Umlage Mv Mulösev Zeitung.
M 73 Samstag, den 28. März 1896. 23. Jahrgang
Um Gold und Ehre.
Bon L. von Neidcgg.
16] ------- (Nachdruck verboten.)
Mr. Browning zuckte zusammen. Sein gutmüthiges Gesicht nahm einen ganz feindseligen Ausdruck an.
Wesielhöfft wäre mir gerade der rechte. Tückisch und grausam war sein Vater; tückisch und grausam wird auch der Sohn sein. Art läßt nicht von Art."
„Sein Vater? Onkel Frank, war hat Dir sein Vater zu leide geihan?"
„Nichts, Kind, nichts, was Dich anginge. Lasse Dir aber gesagt sein: von allen Männern dieser Welt gäbe ich Dich keinem unlieber, als gerade Wesselhöst. Kattenstätt hingegen — — ich will eS Dir lieber offen heraus erklären, weshalb ich sehr für die Heirath bin; ich schulde seiner Familie großen Dank."
„O Du guter, lieber Onkel!" rief sie auS, indem sie vor ihm niederkniete und ihm in die Augen sah. „Siehe, dar ändert alles. Ich that Dir schmählicher Unrecht. Ich meinte immer, auS Hochmuth wünschtest Du diese Heirath, und dagegen bäumte sich mein Stolz. Also Dankbarkeit ist eS, was Dich bestimmt? Aber nun sage mir auch alles, sage mir, wie eS möglich war, daß ein Kattenstätt Dir nützen konnte. Weiß Kattenstätt darum?"
„Nichts, mein Kind, und er soll eS auch nicht wissen, und Du sollst eS ihm auch nicht sagen."
„Wann» sollte ich vor meinem Manne — wenn er eS wird — etwa- geheim halten müssen? Soll ich ihm etwa auch nicht sagen dürfen, war ich Dir aller verdanke, Onkel Frank? Nicht sagen, wie Du aur Australien zurück eiltest auf die Nachricht hin, daß der Vater fein Leben verloren? Wie Du mich da in bitterer Noth antrafst, alr zehnjähriger Kind, für die sterbende Mutter sorgend? Soll er nicht erfahren, wie Du Dich meiner angenommen hast, und der Brüder, die Gott so früh abderufen hat?"
„Bester wäre eS vielleicht, Du schwiegest davon."
„Nein, nein, Onkel; er muß mich nehmen, wie ich bin; ich schäme mich meiner dürftigen Vergangenheit nicht, und er soll nur auch wissen, waS Du mir bist."
„Gut, gut!" sagte nach kurzem Besinnen der alte Mann. „Ueber Deine Verhältnisse magst Du ihm sagen, waS Du willst; meine Vergangenheit aber, die geht Niemand an, und damit Du darüber nicht allzuviel auSplaudern kannst, gebe ich auch Dir weiter keine Auskunft. — Aber, nicht wahr, Herzblatt, heute Abend, wenn er mit Dir spricht, gibst Du Dein Jawort?"
„Nun ja denn, Onkel Frank, — aber ohne langen Brautstand thue ich eS nicht."
„DaS mache Du mit ihm aus. Ich kann ja zufrieden fein. Bis dahin könnte dann auch Kattenstätt hergerichtet werden, daS fehr verwahrlost ist; er war in letzter Zeit eine Spinnerei, und nur mit großen Opfern habe ich eS an mich gebracht. Und wenn eS herrlich in Stand gesetzt ist, dann zieht meine Bessie ein, — eine vornehme, hochangesehene Frau, und ich kann meine alten Augen schließen, die oft müde — recht müde find."
9. Kapitel.
Die Sonne war am Niedergehen, tiefe Schatten senkten sich auf die Erde herab, als Onkel und Nichte am Gartenthor der Landhauses in Neurode vorfuhren
— sie nachdenklich und verwirrt, — er in ftöhlichster Stimmung.
Kattenstätt, der eine Cigarre rauchend, im Garten auf und abging, eilte ihnen entgegen. Er fchien bewegt; Bestie sah, wie er einen Blick des Einverständnisse» mit dem Onkel wechselte, und ihr Herz fing zu pochen an. Nachdem die ersten Begrüßungen vorüber waren, wobei der Lieutenant ungewöhnliche Wärme entwickelte, sagte er Mr. Browning, daß seine Mutter im Wohnzimmer die Gäste mit Ungeduld erwarte, daß die Kousine jedoch abwesend sei, auf Befuch bei einem verheiratheten Bruder. Er selber hatte die- so einzu- richten gewußt; von diesen durchbohrenden Augen verfolgt, wäre er ihm schwer gefallen, sich Bestie gegenüber in die Rolle einer feurige», ungeduldigen Liebhaber- hinein zu denken, sich hinein zu reden in Eifer und Wärme bei feiner Werbung.
Mr. Browning ging beschleunigten Schrittes sofort auf dar Haus zu; mit bittender Geberde hielt Kattenstätt Bestie zurück, die dem Onkel folge» wollte.
„Ich muß mit Ihnen sprechen," sagte er, und seine Stimme hatte den einschmeichelnden Klang, welchen er ihr so wohl zu geben verstand. „DaS Glück meines Lebens hängt von Ihrer Antwort ab."
