M 77 Donnerstag, den 2. April 1896. 23. Jahrgang
FuldatrWZkiUiiiß
mit MnterhaLtirngs-Keitage „Sterne und Klnmen".
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Des heil. Charfreitags wegen erscheint die nächste Nummer am Samstag.
f Charsreitag.
Der Charsreitag — ein Tag der tiefsten Trauer, wenn wir an die Leiden und den qualvollen Tod unserer Herrn und Heilander denken; der Charfteitag — ein Tag der höchsten Freude, wenn wir an die Früchte dieser bitteren Todes der Erlöser- unr erinnern. Aber welche- gute Kind vermag sich zu freuen, wenn sein Vater stirbt, selbst wenn ihm dadurch der größte Reichthum zum Srbtheil wird? Ebensowenig vermag die christliche Welt, vermag die Kirche den Todestag ihres Begründers als einen ftohen Festtag zu feiern; der Char- fteitag ist darum der stille Freitag geworden, wie er ja auch mitunter genannt wird. Wie haben um so pürieren Anlaß, den Charf reitag in stiller Zurückgezogenheit, in der Einkehr in uns selbst zu begehen, als ja die Sünden der Welt, unsere Sünden eS waren, die den Sohn der lebendigen Gottes ans Kreuz schlugen und seine unendliche Liebe veranlaßten, uns durch sein Selben und seinen Tod von den Folgen der Sünde und von der Sünde selbst zu erlösen.
Wie haben wir dem Allerbarmer diese überströmende Liebe gedankt? War haben wir gethan, um uns selbst aus dem Borne seiner Gnaden den Trank des ewigen Lebens zu schöpfen? Wie haben wir mitgewirkt — und das muffen wir, weil uns ein freier Wille gegeben ist —,* um nun auch allezeit von der Sünde wirklich erlöst zu bleiben?!
Wer kann Mit freier Stirn diese schwerwiegenden Fragen so beantworten, wie er möchte und wie es für ihn rühmlich wäre? Wer kann heute vor den Gekreuzigten hintreten und aus ruf en: „Du hast mich erlöst durch Deinen Tod, aber ich war dessen auch würdig, denn ich blieb standhaft gegen die Sünde und unterlag ihr kein einziges Mal!"?
Wer kann so von sich sprechen? Niemand!
Und nun schauen wir um uns, Überblicken wir die fast 19 Jahrhunderte feit Christi Tod, überschauen wir alle Völker, und betrachten wir dann insbesondere unser e Zeit und unser Volk: müssen wir dann nicht abermals die niederschlagende Wahrnehmung machen, daß in unserer Zeit gewiß nicht weniger, sondern eher mehr, als in früheren Zeiten, die Sünde trinmphirt und daß in nuferem Volke die Erlösungsgnade fast erstorben zu sein scheint? Ist die Welt, soweit sie durch da- Christenlhum ihre Gesittung empfangen hat, überhaupt noch christlich zu nennen? Oder ist sie nicht nahezu ganz einem modernen Heidentham verfallen, das die Menschheit von Stufe zu Stufe tiefer sinken läßt und schließlich in die Barbarei entweder des ZuchthauS- staateS der Sozialdemokratie oder des Krieges Aller gegen Alle des AnachiSmuS hinabzuwerfen droht?
Gar mancher ernste und weitblickende Mann, der inmitten der Kämpfe unserer Zeit steht, blickt trübe und sorgenvoll in die Zukunft. Freilich, wir Katholiken stemmen unS allüberall mit aller Kraft gegen die
Um Gow und Ehre.
Bon L. von Neidegg.
20] ------- (Nachdruck verboten.)
In einer Fensternisch i hat! eRußwurmAdelheid erspäht, mit haßerfüllten Zügen, wie die seinen, vielleicht auf Rache sinnend tote er. Einer Eingebung folgend, war er auf sie zugeeilt und hatte gesehen, wie ihre Augen wie gebannt am Brautpaar hingen, zu dem in diese» Augenblick Browning getreten war.
„Gnädiges Fräulein scheinen für die Leute dort keine besondere Vorliebe zu empsinden?" fragte er, und seine Augen deuteten auf Bestie und den alten Mann.
„Für die, für die Abenteurerin?" brachte Adelheid höhnisch zwischen den zusammengepreßten Lippen hervor.
Run, sein Haß war mehr auf Katteustätt gerichtet. Vielleicht konnte man aber diesen treffen, wenn man jenen schadete. Jedenfalls galt es, keine Bundes- genoffin zurückzuweisen.
„Ja! Jene sind wob! nicht, was sie scheinen möchten," sagte er aufS Geradewohl, auf ihre Ideen eingehend. „Wer aber könnte Bestimmte- über sie sagen?"
