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Mittwoch, den 29. April 1896.
23. Jahrgang
FiildaerWZkituiig
mit Nnterhattungs-Keiia-r „Strrur uud Klumru".
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Predigt unseres Kochrvürdigsten Kerrn Aischofs gehalten
im Auschluffe an Hochfeine Romreise Sonntag den 26. d. M-, Nachmittags 4 Uhr, im Dome z« Fulda.
„Ego pro te rogavi, nt non deficiat fides tua et tu aliquando conversus confirma fratres tuos.“ „Ich habe für Dich gebetet, daß Dein Glaube nicht wanke und Du seiner Zeit ihnen zugewendet befestige Deine Brüder." Luk. 22, 32.
Ich freue mich, liebe Diözesanen, wieder unter Euch zu sein. Wohlbehalten bin ich von Rom zurückgekehrt. Dies schreibe ich den Gebeten zu, die der hochwürdige Klerus, die Ordensleute und alle Diözesanen für mich verrichtet haben. Ich danke Euch herzlich für diesen LiebeSerweiS. Ich habe ihn erwidert, indem ich am Grabe des Apostelfürsten Petrus und an der Konfefsio der Völkerapostels Paulus, sodann bei den Besuchen der hochbegnadigten sieben Kirchen und an den übrigen trauten Plätzchen der Andacht ganz besonder- für Euch gebetet habe. Ein Bischof gehört ja nicht sich selbst, sondern seiner Diözese; war ich auch räumlich fern von Euch, so wäret Ihr mir doch im Geiste nahe.
Ich bin gern nach Rom gepilgert. Wen zieht er denn nicht nach der ewigen Stadt? In Rom reden die Steine, und ihre Sprache ist Allen verständlich. Aus allen Jahrhunderten vernimmt man ihre Stimme: au- der Zeit der klassischen Heidenthums, wie auS der Zeit der Christenverfolgung und der Zeit der aufblühenden Kirche. Wer könnte das Kolosseum anschauen, ohne den großartigen Römerbau zu bewundern, ohne zu denken an jene nach demStrafgericht überJerusalem nach Rom geschleppte« gefangenen Juden, welche die Steine zu dem Riesenbau herbeischaffen mußten, und andrerseits an jene christlichen Märtyrer, die zu Hunderten und Tausenden den Boden desselben mit ihrem Blute tränkten? Wer könnte den gewaltigen Rundbau der allen Götter» geweihten Pantheons erblicken, ohne der Wahnes heidnischer Götterlehren zu gedenken und dem wahren Gott zu danken, daß er die Christen siegreich aus der Gräberstadt, den Katakomben, herauS- geführt und ihnen die herrlichen Basiliken und schönen Kirchen der Stadt Rom und zuletzt den PeterSdom mit seiner mächtigen Kuppel gegeben, von dem die Römer sagen, Michel Angelo habe daS Pantheon hoch in die Lüfte getragen. Ja dieser Prachtbau finnbildet und verkündet der Welt die Majestät der katholischen Kirche.
Und neben diesem Bau auS Steinen erhebt sich ein geistiger Dom aus lebendigen Seelen, der da ruht auf dem Fundamente der Apostel und Christus Jesus zum Eckstern hat. ES ist der Papst, der Stellvertteter Christi auf Erden, umgeben von seinen Kardinälen. Gibt eS eine erhabenere Erscheinung als Leo XIII., gibt eS einen vornehmeren Senat, als daS Kollegium der Kardinäle, alle Männer von Geist und sittlicher Größe?
Darum zieht er jeden Katholiken nach Rom, diese Herrlichkeiten zu schauen. Warum sollte ich nicht danach verlangen, der ich mit der Begeisterung der Irgend dieselben einst bettachtet hatte und die Eindrücke davon nie verloren habe; der ich auS Dankbarkeit der bedeutenden Lehrer gedachte, die mich daselbst vor Jahren in die Tiefe der heiligen Wisienfchast einführten, der Tugend-Beispiele, die mich dort umgaben, und jener Seelenführer, welche die Grundsätze der inneren Lebens in mein Herz senkten und so mein Glück sicherten in allen Lagen meiner Leben».
