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M 97 Dienstag, den 28. April 1896. 23. Jahrgang

FlildlierWZeitiink

, mit Anteichaltrrngs-Krttase „Sterne rrnd Kimnen".

(Nachdruck verboten.)

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Nie Krisen eie jimerschendmz.

Erzählung auS dem 10. Jahrhundert von Antonie Haupt.

1 6*6e*t ttgttch, Swine- m» Heirrt-se anigenontieta -- drrrtriiShrlicher AbouuementtpreiS ohne Skmaerlotzu and BetzrSgeld in -awa und auSw«r« 1- Warf 50 Pfennig. Inserate kosten die einlvattig« VarmsndzeLe oder deren Raum 15 Pf., NeNamen btt Petitzeile 25 Pf. tzei Wiederholnugen entsprechender Rabatt.

Elemente eine gegen den Senat gerichtete Tagesordnung Annahme fand. In der Kammer find also, trotz ihrer zahlenmäßigen Minderheit, die Radikalen und Sozialisten noch immer im Besitze der Macht und können deßhalb auch einigen Anspruch auf Bildung einer neuen Ministeriums aus ihren Reihen erheben. Thatsächlich stellen sie auch diese Forderung, während natürlich die „gemäßigten" Blätter ein „gemäßigter" Ministerium verlangen. War soll nun der arme Präsident Faure thun, der ohnehin durch den Stmz des Ministeriums Bourgeois insofern in eine sehr fatale Lage gebracht ist, als er mehrfach öffentlich mit Bourgeois ganz und gar gemeinschaftliche Sache ge­macht hat. Theilweise denkt man an ein „Ministerium der Konzentration", d. h. an ein Ministerium, dem Mitglieder aus allen größeren republikanischen Gruppen angehören sollen und in welchem sich also Alles, was republikanisch ist, vereinigen, d. h. also „konzentriren" soll. Eine solche Parieiverbindung erscheint aber bei dem jetzigen erbitterten Gegensätze zwischen radikalen und „gemäßigten" Republikanern kaum denkbar, ganz abgesehen davon, daß man früher schon mit solchen „KonzentraüonSministerien" sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Auch ein „ge­mäßigtes" Ministerium hätte einen schweren Stand angesichts der heftigen Feindschaft der Radikalen und der vielen zweifelhaften Elemente in der eigenen Partei. Guter Rath ist daher theuer.

Dazu kommt die von den Radikalen verlangte Ber- fassungsrevision, d. h. die Abschaffung des Senat-. Rach der Verfassung muß nämlich sowohl der Senat als auch die Kammer, jede Körperschaft für sich, zuvor beschließen, daß Grund zu einer Verfassungs­änderung vorliege, und erst dann, wenn dies geschieht, tritt der Kongreß, die Nationalversammlung, in der beide Körperschaften gemeinschaftlich berathen und beschließen, zusammen, um über die verlangte Ver­fassungsänderung Beschluß zu fassen. Es ist aber doch gar nicht daran zu denke», daß der Senat, wo er weiß, daß man eS auf seine Beseitigung abgesehen hat, seine Zustimmung zur Einberufung deS Kongresses zum Zwecke der Verfassungsänderung geben, d. i. Selbst­mord begehen könnte. Ohne den Senat kann also nichts geschehen, und darin einerseits, in der Wuth der Radikalen andererseits, liegt die Gefahr für den Präsi­denten Faure. Frankreich selbst wird auch fernerhin nicht zu einer dauerhaften Regierung gelangen — eS sei denn durch Staatsstreich oder Revolution, und auch der Zustand, den diese Gewaltmittel herbeiführen würden, könnte nach allen bisher in Frankreich ge­machten Erfahrungen nicht von gar zu langer Dauer sein.

Die Kirchenglocken luden zum Altäre ein. Die Ankömmlinge banden chre Roffe fest und folgten Herrn Othwin, der an der Spitze des frommen Konvente- seine Schritte zuvörderst nach der Kirche lenkte, um dortselbst den Geber alles Gelingens menschlicher Ar­beit um seinen Beistand anzufl hen.

Dann begleitete der Bischof nebst einigen Erlesenen die Herrin Gerberga in die Bücherei, allwo auf langen Tischen kirchliche Baurisse au-gebreitet lagen. Die Herren prüften bedachtsam, verglichen und berathschlagten mit einander. Da gab'- an jedem Plan zu loben und auch zu tadeln. Ein schier verzweifelte- Nachdenken heischte er, das Richtige zu ergründen. Kümmerniß lagerte sich auf die Stirn d.'S Bischofs. Mit einem Male erhellte sich sein Antlitz.

„Unser junger Machemattker au» der Domschule fehlt, der versteht sich ja auch auf die Baukunst; vielleicht weiß der Knabe auch hier klugen Rath. Wo ist er?"

Volkmar beeilte sich lächelnd zu erwidern:

„Bernward weilt im Sprechzimmer. So ich recht berichtet bin, wurde ihm mit Tammo die Erlaubniß, seine junge Schwester Judith dort zu begrüßen, ebenso

Deutsches Reich.

