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Dimstag, den 5. Mai 1896.
23. Jahrgang
FlildllkrWZkitlllig
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t Heil dem Centrum!
Am 6. Mai feiern die Centrumi - Fraktionen deS Deutschen Reichstages und des Pceuß. Abgeordnetenhauses zu Berlin daS Fest ihres 25jährigen Bestehens, und das ganze katholische Volk, aber auch viel« unserer andersgläubigen Mitbürger — denn daS Centrum ist keine einseitig katholische Partei — nehmen von ganzem Herzen an diesem Jubelfeste theil. ES beeinträchtigt dieser Jubelfest nicht, sondern es gibt ihm noch eine besondere Weihe, daß sich in die Festfreude zugleich auch die Trauer um unfere dahinge- schndenen großen Führer und alle nun abberufenen älteren Streiter mischt. Wie die Fraktionen durch ein S elenamt, so denken wir draußen auch in treuem Herzen derer, die uns vorangegangen sind, insbesondere auch jener, die durch ihr leuchtender Vorbild und durch die ganze politische Grundlage, welche sie unserem Wollen und Wirken gegeben haben, unter uns fortleben und fortwirken, wenn auch längst ihre irdische Hülle in Staub und Asche zerfallen ist. ;
Und dann wird in uns auch das Bewußtsein der heiligen Pflicht erstarken oder, wo er erstickt war, in den Wirrnissen unserer heutigen, auf daS M serielle gerichteten Zeit auf's neue lebendig werden, daS Bewußtsein jener großen und ernsten Pflicht, die Früchte deS Strebens unserer edlen lobten vor jeder Fährlichkeft zu bewahren, ihrer immer würdiger zu werden und c-llezeit treu in ihrem Geiste weiter zu ringen und zu schaffen. Im Zweifelhaften Freihett, ; aber auch im Nochwendigen Einheit — und was thut ; uns jetzt besonders noch? Das ist gerade die Ge- I schloffenheit, das feste Zusammenstehen nicht bloß in s religiösen, sondern auch in rein politischen Fragen; * denn wir müssen ja — wie die jetzt zu Ende gehende ; LandtagS-Sesston wieder bewiesen hat — immer und ! immer wieder die Erfahrung machen, daß wir auf - Wohlwollen weder bei anderen Parteien noch bei der | Regierung zu rechnen haben und daß wir daher Alle», ? war zu erreichen ist, nur durch unsere Macht erreichen ■ können, und mächtig sind wir nur, wenn wir einig ; auch in denjenigen Dingen find, auf die es der Regierung und den anderen Parteien besonder» ankommt, also keineswegs nur in katholischen Angelegenheiten. Gerade jetzt, wo nicht mehr die Aller beherrschende Autorität eine» Führer» gleich der mächtigen, einigenden Persönlichkeit einer Windihorst uns zusammenhält, gerade jetzt ist er um so dringender geboten, daß wir in der Emigkeit dar Allernothwendigste erkennen und um ihretwillen Sonderwünsche und Sonderbestrebungen, mögen wir sie an sich auch für noch fo berechtigt halten, unterdrücken aus Liebe zu Gott, dessen Reich auf Erden auszubreiten unser höchstes Ziel ist, au» Liebe zu unseren Nächsten, zumal den der Hilfe Bedürftigen, für welche nicht» gefchähe, wenn nicht gerade daS Centrum mit feir er sozialreformatorischen Festigkeit für sie einträte, aber auch auS Liebe zu uns selbst, die wir ohnmächtig wären, wenn wir nicht einig blieben.
Man streitet mit leeren Worten über den katholischen oder politischen Charatter de» Centrum», und gerade jene möchten aus dem Centrum eine lediglich katholische Partei machen, denen eS dabei am allerwenigsten auf den Schutz des Katholischen ankommt, die vielmehr damit nur bezwecken, Raum für ihre materiellen Bestrebungen, ihre einfeitia materiellen Bestrebungen zu gewinnen. Wäre das Centrum keine politifche Partei mehr, die aus ihren politischen Grundsätzen heran» für die Rechte und die Freiheit der katholifchen Kirche eintritt, ebenso wie sie stets auch die gläubigen Protestanten in ihren kirchlichen Bestrebungen unterstützte, dann hätte gerade die Kirche davon den allergrößten Schaden; denn was kann der Kirche eine Vereinigung katholischer Parlamentarier nützen, die zwar schöne Reden für Wahrheit, Freiheit und Recht halten, aber nicht dadurch, daß sie auch in politischen Fragen ihre Macht in die Wagschale werfen, indem sie geschlossen stimmen, die Achtung ihrer Forderungen erzwingen?! Die Kirche hat dar auch sehr wohl eingesehen, und gerade deshalb sehen rotr überall unsere katholischen Geistlichen in der ersten Reihe für den politischen Charakter deS Centrums eintreten.
