Neilsge Mv Wulösev Zeitung.
M 89 Samstag, den 18. April 1896. 23. Jahrgang
Der entdeckte Mörder.
In jener „guten allen Zeit", als über so manchem Ländchen der Deutschen Reiches noch mild und gerecht der Krummstab waltete, unter dem, wie da» Sprichwort sagt, „gut leben war", da umzogen die gefürchtete reichsunmittelbare Benediktinerabtei Fulda stattliche Herrensitze, auf den Höhen oder am Flußufer hingebaut. Auf ihnen wohnten die vornehmsten Glieder des Orden», die den Titel „Pröpste" führten, und welchen sechszehn Ahnen von Helm und Schild die Möglichkeit gewährten, selbst ein Mal dem Fürstenabt in der Regierung nachzufolgen.
Diese geistliche Herrschaft ist längst untergegangen; nur die alten schloßartigen Gebäude, die so viel gesehen, stehen noch, doch können sie unS nichts erzählen von vergangener Geschlechter Thun und Treiben. In der Kirche der ehemaligen Propstei Blankenau, drei Stunden westlich von Fulda, aber gibt unS ein Denkmal Kunde von einem verbrecherischen Drama, daS sich dort vor bald zweihundert Jahren abgespielt hat. Und diese durchaus wahre Begebenheit will ich den Lesern mittheilen.
DaS siebzehnte Jahrhundert neigte sich zu Ende. Es war ein Jahrhundert von Elend und Leid gewesen, und die Spuren jenes schrecklichen Krieges, der drei Jahrzehnte lang angeblich um der Religion willen geführt worden, waren noch nicht verwischt. Auch daS Hochstist Fulda blutete noch aus tausend Wunden, aber wie der Fürstabt Placidus von Droste seine eifrigste Sorge darauf richtete, diese in seinem Lande zu heilen, so lag dem Propst von Blankenau, Aemilian Freiherrn von Riedheim, nichts mehr am Herzen, als die Wohlfahrt des ihm untergebene» Kirchspieles.
Seine väterlich; Güte und Freigebigkeit war sprichwörtlich im ganzen Buchenlande; denn jedem Hilfs- bedürftigen stand die Thüre vff-n. Er ließ den verarmten Bauern die Aecker bestellen und unterstützte sie mit allen Lebensmitteln, und wenn der gestrenge Herr Amis Vogt Gülten und Fronden ohne Barmherzigkeit von ihnen e'mtreiben wollte, so machte der mildherzige Lehnsherr rasch selber einen Strich durch ihre Rechnungen.
Um aber der durch das lange Kriegsleben eingerissenen Verwilderung der Gemüther wirksam zu begegnen, suchte er vorab in der Heranwachsenden Jugend einen neuen Geist der Gottesfurcht und Sitte wachzurufen, und in dieser Absicht ließ er alle armen Knaben auf feine Kosten ein Handwerk erlernen, damit sie so zu strenger Zucht und Thätigkeit angehalten würden.
Neben dieser unermüdlichen Bethätigung christlicher Barmherzigkeit, die sowohl auf das moralische als materielle Wohl des Nächsten abzielte, widmete er sich mit Eifer noch einem anderen gottgefälligen Werke: der Ausschmückung seiner Propsteikirche, die durch die schlimmen Zeitläufte arg im Innern gelitten hatte. Nachdem er bereits zehn Jahre lang segensreich auf seiner Propstei gewirkt hatte, brauste am Weihnachts- feste des Jahres 1689 das Gloria der datlkerfüllten Gemeinde durch ein herrlich verschönertes Gotteshaus. Aemilian Riedheim hatte einen schönen neuen Hochaltar, sowie eine neue Kanzlel auffühcen lassen und kostbare Kirchengeräthe und Paramente angeschafft. Der Franziskanerpater Burkard Seitz aber war von Fulda gekommen und hielt eine sehr erbauliche, kernige Festpredigt, und der würdige Propst, der in seinem geschnitzten Herrenstuhle den eindringlichen Kraftworten lauschte, freute sich, daß der volk-beliebte Prediger auch über da- Neujahrs- und Dreikönigsfest bleiben würde, um für den erkrankten Kaplan in der Seelsorge auszuhelfen.
Am 18. Januar 1699, der ein Sonntag war, hatte Pater Burkard noch eine packende Predigt gehalten, am Nachmittag aber wollte er sich dann auf
machen, um in fein Kloster auf dem Frauenberg bei Fulda zurückzukehren. Noch ein Mal saß er nun nach dem Gottesdienste an der Seite seines Gönners in dem hohen, behaglich ausgestatteten Gemache, und auch die beiden propsteilichen Beamten, der Amtsvogt und der Förster, waren an die gastfreie Tafel geladen worden.
„Wenn ich Euch doch immer hier behalten könnte, Pater Burkard", sagte wohlwollend der Prälat, „denn keiner versteht es doch so gut, wie die Söhne des hl. Franziskus, dem Volke so recht tief ins Gewissen zu greifen und es zu christlichem Wandel zu führen."
