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88 Freita«, den 17. April 1898. 2S. J-Hrumq

FuIdaerWZeitunft

mit Autrrhaltmigs-Keila-e „Strrur und Klumru".

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der ägyptischen Angelegenheit durch solchen jTheater- donner zu verdecken.

Da- mag ihm vielleicht auch bei der Mehrheit seiner radikalen Gesinnungsgenossen gelingen, nicht aber bei den „gemäßigten" Republikanern, die, obwohl sie nicht mehr im Besitze der Regierung sind, doch noch ihre geheimen Beziehungen zur russischen Regierung haben, und ebenso wenig im AuSlande. War insbesondere die Engländer angeht, so zeigen sie offen, daß Herr Bourgeois, wenn er etwa auf eine solche „Einigung" mit ihnen hoffen sollte, durch welche sie eine Ver­pflichtung übernähmen, sich in ihrem Vorgehen gegen die Mahdisten gewisse Beschränkungen aufzuerlegen, ganz und gar auf dem Holzwege ist. England weiß ja auch, daß eS von Rußland in Verfolgung dieser Sache nichts Ernstlicher zu befürchten hat, und Frank- reich allein flößt den Engländern keine Besorgnisse ein. Die russische Regierung zeigt sogar recht auf­fällig daS Bestreben, sich neutral in den afrikanischen Fragen zu zeigen, denn sie unterstützt öffentlich den Wunsch Italiens, die Rothe - Kreuz - Gesellschaft möge aus die geplante ärztliche Expedition nach Äbesiynien verzichten, und die russische Regierung hat außerdem dem NeguS Menelik nahe gelegt, keine Abänderung zu den Ki ö aungSseierlichkeiten nach Moskau zu entsenden. Rußland hält sich eben in Aftrka möglichst zurück, um desto kräftiger in Ostasien und Bulgarien seine Ziele verfolgen zu können.

AuS dem gleichen Grunde will Rußland nicht, daß Frankreich seine besonderen Interessen gegenüber Eng- land zu herausfordernd vertrete. Frankreich soll eben den Russen stets hübsch zu Diensten sein, diese aber zeigen nicht die geringste Luft, dafür auch der fran­zösischen Wünsche sich stärker anzunehmen, als den ruffischeu Interessen förderlich erscheint.

(Schluß.)

„Wie soll ich eS je wagen," fuhr Adelheid fort, ihr vor die Augen zu treten? Ich trage ja daS Kains­mal auf der Stirne. Wie soll ich dar Leben weiter ertragen mit dem Bewußtsein dieser Schuld in mir?" — Sie legte ihre Hand auf Bessie's Schulter und blickte dieser in daS Gesicht. „Du — Du bist glück- lid,; — was auch immer über Dich kommt, Dein Kreuz trägst Du unverschuldet, und Deine kindlich reine Seele wird nie murren über diese Last; — aber mit einem Kreuz beladm sein, daS durch eigene Schuld zu einem schweren wurde — sich sogen müssen, daß man einen Seelenmord zu verantworten hat ... ." schaudernd brach sie ab.

„Richt Dich trifft diese Verantwortung," tröstete Besfie. „Und müffen wir denn glauben, daß Theobald durch eigene Hand geendet? Bleibt uni nicht die Hoff­nung, daß ein Unfall stattgefunden?"

„Miß L ghtfort hat Recht," fiel Weffelhöft ein. „Er fehlen ja die Beweise, daß Herr von Kattenstätt dmch eigene Hand geendet. Dal Urtheil der Todten- schau lautet: „ein Schuß, der zur Unzeit losgegangen."

Uw Gold und Ehre.

Lon L. von Neidegg.

------- (Nachdruck verboten.)

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Frankreich und Rußland.

"AuS P^rrbürgwirdberlÄe^daß die^ruffische Regierung wenig Neigung habe, mit einem radi­kalen französischen Ministerium, speziell mit Bour­geois, über wichtige politische Abmachungen zu ver­handeln, und bestrebt sei, den ftüheren französischen Minister deS Auswärtigen Hanotaux wieder ans Ruder zu bringen. Der ftanzösische Botschafter in Peters­burg Graf Montebello, der in den Ostertagen nach Paris abaereist ist, soll der Ueberbringer der ruffischen Wünsche sein. „ M .

Eine osfiziöse Mittheilung der sranzösischen Regie­rung bestätigt wider Willen jene Nachrichten auS Petersburg, denn sie wendet sich gegen die Meldung einiger Blätter, wonach die französische und russische Regierung geneigt seien, die Initiative zur Einbe­rufung eines europäischen Kongresse- über die ägyptische Frage zu ergreifen; diese Meldung sei durchaus unrichtig, die Verhandlungen seien augen­blicklich unterbrochen, und der Ministerpräsident und Minister deS Aeußern (Bourgeois) prüfe ausschließlich die Akten der zwischen Frankreich und England schwebenden Streitsachen, über welche eine Einigung nicht unmöglich scheine, trotz der Anstrengungen der Dreibundes, einen unheilbaren Bruch der beiden Mächte (Frankreichs und Englands) herbeizuführen.

