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Donnerstag, den 30. April 1896.

23. Jahrgang

uldlierMZeitiiiig

mit Unierlsaltmigs-KeilaKk „Ktrrue uub Flume«".

. &9VMe «wb Feiertag aejgeiwmma. — «ierteijShrticher AbounementSpreiS ohne Bringer^h« und Bestellgeld in Falda und auSwllr« 1 Mark 50 Pfemrig.

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Predigt unseres Kochwürdigsten Kerrn Wischofs gehalten

im Anschlüsse an Hochfeine Romreise

Sonntag den 26. d. M., Nachmittags 4 Uhr, im Dome zn Fulda.

(Schluß.)

II.

Da?, war ich dkm hl. Vater gesagt habe, mein Bericht über den Stand dec mir onvertrauten Diö- z>st, wird wohl den großen Dulder im Vatikan, der so ri l Unangenehmer sehen und erleben muß, einiger­maßen getröstet haben. Für mich war er eine Be­ruhigung, ihm Alles unterbreitet zu haben. WaS aber der hl. Vater mir so liebevoll gesagt hat, da? hat mich noch in höherem Maße ermuth'gt und befestigt. Ich erzähle Euch einfach den Verlauf der Pcwat- Audienz, die mir geworden war.

Punkt 11 Uhr, wie bestimmt war, wurde ich ein* geführt. Der hl. Vater hatte vorher in 1'/- Slunden mit dem Kardinal • Staatssekretär die laufend n Ge­schäfte erledigt. Ec war allein und saß auf einem Thronsessel. Ich begrüßte ihn unter der üblichen Ehren­bezeugung und sagte: „Heiliger Vater, ich überreiche Ew. Heiligkeit den Ertrag der Sammlung de» Paters- | Pfennigs von 6 Monaten aus der Diözese Fulda. ES ! ist eine kleine Gabe — eS waren 2800 Mk —, denn » meine Diözesanen sind nicht reich an Gold, sie besitz n ~ aber goldene Herzen, die ihrem hl. Vater durchaus i ergeben sind. Der Magistrat der Bischofsstadt hat ' mich durch den Herrn Oberbürgermeister ersucht, die ! Gefühle der tiefsten Ehrerbietung und deS kirchlichen . Gehorsams gegen Sw. Heiligkeit zum Ausdruck zu bringen, und das Hochw. Domkap tel, das in der 5 Gruft deS hl. Bonifatius mit mir daS Reisegebet ver- j richtete, hat mich daselbst am Grabe ur-sereS Heiligen । durch seinen Dekan gebeten, Ew. Heiligkeit zu sagen, i wie sehr cS d m apostolischen Stuhle ergeben fei und > wie eS die Weisungen derselben allezeit getreulich j befolgen, und in feiner Wirksamkeit da auf achten ; werde, daß die treue Anhänglichkeit auf die i späteren Geschlechter sich fortpflanze." Der hl. Vater ' nahm diese Erklärungen huldvoll an und lud mich ein, : neben ihm Platz zu nehmen.

Während meiner Begrüßung konnte ich beobachten, f ob sich daS Aussehen der hl. Vaters scit Juni 1878 j verändert habe. Damals, drei Monate nachdem er den : päpstlichen Stuhl bestiegen, hatte ich die Ehre einer ! Privat-Audienz und war mit vielen Anderen der Mei- > nung, daß dieser vergeistigte Körper den Beschwerden j deS Pontifikates nicht lange werde widerstehen können; : und nun, nach 18 Jahren, erschien mir der Papst fast frischer und kräftiger als damals. Seine Gesichtsfarbe i war gesund, feine Stimme wohlklingend, fein Auge : lebendig und seine Haltung auf dem Throne zeigte j keine Spur von Schwäche. Seine geistige Kraft erprobt

sich in den Ansprachen und schriftlichen Arbeiten, die er außer der BerufSthätigkeit bisher nicht unterlassen hat, und selbst fein Gedächtniß hat noch nicht im mindesten gelitten bei einem Alt r von 86 Jahren. Dabei lebt der bl. Vater äußerst mäßig und meint, daß gerade diese Mäßigkeit sein Wohlbefiiden erhalte. Muß sein hohes Alter nicht ungewöhnlich, ja fast wunderbar erscheinen? Ich dachte bei mir: daS ist providentiell, daS ist eine Frucht des Gebetes deS Stif­ters der Kirche: er hat gebetet für den PetruS unserer Tage, daß er in dieser bewegten Zeit, mitten in den Gefahren, die ihn umgeben, die Gebrechen deS Alters bisher nicht empfunden hat.

Als ich Platz genommen, sprach der hl. Vater von den Pflichten deS bischöflichen Amtes, von deffm Wachsamkeit und Thätigkeit. Durch die Kraft der Wahrheit, mit Wärme müsse man auf die Seelen ein- wirken. So habe auch er es immer gehalten bei feinen Bemühungen, um die Vereinigung der getrennten Brüder herbeizuführen. Durch die Worte deS Evan­geliums, durch die Wahrheit der Geschichte würden sie doch zur Etkenntniß gelangen. Eben jetzt in d'eser Stunde tage eine Konfecenz verschiedener Theologen zu diesem Zweck im Vatikan. So ist Leo XIII. immer bemüht, getrennte Völker zurückzuführen und er hat den Erfolg, daß die Kopten sich wieder an den hl. Stuhl gewendet haben, und daß auch in England sich die wohlthätigen Folgen zu erkennen geben.

