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23. Jahraanfl

Samstag, den 4. April 1896.

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dem in Aussicht genommenen Stande entsprechend find. Darin wird nun viel gesündigt, namentlich vermögende Eltern können sich nicht mit dem Gedankm vertrant machen, ihren Knaben nicht studiren zu lassen trotz seiner ost nur bescheidenen Anlagen. In Gedanken sehen ste ihn schon in Aemtern und Würden, welche zu ersteigen der Grad seiner Veranlagung von vorn herein unmöglich erscheinen läßt. Wem aber zum Fluge in eine höhere Lausbahn nicht die Schwingen gewachsen sind, der begnüge sich mit dem naheliegenden Erreichbaren.

Ungleich schlimmer ist er in den Familien, wo der „Liebling" trotz oft bescheidener Mittel der Eltern nun einmal auch war „Gelehrtes" werden soll. Unter schweren Opfern, vielleicht bei gänzlicher Austeibung der Eltern und ungerechtester Benachtheiligung der Ge­schwister bewältigt der Sohn und Bruder seine Studien­zeit. Hat er aber dann bei dem heutigen Andrange und dem Befetztsein aller gelehrten Stände sein Ziel schon erreicht? Wohl nicht, ti beginnt dann erst die Wartezeit, welche bekanntermaßen fast ebenso große Opfer erfordert. Und wenn nun selbst dar Ziel er- reicht ist, wie stebt er weiterhin mit der Wiederherstel­lung der Kosten? Gewiß gibt es Beispiele, wo der erkenntliche Sobn ersetzt, war in seinen Kräften steht; doch gibt es Fälle, wo der zum gemachten Manne avancirte „Herr Sohn" davon nichts mehr wissen will, im Gegentheil sein Herkommen vergißt und sich der Eltem und Geschwister sogar schämt. Dieser Punkt ist somit bei der StandeSwahl wohl in'r Auge zu fassen.

ES erübrigt noch, kurz darauf hinzuweisen, daß auch die Frage zu überlegen ist, ob der dem Knaben zusagende Stand, den er bei Fleiß und Ausdauer er- reichen kann, ihn auch hinlänglich ernährenwird, d. h. ihm in Ehren eine Existenz garanttrt? Dies kann der Knabe unmöglich beurtheilen; den Eltern erwächst die Pflicht, dies zu prüfen. Ihre Erfahrung und der anzustellende Vergleich mit Perfonen ihres Bekannten- kreifeS dürfte da wohl einem Fehlgreifen leicht vor- beugen.

Kommt nun die Zett deS UebergangeS aus der Schule in die praktlfche Vorbereitung auf den Beruf, so lasse man den Knaben nicht erst noch wochen­lang arbeitslos umherbummeln, sondern bei Zeiten für etwa» Passendes gesorgt und dann nicht gesäumt mit dem Antritt, sonst gibt eS Müßiggänger und Tagediebe, wie e» die Erfahrung zu fehr bestätigt.

Eine schöne Sitte besteht in manchen katholischen Familien in dem täglichen Gebete der Eltern für ihre Kinder, ihren Beruf nicht zu ver- fehlen. Immerhin macht die Berufswahl deS Kinde- gewissenhaften Eltern viel Kopfzerbrechen und Sorgen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, die BerusSwahl nicht leichtsinnig und obenhin zu treffen; wer eingehen­den Rath wünscht über die verschiedenen Stände im Einzelnen, dem sei da» treffliche Büchlein von Heinrich K ei ter (Selbstverlag Regensburg) empfohlen.

Was soll der Junge werden?

(Ein Wort zur Wahl deS Berufes.)

