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23. Jahrgang

Freitag, dm 24. April 1896.

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machen."

* Die Vorlage, durch welche das Grundkapital der Cevlralgenossmschaftskasse von 5 auf 20 M-ll. Mark erhöht werden soll, wird nach einer osfiziösen Mittheilung dem A b g e o r d n e n h a u s e in den nächsten Tagen zugehen.

* Frankenthal, 22. April. Herr Stadtvikar E ssel- born aud Pirmasens hielt dieser Tage hier eilte» Vortrag über deutscher Zeitungswesen. Unter Hervorhebung der Bedeutung der Zeitungen für die Bolkserziehung forderte er zur Unterstützung der Prksse auf: es soll durch Mitarbeit den vielgeplagten Redat« tionen hilfreich unter die Arme gegriffen und die ge- finnungstüchti ge Presse wirkungsvoll unterstützt werden, was besser sei, als nörgeln und — nichts thun. Die .Zweibrücker Ztg.' läßt dieser Notiz folgende Be­merkung, welcher wir uns rückhaltlos anschließen, Nach­folgen: „Sehr richtig! Vernünftige Männer, welche die aufterbende TageSarbeit der Presse zu schätze« wissen, urtheilea über die oft aus der Eile der Her- stellung der Zeitungen leicht erklärlichen Mängel der­selben nicht selbst flüchtig ab, sondern versuchen, da» „Rrttiftrte" durch fleißige Mitarbeit besserzumacheu. Allen, namentlich vielen Alt-Sescheiten, er dabei recht zu machen — da» Kunststück bringen sie fteilich auch nicht fertig!"

Bit Kraft» von Lommlchtndmg.

Erzählung aus dem 18. Jahrhundert von Antonie Haupt- Lj ------- (Nachdruck verboten.)

Bald darauf gab das Echo de» langen Gange» schallend die schnellkrästigen Schritte des herbeigerufenen Lehrmeister» wieder, und dann erschien Thangmar im Thorbogen. Mit einer hochstrebendtn, ernst-prächtigen Edeltanne verglichen ihn die Schüler und, wahrlich, nicht mit Unrecht. Gro^, schlank und breitschulterig stand der Recke im dunkttn Priesterkleide da. Hoch­blondes Haupthaar umwallte frei das gedankenbewegte finnige Antlitz. In diesen stahlgrauen Augen lag feste Willenskraft, ja blitzte auch noch etwas vom alten leidenschaftlichen Sachsentrotz.

„Thangmar, e» ist eine Verfügung über Euch er­gangen. Ihr sollet an Herrn Bolkmar's, des zukünftigen Bischofs von Utrecht, Stelle den Knaben Bernward ganz in Euere Obhut nehmen," also redete Othwin den Eintretenden an.

Thangmar'S Auge leuchtete bei solcher Eröffnung fteudig auf, seine Wangen rötheten sich.

Zur Ausführung de» Herzenswünsche» läßt der Mensch sich allzu gern sonder Zagen und Zaudern befehligen. „Ich danke Euch, wem hoher Herr, für da» Vertrauen," entgegnete er rasch und beugte demüthig sein Knie vor dem Oberhirten.

Der machte das Kreuzzeichen über ihn und sprach feierlich:

„Im Namen de» dreieinigen Gottes empfanget meinen Segen zu dem engelhaften Schützeramt." In leichterem Tone fügte er al-dann hinzu:

„Und nun berichtet uns und besonders Herrn Tammo, dem Bruder Eueres LieblingSschülerS, von bett Fortschritten de» Knaben."

Dazu ließ der Gelehrte sich nicht zweimal auf- fordern. Feurig, unaufhaltsam floß die Rede von seinen L ppen zum Lobe der jungen Schützlings.

„Wie man vom Propheten Daniel liest, ist Bern­ward seinen Altersgenossen an jeglicher Einsicht über­legen. Denn von himmlischem Lichte überstrahlt, er- forscht er schon jetzt in wunderbar scharfsinniger Be­ttachtung und unermüdlichem Fleiß daS Innere der göttlichen Lehre. TheilS beim gemeinschaftlichen Unter- richte mit allen übrigen, theilS mit denen, die er als die eifrigsten in heiligster Bettachtung erkannt und vertraulich bei Seite genommen, prüft er durch auf­geworfene Fragen alles, waS ihm Zweifel erregt, bis auf den Grund. Stets finde ich ihn mit buntem Farben­schmuck der Tugenden über seine Jahre bekleidtt. Fast keine, nicht einmal die ErholungSstunde, kann ihn der Unthätigkeit beschuldigen. Und obgleich sein Geist von lebhaftem Feuer für jede höhere Wissenschaft entzündet ist, verwendet er nichts destoweniger auch Fleiß auf

gew« wb *n«teee aeSaenowmai. — vierteljährlich« Abonvemeotäpreir ohne Briugeriohn und Bejirtqeid in Aawü mtb auswär« 1 Mark 50 Piemng. gnfträte koken die etnfoaltige Garmondzeile ob« deren Raum 15 Pf., Keflamen die Petitzeilc 25 Ps., bei 2Bieberf)olttngen entsprechend« Rabatt.

folgenden neuen § 1305 a beantragt: „ . .

