Freitag, den 1. Mai 1896.
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herzlich willkommen, wenn sie bisher dem Vereine noch nicht als Mitglieder angehörten. Alle Mitglieder des Vereins, die dieser Generalversammlung beiwohne«, sind gleichzeitig zur Theilnahme an den JubiläumSfestlichkeiten der CentrumS- Fraktionen eingeladen.
* Erlangen, 30. April. Dem ,Erl. Tgbl.' wird überein Studentenduell auf Pistolen berichtet, bei welchem einer der Duellanten durch einen Schuß in den Unterleib schwer verletzt worden sein soll. Und da gibt e- noch Leute, die die Studentenduelle für harmlos halten!
Warum kommt er nicht, Um meinen letzten Segen zu empfangen? Ich fühle, daß es schleunig mit mir endet.
Schiller.
zehn Jahre später.
Burg de- Pfalzgrafen Athelbero im
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* Dem Bundesrath sind heute zwei Gesetzentwürfe zugegangen, von denen der eine die Wehrpflicht tu den Schutzgebieten regelt und der andere die über die kaiserlichen Schutztruppen erlassenen Gesetze abrundet. Der erste Entwurf bezieht sich, wie die ,N. A. Ztg/ mittheilt, einerseits auf die Ableistung der aktiven Dienstpflicht in den Kolonien, während er andererseits die Heranziehung von Personen der Be- urlaubtenstandrs zu nothwendigen Verstärkungen der Schutztrupp en vorsieht. Geistliche und Missionare sollen von diesen Verpflichtungen frei bleiben. Der Gesetzentwurf über die Schutztruppen beseitigt dar Nebeneinanderstehen der militärischen und civilen Instanzen sowohl an der Centralstelle, wie in den Kolonien. Die der Schutztruppe zugetheilten Militärprrsonen scheiden aus Heer und Marine aus, eS bleibt ihnen jedoch der Rücktritt unter Wahrung ihres DienstalterS bei vorhandener Würdigkeit und Dienstfähigkeit Vorbehalten. Im übrigen werden die Vorschriften über die Organisation der Schutztruppen vom dem Reichskanzler erlass n.
* Ueber adlige und bürgerliche Offiziere veröffentlicht Professor v. Schulte in der ,Deutschen Revue' eine Statistik, aus welcher hervorgeht, daß in der preußischen und württembergischen Rangliste 7031 adlige, 8930 bürgerliche Offiziere aufgeführt sind. Bei der Garde betragen die bürgerlichen Offiziere nur 7 Proz., kommen aber fast nur bei der Fußartillerie, den Pionieren und dem Train vor. Die Bardrkavallerie zählt keinen bürgerlichen, die Gardefeldartillerie nur einen bürgerlichen Offizier, den Sohn einer Ministers. — Unter den Justizbeamten beträgt der Prozentfatz der Adligen nur 3,57. Unter den 3600 Rechtsanwälten und Notaren gibt er nur 27 Adlige.
* Die Rechnungskommission der Reichstages hat zum ersten Male eS abgelehnt, eine Etatsüberschreitung zu genehmigen, und zwar betrifft diese Ablehnung die Etatrüberschreitungen deS Titels zu Versuchen im Bereich der Artilleriew esenS. Obgleich dieser Titel für Preußen mit nicht weniger alr 1250000 Mk. jährlich dotirt ist, hat eine Ueber- schreitung um 391371 Mk. stattgestmden. Wenn eine höhere Dotation der Titels nöthig sei, so hätte , wie die Kommission aurführt, diese bei der Bewilligung der EtatS nachgewiesen werden müssen. Sn sich unterliegt der Umfang derartiger Versuche doch keinem äußeren Zwange. Die Militärverwaltung berief sich darauf, daß daS Tempo der Versuche ihr durch die Entwicklung der Technik aufgezwungen werde. Voraussichtlich wird man in Zukunst etwas vorsichtiger wirchfchasten.
O Der AugustiuuS-Verein zur Pflege der katholischen Presse wird in den Tagen Montag, den 4. und Dienstag, den 5 Mai im Katholischen Ver- einShause zu Berlin (NiedeiWallstraße 11) eine Generalversammlung abhalten. Freunde und Gönner der CentrumSp resse sind als Gäste auch dann
Sie Grase« »i» SMMklschkiibmg.
Erzählung ans dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt.
Ausland.
* Parts, 30. April. Msline hat sich heute mit seinem neuen Kabinet der Kammer vorgestellt. Sei» Programm läßt sich in folgenden Worten zusammeu- fassen: Bertheidigung der guten Ordnung, Durchführung der nothwendigsten demokratischen Reformen, Einigung der gutgesinnten Republikaner und Hebung deS Ansehen- der Republik im Auslände durch eine weise und taktvolle Diplomatie. — Der neue Ministerpräsident wird in dm nächsten Tagen folgenden Interpellationen Rede stehen müssen: 1. Ueber die Revision der Verfaffuug; 2. Ueber die verfassungswidrige Zusammensetzung des jetzigen Ministeriums; 3. Ueber die Haltung Melines der Weltausstellung von 1900 gegenüber, da derselbe als Abgeordneter jeden AuS- stellungSplan heftig bekämpft hat; 4. Ueber Madagaskar.
