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Samstag, den 2. Mai 1896.
23. Jahrgang
FulduerMZeituiig
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Zweites Blatt. "dV
± Die Waüfahrtskapeüe zum hl. Kreuz im Zunderhart.
(Zum Feste Kreuz-Ausfindung.)
Nachdem die hl. Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, dar Kreuz Christi gl'ck ich aufgefunden hatte, wurden bald Stücklein von diesem geheiligten | Holz — das nach mikroskopischen llntersochungm von | einer Konifere stammen soll — abgetreimt und weit- | hin gebracht, denn, in der garzm christlichen Welt wurde f dar Werkzeug der Erlösung hochverehrt.
Eine große Krevzpartrkel erhielt bekanntlich der i hl. RabanuS Maurus vom Papste SergiuS VI. f als Gegengeschenk für sein berühmtes Werk über das ‘ Lob des hl. Kreuzes. Der gelehrte Verfasser hatte daS- ■ selbe eigentlich dem Pspst Gregor IV. bestimmt, aber ? die beiden Fuldaer Mönche Aschrik und Ruodbert, $ die das Buch überbrachten, batten bei ihrer Ankunst ' in Rom den (am 25. Januar 844 verschiedenen) Papst \ Gregor nicht mehr am Lkben getroffen und eS deshalb : seinem Nachfolger auf dem Stuhle Petri überreicht
Eine Reliquie vom hl. Kreuzqolz befindet sich auch 5 in der westlich vor dem Hiu.melsberg im Zunder- hart sich erhebenden Wa'dkapelle zum hl. Kreuz, s imBolksmuvd mest „Kl ein-Heilig kreuz" genannt, i Da dieser früher sehr viel besuchte Wallfahrtsort, der - nur 21/* Stunden von Fulda entfernt ist, in diesem •; Jahre em Jub-!äum begeht, so gidi uns bi s will- 5 kommene Veranlaffung, einige Aufzeichnungen darüber f hier mitzuth-ilen. -
Der HimmrlSberg in dem umfangreichen Walde ■ Zunderhart wird schon in dem von König Karlmann ' dem hl. Bonifatius geschenkten Grundbesitz als südwestlichster Punkt der Klostermark bezeichnet. Am 29. Dez. 1012 aber verlieh der hl. Kaiser Heinrich II. * den Wildbann im Zunderhart der fuldaischen Kirche, i die damals von dem Abte Brantho regiert wurde, i DaS ganze Quellgebiet der Lüder war nun Eigengut - des Klosters Fulda, und mehr und mehr drang die ; Kultur in dar WaldeSdunkel ein. Die Namen jener Männer, die zuerst Lichtungen in diese Urwaldwildniß schlugen, sind nicht mehr bekannt, nur hat sich die Nachricht von einem Einsiedler Namens Günther erhalten, der sich westlich vom HimmelSderg dort f wo die bei Sieberts entspringende sogen, kalte Lüder | eine enge Thalschlucht durchfließt, eine Klause mit i einem daran stoßenden Holzkirchlein erbaut haben soll. \ Diese Einsiedelei im Walde hieß nun GüntherS- kirche.
Doch verödete dieselbe wieder, nachdem der frommt „Waldtreter" gestorben war; der Wald wuchs mehr und mehr darüber hin, bis zu Anfang der 14. Jahr- ; Hunderts wiederum ein GotteSmavn den Zanderhari
die Elch« tum Sommnschrnlmrg.
Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt. f 10] ------- (Nachdruck verboten.) |
Voll Ehrerbietung schaute Bernward zu ihm - empor. Jbm dünkte, als ob der Vater höher und höher wachse.
Der sprach weiter:
„Mein Ende ist nahe. DaS fühle ich. Niemals, i mein Enkel, war ich so frei und leicht, so schmerzenloS, \ wie in diesem Augenblick-'. DaS ift schon daS Vor- j gefähl der ewigen Ruhe. Den irdischen Sonnenstrahl j werde ich nimmer begrüßen. O, daß wenigstens mein ? Sohn Volkmar noch an mein Sterbelager käme, um für sich und seine B.üder meinen letzten Segen zu empfangen!“
„Vater, mich b-dünkr, der hochwürdiqste Herr iD-eim kann in jeder Stunde allhier eintr-.ffen. Der Bote, fo ich nach Utrecht sandte, brachte Bescheid, daß . der Herr B schof ihm auf dem Fuße folge," also 1 wußte Bernward zu trösten.
„Habe Dank, mein Bernward! Nimm hißen ; Dank auch noch einmal für aller, was Du an mir, ' an meiner ganzen Sippe gethan! Deiner Vermittlung danken wir die erfreuliche Eintracht und Der- ; föhnlichkett, so nunmehr unter meinem ehedem nicht; allzu friedfertigen Söhnen herrschet. Dir, der mir so ; oft die heiligen Sakramente spende e, danke ich eS vor 1
zum einsamen Leben sich erkor. Dieser soll ein Bene- diktermönch auS dem Kloster Johannesberg bei Fulda gewesen sein mit Namen Hermann von Hammelburg. Noch heute heißt die Stelle, wo er zuerst siedelte: Hermann-Hütt e. Tiefer in die Wtldniß eindringend, gelangte Bruder Hermann an die verödete GüvtherSkirche; er rodete diese Stätte auf» Reue und erbaute dort ein Kirchlein zu Ehren deS hl. Kreuzes.