„Seldon and Brothers New-York, fifth Avenue 20!“ stieß sie hastig heraus.
verderbliche Flut des Unglaubens, aber wir sind nur eine Minderheit, und auch an unseren Dämmen nagt die Flut. Leider nimmt auch bei unS unter der Heranwachsenden Generation der Hang zu Vergnügen und sinnlichem Genuß und die religiöse Gleichgiltigkeit immer mehr zu. Freilich, umso kräftiger regen alle diejenigen die Hände, welche da- Unheil klar erkannt haben und entschlosien sind, e» zu bekämpfen, wo sie eS finden; aber was ist menschliche Kraft, waS vermögen Hunderttausende gegen Millionen, wenn Gott der Allmächtige nicht eingreift!
Die Menschheit war nicht im Stande, sich selbst zu erlösen; sie wird auch nicht im Stande sein, aus eigener KrasWch aus der neuen Sündfluth unserer Zeit zu retten. „ES muß ein Wunder geschehen, wenn eS wieder besser werden soll", hört man zuweilen sagen. Doch GotteS Wege sind mannigfaltig; seiner Weisheit können wir getrost beit Weg überlasten, ans bem er die Menschheit zu sich zurückführen wird. Mag er sie nun erst in dem Schlamme ihrer Sünden und Leidenschaften fast ganz versinken, mag er sie durch Ströme Blutes waten lassen, oder mag er langsam und gleichsam unmerkbar die Herzen der Menschen zum Besseren lenken: Die Nähe deS hohen Osterfeste- ist un- ein Zeichen, die Auferstehung des Gekreuzigten selbst eine Gewähr dafür, daß der christlichen Ktrche, daß der Menschheit auf den bangen Charsreitag dies er Zeit der glückliche Ostermorgen einer bessern Zeit ernst folgen wird.
Streiten wir unS und unsere Zeit auf jene große Auferstehung vor, bann wird auch uns selbst der Gekreuzigte, wenn er als Richter am Weltenende erscheint, gnädig sein und un8 auferstehen lassen zum ewigen Leben!
Deutsches Reich.
Berlin, 1 April.
* Der Kaiser empfing gestern, wie aus Neap el gemeldet wird, die Generäle Sterpone und Rugin, die Admirale Corsi und Palumbo, den Präfekten Muni cchi und den stellvertretenden Sindaco Grafen Luodolf. Am Vormittag empfing der Kaiser den Kardinal- Erzbischof San Felice, nachdem er vorher einen Vortrag des Herrn v. Kiderlen entgegengenommen hatte. Die Abfahrt von Neapel erfolgte gestern Nachmittag 3 Uhr. Die kaiserliche Dacht wird sich bei Tage möglichst in der Nähe der Küste halten und dann direkt nach Palermo weiterfahren. — Offiziös verlautet, daß die Zusammenkunft de- König-paare» mit dem Kaiserpaar am 12. April in Venedig stattfinden wird. Der Gemeinderatb von Venedig hat die italienische Regierung um die Erlaubniß gebeten, zu Ehren des deutschen Kaiserpaares eines der klassischen Rachtfeste dieser Stadt geben zu dürfen. Da- Ministerium de- Innern hat den Bescheid ertheilt, daß alle amtlichen Feste unterbleiben sollen, weil die Zusammenkunft der Kaisers mit König Humbert nur einen privaten Charakter trage, daß eS aber der Stadt
„So! so! Seldon and Brothers New-York, fifth Avenua 20? Wissen Sie da- bestimmt?
Seine Worte gaben ihr die Besinnung wieder. Es war ja doch zu spät, um Theobald zu retten, und mit diesem Manne sich in ein Komplott einjulaffen, war zu demüihigend.
„Nein, ich weiß nichts!MBergessen Sie, war ich Ihnen gesagt habe!"
„ES ist schon vergessen, gnädiges Fräulein!" entgegnete er mit einer tiefen Verbeugung.
Sie entfernte sich, ihn mit hochmüthiger Kopfneigung grüßend.
Sinnend blieb er eine Weile stehen, die gehörten Worte sich wiederholend, um sie seinem Gedächtnisse einzuprägen, bann warf er nochmals einen gehässigen Blick auf Katteustätt und verließ unbemertt, unvermißt den Saal.
12. Kapitel.
E- heißt, der Brautstand sei die seligste Zeit in einer Weibes Leben. Bei Bestie sollte sich die Wahrheit dieser Behauptung nicht beftätigen. Für sie war er eine Zeit innerer Herzenskämpfe, bitterer Zweifel. Einzig die Ueberzeugung, daß Gott dies Alles schließlich zu ihrem Besten lenken werde, gab ihr die Kraft, in diesen bangen Monaten den Muth nicht finken zu
Venedig vollständig überlasten bleibe, au8 eigener Initiative den verbündeten Herrschern ein derartige- Fest anzubieten. Der Magistrat der Lagunenstadt wird diesen Rath befolgen und hat inzwischen schon mit den Vorbereitungen begonnen. Z W
* Die Berliner Gewerbe - Ausstellung wird am 1. Mai Vormittags 11 Uhr durch den Kaiser und die Kaiserin eröffnet werden. Das Programm der Eröffnungsfeier wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben.
