge, de» Lernens überaus begierige Kaiser hatte
zu Ungunsten der Engländer verschoben, sondern in Persien ist schon längst der russische Einfluß ebenso maßgebend, wie eS vordem der englische war. Damals, als Rußland» Einfluß zum ersten Male den englischen au» dem Felde schlug, ist thatsächlich schon die Entscheidung über die zukünftige Vorherrschaft in Mittelasien zu Ungunsten Englands gefallen. Nur wollten sich das die Engländer bisher nicht recht eingestehen. Die englischen Staatsmänner trösteten sich damit: So lange der Schah am Leben bleibt, wird er selbst dafür sorgen, daß Rußland nicht thatsächlich über persisches Gebiet verstgen kann, und die Zukunft — muß für sich selbst sorgen. Sie machten e» wie der Bogel Strauß nach der Sage, der, indem er den Kopf in den Sand steckt, um die Gefahr nicht zu sehen, sich einbildet, der Gefahr entgehe« zu können. Jetzt schreckt der Tod Nasir-ed-din» die Engländer au» ihrer bequemen Ruhe auf, und die englische Presse ergeht sich theils in sorgenvollen Betrachtungen über die Zukunft England» in Asien, theils in lärmenden Drohungen gegen Rußland.
Die Engländer befürchten zunächst den Ausbruch einer Revolution oder eine» Thronfolgestreiter in Persien, weil sie nicht bezweifeln, daß in diesem Falle Rußland, um sich nicht um die Frucht seiner unablässigen Bemühungen um den maßgebenden Einfluß auf Vie persische Regierung bringen zu lassen, einen Theil Persien» militärisch besetzen würde. Der.Standard' droht für diesen Fall den Russen mit einem Gegenzuge, nämlich mit dem Vorrücken englischer Truppen von Beludschistan her und der Besetzung der persischen Küsten Provinzen. Aber fteilich, dieser kriegerische Gedanke erschreckt sofort wieder den .Standard' selbst; nur „für den. äußersten Fall", fügt er hinzu, soll der Degen au» der Scheide, sonst will er mit sich handeln lassen, wenn, wie er zu glauben vorgibt, „Rußland für die nächste (!) Zeit sich mit gewissen Vortheilen geringeren Umfanges an der Grenze von Chorasan zuftieden gibt."
Kräftiger fcho« rasselt die gleichfalls konservative .Morning Post' (Morgenpost) mit dem Degen. Sie hält e» für unwahrfcheinlich, daß der neue Schah sich halten kann, und erklärt es vielmehr für sehr leicht denkbar, daß Rußland jetzt glaube, Persien müsse nunmehr thatsächlich zu einem von Rußland abhängigen Staate werden. lieber diesen Punkt, sagt die ,M. P.', sollte England „in unzweideutigem Tone reden" und nicht gr statten, daß Englands Verbindungen nach Indien gefährdet werden, und daß irgend eine andere europäische Nation durch den persischen Golf Zugang zum indischen Ozean erhalte.
Gegenüber diesen Drohungen der englischen Presse ist es nun interessant, wie ein Mann, der den konservativen Regierungsblättern jetzt sehr nahe steht, weil er Unterstaatssekretär de» Aeußern im gegenwärtigen Ministerium ist, nämlich Herr Curzon, in seinem Buche „Rußland in Mittelasien" über da» Verhalten der Engländer gegenüber dem russischen Vordringen
auch wa§ vor. Die Herbe der Mathematik zu lindem, hatte Bernward dem kleinen Zögling für jeden Tag seine Aufgabe auf ein Pergamentblatt geschrieben.
„Ich muß Euch melden, mein Lehrmeister, daß ich die mathematische Aufgabe, so Ihr mir am gestrigen Tag gestellt, nach bestem Wissen gelöst habe. Ich würde nicht glücklicher sein, als wenn Ihr heute am Ostersonntage selber meine Lösung prüfen und gut- heißen wolltet." Mit diesen Sorten zog der kaiserliche Knabe den Lehrer in ein gewölbtes Gemach, dessen Wände mit Büchern und Schriftstücken bedeckt waren.
„Ehe ich Euch meine Arbeit zeige," begann der junge Kaiser alsdann, schalkhaft lächelnd, „bitte ich Euch, jene Truhe sammt ihrem Inhalt als Euer Eigen in Empfang zu nehmen."
Er führte den erstaunten Bernward zu einer kunstvoll geschnitzten, mit getriebenen Beschlägm aus Edelmetall und mit kostbaren Steinen verzierten Lade.
„Da ich Euere Vorliebe für alterthümliche Kunstwerke kenne, erbat ich von meiner Frau Mutter einige aus Byzanz hierhergebrachte Seltenheiten zum Oster- geschenk für Euch."
