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Samstag, den 4. April 1896.
23. Jahrgang
FiiIdlikrMZkitllNl;
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& Ostern 1896.
TS gibt kaum ein anderer Fest, das fo tief und fteudig dar menfchliche Gemüth bewegt, als das hochheilige Fest der Auferstehung unfereS Herrn Jefu Christi. Auf die Fastenzeit, in der wir leidvoll und reuig dar Andenken an dar bittere Leiden der göttlichen Erlösers erneuern, auf die der stillen Trauer geweihte Charwoche, auf die fo tief schmerz- vollen Tage der Erinnerung an den Oelberg, an Golgatha und an das Felsengrab, in welchem der Gottmenschen zerfleischter Leichnam ruhte, — auf diese ganze kummer- und reuevolle Zeit folgt unvermittelt dar Fest der höchsten Freude, des glorreichsten Sieger, da- Fest der Auferstehung auS Todesmacht und Grabes- nacht! Dieser Uebergang vom tiefsten Schmerze zur höchsten Seligkeit verleiht dem hehren Osterfeste seine besondere Stimmung und Farbe, jene strahlende, lichte Farbe der Siegesfreude, jene jauchzende, bewegte Stimmung, die ihren Ausdruck findet in dem die Welt durchbrausenden SiegeSrufe: „Alleluja, Christus ist erstanden!"
An dieser reinen Herzensfreude kann unS nichts irre machen, weder dar Leid und die Sorgen, die unfer eigener Geschick oder das LooS unserer Angehörigen, unseres Nächsten uns bereiten, noch auch die schwere Sorge, in die daS Schicksal der christlichen Welt unS in diesen Zeiten versetzt. Ja, wir dürfen sagen: je trüber die Zeichen der Zeit sind, je größere Gefahren der heiligen Kirche drohen, je härtere Schläge sie durch den Haß ihrer Feinde und den Verrath ihrer Glieder treffen, je mehr der böse Geist in dem Kampfe mit Christus heute im Bortheil zu fein scheint: um so inniger und tiefer bewegt feiern wir das erhabene SiegeSfest unsere- Heilandes und stärken in dieser Feier unseren Muth, unsere Straft, unsere Hoffnung.
Durch Kampf zum Sieg, durch Nacht zum Licht! Das galt für den Erdenweg des Gottmenschen und daS bleibt giftig auch für den Erdenweg seiner Braut, der hl. Stirche. Der Triumph des Judenthums rind der Loge in Ungarn mit Hilfe deS „apostolischen" Königs, die Verfolgung der Orden in Frankreich, daS hartnäckige Festhalten der regierenden Gewalten in Deutschland an den Resten der unseligen „Kulturkampfes", der wüthende Haß eines abtrünnigen Jesuiten, der Verrath eines katholischen Fürsten an seinem Glauben und an der Seele seines Kinder, die Verfolgurgen in Rußland, die Greuel in Armenien und so mancher Andere, dar in der letzten Zeit unS schmerzlich bewegt hat: aller dies sind nichts als Stationen auf dem Leidenswege, den in der Nachfolge Christi seine Braut, die Kirche, zurückzulegen hat. Aber noch war ihr kein Golgatha beschieden, und ein Golgatha wird ihr — wenigstens im strengsten Sinne der Wortes — auch niemals beschieden sein. Mögen auch Zeiten kommen, in welchen sich die Kirche wieder in Katakomben begraben muß: sterben wird sie nie, ihr ist ein ewiger Leben verheißen, denn der Tod, die Hölle ist von Jesur Christus endgiftig und für immer besiegt worden; er ist gestorben, auf daß wir leben, und er hat seine Kirche auf einen Felsen gegründet, an welkem sich die höllische Brandung machtlos bricht.
Auf diese Thatsachen und Verheißungen fest ver- trauerd, können wir trotz aller Widerwärtigkeiten und aller trüben Ectcheinungen unserer Zeit mit unerschütterlicher Hoffnung und mit ungetrübter Sieges- freude daS heilige Osterfest feiern. Aber dieser bietet ja auch schon in sich selbst die höchste Gewähr dafür, daß wir keinen Grund haben, zu verzagen, Die wunderbare Thatsache der Auferstehung deS am Kreuze gestorbenen Heilands, eine Thatsache, die weder damals durch die Vertuschungsversuche, durch die Ränke und die Gewaltthätigkeit der Pharisäer uns der jüdischen Obrigkeit, noch H ute durch alle Deu- tungSvrrsuche und kritische Künsteleien der modernen Schriftgelehiten, der glaubenslosen protestanttschen Theologie- und Philosophieprofrfforen, hat hinwegge- deutelt und auS der Welt geschafft werden können — diese unerschütterte, so sicher wie keine andere der
Weltgeschichte bezeugte Thatsache hat bewiesen, daß JesuS Christus dir Wahrheit gesprochen, als er sich \ als Gott von Gott, als den wahren und einzigen
Messias bezeichnete, in welchem und durch welchen allein aller Heil gegeben ist, und als er seinen Nachfolgern auf Erden, den Aposteln, alle Gewalt im Reiche deS Geiste- überlieferte mit der Verheißung, daß diese Macht, daß das Reich seiner heiligen Kirche nie ein Ende nehmen würde.
