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M 75 Dienstag, den 31. März 1896. 23. Jahrgang

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mit AnterhaLtirngs-Keilagr „Sterne und Klnmen".

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< Bulgarischer Katzenjammer.

In einem vielbemerkten Artikel einest katholischen italienischen Blattest war dem Jubas aus dem bul­garischen Throne, alst er sich in die Arme Rußland» warf, vorher gesagt worden, daß Rußland ihn, nach­dem est ihn entehrt, zertreten werde. Die Thatsachen schienen dieser Voraustsetzung zunächst Unrecht geben zu wollen, beim Rußland that scheinbar Alle-, um dem Prinzen Ferdinand den Berrath an der Seele seines Kindest reichlich zu lohnen. Der Zar übernahm die Pathenschast über den kleinen Boris, er schickte einen General alst seinen Vertreter zu der „Umlaufe", er erneuerte die diplomatischen Beziehungen zu Bul­garien. er erkannte den Koburger gemeinschaftlich mit dem Sultan alst rechtmäßigen Fürsten von Bulgarien an und verschaffte ihm dadurch auch die Anerkennung feiten» der anderen Mächte — kurz, e» schien, als wäre Ferdinand auf dem besten Wege, mit Hilfe bt8 Zaren alsbalb auch sein serneres Ziel, bie Unab­hängigkeit Bulgariens, zu erreichen.

Doch äußerte sich bamal» schon bie russische Presse in einer Weise, welche bie Bulgaren hätte stutzig machen müssen. Es könne Rußland nicht einfallen — so hieß eL in den PeterSburoer und Moskauer Blättern — die großbulgarischen Bestrebungen zu unterstützm oder sich gar einen südslavischen Konkurrenten in einem neuen Königthnm Großbulgarien groß zu ziehen; Rußland brauche Ruhe aus der Balkanhalbinsel, um seine größeren Pläne in Asien erfolgreich betreiben zu können, und die Bulgaren müßten sich also ganz ruhig verhalten und ihr- Absichten auf Macedonien auf­geben. Auch der Sultan zeigte, trotz allen Entgegen- kommen» gegen die Person de» Fürsten Ferdinand, daß er diesen nach wie vor al» seinen Vasallen be­trachtet und nicht daran denkt, um Ferdinand» willen den Bulgaren irgend welche Zugeständnisse über die formale Frage seiner Anerkennung hinau» zu machen. Da» Einzige, was Ferdinand noch erreichte, war der Titel „Königliche Hoheit;" dagegen hielt der Sultan daran fest, daß sein Großwessir, also sein erster Minister, im Range noch über dem Fürsten vonBulgarien steht. Bisher ließ der Sultan es ferner ruhig zu, daß Ferdinand sich auch als Fürsten über Ostrumelien geberdete; jetzt aber hat er ibn förmlich zu feinem Seneralgouverneur in Ostrumelien, also zu einem türkischen Beamten gemacht. Und nun, in dieser Eigenschaft als türkischer Beamter in Ost­rumelien und al» türkischer Vasall über Bulgarien, mußte Ferdinand nach Konstantinopel reisen, um seinem Oberherrn, dem Sultan, zu huldigen. Weiter: während der Sultan, al» Stambulow noch Minister Ferdinands war, bett Bulgaren mehrere Bischofssitze in Macebonien einräumte unb dort die Begründung bulgarischer Schulen gestattete, verweigert er den Bulgaren jetzt weitere solche Zugeständnisse und über­läßt sogar ihren Konkurrenten, den Serben und Ru­mänen. in Macedonien Bisthümer und Schulen. Der

Um Gold und Ehre.

Bon L. von Neid egg.

18] ------- (Nachdruck verboten.)

So eitel und leichtsinnig er aber war, ein Dumm­kopf war er nicht. Wenn er, der bei Anderen gern den Eigennutz voraussetzte, der ihn selber erfüllte, auch bereit war, Wesielhöst selbstsüchtige Zwecke zu unterlegen, so war er doch klug genug, um aller Orten sich nach Rußwurm'S Vergangenheit, nach seiner ganzen Geschäftsführung umzuhören. Und da warm e» seltsame Dinge, welche er erfuhr.

Früher, al» Rußwurm der einzige war, der sich herbeiließ, ihm in seinen Geldnöthen beizustehen, hatte er e» geflissentlich vermieden, Erkundigungen einzu­ziehen über ihn. Wie der Vogel Strauß hatte er den Kopf in den Sand gesteckt und nichts hören wollen, wa» zu d-ssen Ungunften lautete. Daß Ruß­wurm von GewissmSskrupeln nicht geplagt sei, da» hatte er wohl erkennen müssen, hingegen hatte er nicht anders gemeint, al» daß er eine glückliche Hand habe, und daß seine Unternehmungen von Erfolg ge­krönt seien.