„Wenn wir nur nicht gar fo verhärtete Sünder hier hätten," seufzte der Kaplan, der nun wieder gesund war.
„Ja, ja, hat keiner mehr seine Roth mit dem Gesindel als ich," brummte der alte Förster, indem er sich seinen langen, grauen Bart strich. „Das sündigt dreist auf die Nachsicht und Milde Eurer Gnaden und stiehlt dabei Wild und Bäume immerfort aus dem Wald."
„Nun, der Winter ist gar streng," wehrte der Propst ab. „Gestattet den armen Leuten immerhin, daß sie ihr bischen Brennholz aus meinen Wäldern hole». Und Hasen laufen uüs ja doch mehr als wir brauchen in die Küche, gönnt ihnen auch manchmal einen Festbraten." „Johann," wandte er sich dann an den alten Diener, der die Tafel abräumte, „bring heute die Ueberreste zum alten Kießler, er ist schwach und elend, und nimm auch eine Flasche Wein mit."
„Wenn die Familie Kießler nur auch der vielen Wohlthaten würdig wäre, die Ihr, gnädiger Herr Propst, an sie gewandt habt," mahnte bedächtig der AmtSvogt. „Gott weiß, was der Alte — den Euer Gnaden hier ansiedeln ließen, als er, ein heimath- loser Landstreicher, darum flehte — für eine Vergangenheit hinter sich; hat feine beiden Buben aber, die Ihr das Schmiedehandwerk erlernen ließet, sind wieder arbeitsfcheue Strolche und dem Trünke ergeben; kein Meister hat sie je behalten."
„Um so mehr müssen wir uns Mühe geben, sie zu bessern," versetzte der Prälat. „Gerade von solchen Verirrten darf man nicht die Hand zurückziehen und ich hoffe, daß sie doch noch nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft werden. Der Heinrich steckt ja jetzt unter der Leib-Kompagnie des fuldaischen Kreis- Kontingents; bei den Soldaten wird er schon Zucht und Ordnung lernen. Den Kaspar will ich aber sogar selbst in meine Dienste nehmen; ich habe ihm eine Stelle als Thürhüter und Hausknecht versprochen."
Die propsteilichen Beamten schüttelten leise die Köpfe, doch wußten sie, daß sie ihrem gnädigen Herrn gegenüber in dieser Beziehung keine Einwendungen machen durften; der Mönch und der Kaplan aber freuten sich im Stillen ob dieser vollkommenen Ausübung einer reinen christlichen Nächstenliebe.
„Merkwürdig, Euer Gnaden Vorfahren scheinen alle Kriegsleute gewesen zu sein," Hub Pater Burkard nach einer Weile plötzlich an, nachdem sein Blick über die langen Brlderreihen geglitten war. Sie zeigten Herrn von Riedheim's Ahnen, die stolzen Söhne eines alten schwäbischen Rittergeschlechtes, die alle in kriegerischen Gewändern mit kühnem Ausdruck von den Wänden herabblickten.
„Ja, das waren alle tapfere Haudegen, die wacker gegen die Schweden und Türken gekämpft haben," nickte der Prälat. „Und daß ich ihnen im Waffenhandwerk nicht gefolgt bin, hat feine eigene Bewandtniß. Meiner seligen Mutter hat es einmal sehr lebhaft geträumt, daß ich eines gewaltsamen Todes sterben werde, und um mich davor zu schützen, wurde ich deshalb zu einem friedlichen Berufe bestimmt und wurde Geistlicher, da bin ich nun vor Kugeln und Säbelstichen sicher. Nun, Träume sind Schäume, ich halte nichts davon," fuhr er mit einem Lächeln um
die feingeschnittenen Lippen fort, „aber ich danke dem Herrn, daß er mich so wunderbar zu diesem segenS- reichen Berufe geführt hat."
„Und nun kämpfen Euer Gnaden unter St. Benedikts Fahne gegen den Satan und die bösen Geister, das ist die schwerste Kriegsführung, und wir wollen deshalb einmal auf recht glorreiche Siege anstoßen," rief der muntere Franziskanerpater aus.
Hell klangen die Gläser an einander.
Nachdem die Gäste sich empfohlen hatten, betete der Propst still fein Brevier. Da trat der alte Bediente ein und fragte, ob er den KaSpar Kießler einlassen dürfe.
„Er soll noch eine Weile warten, bis ich fertig bin, dann führe ihn herein," nickte der Propst.
(Schluß folgt.)
Vermischtes.