Auch auf den Verein der hl. Familie kam er zu sprechen. Wenn die christlichen Familien die Bilder der hl. Familie vor ihren Augen seh-.n, dann werden sie doch zur Erkenn'niß kommen, und wenn sie die vor­geschriebenen Gebete verrichten, dann wird auch die Gnade nicht fehlen. Der Friede der Hauses von Nazareth, das Glück desselben wird einziehen in alle Häuser, u^d auS der christlich-erneuten Familie wird die menschliche Gesellschaft, die auS ihr hervorgeht, sich wi der erneu nn. Ich benutze die Gelegenheit, liebe Diözesanen, Euch wieder zu ermahnen, den Verein der christlichen Familie recht zu pflegen und bitte die Priester, den Wunsch deS hl. Vaters und auch meinen Wunsch zu erfüllen und denselben sorgsam zu fördern.

Darauf sprach der hl. Vater von den Seminarien. ES ist so wichtig, daß die künftigen Priester 6—7 Jahre lang im Seminar verweilen, gründlich unter­wiesen, in ihren kirchlichen Berufsarbeiten geübt werden und gute Gewohnheiten sich aneignen, damit sie gegen die Gefahren der Welt geschützt seien. „Als ich Bischof von Perugia war, habe ich täglich gegen Abend mem an die bischöfliche Wohnung stoßendes Seminar besucht und habe immer etwa» gesehen." Ich erlaubte mir zu bemerken, daß auch ich 40 Jahre lang im Seminar thätig und 33 Jahre lang dessm Regens gewesen sei, daS Seminar liebe uni von Allem, wa» die Ein­richtungen, die Studien und da» geistliche Leben, selbst der einzelnen Alumnen betreffe, mir Keuntmß geben lasse, und allen Prüsmgen, Feierlichkeiten, Vespern

beiwohne, auch sonst da« Seminar besuche, um die Alumnen persönlich kennen zu lernen. Ich wolle mit allen denen, die mich als Vorstände oder Professoren unterstützen helfen, bemüht sein, daß das Seminar allen Anforderungen und Wünschen der Kirche entspreche.

Auf die Frage, ob ich noch länger in Rom ver- weilen wollt«, entgegnete ich, daß es mich dränge, zu meinen Berufsarbeiten zurückzukehren. Da antwortete der hl. Vater: „Ich will Dich nicht zurückhalten, die Diözese ist Deine Braut und i s ziemt sich, daß der Bräutigam die Braut nicht allein lasse, sondern ihr in Allem zu dienen suche."

Seht, so hat der hl. Vater sich in Liebe zu mir gewandt und mich in meinem Berufe befestigt.

Doch, liebe Zuhörer, Ihr habt ja felbst ein Bei­spiel vor Augen, das Euch zeigt, wie Papst Leo allzeit zart- und feinfühlend bestrebt ist den Gläubigen seine Liebe zu bezeugen und sie im Glauben zu befestigen. Schaut hier auf die Bronzestatue des hl. Petrus! Sie ift ein genaues Abbild jener, die ich in St. Peter zu Rom bei meiner Ankunft wieder verehrt habe. Der hl. Vater hat gerade diese aus seinen Jubiläumsgaben für den Dom zu Fulda bestimmt. Ist sie nicht ein Ehrenvorzug der Diözese, ein dauerndes Denkmal der alten Beziehungen der Stiftes Fulda zur römischen Kirche und eine Lehre für Euch, für die Zukunft? Scheuet eS nicht, als ultramontane Christen Euch zu bekennen!

Mir ist eS, als bringe aus dem Grabe unter dem Hochaltar die Stimme des hl. Bonifatius hervor: „Ihr nennet mich Euren Glaubensvater. Wollet Ihr als meine Kinder anerkannt werden, dann müsiet Ihr den Grundzug meiner Persönlichkeit, meines Apostolates an Euch, tragen, und dieser ist die engste Verbindung mit dem apostolischen Stuhl. Er ruft Euch zu: in St. Peter zu Rom habe ich bei meiner Bischofsweihe den von mir selbst geschriebenen Eid abgelegt, fest am römischen Stuhle zu halten und die Strafe des Anania» und der Saphira zu erleiden, wenn ich je diesen Eid ver- l'tz;n würde. Darum bin ich dreimal unter großen Mühen nach Rom gepilgert und habe mir die Ent­scheidungen der hl. Stuhles eingeholt. Ich war der ultramontanste Apostel; verharret auch Ihr in Eurem römisch-katholischen Glauben immerdar."