Aber so sehr eS mich hinzog, ich würde diesem Zuge nicht gefolgt sein und nimmermehr mich von Such, liebe Diözesane«, auch nur auf einige Wochen getrennt haben, wenn nicht die Pflicht eS mir ge
botenhätte,— eine ernste, heilige Pflicht. Devkt an den Tag, an welchem ich vor nahezu 2 Jahren zum Bischof geweiht wurde. Da mußte ich vor dem Altäre so Mancher und darunter auch daS geloben, daß ich alle vier Jahre nach Rom ad limina Apostolorum pilgern wolle, um dem heil. Vater über meine Diözese und meine Verwaltung zu berichten, und falls ich persönlich nicht im Stande wäre, dmch einen Vertreter oder nach vorgängiger Gutheißung brieflich dem Papst über den Zustand der BiSthumS Kenntniß zu geben. _
Die Kirche betrachtet die Bischöfe im Zusammenhänge, sie will von den Diözesen Deutschlands alle vier Jahre Rechenschaft erhalten. Diese Forderung ist ja ganz natürlich. Chrifiu» der Herr hat dem Papste die ganze Kirche übergeben. Der Papst weist jedem Bischof seinen Sprengel an und vertraut ihm die Seelen derselben an. Der Papst thut dies nicht und kann es nicht thun, um sich der Sorgen für diesen Sprengel zu begeben. Nein, er will Euch immer lieben und seine Pflichten gegen Euch erfüllen, den Bischof so zu neuem Eifer ermuntern. So hat er der hl. Apostel Paulus gehalten, wenn er den Bischöfen Kleinasiens zuruft: „Habet Acht auf euch und die Heerde, in der euch der hl. Geist zu Bischöfen gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren, die Er mit seinem Blute erlöst hat." Darum sagt Chriftus, der Stifter der Kirche, zu PetruS: „Ich habe für Dich gebetet, daß Dein Glaube nicht wanke und Du seiner Zeit in Liebe ihnen zugewendet befestige Deine Brüder." DieS ist der natürliche Wortsinn der so mannigfach ausgelegten Verheißung : Du, in Liebe ihnen zugewendet, befestige Deine Brüder, d. i. die Bischöfe. Wie nun der Papst uns Bischöfe befestigt und wie er daS in großer Liebe thut, daS werdet Ihr klar erkennen, wenn ich Euch mittheile, was ich dem hl. Vater gesagt habe und war dieser mir gesagt hat, d. h. wenn ich von meinem Berichte an den hl. Vater und von dem Verlaufe der mir gewährten Audienz Euch Kenntniß gebe.
I.
Was habe ich dem hl. Vater gesagt? Ich habe bereits bemerkt, daß der Papst das Recht und die Pflicht hat, von den Bischöfen Rechenschaft über die Verwaltung ihrer Diözesen zu fordern. ES geschieht dies in verschiedenen Fragen, deren Beantwortung dem Bischof obliegt. Zunächst läßt er sich berichten über den materiell?« Stand der ganzen Diözese, nicht nur im Allgemeinen und oberflächlich, sondern so speziell und genau, daß man, wenn man auch noch so gut die Diözese zu kennen glaubt, doch noch hie und da eine Prüfung anzustellen genöthigt ist, um der Frage zu genügen.
Alsdann soll der Bischof dem Papste sagen, wie er selbst seine Obliegenheiten erfüllt habe. Der hl. Vater fragt, ob der Bischof sich nicht länger, als die kirchlichen Vorschriften gestatten, außerhalb der Diözese aufgehalten, ob er dieselbe vifttirt, daS Sakrament der Firmung und der hl. Priesterweihe selbst oder dmch einen anderen Bischof gespendet, ob er daS Wort GotteS verkündigt oder für die Verkündigung derselben hinreichend gesorgt und ob er auch ein guter Werk für die Kirche oder dar Volk oder den KleruS verrichtet habe. Ich bekenne Euch, daß ich über alle diese Fragen eine sorgsätti e GewifsenSersorschung angestellt, sie auf- richtig beantwortet und den Vorsatz gefaßt habe, auch künftighin treu und standhaft, wenn möglich, noch sorgsamer in der Erfüllung meiner oberhirtlichen Pflichten zu sein.
Mit größerer Unbefangenheit konnte ich dem hl. Vater sagen, wie sich der hochwürdige KleruS verhalte, an erster Stelle daS hochwürdige Domkapitel nebst den Dompräbendaten. Ich konnte bezeugen, daß sie sämmt- lieh durchaus kirchlich gesinnte, wohl unterrichtete Priester seien, die in vollkommener Eintracht ihrem Bischof zur Seite ständen; an den Arbeiten des bischöflichen Generalvikariats nähmen sie mit Fleiß und Umsicht Theil, ihre größte Freude sei eS, im kirchlichen Lehramte zur Heranbildung deS KleruS thätig zu sein. Wegen dieser vielfachen Thätigkeit und wegen ihrer geringen Zahl könnten sie nicht täglich im Chore die kanonischen Tagzeiten beten noch da- Konventualamt halten, aber sie opferten täglich die Neunuhrmesse für die Wohlthäter der Fuldaischen Kirche auf. Statt eines PönitentiarS, de» die kirchliche Vorschrift verlange, betheiligen sich Alle an der Spendung des Bußfakra- menteS, um gleich Kuratpriestern die Beichte« der
Gläubigen entgegen zu nehmen, und zur Pflege der Andacht der Gläubigen feierten sie zu verschiedene« Stunden im Dom die hl. Meflen. Würden daher nicht die Angehörigen der anderen Pfarreien des BiSthumS für Euch Katholiken Fulda's Ankläger werden, wen» Ihr nicht auch an den Wochentagen der hl. Messe anwohntet ?Jj$
Auch die hochwürdigen Seelsorger thun, so berichtete ich, ihre Schuldigkeit. Sie verließen ihre Pfmrei nur selten auf einige Tage, nicht ohne Erlaubniß und ohne Bezeichnung einer Stellvertreter». Nach der Vorschrift deS römischen Rituales hielten sie ihre Pfarr- bücher in Ordnung und geben an de» Sonn- und Festtagen, wie an den Vorabenden Gelegenheit zum Empfang der hl. Sakramente. Für den Unterricht sorgten sie durch Predigten und Christenlehre und an Sonn- und Feiertagen brächten sie daS hl. Opfer für ihre Gemeinde dar. In bett meisten Pfarreien seien — auch wiederholt — Missionen gehalten worden. Auch in Konferenzen kämen Pfarrer und Kapläne zusammen, um über wichtige Pastoralfragen sich zu be- rathen. Mir scheint, Ihr könntet, liebe Diözesanen, mit Euren Seelsorgern zufrieden sein.