Wie man sieht, nimmt Herr Bourgeois den Mund felr voll, kann aber dadurch doch nicht verhindern, daß er felbst indirekt bestätigen muß. daß Frankreich in seinem Streite mit England jetzt allein steht, und daß Verhandlungen zwischen Frankreich und Ruß­land, durch welche Rußland in gleichem Maße wie Frankreich und in gleichem Sinne der ägyptischen An­gelegenheit sich annähme, nicht stattfinden. Ist das aber für Herrn Bourgeois ein Grund, fo prahlerisch aufzutreten? Ganz gewiß nicht, denn eS ist für Frank- reich nicht nur sehr nachtheilig, sondern auch recht beschämend, daß Rußland eS in der ägyptischen An- gelkgenheit im Stiche gelassen hat. Nicht weniger be­schämend ist eS für Herrn Bourgeois, daß er durch fein „schneidiger" Auftreten gegen England eS zunächst dahin gebracht hat, daß die vorsichtigere russische Diplo­matie sich geweigert hat, seine Politik mitzumachen, und jetzt gerade deshalb sich gezwungen sieht, gegen England mildere Saiten aufzuziehen und mit boffnungS- vollem Sehnen von der Möglichkeit einer „Einigung" zu sprechen. Die Schlußphrase von den Anstrengungen de- Dreibundes „einen unheilbaren Bruch der beiden Mächte herbeizuführen", entbehrt natürlich jeder that- fächlichen Unterlage, da dar Ziel des Dreibundes: die Erhaltung des Friedens, nicht die Schürung, fon- dern die Beseitigung jedes ernsteren Streites zwischen den europäischen Großmächten erfordert. Jene Phrase hat auch nur den Zweck, einerseits den Engländern anzudeuten, daß Bourgeois wieder bessere Beziehungen zu ihnen herzustellen wünscht, und andererseits dem französischen Chauvinismus zu liebe seinen Rückzug in

Deutsches Reich.

Berlin, 16 April.

* Der Kaiser wird auch in diesem Jahre am Ge- burtStage des Königs von Sachsen, am 23. ds. MtS., in Dresden anwesend sein, zu diesem Zwecke an dem genannten Tage früh sich von der Wartburg, bezw. auS dem Revier Wasungen, wo er dann zur Auer- hahnbalz weilen wird, nach Strehlen begeben und von dort am 23. April Abends nach der Wartburg zurück- kehren.

* Der ,ReichSanzeiger' bezeichnet die ZeitungS- Meldung nicht für zutreffend, wonach der Kaiser die Genehmigung zu der beabsichtigten Trau er fei er für den Ceremonienmeister von Schrader in der Potsdamer Hof- und Garnifonk.rche verfagt habe. Die Genehmigung verfugte nicht der Kaifer, sondern der Kommandant von Potsdam selbstständig nach Lage der bestehenden Be- stimmungen.

* DaS Duell Kotze-Schrader Iw fett den Sozial­demokraten frisches Wasser auf die Mühle; dir sozial­demokratischen Blätter können ihre Freude über den Daran wollen wir festhalten, — wollen vor allen Dingen Sorge tragen, daß die alte Freiftan die lieber- zeugnng gewinne, ihr unglücklicher Sohn sei eine- natürlichen Todes gestorbm. «ine schöne Aufgabe bleibt Ihnen, gnädiges Fräulein: der ärmsten Mutter Trost und Stütze zu sein bi- an da-Ende. Sollte sie in anderer Beziehung meiner Dienste bedürfen, so stehen meine schwachen Kräfte ihr jederzeit zur Verfügung — doch dal weiß sie ja."

Er grüßte und verließ still daS Gemach.

Weinend fiel Adelheid in Besfie'S Arme; der letzte Rest ihres stolzen Selbstbewußtseins war geschwunden; demüthig beugte sie sich vor der so lange verachteten Nebenbuhlerin. „Hilf mir! rathe mir!" bat sie.

„Bitte Gott um Hilfe!" versetzte Besfie. „Auf ver- schiedene Weise zieht er jeden von unS an sich. Der Weg, welchen er Dir weist, ist hart, sehr hart So lange Dir aber noch ein Schimmer von Hoffnunc bleibt, durch geduldiger Ausharren auf demselben wirst Du gewiß den Muth nicht finken lasien, vorwärts zu schreiten."