Sanz verschieden lautete dasjmige, waS er nun erfuhr; es hieß sogar, der Manu verlöre jetzt im blinden Feuereifer für sein Steckenpferd, die Boru-

Sultan zeigt damit, daß er ebenso wie der Zar ein Fortschreiten der großbulgarischen Bewegung in Mace­donien verhindern will; darum unterstützt er dort jetzt die anberen Nationalitäten. Im April wirb bann Ferbinanb auch nach St. Petersburg reisen, um auch bem Zaren einen ergebensten Diener zu machen; au» bleiern frühen Termin schließt man übrigen» viel­fach, baß ber Zar nicht wünscht, Ferbinanb bemnächst bei seiner Krönung in Moskau zugegen zu sehen Das wäre jebenfallS sehr bemüthigenb für Ferbinanb. Sollte er aber auch zur Krönung eingelaben werben, so würde er dabei doch auch nur eine sehr untergeordnete Rolle, ungefähr die eine» Vasallen, spielen.

Die jüdische Presse hat seiner Z-it dm Koburger förmlich gedrängt, die „Umtaufe" an feinem Sohne vollziehen zu lassen, sie hat dieselbe al» einen Akt der Nothwmdigkeit und der Staatsweisheit hingestellt. Von katholischer Seite wurde damals sofort betont, daß auch die jüdische Press- nur darauf ausgehe, der katholischen Kirche ein» zu verletzen und zugleich sich an Ferdinand für den Sturz des von ihr vergötterten Stambulow zu rächen, indem Fte ihn zu verleiten sucht, sich selbst zu entehren um ihn dann erst recht mit Hohn überschütten zu können. Auch diese Borhersagung irfüQt sich jetzt schon. Die .Nationalzeitung' in Berlin knüpft an bie Reise Ferbmanbs nach Konstan­tinopel u. A. folgende Bemerkungen: „Aeußerlich geschieht die Fahrt nach der türkischen Hauptstadt unter glänzenderen Umständen als die von 1893, welche er in Stambulow's Gesellschaft machte ... That- sächlich aber war der al« Fürst von Bulgarien nicht anerkannte Prinz Ferdinand vor etwa drei Jahren in günstigerer Lage; er ober vielmehr Stambulow war e» damals, welcher der Pforte Zugeständnisse in Macedonien abnöthigm konnte, da diese Bulgarien als Außmwerk gegen Rußland wohl zu schätzen wußte. Heute kommt Fürst Ferdinand, nm dem Sultan für Nordbulgarim als Vasall, für Oftmmelim als türkischer Beamter zu huldigen; ein Südbulgarien (Rumettm) oibt eS heute nicht mehr. Die Lage ist auf das Jahr 1886 zurückgeschraubt. In Bulgarien herrschte angesichts der Reise denn auch eine recht gedrückte Stimmung, und man be­ginnt zu ahnen, daß, was Prinz Ferdinand gewonnen, noch nicht ohne Weiteres dem gesammten Bulgarien zu Gute kommt."

Ganz in demselben Sinne wird ber (protestantischen) ,Kreuzztg.' aus Sofia geschrieben: „Die Flitterwochen beS „anerkannten Fürsten" finb verstrichen; aber auch ber Jubel über bie Anerkennung scheint sich bereits stark verflüchtigt zu haben. Fast scheint e». baß man an maßgebmber Stelle ben Eindruck der Aner­kennung auf die Bevölkerung ebmso Überschätzt hat, wie den ber* Umtaufe bes Prinzen Boris.... Die Behauptung, baß bie Umläufe bes Prinzen Boris ein Opfer gewesen sei, daS ber Fürst den Wünschen ber Nation gebracht habe, läßt sich kaum mehr aufrecht erhalten, b<mn sie wirb durch die Gleicbailtigkeft wiber-

haufer Petroleumquellen, ben Scharfsinn, die ruhige Ueberlegung, welche ihn bis dahin ausgezeichnet.

Kurz entschlossen, suchte Kattenstätt den Banqmer auf. In der hochfahrenden Weise, welche er seit seiner Verlobung angenommen und in diesem Falle noch erhöht hatte, fing er sofort an von Geschäften mit ihm zu sprechen, und er gab deutlich zu erkennen, daß er Nachtheiliges über ihn gehört.

„Mit Börnhausen soll 'S auch nicht gut stehen," tagte er. „Sin wahres Glück, daß meine Mutter Thalh-im nicht in diesen Abgrund versenkt hat."

„Abgrund? Wie so Abgrund, Herr Baron? Einst­weilen sitze ich fest hier in meinen eigenen vier Wänden, die, wenn auch nicht mit dem gleichen Luxus auSgestattet, wie Ihre Behausung, doch gewiß Nicht zu verachten sind, — und ob ich sie nicht bald mft einem Palast vertausche, ist die Frage. Ich komme alle meinen Verbindlichkeiten nach, von mir kursiren keine ungedeckten Wechsel. ..."

„Schon gut, Herr Rußwurm. Wer kann aber sagen, auf welche Weise Sie das bewerkstelligen? Ich weiß z. B., daß Sie gestern von Mr. Browning eine beträchtliche Summe in Werthpapieren empfangen haben, deren Sie, wie Sie sagten, bei einer vorüber­gehenden Krise zu irgend einer Deckung bedurften."