Nun tretet im Geiste noch einmal ein in den Audienzsaal des hl. Vaters. Meine Audienz hat b/4'Stunden gedauert. Ich bat ihn, mir zwei Gnaden- erweffe zu genehmigen, deren Eingabe ich dem Staats­sekretär behändigt hatte. Liebevoll sagte er: „WaS die Bischöfe in ihrer Art begehren, daS gewähre ich gern." Darauf ersuchte ich ihn, ihm meine Begleiter vorstellen zu dürfen. Dieselben traten ein: eS waren diese der Priester der Diözese Fulda, mein Reisegefährte, und die Alumnen deS deutschen Kollegs aus unserer Diö­zese, außerdem zwei Limburger Herren, die in unserem Seminar studirt und mich gebeten hatten, von mir dem hl. Pater vorgestellt zu werden. Es war ein

Die Omsk» tum Smimschkndug.

Erzählung aus dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt. 8] ------- (Nachdruck verboten.)

Im großen Saale, welcher durch ein weites Halb­rund geschlossen war, harrten die Klosterfrauen bereit» der Gäste.

Der etwa- erhöhte Halbkreis war zur Muffe hrung d S Spiele» bestimmt. Er war durch kleine Tanner.- bäumchen geziert und mit frischem Grün bestreut.

Sobald der Bischof und seine Gefolgschaft ihre Sitze eingenommen hatten, ertönte vm frischen Kinder- stimmen gesungen ein geistlich Lied, und dann begann da» Spiel:

Der glorreiche römische Kaiser Konstantin tritt auf, befühlt seinem top fern Feldherrn Gallikan, dem ge­fährlichen Vordringen der Skythen Einhalt zu thun.

Gallrkan erklärt sich bereit, aber nur, wenn ihm Konstantia, die KaiserStochtcr, zur Gemahlin gegt6.it werde.

Konstantin geräth durch Golllkao's Werbung in die ärgste Bedrängniß: Dtr Feldherr ist Heide, Kon­stantia Christin; noch mehr, sie Hot im Geheimen, wiewohl mit Zustimmung ihre» Vaters, dc-S Gelübde ewiger Jungfräulichkeit abgelegt. In seiner Rathlosig- feit wendet der Kaiser sich an seine Tochter selb r.

Ein Bild voll hohen weiblichen Adels, ja die ver- i körperte Frömmigkeit und Würde, so trat Konstantia vor. lieber die weiße Gewandung, so ihre schlanken Formen umhüllten, flössen langwellig, wie gesponnene» Gold, die röthlichen Locken. Sie umgaben ein wunder- liebliches Antlitz.

„DaS ist ja Judith, unsere Schwester," raunte B-rnward erstaunt seinem Bruder Tammo zu.

Die tdle Jungfrau weiß dem Kaiser einen Aus­weg zu zeigen. Klug et bittet sie sich die erlauchten Töchter des F.ldherrn auS erster Ehe zu schwesterlichen Freundinnen in ihren Palast, während deren Vater froh n MuiheS zur KrügSfahrt gegen die Barbaren auszieht. Auch sendet sie ihre christlichen Kämmerer Johannes und Paulus dem KriegSmanne mit inS Feld. Die scllen auf seine Bekehrung wirken. Inzwischen aber fleht die Kaiierstochier den himmlischen Vater an, er möge Gall kan'S Sinn wenden, daß er auf ihre Hand verzichte. Die lieblichen Töchter de» Feldherrn i Ärtemia und Attika weiß Konstantia derweil zum Christenglauben zu bekehren und für das hohe Ziel, das sie selber sich g steckt, für die Jungfräulichkeit, zu begeistern.

In den thracischen Ebenen trifft Gallikan alsbald auf den Feir d. Der Ka^pf entbrennt. Dre Römer werden zurückgeschlagen. Schon wenden sich die Legionen

zur Flucht. Die Schlacht scheint rettungslos verloren. Da fordern Konstantias Freunde Johannes und Paulus den rathlosen Feldherrn auf, den Christengo t um Hilfe anzuflehen. Er folgt ihrem Rath.

Siehe da, aus dunkler Wolke bricht leuchtend Heller Glarz, und himmlische Heerschaaren eilen gewappnet zu feiner Hilfe herbei. Die Slychen werden geschlagen und erkennen die Oberherrschaft der Römer an.

Gallikan, durch das Wander zur Ertenntmß ge­bracht, weiht sein Leben ganz dem Herrn; ja er ver­zichtet freiwillig auf Konstantias Hand. Ec segnet die H ißgeliebte und seine Töchter, die gleich ihm das höchste Ziel erkoren haben.

B-wundcrungSwü dig spi-lten die Edelfräulein. Die Znschou r erlebten den Zwiespalt mit, in den Kon­stantia mit sich selber g rieth, als sie, eine Braut deS HmmelS, sich dem heidnischen Feldherrn verlobte. Sie empfanden die Kämpfe in Gallikan'» Brust, ehe er den ibm verhaßten Nazarener um Hilfe anrief, und den Widerstreit s inet Gefühle, da er sich mit der Liebe zu Konstantia im Herzen entschloß, der Welt zu ent­sagen.

ES erfüllte aber auch mit Staunen, ein wie an­schaulich Bild die Dichterin in ihren kurzen, schnell- wechselndin Scenen von dem Getriebe im kaiserlichen Palast, dem Soldatenleben, dem Gewirr der Schlacht