Wohl keine Zeit ist für die Jugend, namentlich die männliche, von so einschneidender Bedeutsamkeit wie die Osterzeit, in der für einen großen Bruchtheil der Bevölkeruna die Schulentlassung der Kinder stattzufinden pflegt. Eine Lernperiode hört für die meisten auf, und daS Leben tritt mit der Forderung hl ran, in seinen vielfachen Gestaltungen und Formen sich einen Platz zu suchen, einen Beruf zu wählm und darauf sich vorzubereiten. In gar manchen Fa­milien bildet dann die nothwendig sich aufdrängende Frage: WaS foll der Junge werden? ein rechtes Kind der Sorge. Und dies mit Recht, denn von der guten Wahl des Berufes hängt daS irdische und ewige Wohlergehen des Menschen ab. Die Be­rufswahl muß da« Ergebniß einer besonnenen Be­achtung und Prüfung der körperlichen und geistigen Befähigung, der Neigung des Knaben, wie auch der Beantwortung der Frage der Zweckmäßigkeit der Stander fein. Vernünftige und gewisfenhafte Eltern werden sich demnach di« Fragen vorzulegen haben: Hat der Knabe Neigung zu dem Berufe? Kann er denselben nach dem Maße seiner Fähigkeiten er- reichen? und: Kann er in demselben in Ehren sein Brod verdienen?

Mit Rücksicht auf dm ersten Puntt und Ange- fichts so vieler „verfehltm Existenzen", die ihr Miß­geschick nur dem Zwange zum Berufe die Schuld bei- meffen, ist eS anzurathen, dem Kmde in der Wahl desselben ein gewisses Maß von Freiheit zu gewähren.

Dadurch bleibt der Knabe emeSthnls von der zu sehr zur Mode gewordenen Krankheit deS „UmsattelnS" und der daraus entfp.ingendkn Arbeitsscheu und Un- zuftiedenheit verschont, andererseits bewahrt er sich auch vor Stümp-rhastigkeit und Mittelmäßigkeit in eintm Berufe, welche da die Folge sein muß, wo von vomeherein durch Abneigung und Widerwille kein Ernst deS Strebens auflommen kann. Wmn so das AuSüben von Zwang in der Berufswahl von fchlimmen Folgen begleitet ist, fo erscheint er umgekehrt ebenso vom Nebel, die Neigung der KindrS allein bestim­mend bei der Standeswahl wirken zu laffm. Aller­dings macht sich die Neigung zu dem oder jenem Stande recht frühe bei dem Knaben bemerkbar. Bei genauerer Beobachtung dieser Vorliebe der Jugmd für einen bestimmten Staad wird sich nicht selten Her­ausstellen, daß ste auf nicht» weniger als edlen Moüven herauSgewachfen ist. Mancher folgt der lieben Eit-tteit oder Arbeitsscheu, andere gar den Verab­redungen einsichtsloser Schulkameraden, bei den meisten aber zeigt sich eine völlige Unkenntniß der Pflichten und Beschwerden des Berufes. Man kann e» ja dem Kinde nicht verargen, wenn ti fo an Aeußrr.ichkeiten und scheinbaren Annehmlich- ketten kleben bleibt, ihm fehlt die Einsicht und Er- sahrung; daher erwächst den Eltern die Pflicht, nicht Knall und Fall dem Knaben den Willen zu thun, fondern ihm mit ihrer befferen Erkenntniß und reichere» Lebenserfahrung helfend zur Seite zu stebe».

E» ist dem Kinde klar zu machm, daß der Werth eines Standes n-chl indem äußerlichen gefellfchaftlichen Vorzüge, sondern vor All m in der treuen, gewiffen- hastcn Erfüllung der Wichten de» jeweiligen Berufes bestehl und diese allem das Glück begründet. Reben dieser Belehrung kann eS nicht» schaden, den Knaben augenscheinlich van den Arb-tten der verschiedenen Be- rufSk-affen, besonders der zu wählenden, an Ort und Stelle, sei eS Werkstatt, Fabrik uad bergt, zu über- zeugen, um so alle selbstsüchtigen Wünsche und einge­wurzelten Borurtheile durch d-e Anschauung zu ver- drängen.