Das hohe Sregesfest des auferstandenen Erlösers x bedeutet daher für die Kirche zugleich die feste Gewähr, : daß auch ihr in ihrem Kampfe der Siegeslorbeer | winkt, daß auch sie aus der Nackt ihrer Bedrängniß * zum Lichte und zur Glorie des Triumphes über alle ihre Feinde auferstehen wird. Wir unsererseits müssen - dazu, jeder das ©einige nach seiner Kraft und i Fähigkeit und nach den besonderen Aufgaben bei- ? tragen, die ihm sein Stand und sein Beruf auferlegen. | Benn wir es so auch an uns nicht fehlen lasten, bann l werden auch wir dereinst am großen Ostertage aufer- । stehen zur ewigen Seligkeit und mit allen Engeln und * Auserwählten einstimmen in den Jubelruf:
Alleluja, Alleluja!
Deutsches Reich.
Berlin, 3. April.
* In Dmtsch-Ostafrika wurde im Bezirke Ruanza im November v. I. nach dem jetzt im »Deutschen Kolonialblatt' veröffentlichten Berichte die Msisions- Station Neuwied auf Ukereme vom Lukompevolk über- fallen uad in zweitägigem Kampfe vollständig zerstört; 51 Missions-Angehörige wurden getödtet, l aller Besitz der Mission, darunter Stoffe und andere I werthvolle Tauschartikel, auch allerlei hier lagernder | Besitz des Gouverneurs von Uganda, darunter hundert s Lasten Stoffe, wurden geraubt. Die einzigen drei Ge- i wehre der Müsion sind gerettet. Ein Europäer war zur Zeit nicht auf der Mission. Ende November brach Lieutenant v. Kalben gegen die Räuber auf. Der Negerstamm wurde durch einen fünftägigen Kriegs- zug vollständig unterworfen, durch den er 40 Krieger, etwa 1000 Ziegen und 50 Rinder verlor. Die Vieh- beute wurde der Mission als Schadenersatz gegeben.
* Die in Aussicht stehende laudwirthschastliche Kreditvorlage »st im Ministerium für Landwirth- schaft, Domänen und Forsten einer eingehenden Be- rathung und Prüfung unterzogen und zufolge der Meldung eines parlamentarischen Berichterstatters bis zur Einbringung ay den L a n d t a g reif gemacht worden. Es wird versichert, daß der Gesetzentwurf vom Ministerium genehmigt worden ist und sofort nach Ortern dem Landtage züaehen wird. In der Vorlage befindet sich auch eine hohe Forderung für die Errich- tung von Kornhäusern (Silos.)
* Mit dem 1. April ist der Theil deS in der letzt- verflossenen Tagung angenommenen ErgänzungS- Gesetze» zum Kommunalabgaben-Gesetz in Straft getreten, der auf Vermeidung der Doppelbesteuerung abzielt. Die Gemeinden werden also in dem zweiten Jahre der Handhabung deS Kommunalabgaben - Gesetzes bei der Heranziehung der Steuer- pflichtigen zur Einkommensteuer in ihren Wohnsitz Gemeinden denjenigen Theil deS Gesammt - Einkommen- äußer Berechnung lassen müssen, welcher außerhalb des Gemeinde-Bezirkes auS Grundvermögen, Handels- oder gewerblichen Anlagen, einschließlich der Bergwerke, auS l Handels- und Gewerbebetrieb, einschließlich des Berg- ’ baueS, sowie aus der Betheiligung an dem Unternehmen ! einer Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung gewonnen s wird. Das Gesammt-Einkommen der Steuerpflichtigen ■ muß zu diesem Behufs eingeschätzt und der so ermittelte » Steuerbetrag dem Berhältniß des außer Berechnung zu | lassenden Einkommens zu dem Gesummt - Entkommen } entsprechend herabgesetzt werden. Bei der Einschätzung I von Personen mit mehrfachem Wohnsitze innerhalb ober \ innerhalb und außerhalb des preuß'scheu Staatsgebietes - verbleibt der Theil des Gisammt-EinkommenS ouJ den 5 schon genannten Quellen der BelegenhettS- oder Be- 5 triebs-Gemeinde. Eine gewisse Ausnahme ist nur für j den Fall vorgesehen, daß dieser Theil mehr als drei ’ Biertheile des Gesammt-EinkommenS deS Steuerpflich- ? tigen beträgt.