Verpflichtungen in Bezug auf die Trauung »erben durch die Bestimmungen dieses Titels nicht berührt." Außerdem beantragten die Konservativen, den Artikel 45 V der EinführungS-GesetzeS zu streichen, wonach in § 82 des ClvilstandS - Gesetze» von 1875 die Worte „durch diese» Gesetz" ersetzt werden sollen durch dir Worte: „Durch die Vorschriften dieses Gesetzes und des Bürgerlichen Gesetzbuches." Ferner soll § 1317 gestrichen werden, wonach eine Ehe von dem Ehegatten angefochten werden kann, der zur Eingehung der Ehe durch arglistige Täuschung über solche Umstände be­stimmt worden ist, die ihn bei Kenntniß der Sachlage und bei verständiger Ueberlegung von der Eingehung der Ehe abgehrlten haben würden. Nach § 1307 ist eine Ehe nichtig, wenn bei der Eheschließung dir im § 1300 vorgeschriebene Form nicht beobachtet worden ist. Ist jedoch eine solche Ehe in das HeirathS - Re­gister eingetragen worden und haben die Ehegatten nach der Eheschließung 10 Jahre als Ehegatten mit einander gelebt, so ist die Ehe al» von Anfang an giltig anzusehen. Em weiterer Antrag der Konserva­tiven will hinter „gelebt" einschalten: „Oder wird die Ehe nach mindestens dreijähriger Dauer, ohne daß ein auf Nichtigkeits-Erklärung der Ehr gerichtetes Verfahren schwebt, durch den Tod gelöst." Die Berathung des Eherechte» beginnt nicht am Donnerstag, sondern am Freitag in der Kommission.

* Die Centrumsfraktiou des Reichstags hat den Abg. Dr. Schädler an Stelle des verstorbenen Abg. Reindl zu ihrem stellverttetenden Vorsitzenden gewählt.

* Die Duellrede des Abg. Bachem hat selbst der .Köln. Zig.' offenbar imponirt, und da» will etwas heißen. Da» nationalliberale Blatt schreibt nämlich u. A.: „Namen» de- Centrum» unternahm der Abg. Dr. Bachem die Begründung der Anftage- ES geschah dies in wohlgesetzten und wohlmemorirten Wendungen und mit anerkennenswetther oratorischer Geschicklichkeit. Seine Begründung berührte alle welentlichen Gesichtspunkte, die den Reichstag man« lassen könnten, den traurigen und unwürdigen Be­gebenheiten der letzten Wochen näherzutreten und auf möglichste Beseitigung ihrer Ursachen zu dringe», zum Theil mit sehr deutlichen Fingerzeigen, manchmal natürlich in der Färbung, die der Weltanschauung der Centtums entspricht. Abgesehen von dem, was er über die Universitätskreise bemerkte, traf daS Urtheil deS Redners in vielen Punkten durchaus zu, und jedenfalls hat er eine Reihe von nicht leicht zu be­handelnden Fragen mit Takt und doch deutlich genug hervorgehoben. Der Dank feiner Patteigenoffen dafür war überaus lebhaft. Segen diese längere Rede stach die vom Staatsminister v. Bötticher vorgetragene Be- antwottung sowohl durch ihren Umfang wie durch ihren Inhalt merklich ab, und ihre Abfaffung —

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Apttl.

* Der Kaiser traf heute früh auf der Villa Strehlen (bei Dresden) ein und begrüßte die auf dem Bahnhofe zum Empfang erschienene Königin von Sachsen; beide begaben sich dann nach der Billa Strehlen.

* Der König von Sachsen feiert heute seinen 68. Geburtstag in der Villa Strehlen. Im Laufe des Vormittags wurde vor dem Palais am Taschenberg der Wettin-Obelisk enthüllt. Auf dem Alaur platz in Dresden fand im Beisein des Kaisers und des Erz­herzogs Otto von Oesterreich eine Parade statt.

* Zu den Gerüchten über eine bevorstehende Artillertevorlage bemerkt die .Post' angeblich auf Grund zuverläufiger Informationen, daß alle derartigen Mlttheilungen in der Presst mit größter Vorsicht aufzunehmen seien. Allerdings sei eS nicht zweifelhaft, daß Deutschland folgen müßte, wenn Frankreich ober Rußland mit einer Neubewaffnung ihrer Feldartillerie vorangehen, die Nachricht von der französischen Artillette- forderung von 470 Mill. Fr. habe aber bisher noch keinerlei Bestätigung gesunden „und dürste eine solche auch schwerlich finden." Anscheinend handle eS sich bei der bett. Nachricht, die der „France" aus Berlin zugegangen sei, nur um ein Manöver, um gegen die Marineforderungen Stimmung zu machen. Das klingt doch sehr g-sucht.