* Madrid, 30. April. In Spanien herrscht andauernd große Trockenheit, die eine HungerSnoth befürchten läßt. Die Regierung beschäftigt sich bereits mit der Frage, die Zölle auf ausländisches Getreide aufzuheben.
* Konstantinopel, 30. April. Der Sultan hat sich mit dem Fürsten Ferdinand von Bulgarim einen Scherz erlaubt, der sich als eine richtige Bosheit darstellt, indem er der ftanzösischen Regierung für dessen freundliche Aufnahme dankte, also die Vasallen- schäft Ferdinands scharf betonte. Ferdinand hat wohl oder übel bei einem Festessen der türkischen Botschafters in Paris am 27. d. M. auf daS Wohl seiner Oberherrn einen Trinkspruch ausgebracht.
Deutsches Reich.
Berlin. 30. April.
• Der Kaiser besichtigte heute Vormittag dar dritte Garde-Regiment auf dem Tempelhofer Feld. Am Abende fand im Neuen Palais aus Anlaß der Anwesenheit des Fürsten Ferdinand von Bulgarien eine Tafel zu etwa 100 Gedecken statt, zu welcher sämmtliche Minister und die Generalität geladen sind. — Das Kaiserpaar ist für die nächste Zeit durch eine große Zahl von Repräsentationspflichten in Anspruch genommen: Am Freitag wird das Kaiserpaar die Gewerbe-Ausstellung eröffnen. Am 2. Mai wird der Kaiser als am Tage von Großbeeren das 1. Garderegiment zu Fuß besichtigen und am Nachmittag nach Berlin kommen, um in der Rotunde des alten Museums an der 250jährigen ErinnerungSfeier der königlichen Akademie der Künste theilzunehmen. Am 3. Mai wird das Kaiserpaar die Internationale Kunstausstellung am Lehrter Bahnhof eröffnen. Wie weit sich das Kaiserpaar an dem sich in den folgenden Tagen anreihenden dreitägigen Musikfeste der königl. Akademie betheiligen wird, steht noch nicht fest, da es beabsichtigt, sich am 5. Mai abends nach Plön zu begeben, um dem Kronprinzen zu seinem 14. Geburtstage ihre Glückwünsche darzubringen. Am 8. Mai findet im Weißen Saale des königlichen Schlosses zu Berlin eine Gedenkfeier für die deutsche freiwillige Kriegskranken- pflege 1870/71 im Beisein der Kaiserin statt, am 9. Mai abends reist das Kaiserpaar nach Frankfurt a. M. zur Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals; es wird von dort nach Wiesbaden fahren und am 13. Mai beim Herzog Ernst Günther von Schleswig- Holstein im neuerbauten Schlosse zu Primkenau eintreffen. Am 15. Mai wird es im Neuen Palais zurückerwartet.
* Fürst Ferdinand von Bulgarien ist heute Vor- mittag hier angekommen und im Schlosse abgestiegen, von wo er Abend- nach Potsdam fuhr, um dort an der kaiserlichen Tafel theilzunehmen. Morgen nimmt er mit dem Kaiser an der Eröffnung der Gewerbe- auSstellung Theil. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' widmet ihm einen der bei fürstlichen Besuchen üblichen „ Begrüßungsartikel." Derselbe ist aber so kühl wie nur möglich gehalten. Auf den Fürsten bezieht sich nur der folgende Satz: „Auch in Berlin wird er eine Aufnahme finden, die feiner persönlichen Stellung und den guten Beziehungen des deutschen Reiches zu Bulgarien entspricht." Der Artikel schließt dagegen mit folgendem Wunsche für Bulgarien: „Dar deutsche Reich verfolgt in Bulgarien kerne eigenen politischen Jnter- effen. Wir hegen den auftichtigen Wunsch, daß unsere guten BerkehrSbeziehungm zu dem Fürstenthume erhalten bleiben, und daß sich überhaupt daS strebsame bulgarische Volk einer stettgen, friedlichen Entwickelung erfreue. Möge eS dem Fürsten gelingen, eine weife und glückliche Regierung zu sichern."
Qh&tjcuA tieftet), j griertey an6genoetwx. — Liertekjährkrcher Abonne mentsprei i ohne Bring-riohn und Befwlqew in Fnwa und anSwär« 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzelle oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 85 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rastatt
straße, aus Wolkengebilden, auf Lirftgespinnsten einher. Der Weltgewaltige auf achtfüßigem Rosse sprengt dem wüsten, wilden Gesindel voran."