19. Kapitel.

Wenig ist eS, war zu erzählen übrig bleibt. Wochen rechten sich au Wochen, Monate an Monate, und nach und nach kehrte der Friede der GemütheS im Land­hause in Remode wieder ein — die Freude nicht, die

Skandal kaum verhehlen. So schreibt der.Vorwärts: „Ave, Imperator, morituri te salutant. Der Gladia­torengruß der Herrn HofpcedigerS vom 18. Januar chwirrt unr noch im Ohr, und siehe da, er ist tödl­icher Ernst geworden mit den Kampfspielen, welche zwischen höfischen Herren aurgefochten werden. Kehren >ie Tage der Herren von Hinckeldey und von Rochow wieder? Nachdem der weiland Ceremonienmeister Herr v. Kotze in einem ersten Duell nicht vom Zufall be- günstigt worden war, hat er vorgestern dem Freiherrn v. Schrader, der die Autorschaft der anonymen Un- läthigkeiten auf ihn gewälzt haben soll, höchst untere- rnoniell eine Pistolenkugel in den edlen Leib gejagt. Haben wir je eine offenkundige und freche Verhöhnung der Gesetze in den Kreisen der Kämpen für Religion, Sitte und Ordnung erlebt, so rieseS Duell, daS tagelang vorher in der hauptstädüschen Presse wie ein CtrkuSspektakel angekündigt wird, zu dem sich Herr v. Kotze bei dem verschwägerten H.'rrn v. TreSckow in Friedrichsfelde einen Tag lang förm­lich einschießt und in dem der Kommandeur einer Kavallerie-Brigade zu sekundirenflch herbeiläßt. Ja, auch ein Königs. Preuß. Landrath, der Bruder deS Ceremonienmeister», ist von Aschersleben hierher geeilt, um, wie ein Lokalblatt im Stile der Kolportage-Romantik zu melden weiß, demselben „in der schweren Stunde zur Seite zu fein." Offenbar nicht der richtige Platz für einen König!. Preuß. Landrath! Wie eifrig pflegen doch die Herren Landräthe fonst vielmehr dem Gesetze zur Seite zu fein, wenn die geringste Uebertretung einer gleichgiltigm Polizei - Verordnung dmch gewöhnliche Menschenkinder droht, oder wenn sie die entfernteste Gefahr einer möglichen Vereins- und Versammlungs- rechts-Berletzung wittern — ei, ei, welche verzwickte In­konsequenz gegenüber satiSfakttonSfähigen Raufbolden!"

* Man befürchtet in colonialen Kreisen, daß ein neuer Krieg in Deulsch-Südwest-Afrika entst-heu könnte. Ein solcher Krieg würde noch viel mehr Anstrengungen und Opfer kosten, al» der gegen Hendrik Witboi. AlS der Hottentoten-Häuptling auf der Höhe seiner Macht sttmd, hatte er 400 Mann zu seiner Verfügung. Dagegen können die Herero unS eine ganz andere Macht entgegenstellen. Nach bett verschiedenen Schätzungen, namentlich der landeskundigm Missionare, kann man annehmen, daß sie 80000 Köpfe stark sind; sie könnten alfo wohl bi« zu 10000 Krieger aufstellen. Unsere entgegenstehende Macht ist nur ge­ring. Dieselbe, Schutztruppe und HllfSmanuschaften, kann man auf 800 Mann schätzen, eine Zahl, die wohl in einem solchen Kampfe kaum auSreichen dürfte. Allerdings kann man noch auf eine Verstärkung rechnen, wenn da» jetzt fertig gefteöte Gesetz über die Ableistung der Wehrpflicht in den Schutzgebieten vom Reichstage angenommen ist. Mit Hilfe diefeS Sefetze» kann man weitere, dort ansässige Weiße zum Kriegsdienst heran­ziehen. Ob damit aber etwas Wirksames zu leisten, ist eine andere Fage.

blieb für immer daraus verbannt. Weffelhöft hatte mit der Uneigennützigkeit eines wahren Freundes die ver- wickelten Berhältniffe geordnet; eS blieb der Freiftan - ermöglicht, ben ihr lieb geworbenen Ort auch ferner zu bewohnen. In beinahe klösterlicher Abgefchiebenheit lebte sie dort weiter, von Adelheid gepflegt, von chr mit Liebe überhäuft. — Ob sie wohl eine Ahnung hatte, wie, auf welche Weife ihr Sohn geendet? Ser vermöchte da» zu sagen? Sie äußerte darüber kein Wort. Sie hatte sich mit Bildern Theobald'S umgeben, aus feiner Kinder- und feiner unfchuldSvollen Jugend­zeit, und ost, wenn chr Blick darauf haftete, füllten sich die alten Augen mit Thränen und sie faltete fromm die Hände. Sie betete um Gnade und Er­barmen für die Seele der unvorbereitet dahin gerafften Sohnes.

Auch für BraunSberg hatte Weffelhöft mit starker Hand forgen muffen. Der alte Mann, kindisch und vergeßlich geworden, war keiner ernsten Arbeit mehr fähig An Stelle seiner früheren Abneigung gegen Weffelhöft war demüthige Unterwürfigkeit getreten; er hieß aller gut, wa» jener that, und folgte blind seinen Anordnungen. Die stolze Billa, der Kattenstätter Besitz, war sogleich veräußert worben, Onkel unb Richte hatten ein bescheibeneS Haus mit Garten bezogen. Dort be­schäftigte sich der alte Mann mit seinen Blumen, seinen