Berlin, 27. April.

* Die Vorsitzenden der Centrum-frattiouen de» ReichS'ags und deS Abgeordnetenhauses laden die ehe­maligen Mitglieder der Fraktionen zur Theil- wie Herr Altman vonOel-bmg zu s-inem Schwester­lein HildeSwitha an sothaner Stätte reden darf."

Der Bischof sprach:

Laßt jung Bernward kommen."

Da- geschah.

In bescheidenem Schritte trat Bernward vor und verneigte sich tief vor Herrn Othwin, der also begann:

„Wir haben Dich hierher entbieten lassen, mein Sohn, daß Du Dir diese Bauriffe beschauest und uns unbefangen Derne Meinung sagest."

Bernward schaute lange abmeffend und erwägend die Pläne an, ergriff demüthig die Feder und begann emsig seine Striche zu ziehen. Dann hob er da» Pergament empor:

„Ost schon zeichnete ich einsam diese Figur in deu Sand, sie schwebt mir seit Jahren als würdiger Grund­riß eines Gotteshauses vor: Hier im Osten ein Kreuz, wie e» ja fast alle Riffe, die au-gebreitet vor uni liegen, zeigen, es ist dr- Kreuz unseres Hern Jesu Christi, und hier im Westen abermals die «reuzform, e» ist das Kreuz, das w'.r unserem Erlöser nachtragen sollen. Im Osten, wie im Westen gleicherweise ein Chorabschluß."

Der Bischof hatte aufmerksam zugehött. Nach einer kleinen Pause sagte er bedächttg:

„Deine Ideen, mein junger Baumeister, scheinen

nähme an ihrem 25jährigen Jubelfeste am 6. Mai ein und bitten dieselben, ihre Theilnahme vorher dem Abg. Die den anzuzeigen.

* Bon einer Absicht, den Reichstag schon in der ersten Hälfte des Mai zu Verlage«, ist nach der ,Nordd. Allg. Ztg.' an den maßgebenden Stellen nichts bekannt.

* Im Herrenhause hat Freiherr von Durant eine Resolution auf baldige Vorlegung einer BolkS- schulgesetzeS beantragt, die mit der im Abgeordneten­hause eingebrachten Resolution übereinstimmt.

* Die jüngsten Verabschiedungen hoher Offiziere weisen einen auffallenden gemeinsamen Zug auf. So­wohl der General v. Schlichting, als General v. Blume gelten in militärischen Kreisen als über­zeugte Verfechter der Nothwendigkeit und Dringlichkeit einer Reform des Militärstrafverfahrens im Sinne der Oeffentlichkeit desselben. Nun ist auch der Rücktritt de- Generallieutenants v. Spitz aus seiner Stellung als Direktor de- Departements für dar Jnvalidenwesen erfolgt und zu diesem Departement gehören nach der neuen Organisation unserer obersten Heeresverwaltung auch alle Strafvollstreckungsangelegen­heiten, das Militärgefängniß- und vor Allem das ge­lammte Militärjustizwesen, einschließlich der ehren­gerichtlichen Sachen. Der Entwurf zu einer neuen Militärstrafprozeßordnung liegt in den Händen dieses Departement», und fein bisheriger Direktor war nächst dem Kriegsminister der berufene Träger und Bertteter der geplanten, aber immer wieder zurückgehaltenen Neuordnung. General v. Spitz befand sich, wie die ,Boff. Ztg.' mittheilt, mit seinem Ressortchef in vollster Ueberemstimmung, er war bi» ins Einzelne genau unterrichtet und würde die neue» Grundsätze der Oeffent- lichkeit, Mündlichkeit, verbunden mit erweiterten Ber- theidigungSrechtm und Berufungsinstanzen mit vollster Ueberzeugnng auch vor den gesetzgebenden Körper­schaften vertreten haben. In diesem Zusammenhänge ist sein Abschied ein bemerkenSwetthe» Symptom, und dasselbe wird dadurch verstärtt, daß auch der Oberst, lieutenant Fleck, Chef derjenigen Abtheilung in dem Departement für das Jnvalidenwesen, in deren Ge­schäftsbereich die Einzelbearbeitung de» Militärjustiz­wesens fällt, durch dieselbe KabinetSordre zur Disposition gestellt ist. Ran wird danach sich auf eine mögliche Veränderung „höher hinauf" gefaßt zu machen haben. DaS BundeSrathSmitglied, das gleichzeittg für Preußen in militärischen Angelegenheiten verantwortlich amtirt, hat sich dem Reichstage gegenüber derart für die Reform der Militärjustiz engagirt, daß ihm bei einem voll- ständigen Scheitern der von ihm gut geheißenen Pläne der Gedanke deS Rücktrittes nahe liegen müßte.