Ein anderes s hwerwiegendeS Moment bei der Be­rufswahl biÜ)et die Erörterung der Frage: lieber- steig: der in Aussicht genommene Stand nicht die Fähigkeit de» Kinde» und die materiellen Strafte der Eltern? Gewiß ist, daß die Erreich­bar kett in erster Lmie void-r körperlichen und geistigen Befähigung deS Kinde» bedingt wird. Demgemäß mnffm die Ellern erwägen, ob die Anlagen desselben

Uw Gold und Ehre.

Bon L. von Nkidegg.

2i] ------- (Nachdruck »erboten.)

Als er eben in daS gute Gesichtchen fah, welcher unter Thränen zu lächeln fich bemühte, da gewann eine andere Stimmung die Oberhand. „Beffie! Kind! Richt weinen!" sagte er, wie er wohl in ihrer Kind- heit zu ihr gesprochen haben mochte. Er stand auf, ging auf sie zu und fuhr liebkofend über ihre Wange. „Richt weinen, mein Herzblatt! Bist ja mein Ein und Aller, und Dich glücklich zu fehen, ist mein ganzer Bestreben. Ich bin oft übler Laune, nun, daS bringt das Aller mit sich; hab' Geduld, Kind, und ertrag'-. Ecttage auch Rußwurm, er ist vielleicht besser als sein Rus!" fügte er mit erzwungenem Lachen hinzu.

Von da an hatte Besfie nie mehr eine Einwendung versucht gegen jden unerbetenen Besuch. Gern hätte sie in dieser Angelegenheit sich aber Rath geholt. Bei wem hätte dies indeß geschehen sollen? Wesselhöst wäre wohl ganz derMann gewesen, ihr in dieserSache beizustehen; brennende Röthe stieg ihr aber in daS Ge­sicht, als sie an ihn dachte und an die Begegnung im EisenbchN'Koupee. Nein — das ging nicht, daß sie gerade den Mann zu Rache zöge, gegen den ihr Onkel eine tiefgewurzelte Abneigung empfand; ging auch um deswillen nicht,' weil sie jetzt beinahe gar nicht mehr mit ihm zusammentraf. Theobald befragen? Ihn, der

Rußwurm empfohlen hatte, der felbst ein schwankende- Rohr war? — Auch daS hätte kaum zum Ziele ge­führt. Sie mußte Sorge und Angst in sich verschließen, Alles Gott anheimstellen uvb bie Dinge gehen lassen, wie sie eben wollten.

ES vergingen Wochen unb immer aus'- Neue er­schien Rußwurm bei Mr. Browning. Sein bemüthig zuvorkommenbeS Wesen hatte er ganz abgelegt, mit bet Mime einer Besehlrhaberr trat er auf. Besfie konnte feinen Anblick kaum mehr ertragen; der Blick dieser jeirntückischen Augen that ihr förmlich weh. So wie er gemeldet wurde, ging sie — ei war Frühjahr ge­worden über alledem — in den Garten hinaus, um ihm nicht zu begegnen. Dar hatte sie denn einstmals wieder so gehalten, und erst, als sie den Eindringling längst entfernt wähnte, kehrte sie in's Haus zurück.

DreStusen hinanschrettend^welche aus demsärten in dar Eßzimmer führten, glaubte sie erregte Stimmen zu vernehmen, die au8 der Onkels Schreibzimmer drangen. Sie trat in die Halle hinaus, in welche alle die Zimm-r- thüren mündeten — da stand unter der feinen der Onkel mit Herrn Rußwurm.

Der alte Mann war ganz außer sich; zitternd vor Erregung erhob er die Hand gegen jenen.

„Gehen Sie!" rief er. „Gehen Sie! Und wenn Sie mich auch so wett gebracht haben, daß ich kaum noch weiß, waS ich tijue — war ich habe — was ich bin — ganz in Ihre Gewalt bin ich doch noch nicht gegeben! Fort mit Ihnen!"