Die Urkunde, die ihm Abt Heinrich VI. von Hohenberg und der Großdechant Berno sammt der Klostergemeinde ausstellte, ist datirt vom Donnerstag vor Magdalena 1348 und lautet folgendermaßen:
„Nachdem unser in Christo andächt ger und geliebter „Bruder Hermann in der schauerlichen Einöde, vorhin „genannt BüntherSkirche, im Zunderhart aus dem mit „eignen Händen gereinigten Boden ein B-thaus zu „Ehren des hl. Kreuze» erbauet und Hst einweihen „lassen: so wollen wir (Abt, Dechant und Convent) „auf deffen Birte zur Vermehrung deS Lobes Gottes „gedachtes Bethaus sammt dessen gerodeten Boden ge- „nehmigen und bestätigen. Zu diesem Ende überlassen, „schenken und übergeben wir unfirm geliebten Bruder „Hermann, und daß nach ihm auch andere daselbst „ihren Unterhalt finden, den erwähnten Platz, näm- „lich: Bon der Kapelle herab ins Thal dir an die „Lüder mit allen aus beiden Seiten liegenden Quellen „und Hutweidrn as Fuße des Hinrmelsberges, der „ErleiSwiesen gegenüber, wie auch mit allen anderen „hutbaren Rainen zwischen dem gedachten Berge und „dem Ufer der Lider bis dahin, wo sich daS Wässerchen, „genannt Berembach mit ihr vereinigt" u. s. w. (L. 8.)
Die Namen der Nachfolger deS Eremiten Hermann sind nicht auf uns gekommen. Isidor Schleichert, der verdiente Fuldaer Lokalhistoriker, nimmt an, daß sie bis zu dm Zeiten der Reformation sich dort gehalten hätten. Dieselben waren Konventualm der Klostergemeinde vom AndreaSberg (Neuenberg), und bekanntlich wurde diefeS Kloster, nachdem eS im Frühjahr 1525 von den rebellischen Bauern zerstört worden, nicht mehr mit Mönchen, sondern stets mit einem adeligen Propst besetzt. Das Einsiedlergut aber wurde von da an Laßleuten übergeben. Diese blieben Pfarrkinder der Klosterpfarrei zum hl. Andrea- mit eigenem Tauf-, Trauung«- und Begräbnißrecht, und die Kapläne der Pröpste mußten in der Waldkapelle die bezüglichen Pfanhandlungen vollziehen.
Vom Jahre 1540 an wurde die genannte Propstei immer vom Fürstabt, dem erwählten Groß-Dechanten deS Stifter, verliehen. Unter diefen Würdenträgern aber waren eS zwei, deren Namen in der Geschichte von Klein -Hnlig- Kreuz besonders verzeichnet sind: Michael von Hochstetten und Adalbert von SchleifraS. Ersterer (f 1683) vererbte mit Beistimmung deS FürstabteS und Kapitels jene Besitzungen, mit Ausnahme der Kapelle und seines Einkehrrecht-s,
allem, daß ich in so schönem Frieden mit Gott hin» übergehen kann. Und nun thue mir den letzten Liebesdienst, — bete mit mir die Sterbegedete."
„Ich kann'S nicht faflea, daß Ihr so bald von unS geben sollt; doch ich willfahre Euerem Berlangm," sprach der Jüngling tief bewegt. Er kniete abermals an der Seite des Greise- nieder und sprach voller Inbrunst die Gebete.
Derweil saßen in der fernen Kemenate zwei liebliche Jungfrauen. Sie nähten und ficken mit Gold und Seide ein prächtiger Meßgewand. So fleißig waren sie bei der kunstvollen Arbeft, daß sie schier dar wilde Toben de» Unwetters draußen überhörten.
In der größeren, zu voller Lebensfülle erblühten Maid, deren rothblonte» Lockenhaar ein schöne», ernstes Antlitz umgibt, erkennt man sogleich Judith, jene Darstellerin der römischen KaiserStochter Konstantia, wieder. Gereister und schöner nur ist die Jungfrau heute, als damals in noch halb kindlichem Lebensalter.