Warum an diesem Jubeltage so ernste Betrachtungen? Weil eine Gewissenserforschung an solchen Gedenktagen erst recht nothwend g ist und heute auch bei Manchem tharsächlich recht nothwendig geworden ist. Oder sollen wir auch nur bei Einem von unS schon an dem guten Willen zweifeln, den Bestand deS CentrumS zu wahren? Dar wollen wir nicht, wir wollen vielmehr das Vertrauen behalten, daß überall der Wille gut ist, wenn auch nicht Klarheit darüber besteht, daß man sich auf Jrrpfaden bewegt, die den guten Willen zu schänden machen und zur Zersplitterung führen werden, wenn man nicht umkehrt. Da» gilt, Gott Dank, nur für Einzelne, die große Mehrheft bleibt auf dem geradm Wege. DaS darf unS aber nicht einschläfern, sondern wir müssen alle wacbfam bleiben, einig und eifrig, wir alle, die wir am 6. Mai da» Gelöbniß erneuern:
Hie gut Centrum allerwege!
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Mai.
* Dar Kaiserpaar wohnte gestern früh 81/* Uhr dem Hauptgottesdienste in den Kommnns de» Reuen PalaiS bei und begab sich nach 11 Uhr von der Wildparkstation nach Berlin. Nachmittags wurde der »euernannte amerikanische Botschafter am hiesigen Hofe, Uhl, von dem Kaiser in Antrittsaudienz empfangen.
1 Ebenso wurde dann der neuernannte hanseatische Gesandte, Dr. Klügmann, in AntrittSaudienz empfangen. Beide Diplomaten wurden unmittelbar nach der Audienz auch von der Kaiserin empfange».
* Hebet die Vorlegung de» Gesetz-ntwurf» betreffend die Ausübung der Wehrpflicht tu de«
Schutzgebieten und der Novelle zum Schutztruppm- gesetz theilt der ,Hamb. Korresp.' noch einiger Nähere mit. Die Regelung der Sache ist am letzten Montag in einer Konferenz der Vertreter der betheiligten Ressorts bei dem Reichskanzler erfolgt und zwar seitens des KriegSmintster» ohne Widerspruch. Der Krieg-Minister hat also der Umgestaltung der Schutztruppen, d. h. ihrem Aurscheiden aus dem Armee- verbände, nicht widerstrebt. Die Vorschläge sind dem Kaiser am 29 April vorgelegt Word 'N, der die Ermächtigung zur Einbringung der Gesetzentwürfe im Bundesrath alsbald ertheilte. Sobald das Schatztruppengesetz publizirt ist, soll die Ernennung deS Gouverneurs von Wißmann zum Kommandanten der ostaftikanifchen Schutztruppe erfolgen.
* lieber das Verbot des börseumätzigeu Termin- Handels in Getreide äußert sich jetzt auch d-rDirekor deS landwlrth'chaftüchen Institutes der Universität Halle, Geh. Oberregierungsrath Dr. Julius Kühn in der Zeitschrift der Landwirthfchaftskammer für die Provinz Sachsen. Dr. Kühn spricht sich unbedingt für daS Verbot auS. Er führt auS, wie irrig eS sei, wenn dem Blanko - Terminhandel eine besondere Bedeutung für die BolkSernährung zugesprochen werde. Für diese sorge der normale berufsmäßige Getreidehandel auf's beste. Bei dem Verkauf des von dem deutschen Land- wirth pcoduzirten Getreides sei der Effektwhandel die Regel. „Durch das anhaltende Niederhalten der schon durch den Weltmartt gedrückten Getreidepreise wird die wirthschaftliche Existenzmöglichkeit des größten TheileS der deutschen Landwirthschaft bedroht und bei den zeitweise eintretenden übertriebenen Haussebewegungen leiden wieder die konsumirenden Stände. Das Getreide-Differenzspiel, das Glücksspiel mit der Grundlage des allgemeinsten Bolksnahrungsmittels. mit dem Brodgetteide, ist ein schwerer Frevel an der Volkswohlfahrt, welcher durch das Strafgesetzbuch noch weit härter geahndet werden sollte, al» da» gewöhnliche Hazard Piel." Reben der Beseitigung de» börsenmäßigen Terminhandels in Getreide empfiehlt der Verfasser: „Genofsenschaft- liche Organifation desGetteideverkaufe» und der sonstigen Getreideverwerthung, gestützt auf staatticher- fefts errichtete Kornhäufer und Beleibung der iu denselben lagernden Borräthe durch ein Reichs-Geldinstitut."