DaS tobte und heulte und zischte und pfiff, als sei wahrhaftig die Hölle entfeffett.
Im stillen Kämmerlein ruhte der ehrwürdige Pfalzgraf, todtmatt zurückzelehnt im Sessel. Er athmete schwer. Sein müder, halberloschenes Auge glitt vom flackernden sturmdurcktosten Kaminfeuer auf das ruhige, säst verglimmende kleine Flämmlein der Oellampe.
„Ein Bild meiner selbst", so hauchte er.
Da legte sich leise ein stützender Arm um seine Schütter, eine warme, schlanke Hand auf die kühle Stirn deS Greiser, und zwei blaue Augensterne schauten innig in die seinen.
„Mein Vater, Ihr schlaft nicht, wie ich hoffte, aber Ihr gebt Euch trüben Träumen hin bei wachem Auge; laßt uns plaudern."
Noch einmal leuchtete er auf in deS Greiser Auge, alr sein väterlicher Blick wohlthuend und voll Dank über des jungen Priester- hohe, schlanke Gestalt glitt, die sich so liebevoll zu ihm niederbeugte. Zart und doch fest, wie auS edlem Stein geschnitten, waren deffen liebliche Züge; sein Auge war blau wie der Frühlingshimmel. Blonder Haar umwallte in spielendem Gelock ihm Stirn und Schulter. So schlank und zart wie seine Hände, so zart und leise war seine
war lange schon ein guter Engel einge- kchrt. Der half dem greisen Herrn über Altersschwäche und KrankheitSbeschwerden vinweg, half ihm dar Leben wieder liebgewinnen, half ihm selber wieder thatkräftig eingreifen in den Sang der Weltereigniffe, wenn auch Sthelbero dieser Recht mehr auS Pflichtgefühl, als auch aus Neigung ausübte. Der Engel aber war fein Tochtersohn Bernward von Sommerschen- bürg.
ES war am Allerseelenabend. Um die Burg im Westerwalde tosten die Wetter, die Waldeswipfel bogen sich im Sturmerbrausep, hoch auf spritzten die Weserwrllen. Das zum Theil noch am heidnischen Aberglauben hängende Sachsenvolk raunte sich zu:
„Wodan- wildes Heer reitet auf der Sturmes-
K. Aus dem Reichstage.
80. Sitzung vom 30. April.
Der Reichstag hat heute die §§ 36—44 des Börsen- gesetzeS unter Ablehnung aller Abänderungsanträge in der KommissionSfassung angenommen und ging dann zu den auf den Terminhandel bezüglichen 88 45—50a über, zu welchen (§ 47) bekanntlich auch der Antrag Schwarze-Fuchs (Ctr.) auf Verbot des Getreideterminhandels vorliegt.
Abg. Schwarze schilderte in der Begründung seines Anträge» die Nachtheile der Baiffe-Spekulation in Getreide für die Land« wirthschaft und belenchtete dabei auch die vorjährigen Manipulationen der Firma Cohn und Rosenberg. Er legte dar, daß an den starken Schwankungen der Preise, Steigen und Fallen,
Berührung;' und dennoch, das wußte der Grei», war der Arm der Jünglings so stark wie sederndeS Metall, galt es, den Schlaffen zu trogen und zu heben. Ja, die Muskeln des Armes waren so stark wie die Willenskraft, welche die Seele der Jüngliugr belebte.
„Wie foll ich Dir danken, mein Tochtersohn, daß Du mir, dem schwachen Greise so treu und unermüdet Tag und Nacht Deinen tröstlichen Beistand lechest, mehr alr meine eigenen Söhne eS wollen und vermögen," sagte der Pfalzgraf, und deutlicher alr äur den Worten sprach auS dem rührend hilflosen Blicke deS Leidenden unendliche Dankbarkeit.
Hellrostger Schimmer, die Röthe der Beschämung, flog über der Jüngliugr Züge.
„Redet nicht so, theurer Vater. Ich that, waS jeder Andere an meiner Stelle gethan hätte. Eure eigenen Söhne, die KriegSkundige», müssen sorgen, wie sie das Land vor dem Feinde vertheidigen und schützen, mir aber, dem Priester, liegt er ob, friedlich für dar Gedeihen und die Wohlfahrt der Seelen zu sorgen und mich nicht minder um Euer leibliches Heil zu kümmern. Vater und Mutter find mir dahingeganzeu. Wer steht meinem Herzen näher, al« Ihr!"
Der alte Herr neigte wehmüthig lächelnd das Haupt.
„Recht so mein Bernward, wir beide gehören zu-
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mit Urrterhaltrrrrgs-Keilasr „Sterne nnd jJlnmnt“.
------- (Nachdruck verboten.) ni
Auf der Pfalzgrafenburg.
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