Während die Kirche ihren Eifer für das Heil der Seelen bethättgt, läßt sie die Zukunft nicht aus den Augen und sorgt für genügenden Nachwuchs. Deshalb erkundigte sich der hl. Vater eingehend nach dem Seminar. Zur großen Befriedigung gereichte es mir, dem hl. Vater sagen zu können, es seien jetzt 43 Alumnen in 4 Jahrgängen auS der Diözese Fulda im Seminar; dieselben würden von 8 Professoren in der Philosophie und Theologie gründlich unterrichttt und in allen für ihren Beruf wichtigen Fächern ausgebildet; sie bekundeten ihren Fortschritt in mannigfachen Prüfungen, nährten und befestigten daS innere Leben ihrer Seele durch Theilnahme an den jährliche« hl. Exercitien, durch die täglichen geistlichen Uebungen, den öfteren Empfang der hl. Sakramente und daneben übten sie sich in Ausübung der kirchlichen Dienstes. Ich dürfe hoffen, daß in vier Jahren der drückendste Priestermangel beseittgt sein werde.
Die Orden und ordensähnlichen Kongregationen habm die Bestimmung, die Zierde der Kirche zu sein; ein Beweis ihrer Heiligkett. Auf die Frage des PapsteS, ob die Orden in der Diözese Fulda ihrer Bestimmung nachkämen, konnte ich nur befriedigende günstige Antwort geben. Die Söhne der hl. Franz von Assisi entwickelten sich jetzt kräftiger als vor dem Kulturkampf und berechtigte« zu den schönsten Hoffnungen. Sie sind tüchtige Mitarbeiter in der Seelsorge und ziehen die Gläubigen an durch die Würde ihres Gottesdienstes. In Hünfeld sei unter entgegenkommender Mitwirkung der städtischen Behörden eine Anstalt int Entstehen begriffen, um für die Heiden Afrika'» Missionäre heranzubilden; geistliche Juug- frauen befänden sich überall in der Diözese, sei e», um in strengster Abgeschiedenheit ihre Gebete unauf« hörlich zum Himmel emporzusenden, ober sei es, um bie weibliche Jugend zu unterrichten ober bie Werke ber Barmherzigkeit zu verrichten unb bem Elend zu steuern. Alle beobachteten ihre Regeln sorgfältig, alle chre bezügliche Klausur, alle erstrebten daS gemeinsame Ziel, bie evangelische Vollkommenheit. Die» habe ich bem hl. Vater berichtet, unb Ihr werbet mir zugestehen müssen, daß ich bie Wahrheit berichtet habe.
Aber, werbet Ihr wohl fragen, hast Du beim bem hl. Vater nichts von uns gesagt? Hat er nichts von bett Gläubigen wiffen wolle«? Ja, ber Papst hat auch nach den Sitten deS christlichen Volkes gefragt, unb r» machte mir eine besondere Freude, ihm rnitzutheilen, baß ich eine gute, gläubige Diözese zu leiten habe. Hat boch schon mein Vorgänger, ber Kardinal unb Fürstbischof von BreSlau, in feinem ersten Hirtenschreiben ausgesprochen, bie Diözese Fulda zeichne sich auS durch ben öfteren andächtigen Empfang ber heil. Sakramente und bie Ausbildung des Vereinswesen». Ja, ich habe bem hl. Vater gesagt, daß Ihr im Allgemeinen bie heil. Sakramente häufig unb andächtig empfanget. Wollet boch biese Gepflogenheit beibehalten! Durch bie heil. Sakramente erhaltet Ihr vorn Erlöser die Gnade, wie die Rebe den Saft der Traube vom Rebstock erhält. Nur durch diese Gnade gelanget Ihr zur Glorie, sie ist das einzig nothwendige Mittel zur Seligkeit. Ich habe auch gesagt, daß das; BereinSleben bei un» in Blitthe stehe. Ihr kennt ja^alle^die Vereine,