* Nach dem Gesetzentwurf zur Vervollständigung der vierten Bataillone sollen je zwei Halbbataillone zusammengelegt und da- Bollbataillon durch 100 Köpfe, welche die übrigen Bataillone abgeben, auf etwa 500 Köpfe gebracht werden. Aus jede Division kommt ein neuer Regiment von zwei Bataillonen, mir der Beachtung Werth. Da nun keiner der Pläne, welche hier vor u»r auSgebreitet sind, unseren voll­kommenen Beifall findet, so beauftrage ich Dich, Deinen eben flüchtig entworfenen Plan noch hier, ehe wir abreisen, sauber aurzuarbeiten und UNS vor­zulegen." '

Da aber die Berathuug vorläufig beendet erschien, wagte Frau RikkardiS, die so bescheiden im Hinter- gründe gestanden, hervorzutreten mit der Meldung, daß der Imbiß gar lange schon der Gäste harre. Die ehrwürdige RtkkardiS hatte einst den ersten Lehrstuhl im Stifte Gandersheim inne gehabt. Doch al- sie mit zunehmendem Alter den Geist nicht immer so ge­willt, wie ehedem, zum Bortrage der Weisheit fand, da bat sie demüthig, znm Küchen» und HauShaltungS- dienste entlasten zu werden. Der Wunsch ward ge­währt, und so führte die gelehrte Frau RikkardiS nun unbeschränkte, aber milde und zugleich tüchttge Herrschaft über zahlreiches Gesinde in Küche und im Haus.

Jetzo geleitete die Aebtisfin ihre Gäste mS Re- sektorium. Der Saal war weitschichtig angelegt, Säulen theilten ihn ab. Eine lange Tafel mit schnee- weißem Linnen und silbernem Geräth lud zum Rieder- sitzen ein.

Die jungen Edelftäulein, so dem Kloster zur Er-

< Das Ende des Ministeriums Bourgeois. ______

Der Kampf zwischen dem radikal-sozialistischen Ministerium Bourgeois und dem französischen Senat ist entschieden; das Kabinet Bourgeois hat seine Entlassung erbeten und erhalten, eS ist dem Senate gewichen, weil eS keine Möglichkeit sah, auf gesetz­mäßigem Wege den Widerstand deS Senats zu brechen, der so wett gegangen; toar, daß er selbst von ihm als nothwendig erkannte Ausgaben, Madagaskar-Kredit, nicht bewilligen wollte, so lange das Ministerium Bourgeois am Ruder war. DaS würde der Senat gewiß nicht gethan haben, wenn nicht nach der Mei­nung seiner Mehrheit Gefahr int Verzüge gewesen wäre, wenn nicht der Sturz der Ministerium» Bour­geois alsbald erfolgte. Das wird sofort begreiflich, wenn man bedenkt, daß die Wahlen zu den provin­ziellen G.eneralräthen, die durch ihre Proteste gegen die „sozialistische" Politik Bourgeois' den Senat unterstützten, vor der Thüre standen. Bei dem ent­scheidenden Einflüsse, den in Frankreich die Regierung durch die Präfekten auf die Generalrath-wahlen mehr als auf die Kammerwahlen ausübt, wäre eS der Regierung sicherlich gelungen — zumal bei der Volks- thümlichkeit ihres EinkommensteuelplaneS —, einen großen Sieg der Radikalen und Sozialisten bei den Generalrath-wahlen herbeizuführen. Herr Bourgeois hätte sich dann darauf berufen, daß dieses Ergebniß beweise, daß die Mehrheit deS Volke- radikal und sozialistisch gesinnt sei, und daß daher die Zusammen­setzung der Kammer, wo die Radikalen und Sozialisten nicht die Mehrheit haben, nicht mehr dem „Willen der Nation" entspreche. Mit dieser Begründung hätte dann Herr Bourgeois die Auflösung der Kammer verlangt, um bei den Neuwahlen ebenfalls sich eine radikal-sozialistische Mehrheit in der Kammer zu sichern. Allerdings kann die Kammer nicht ohne die Zustim­mung des Senat» aufgelöst werden, aber Herr Bour­geois mochte hoffen, daß der Senat unter dem Einflüsse des Ausfalls der Generalrath-wahlen nicht wagen werde, feine Zustimmung zu verweigern. Ob er sich darin nicht verrechnet hätte, ist uns nach der jetzt vom Senate bewiesenen Hartnäckigkeit freilich recht zweifel­haft.

Die Lage ist nun nach jeder Richtung hin unge­mein verworren und schwierig. Die nächste Frage ist: au» welchen Parteien soll das neue Ministerium ent­nommen werden ? Da der Fall des radikalen Kabinet- einen Sieg der „gemäßigten" Republikaner, die neuer» dings von den Radikalen al» ..Konservative" bezeich­net werden, bedeutet, so müßte das neue Kabinet eigentlich au- den „Konservativen" yeroorgehm. Doch haben diese in der Deputirtenkammer weniger ent« Kn dem radikalen Ministerium Widerstand ge-

ja, ein Tyeil von ihnen hat mehrmals mit den Radikalen gegen dm Senat gestimmt, so auch am Donnerstag wieder, wo mit Hilfe dieser schwankmden