Ihre Gefährtin ist ein sonnig holdes Wesen mit goldenen Ringellocken und blitzenden Blauaugen. Sie schaut nachdenklich und lustig zugleich in die Welt; und die Grübchen iir den rosigen Wangen werden nicht selten sichtbar, da der rothe Mund sich gar gern zu holdem Lächeln verzieht. Die junge Maid ist Hildeswitha von OleSburg, so als Kind einst den
gegen gewisse jährliche Leistungen u. s. w.; letzterer aber war eS, der vor nunmehr 200 Jahren, im Jahre 1696, die jetzige stattliche Wallfahrtskapelle „sammt Eremitage" erbaute. An Stelle von Günther» und Hermann» schlichtem Holzkirchlein war nun ein stattliches Gotteshaus int Renaissancestil getreten, da» für unS auch dadurch noch ein besonderes Jntereffe gewinnt, weil wir in ihm wohl die erste Bethättgung jenes hervorragenden BausinneS sehen, den Adalbert von SchleifraS nach seiner Erhebung zum Fürstabt später in zahlreichen Werken offenbart und vorab mit dem Dombau von Fulda so glänzend gekrönt hat. — Erst 1729 wurde die Kapelle von Amand von Busek feierlich konfekrirt. An den Kreuzfesten und am Feste des hl. Laurentius wurde darin von den DechantS- kaplänen ein feierlicher Gottesdienst gehalten, zu dem viele Wallfahrten gezogen kamen. Besonder» soll die Prozession der Fuldaer Bürger-Sodalität am St. Lamentii- Feste gar erhebend gewesen sein. An allen Freitagen von der Fasten bis Michaelis aber wurde eine stille hl. Messe gefeiert, bi» die Säkularisation diesen An- dachtSüvungen ein Ende bereitete. Wenn jedoch die katholische Kirche ein Kreuzfest begeht, dann wallen auch heute noch „im Feierzug die Frommen absett» der großen Straße" zu der Waldkapelle hin. Eine solche Prozession wird auch nächsten Sonntag am Feste Kreuz-Auffindung wieder stattfiaden; eS wird dann ein Franzrskanerpater vom Frauenberg die Fchpcedigt in der Kreuzkopelle halten.
Die Hofleute von Klein-Heilig-Kceuz, die so weltentrückt in der grünen, von fischreichem Gewässer durch- schäumten Thalschlucht sitzen, sind jetzt dem nahm Pfarrort Giesel eingesparrt. Dennoch genießen sie noch ihre besonderen, der Kapelle zustehenden Rechte, und wenn sie auf ihrer, von frommen Waldbrüdern einst urbar gemachten Scholle sterbm, fo bleiben sie auch bann noch im stillen WaldeSfriedm, beim sie werden auf ihrem eigenen Friedhöfchen begraben, da» sich, an da» Gotteshaus schmiegt und mitseinen paar schlichten Kreuzlein eigenartig zur Sttmmnng deS gesummten anmuthenden EinsteveleibildeS beiträgt.
Jawohl, ein süßer Gottesfriede ruht auf der att- ehrwürdigen Gebetesstätte im Zunderhart! Und wie in alten Zeiten, so mag auch jetzt noch jeder Waller, der sein Kreuz zu diesem Hriligthum hinauSträgt, mit befreitem Gemüthe heimziehen. Jos. Gr.
S Mai.
Alles neu
Macht der Mai
Macht die Seele fiisch und frei.
Frisch und frei soll der Mai die Seele machen, wie der Dichter singt, und in diesem Jahre, wo der April sich von seinem ersten bis zum letzten Tuge angestrengt hat, durch häßliches Wetter uns armen Menschenkindern alle Frische der Seele zu raubm, Bischof Othwin gar wacker mit lateinischer Rede begrüßte. Wohlgefällig neigte sich da- Köpfchen zur Seite und bewundernd glitt ihr Blick über das goldig schillernde Prachtgewand.
„Noch ein paar Stiche, und meine letzte Sehre ist fertig. Mich verlangt'», die Augen deS ernsten Herrn Bernward zu fchauen, wenn Du das kostbare Meßgewand vor ihm ausbreitest," sagte sie strahlmd.
Nun lächelte auch Judith.
„Er wird sich freuen. Doch deS Bruder» Freude beim Empfangen kann nicht größer fein, al» die meine beim Geben. Wie lange schon sann ich darauf, dem so ganz uneigennützigen, ja fast bedürfnißlofen Priester eine Freude zu machen. Wie lange schon fügte ich Stich an Stich zu dem Gewände, das nun feiner Vollendung fo nahe ist, und da» ihm ein bleibendes Angedenken an mich fein soll, wenn ich der Wett Lebewohl gesagt habe."
HildeSwithaS kindlich srohe» Gesichtchen wurde ernst.
„So steht Dein Entschluß unabänderlich fest, uni zu verlassen," fragte sie wehmüthia. „Ach Judith, als Dein Bote mir daS Schriftstück nach Hildesheim brachte, worin Du mich dringend hierher nach d-r Burg bei Pfalzgrafen entbotest, weil Du Deine Freundin noch einmal sehen wolltest, bevor Du einen gewichtigen Entschluß auSführtefi, ach Liebste — da habe ich anderes erhofft." Sie bog sich vor und