* Der Deutsche HandelStag hat seinepreußi- schen Mitglieder ersucht, Erfahrungen über die Wirk
samkeit der neuen preußischen Gerichtskostengesetzes vom 25. Juni 1895 zu sammeln und ihm zu übermitteln. Bekanntlich sind lebhafte Klagen darüber laut geworden, daß die durch diese- Gesetz herbeigeführte Erhöhung vieler Gerichtskosten, namentlich die Erhöhung der Gebühren für gerichtliche ober notarielle Beurkundung und Bestätigung von Rechtsgeschäften und der Gebühren für Eintragungen in daS Handelsregister und für Auszüge aus diefem, den Handelsstand übermäßig belasten.
* Vom „Schntzverbnnd gegen agrarische Ueber- griffe", auch „Bund der Kommerzisuräthe" genannt, trat daS Central-Komitee in der Börse — natürlich in der Börse! — zusammen und nahm die enbgiltige Konstituirung des Verbandes vor. In daS Komitee sind auS verschiedenen Theilen Deutschlands „hervorragende Vertreter von Handel und Industrie, aber auch aus anderen Berufsständen" (auch Landwitthe?) berufen worden. In der Diskussion, die sich an dm Bericht der auswärtigen Mitglieder über ihre bisherige Thätigkeit knüpfte, wurde „festgestellt", daß die Entwickelung deS Verbandes in erfreulicher Weise, besonder- in den Kreisen der Industrie und deS Handel-, fortschreitet. Mitgliederzahl und Finanzen gestatten, „daß der Verband unmittelbar zu praktischer Thätigkeit übergehen kann." Bisher ist uns noch nicht recht klar geworden, wie er den „agrarischen Übergriffen" zu Leibe gehen will. Der Verband will keiner Pattei angehören, was zu vielen Eifersüchteleien zwischen den beiden freisinnigen Richtungen und den Nationalliberalen Anlaß gegeben hat. Die fteistnnige BolkS- partei behandelt ihn verächtlich, weil er sich nicht für sie erklären wollte. Die beiden andern stellen sich freundlicher zu ihm und loben, daß er sich über die Parteien stellen will; vermuthlich denkt jede, er werde schließlich doch bei ihr Unterkunft suchen, ober ihr wenigstens bei den Wahlen gute Dienste leisten. Wärm die Nationalliberalen nicht wirthschastlich so zerfahren, fo müßte der Verband sich eigentlich unter ihren Schutz stellen, denn aller Mischmasch fällt ja ben Nationalliberalen zu, nur hilft eS ihnen wenig.
Ausland.
* Wim, 2. April. Bon der hiesigen städtischen Feuerwehr wurden vorgestern acht Mann wegen Insubordination entlassen. Infolge dessen verweigerte gestern ein großer Theil der Mannsckaften den Dienst, und heute streikt fast die ganze Feuerwehr, sodaß Militär zum Ersatz kommandirt werden mußte.
* Port an Prince, 2. April. Die Republik Haiti hat ihren ehemaligen SkriegsMinister, den General Sam, zum Präsidenten gewählt. Der neue Präsident ist ebenso, wie e- der verstorbme Hyppolite war, ein Schwarzer und entstammt enter angesehenen Familie der Insel. Er ist stets Milftär gewrsen und hat verschiedene Portefeuille- in ben äRinifterien inne gehabt.
Aus Kirche und Schule.
Fulda, 4. April. Wie wir hören, ist als Begleiter Sr. B.schüft Gnaden auf der Reise nach Rom Herr Skuratus Dr. Joseph Flügel zu Marborn bei Salmünster auSersehen. Derselbe wird sich dem Hochw. Herrn Bischof von Frankfurt a.M. auS zur Verfügung stellen. Die Reise wird über Basel (Schweiz), Mailand und Genua gehen. Herr Dr. Flügel hat von Herbst 1885 bis 1892 in Rom int deutschen Kolleg Philosophie und Theologie studitt.
♦ Am Osterdienstag finden folgende Bersammlungm katholischer Lehrer statt: Der katholische Lebrerverein im Regierungsbezirk Wiesbaden hält seine 6. Hauptversammlung in Limburg ab. Vorträge: a) Die Willensfreiheit; b) Ist die Behauptung begründet, die fortschreitende Bildung des Volkes trage bei zu den sozialen liebeln unserer Zeit? — Der katholische Lehrer- verband des Rheinlandes tagt heuer in Trier. Vorträge: a) Die Hauptaufgabe der Gesundheitspflege in den Schulen und chre Bedeutung für das BolkSwohl; b) Das Studium der Apologie deS Ehrtstenchum». — Die Versammlung des Provinzialverbandes katholischer Lehrer Westfalen- findet in Lippstadt statt. Vorträge: a) Die wahre Erziehung, ihre Hauptmittel und >hre Wirkung; b) Die erziehliche Handarbeit für Knaben.