* Verschiedene Blätter wollen wiffen, es sei beab­sichtigt, den Reichstag vom 15. Mai bis zum 15. Oktober zu vertagen. Außer der Gewerbeordnungs­novelle und dem Zuckersteuernothgesetze solle jetzt nichts erledigt werden; auch daS Börsengesetz und das Rar- gattnegesetz sollen liegen bleiben. Wie eS scheint, hat man es hier mit fteifinnigen Wünschen zu thun. ES wird vielmehr gerechnet, daß man bis zum 20. Mai sämmtliche Vorlagen — mit Ausnahme deS bürger­lichen Gesetzbuches natürlich — werde erledigen können. Alsdann tritt möglicherweise eine Vertagung bis zum Herbst ein, aber darüber steht noch gar nichts ft ft. Wird die Erledigung deS bürgerlichen Gesetz­buches zum Herbst hinauSgeschoben, so hat man natür­lich den Wunsch, bis Pfingsten da» Uebrige aufzu­arbeiten, um nicht noch nach dem Feste auf kurze Zeit zurückkommen zu müßen. Die Kommission wird vor­aussichtlich bi» Pfingsten mit dem bürgerlichen Gesetz­buche fertig werden. Ob dann vettagt werden soll, hängt von der Regiemng ab, und diese wird sich Der« muthlich danach entscheiden, ob sie nach Pfingften noch auf einen beschlußfähigen Reichstag rechnen darf ober nicht. Bleibt ba» bürgerliche Gesetzbuch auch unerledigt, so wird sich der Reichstag doch sagen dürfen, daß er ein ungewöhnlich reichhaltiger Arbeits­pensum bewälttgt hat.

ti, Zum Eherecht im Bürgerlichen Gesetzbuche haben die konservativen Mitglieder der ReichStagS-Kommisfion

für dm Fall der Ablehnung der biSherigm Anträge ? Herr v. Bötticher verlas natürlich, da er hier nur der Konservativen und deS CentrumS zum Sherecht I al» Stellvertreter be» persönlich um bie Beantwortung ~ ' 1; „Die kirchlichen j ersuchten Reichskanzler» zu amtiren hatte, bte Antwort

- im Wortlaut — mag nicht ohne Schwiettgkeiten ge- wesen sein. Die Linke be» Hauses und namentlich die Herren Sozialdemokraten fühlten sich durch einige fragwürdige Wendungen de» Attenstücks zur Heiterkeit geftimmt, in anderen Quartieren mochte man viel­leicht die Entschuldigung gelten lass-n, baß eS für bie Beantwortung hieß, gute Miene zum bösen Spiel zu

Ausland.

* Paris, 23. April. Wie versichert wirb, hat Prästbent Faure das Entlasfungsgefuch des Robinets genehmigt. Die Entlassung soll erst nach der Sitzung der Deputirtenkammer offiziell bekannt ge­geben werdm. Man glaubt, der Präsident werde ver­suchen, ein Bersöhnungs- und Konzentrationsministerium zu bilden. Ja den Wandelgängen der Kammer »erben als geeignet für bie Umgestaltung be» Kabinett genannt: Peyttal, Meline ober Bourgeois, letzterer für ben Fall, baß bie Deputirtenkammer ihm ein Vertrauensvotum ertheilen sollte.

* Petersburg, 23. Apttl. Bon unterrichteter Seite verlautet, bie Staatspolizei sei von dem rusfischm Geheimagenten Graf benachrichtigt »orben, daß die Nihilisten einen Streich vorbereiten. MehrereVer- haftungm sollen hier vorgenommen worben sein. (Ob­gleich biese Mittheilung angeblich aus guter Quelle stammt, scheint eS boch kaum glaublich, baß bie Revo- bte leichteren Künste, welche wir bie mechanischen nennen. Im Schreiben glänzt er besonberS hervor, unb bie Malerei übt er mit Geschick und Feinheit. Ich sage nicht zu viel, wenn ich Bemwarb ben Stolz und bie gterbe unserer weit berühmten Domschule nenne."

„Herr Thangmar, Euere Schilberung ruft fast baS Begehren in mir wach, meinen Sather heimlich zu be- lauschen, ehe benn ich ihn begrüße," also unterbrach Tammo leise den begeisterten Vortrag beS Lehrmeisters.

„Tuerrn Wunsche soll willfahtt werben, Herr Graf, unb alsogleich. Die Zöglinge der Domschule vergnüge» sich fteilich in dieser Stunde nach deS Tage- Mühen draußen im Hofe; aber gerade in solchen Freistunden prägt sich die Eigenart der Schüler deutlicher auS, als während de» Unterrichte». Kommt mit mir auf meine Zelle."

Dieser Aufforderung Thangmar'S folgte nicht allem der junge Graf von Sornrnerschenburg, sondern mit erregter und erhöhter Theilnahme auch der Bischof und die beiden Prälaten.

AuS vergtttetten Bogenfenstern schauten bie Herren attbamt in ben großen Burghof; bet war allerseits von hohen Gebäuden urnschlosien. Die Baulichkeiten mochten wohl verschiedenerlei Bestimmung haben; sie entstammten auch zum Theil noch dem vergangene» Jahrhundert. Einheitlich aber zog sich ein weiter, bedachter Säulengang den vier Seiten entlang, damit

FiildlltrWZeiliiiig

mit Anterftaltnns» KrUaae „Ktrrvr mW Klumen". ___