* Der Bund der Landwirlhe scheint das Be- dürfniß zu fühlen, frischen Wind für seine schlaff gewordenen Segel zu schaffen und für die vielen nach und nach abtrünnig werdenden Mitglieder Ersatz zu gewinnen. Man versucht eS deshalb neuerdings mit einem weiteren Einbruch in katholische Gegenden. Da die Wühlereien de» Henn Baron- Los am Rhein den „Band" überflüssig machen, geht man nach Schlesien. Tine Versammlung angeblich katholischer Landwirthe unter dem Vorsitze eines Herrn v. Schalscha, eines Bruders des verstorbenen Abgeordneten gleichen Namens, hat dem Centrum mit der Gründung einer katholischen Abtherlung de- „Bundes der Landwirthe" gedroht, falls es nicht sich auf die Forderungen derselben verpflichtet. Die Herren mufften wissen, daß sie nicht dar Recht haben, dem Centrum Vorschriften zu machen; sie mußten wissen, daß daS Centtum durch sein Gewissen, durch die Verfassung und durch sein Programm die Interessen deS ganzes Volke-, aller Stände zu vertreten und demgemäß einen verständigen Ausgleich derselben nach Maßgabe der christlichm Grundsätze zu erstreben hat, aber einseitige Bestrebungen, welche diesen christlichen Grundsätzen zuwiderlaufen und die Landwirthe in einen schroffen Gegensatz zu den anderen Ständen bringen würben, zurückweisen muß; sie mußten demnach misten, daß das Centrum stet- bestrebt ist und War, die berechtigten Ziele de-Bauernstandes zu fördern, ohne Nöthigung und unberührt durch Drohungen oder Versprechungen. Wenn die Herren also trotzdem mit ihren Erpressungsversuchen hervortraten, so mußten sie von vornherein die Absicht haben, dem Centrum eine neue, mit dem protestantischen „Bunde d. L." verschwisterte Parteiorganisation entgegenzustellen, und ihre Forderungen waren lediglich ein Vorwand, um diese Sonderbestrebungen, diese Bemühungen, die katholische Einigkeit zu durchbrechen und uns Katholiken dann auf Gnade und Ungnade der protestantischen Mehrheit auszuliefern, zu bemänteln. Wir vertrauen zu dem gesunden Sinne und zu dem katholischen Bewußtsein unsere- Bauernstandes, daß er solche Agitationen zurückweist, die unsere gesammten politischen Errungenschaften, wenn sie gelängen, vernichten müßten.
* lieber die Verwendung sozialdemokratischer Parteigelder wird der .Post' geschrieben: „Ende vor. Jahre-, als der Vertreter für den dritten Berliner ReichStagSwahlkreiS, der Cigarrenhändler Ewald Vogt- Herr, vor dem Konkurs stand, hatte der sozialdemokratische Parteivorstand darüber zu verhandeln, wie
lassen und dem Onkel stets ein heiteres Gesicht zu zeigen. War sie aber allein und unbewacht auf ihrem Zimmer, so lag sie ost im heißen Gebet auf den Knieen, und flehte um Erleuchtung, sich in diesen Herzen-- wirren zurecht zu finden.
Bald nach der Rückkehr aus den Manöver» war Theodor nach Munderstätten, der benachbarten Stadt, in der ein Theil des Regiments stattonirt war, versetzt worden. Böse Zungen wollten wissen, er habe sich dorthin verfetzen lasten, um der ihm drückend gewordenen Zärtlichkeit deS künftigen Onkels zu entgehen, und ungehindert seinen immer üppiger fich entfaltenden noblen Paffionen nachhängen zu können. Regelmäßig trafen feine Briefe an Bestie ein; eS fehlte ihnen nicht an süßen Redensarten, aber der überzeugende Ton der ersten Zeit war daraus entschwunden. Kam er auf Besuch, so wußte er eS so einzurichten, daß er ben größten Theil seiner Zeit bei seiner Mutter zubrachte; eine Einrichtung, welche ihm bie ungeteilte Bewunderung Mr. Brownings eintrug; der arglose alte Mann pries ihn dafür als den aufopferndsten, rückfichvollsten Sohn der Welt; Bestie aber ließ fich dadurch nicht täufchen.
Einen langen Brautstand hatte sie gewünscht, damit sie einander näher treten sollten, und sie fühlte,