„Was Sie sind, weiß aber ich, Herr Browning," entgegnete der Andere mit höhnischem Lachen, „unb baium fordere ich Sie nochmalr ans, mir jene Summe auszubezahlen, deren ich für Bornhofen bedarf."

„Rein und tausendmal nein! Kattenstätt hat nur reinen Wein eingeschenkt über Sie! «ott allein weiß, welche Summen ich schon eingebüßt habe durch Ihre Schuld und . . ."

„Sie wollen also wirklich nicht? Und hatten r mir doch zugesichert? Nun soll man Sie eben auch kennen lernen, Sie Zuchthaus-Kandidat. . ."

„Schweig, elender Hund!" schrie der alte Mann, stürzte auf den hageren Bankier los, ergriff ihn am Rockkragen und schleuderte ihn der An-gangSthür zu. Mit der Kraft, welche seine maßlose Wuth ihm ver- lieh, riß er diese auf und stieß den Ueberrumpelten hinaus, daß er ein paar Stufen hinunterflog. „So, so, so!" keuchte er. „Mag geschehen waS will, Dich, Du Schlange, bi» ich nun los."

„Mich hat noch Niemand ungestraft beleidigt," sagte Rußwurm, der aufgestanden war, feine bestaubte» Kleider etwa» geordnet hatte und nun wieder unter der Thür erschien. „Ich gehe, Mr. Browning, aber ich werde wiederkommen unb bann werben Sie vor mir im Staube liegen." — Er entbeckte Bessie, welche bleich unb zitternb in ber Halle staub. „Ach, dar gnäbige Fräulein! Gratulire zu biesem säubern Herr» Onkel! Auf Wieberfehen!"

Er war verschwunbe». Browmng starrte ihm nach, bann knickte er plötzlich in sich zusammen. Bessie sprang auf ihn zu, stützte seine schwankenb geworbenen Schritte unb führte ihn in bas Eßzimmer, wo er sich auf einen Stuhl sinken ließ unb wie geistesabwesend vor sich hin sah. Auf einmal fuhr er empor und seine Finger umfaßten krampfhaft Bessie'S Arm.

„WaS hast Du gehört?" stieß er hervor.

Richt», als daß ein Nichtswürdiger eS wagte, Dich zu beschimpfen und daß Du ihn dafür züchttgest."

„Ja! Diese meine Faust hat ihn niedergeschmet- tert!" rief der alle Mann, und in wildem Triumphe erhob er seinen Arm. Doch schon in der nächsten Minute war daS Siegerbewußtsein verschwunden, die stolz erhobene Hand sank kraftlos nieder; ernt fahl« Bläff« überzog fein Gesicht.

„O, waS habe ich gethan! WaS habe ich gethan!" murmelte er ttostloS vor sich hin. .

Bessie eilte an einen Spind nud holte em GlaS Wein herbei." ...

„Onkel, Dir ist nicht wohl," sagte sie mitleidig, indem sie ihm dasselbe an die Lippen hielt. „Trinke ein paar Tropfen, erhole Dich."

Er that, wie sie geheißen; der kräftige Wem that ihm wohl und der liebevolle Zuspruch der Richte be­ruhigt« feinGemüth Erfuhr sich mit berHand über Stirn und Augen, als wolle er lästige Visionen ver- scheuchen. (Fotts. folgt.)

tMAnnt titelte» unb Stint»* Mtfoetwaan«. - Biettelfährlich« Abonne mentspreis ohne «riltgertohn und BechcllgeL in «ab auSwsk« IRark 50 Pfennig grfcbeint X^tTriSS yEondzeile obetb«« 15 Pf., R-Namen bie Petitzeile 25 Pf., bet Wiederholungen entsprechend« Rabatt.

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mit Anterhalinngs-Keitagr „Sterne und Klumen"._________________