„Woher wffsen Sie das?"

legt, bie die Bevölkerung der vollzogenen Thatsache der Umtaufe gegenüber an den Tag legt. Aber auch der Glanz der Stellung de» Fürsten hat durch die Anerkennung verhältnißmüßig wenig gewonnen...." In dieser Weise geht eS weiter.

Also der richttge Katzenjammer!

Deutsches Reich.

Berlin, 30. März.

* Dem Herrenhause ist ber Bericht ber Staats- schuldeukouimission zupeqangen. Die Staatslchulb be­lief sich am 31. März 1894 auf 6,368,098,953.54 M. Hierzu treten ausweislich bes ber Uebersicht beigefügten besonderen Nachweises bei ber konsolidirten 3*/z pro- zentigeu Anleihe 3,100,300 M Dagegen gehen ab 17,376,635.56 Mk. ES gehen also überhaupt ab 14,276,335.56 M., so daß bie Staatsschuld am 31. März 1895 sich stellt auf 6,353,822,617.98 M.

* Die Kotzesche Angelegenheit, bie, soweit sie die Person beS Ceremonienmeisters von Kotze anbetrifft, burrfj bie diesem vom Kaiser ertheilte Warnung ihren offizielle Ablchluß erhalten hat, wird nun, wie bas ,Kl Journal' meldet, in den allernächsten Tagen, vielleicht schon heute, vrivatim auf dem Wege de» Duells zwischen ben Ceremonienmeistern von Kotze unb von Schrader abgetragen werden. Bekanntlich hatten sowohl daS Ehrengericht deS Osfizierkorps der Zietenhusaren in Rathenow wie auch dasjmige ber Königsulanen in Hannover gegen Herrn von Kotze eilt Urtheil gefällt, welches auf Abstoßung bes Herm v. Kotze aus bem Heere erkannte. Der Kaiser hat, wie man weiß, biese beiben Urtheile nicht bestätigt, vielmehr biese in eine einfache Warnung an Herrn v. Kotze umgewanbelt. Damit ist bie Satisfaktion-fähig- feit des Herrn von Kotze wiederhergestellt, und dieser ist nun in der Lage, seinen Hauptgegn-r in der leidigen Affaire ber anonymen Briefe, Herm Ceremonienmeister von Schraber, zur persönlichen Rechenschaft zu ziehen. Daß daS Duell unter besonber» schweren Bedingungen stattfinden wird, ist nach Lage der Sache selbstver­ständlich. — Es wird also weiter geschoffm — für Religion, Sitte und Ordnung!

* Dr. Peters läßt verbreiten, er werde, wie auch die Untersuchung für ihn ausfallen mag, au» bem Reichsdienste ausscheiben unb bb Anerbieten einer amerikanischen Gesellschaft, für diese gegen ein Jahresgehalt von 80000 M. nach Somali-Land zu gehen, annehmen. — Der .Vorwärts' wünscht ihm „viel Glück auf die Reise". Andere sicher auch.

* Die „Preßfreiheit" wird immer größer bei nn». Soeben hat da» Reichsgericht einen neuen Grundsatz über Beleidigung durch die Presse aufgestellt. Da» ,Hay tmer Stadtblatt' batte einen Artikel gebracht, m dem gegen einen mit Namen nicht genannten Amts­vorsteher ber Borwurf ber Chikaue wegen verweigerter Tanzerlaubniß erhoben würbe. Ein Amtsvorsteher stellte Strafantrag, baS Lanbgericht zu Liegnitz schentte

„Bon Mr. Browning selbst. Ich möchte Sie mm ersucvm, ihm zu sagen, bie Krise sei vorüber, unb ihm jene Papiere zurückzustellen."

„Run, ich sollte meinen, er wäre Rann genug, um zu wissen,' was er timt, auch geschäftskundig genug, um zu erlernten, daß ohne solche momentane Hilfs­mittel das glänzendste Geschäft plötzlich mißlingm lann."

„Das mag alles richtig sein, ich aber habe Sie ihm empfohlen, unb mich träfe Mitschuld, wenn er zu Schaden käme durch Sie. Ich fordere Sie deshalb auf, ihm morgen die Papiere zurückzubringen."

Der Bauquier stieß bie Asche ab von seiner Cigarre, unb erwiderte kaltblütig:

„Unb wenn ich das nicht Ihue?"

„So erzähle ich Mr. Browning allerlei, wo» mir bekannt geworden ist über die Kaligruben in Wäh­rungen, unb über die Erfahrungen, welche Graf Schlierer, Herr Könitz und noch einige andere mft ihnen gemacht. Das wird ihm wohl die Lust be­nehmen, ferner in Verbindung mit Ihnen zu bleiben."

„Eine Verbindung, bie Sie angebahnt, Herr Baron."

„Was wollen Sie?" gab Kattenstätt cynisch zm Antwort. „Die Roth brängte, Sie waren ber morsche Balken, nach welchem ich langte; bafür mußte ich Sie