* DuiSburg, 17. April. Durch die unrichtige Beantwortung der den Geschworenen wahrscheinlich nicht ganz klaren Fragen sind vom hiesigen Schwurgerichte drei Tagelöhner, welche falsches Geld in Umlauf gesetzt hatten und geständig waren — freigesprochen worden. Die Tagelöhner Johann Quax, August Seinemeyer und Herm. Kaiser hatten, wie sie angaben, ein Packet mit 23 falschen Fünfmarkscheinen „gefunden". Sie brachten dieselben nach und nach in den Verkehr in der Weise, daß sie in verschiedenen Wirthschaften Bier und Schnaps tranken, mit den falschen Scheinen bezahlten und den Ueberschuß unter sich vertheilten. Da die Behörden aufmerksam gemacht waren, weil in hiesiger Gegend viel falsches Papiergeld in Umlauf ist, so wurden die Angeklagten bald ermittelt und festgenommen Der Erste Staatsanwalt, Herr Dr. Goidan, bat die Schuldfrage unter Annahme mildernder Umstände zu bejahen und die Vertheidiger traten ebenfalls für mildernde Umstände ein. Den Geschworenen wurden 20 Fragen vorgelegt und diese Fülle mag sie etwas verwirrt haben, denn sie bejahten die Frage, daß die Angeklagten schuldig sind, falsches Papiergeld in Umlauf gesetzt zu haben, bejahten auch die Frage nach mildernden Umständen, verneinten aber die Frage, ob die Angeklagten schuldig seien, sich falsches Papiergeld verschafft zu haben, ro.it sie annahmen, daß die Angeklagten das Papiergeld gefunden hätten. Der Erste Staatsanwalt machte zwar auf die Widersprüche aufmerksam, die sich in dem Wahrspruch der Geschworenen befänden und wollte die Geschworenen nochmals zurückgeschickt haben; die Vertheidiger machten aber darauf aufmerksam, daß sämmtliche Fragen folgerichtig beantwortet seien und deßhalb der Wahrspruch nich umgestoßen werden könne. Der Gerichtshof, unter dem Vorsitze des Herrn Landgerichtsrath Schulte, schloß sich dieser Ansicht an und mußt- die Angeklagten sreifprechen. Die Angeklagten waren über den Ausgang der Sache ebenso verdutzt wie das Publikum. Der Fall lehrt wieder, daß man bei der Fragestellung und Rechtsbelehrung der Geschworenen manchmal nicht vorsichtig genug sein kann.
Q Neuwied, 17. April. Die Stadt Neuwied, welche kürzlich beschlossen hatte, elektrische Beleuchtung einzu- führen, hat dieser Tage der Firma C. Buchner in Wiesbaden den Zuschlag ertheilt. Zur engeren Konkurrenz waren noch zugezogen Siemens & Halske in Berlin, die Elektrizitäts- Aktien-Gesellschaft Schuchert & Co. in Nürnberg und die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft W. Lahmeyer in Frankfurt (Main). Die Anregung zum Bau einer elektrischen Centrale wurde von der Direktion des dortigen Gaswerkes gegeben, welche sich vor die A ternative gestellt sah, die Gasanstalt zu vergrößern oder in irgend einer Weise zu entlasten. Man entschied sich für das Letztere, unb hat so eine noch rationell-re Ausnutzung der Gasfabrik als früher erreicht, da die Akkumulatoren am Tage geladen werden und des Abends gemeinsam mit dem Motor das Licht erzeugen. Die elektrische Centrale, welche außer dem Bahnhofe und später event. einzurichtender Privat-Beleuchtungen 80 Bogenlampen zur Beleuchtung der Straßen speist, wird vermittels eines Deutzer Gasmotors in Verbindung mit einer Dynamo- Maschine der Deutschen Elektrizitätswerke in Aachen und mit den von den Kölner Akkumul.-Werken zu liefernden Akkumulatoren betrieben. Neuwied ist die erste Stadt in Deutschland, die ihre sämmtlichen Straßen ausschließlich mit dem der elektrischen Glühlicht-Beleuchtung in Bezug auf Lichteffekt bei Weitem überlegenen Bogenlicht bewirkt. Allerdings sind die breiten und graben Straßen von Neuwied besonders zur Beleuchtung mit Bogenlicht geeignet. Da der Kaiser im Juli gelegentlich der silbernen Hochzeit der Fürstin von Wied in Neuwied erwartet wird, so soll die Anlage in 3 Monaten betriebsfertig fein. Die wirklich beachtenswerthe Art des Ueberganges von Gasbeleuchtung zur elektrischen Beleuchtung dürfte mancher andern Stadt, welche im Begriffe steht, ihrer Gasanstalt durch den Bau eines meistens zu groß projektirten Elektrizitätswerkes Konkurrenz zu machen, zur Nachahmung empfohlen werden.
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II. Reihe. Ziehung am 9. Mai.
Mete Doita-Gi-Lottm.
Geldgewinne, darunter VÄVX Haupttreffer von
50,000 Mark, 80,000 Mark, 10,000 Mark H.S.W.
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Verwaltung der Domban-Gelfllotterie Metz.
In Fulda zu haben in A. Maier’s Buchhandlung und bei Gehr. Trepp.
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Suppenwürze ist zu haben bei:
Eugen Wolf, Fulda.
Bestens empfohlen werden Maggi's praktische Gießhähnchen zum sparsamen und bequemen Gebrauch der Suppen-Würze. [1089