* Dortmund, 4. Mai. Für die bei Gelegenhett de» diesjährigen Katholikentage- hier geplante große Vereinigung von Lehrern au» ganzDeutfchland zu einer Berfammlung unterhaltenden und gemüthliche» Charakters hat sich jetzt ein Komitee gebildet, welche» daS Programm im Einzelnen ausarbeiten soll. Al» Bersammlung-sokal ist der Saal deS Gewerbeverein» in Aussicht genommen.
Ausland.
* Wien, 4. Mai. Die Exzesse am fozialdemo- kratischen „Weltfeiertag" werden gesetzgeberische
Bit Stofen non Ämanflhenbntz.
Erzählung auS dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt.
12] ------- (Nachdruck verboten.)
IV.
Am Hofe Otto's III.
Und alle Lande staunten ftoh erschrocken, Denn allwärtS warf die Stone ihre Strahlen, Und ringS von selber rührten sich die Glocken.
Strachwitz.
Da» Auferstehung-fest war nahe.
Der junge Otto wünschte nach altem Brauch der sächsischen Kaiser daS Osterfest zu Quedlinburg zu feiern inmitten der Seinen, inmitten deS Hofe- schimmernder Pracht.
Ostern, Auferstehung-fest! Allenthalben regte - sich erwachend in der Natur, allenthalben regte e- sich * österlich in den Herzen. Alle Zwiettacht war au-ge- löscht. Ein großes Versöhnung-fest wurde gefeiert.
In der unabsehbar weiten, blühenden Lenzflur zogm die Ritterschaaren lustig heran im Sonnenschein auf allen Wegen, auS allen Gauen, einzeln und ge» schaart, stattlich ausgerüstet in glänzender Farbenpracht, mit blitzenden Schilden und glänzenden Waffen.
Da kamen zunächst mit großem Gefolge die Häupter der treuesten, Iräfttgsten und streitbarsten deutschen
Männer, die Herzoge und Markgrafen von Sachfen und Thüringen. Da eilten herbei die Herzoge von Lothringen, von Schwaben, Franken, Kärnten und Bayern mit ihren Mannen.
Des letztgenannten Herzog» Beiname „der Zänker" war unlängst in den „der Friedliebende" umgewandelt. Die Chronik von Quedlinburg weiß viel davon zu erzählen, wie der ehemalige Thronbestreiter demüthig im härenen Büß- rgewar.de um Verzeihung flehte, und wie die Kaiferin ihm alsdann nicht nur in Milde verziehen, sondern auch selbigem sein Herzog» thum wiedergegeben und ihn unter die vertrautesten Freunde aufgenommen hatte, wie tteu und tüchttg er gewaltet als Bayernherzog, und mit welcher nachdrücklichen Strenge er gegen folche verfahren, fo es gewagt, den Landfrieden zu brechen.
Da kamen aber auch die Fürsten der Böhmen und Polen, um den Vasalleneid zu leisten. Sie kamen phantastisch geschmückt und mit fremden seltsam wilden Völkern; die trugen kostbare Geschenke für den Ober- lehenSherrn, den Kaiser.
Die Mauern der Stadt zeigten sich zu eng, die BolkSstämme alle zu umfaffeu. Eine bunte Z lrstadt sammelte sich vor Quedlinburg an und dehnte sich weit in die Ebene auS.
DaS war ein Grüßen, ein fteudigeS Händeschütteln, ein lebhafter Verkehr!
Die ganze Herrlichkeit der Reicher entfaltete sich in vollem Glanze um die auf hohem Felsen thronende Kaiserpfalz.
Und dicht neben der Burg wölbte der Dom in ernster Majestät feine Hallen empor. Alr dessen Glockengeläute mit mächtig vollen Akkorden zur Feier deS Hochamtes einlud, da war gar bald kein Platz mehr in den »eiten Hallen.
Da fchaarten sich die stolzen Fürsten, die glänzenden Hofleute, die schmucken Ritter, ja alle Großen deS Reicher um dar kaiserliche Kind, um die jugend- schöne Kaiserin-Mutter. Ein prächtiger, farbenreicher Bild voll Macht, Hoheit und Glanz!
Aller Knie waren gebeugt, aller Augen waren auf den wrthrauchumwölkten, blumengeschmückten Altar gerichtet, wo hell di- Kerz-n e-uporflammteo. Höher empor zu Gotter Thron stiegen die Flammen der Andacht.
An den Stufen der AftarS stand Erzbischof Willigis von Mainz, der Primas von Deutschland, daS heilige Opfer zu vollbringen, als Miniftrantm ihm zur Seite die Bischöfe Volkmar von Utrecht und OSdag von Hildesheim. In weitem Halbkreise umgab den Altar i eine Schaar von Bischöfen und Prälaten.