Otto öffnete die Lade und breitete ein trefflich gewirktes Meßgewand von grüner Seite vor dem jungen Priester aus. Dann entnahm er derselben
geurtheilt hat. Curzon, der al» der beste Kenner Indiens und der mittelasiatischen Reiche gilt, hat in diesem Buche, das 1889, als er noch keine amtliche Stellung einnahm, erschien, sich folgendermaßen geäußert: „Chiwa, Khokand, Merw und Penschab, in jedemFalle erhoben wir einen herzbrechende» Lärm über die Möglichkeit einer Annettirung an Rußland, und in jedem Falle fetzten wir uns demüthig nieder, sobald der Plan erfolgreich durchgeführt war. Während eines halben Jahrhunderts haben wir erklärt, daß der Verlust von Herat das Todtengeläut für unsere Herrschaft in Indien bedeutet, und wenn dieser Schlag einst niederfällt, bin ich sicher, daß die britischen Federn ganze Fässer von Tinte verschreiben werden, aber ich bin mir durchaus nicht so sicher, ob das Schwert Englands „aus der Scheide fliegen wird.""
Wird Curzon heute anders mtheilen oder wird er jetzt, wo er der Regierung angehört, darauf drängen, daß England eine größere Energie entfaltet? Wir zweifeln sehr daran, zumal schon heute, sieben Jahre, nachdem er jene Worte geschrieben, Niemand in England ernstlich mehr daran denkt, Herat auf alle Fälle zu halten. Auch über da» Vordringen deS russischen Einflusses in China und Korea hat ja die englische Presse wüthende und racheschnaubende Leitartikel gebracht; die englische Regierung aber hat unentwegt auf alle Anftagen im Parlamente erklärt, ihr sei „amt- lich nichts bekannt" von den russischen Fortschritten. Und wenn sich dann zeigt, daß diese zur Thatsache geworden sind, so ergibt man sich ruhig in sein Schicksal in dem Bewußtsein der Gesährlichkeit eines ernstlichen Widerstandes gegen den russischen Bären. So wird ei auch wohl sein, wenn Rußland immer offener sich al» Herrn und Gebieter über Persien zeigt — wa» es übrigen» zur Zeit kaum vöthig hat, da e» ja thatsächlich, wenn auch nicht der Form nach, schon jetzt in Persim gebietet.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Mai.
* Der Kaiser besichtigte heute Vormittag da» Königin Augusta- und da» Königin Elisabeth-Garde- Grenadier-Regiment in Haffelhorst bei Spandau. Nachmittags kehrte der Kaiser nach Berlin und Abends nach Wildpark und dem Neuen Palais zurück. — Die Kaiserin hat sich gestern Abend von Wildpark nach Ploen begeben, wo heute der Geburtstag des Kronprinzen gefeiert wird. Die Kaiserin wird heute Abend Ploen wieder verlassen und morgen früh auf der Wildparkstation wieder eintreffen. — Der Kaiser hat dem Schah von Persien Musaffer - ed - din telegraphisch sein Beileid über die Ermordung der Schahs Rasst- eb - bin unb seine besten Wünsche für bie neue Regierung auSgebrückt. Der Schah hat darauf mit einem Telegramm an unfern Kaiser erwidert, in dem er seinen lebhaften Dank auSspricht.
zwei meisterhaft gearbeitete metallene Leuchter mit dm Worten:
„Hieran solltet Ihr Euer» ohnedies so geläuterten Kunstsinn weiter bilden, also meinte meine erlauchte Mutter." Er griff wieder in die Tiefe.
„Und da Ihr so ausgezeichnet seid in der Kunst, Metalle zu bearbeiten und edle Steine zu fassen, so schenken wir Euch dieses." Damit schüttete er lachend einen Reichthum von kostbaren Steinm und Gemmen auf dm Tisch.
Die Dankesworte des freudig Ueberraschten unterbrach Otto, indem er dem Lehrmeister bie glücklich gelöste mathematische Aufgabe vor Augen hielt.
Bernward prüfte die Arbeit des Schüler- und lobte sie fteudig.
„Nun zeiget und erklärt mir, was Ihr seit gestern meinem über mathematicalis, so Ihr mit Wissm, Schärfe und Feinheit zusammenstellt, für mich eingetrogen habt," bat Otto.
Bereitwillig entnahm der Lehrmeister einem Verschluß seine Handschrift, welche zwischen zwei unförmige, starke eichene Bretter, mit weißlichem Leder überzogen, gelegt war, und begann voll Eifers zu lesen und zu erklären.
Der lebhafte Schüler lauschte gespannt.
Beinahe wäre am heiligen Osterfeste eine regel-