Am westlichm Himmel lag breit und strahlend ein feuriger Streif und warf einen rosigen Schein auf da- Plötzlich erbleichte Gesicht der jungen Mädchen-; im Osten stiegen am kalten Firmament matt glitzernd die Sterne auf; kein Blatt regte sich, tiefe Stille herrschte ring-um. Bessie meinte, sie könne die Schläge ihre- ängstlich pochenden Herzen- vernehmen; unfähig eine Antwort zu geben, stand sie regung-lo- da.
„Ihr Onkel hat Ihnen wohl gesagt, wa- da- Ziel meiner heißesten Wünsche ist?" fuhr er fort.
Leise nickte sie mit dem Kopfe.
„Und Sie haben kein Wort, da- mir Muth geben könnte? kein Wort, da- mich hoffen ließe, daß Sie meine Gefühle erwidern? daß Sie sich entschließen könnten, meme Frau zu werden, meine geliebte Frau?"
Noch immer schwieg sie, und sah zweifelnd und unschlüssig vor sich hin.
„Bestie!" sa^te er, und wollte ihre Hand ergreifen. „O, so sagen Sie doch da- kleine Wort: ja! Sagen Sie, daß Sie mich nehmen wollen mit all' meinen Fehlern. Sie beglücken damit mich — Sie beglücken meine Mutter. Sagen Sie ja — liebe, theuere Bessie."
„Lieben Sie mich denn auch wirklich?" fragte sie. „Wir sind so gänzlich verschieden. Sind Sie auch sicher, daß ich Ihnen genügen kann?"
„Können Sie daran zweifeln, Bestie? Gerade, daß wir einander unähnlich sind, bedingt unser Glück. Wir werden un- gegenseitig ergänzen."
„Nun also, ja!" sagte sie und legte ihre Hand in die seine — nicht jubelnd wie eine beglückte Braut — zaghaft — schüchtern, alr sei sie ihre- Entschlüsse- nicht recht sicher.
Er zog die Hand an seine Lippen und bedeckte sie mit Küssen: „Also mein? Bessie! mein?"
„Die Ihre für'- Leben, Theobald, wenn Sie glaube», es gehöre zu Ihrem Glücke. Haben Sie aber auch Alle- bedacht? Sie nehmen nicht mich allein — überlegen Sie e- wohl. Ich weiß, der Onkel und Sie stehen aus verschiedener gesellschaftlicher Stufe. Der alte Mann hat feine Schwächen und Lächerlichkeiten — können Sie die mit Liebe ertragen? Er hat nur mich auf dieser Wett; gänzliche Trennung von mir würde ihm da- Herz brechen, mag er auch jetzt da» Gegentheil behaupten. Er muß in unserem Hause
Literarische-.
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Ein? förmliche Revolution in Modefachen bringt dieses Frühjahr — gemalte Blumen und Ranken auf allen möglichen Stoffen! Aber auch fönst bietet der in diese Jahreszeit fallende bedeutendste Modenwechsel so unendlich viel des Neuen und Ueberraschenden, daß jeder Dame, die auf Originalität und Chic hält, ein Einblick in die soeben erschienene FrühjahrS- nummer des oben genannten tonangebenden Modenjournals nur dringend empfohlen werden kann. Entzückende Genrebilder, u. A. die Ganzfigur einer vornehmen älteren Dame, auf perfekten Sitz vorher ausgeprobte Schnittmuster in dem jeder 14 tägigen Nummer beiliegenden doppelseitigen Schnittmusterbogen, eine gewählte Belletristik mit zahlreichen Illustrationen, u. A. enthaltend eine der neuesten Novellen von Hermann Heibcrgs, die vielseitige Beilage „Franen-Leben und -Wirken", in deren Por- trait-Gallerie das berühmte Streich-Quartett „Marie Soldat" zur Darstellung kommt — das und anderes, vor allem der reiche Modentheil zeichnen diese Frühjahrsnummer des beliebten Blattes besonders aus.
stets willkommen — stet» der geehrte, hochgeachtete Gast dort sein."
„Hübsche Aussichten!" dachte Theobald. „Ihre Verwandten sind nun die meinen, Bessie!" versicherte er mit kluger Wendung.
„Eise Bitte: nehmen Sie mich dem alten Manne nicht zu bald weg! — ich kenne Sie wohlschonlänger, und doch kam Alle- so rasch, so unerwartet; ich muß mich erst an den Gedanken gewöhnen, den Onkel zu verlassen. Nicht wahr, Sie finden sich darin, daß unser Brautstand ein langer bleibt?"
So schwer mir die Bedingung fällt, so will ich mich doch fügen, bin ich ja meine* Glücke- sicher. Spannen Sie mich aber nicht zu lange auf die Folter, Bessie."
„Und noch Eine-. (Wa- kommt denn wohl jetzt? dachte er.) Könnten wir nicht eine Zeit lang im Stillen verlobt bleiben?"
„Unter keinen Umständen," erklärte er energisch. „Ich will meinen Jubel nicht in mir verschließen, die Welt muß mein Glück kennen, muß wissen, daß Sie mein sind." — Er ergriff ihre beiden Hände und zog sie abwechselnd an die Lippen. — „Mein die Hände — mein da- Herz — mein das liebe süße Gesicht! Nein, Bessie, mit der Heimlichkeit ist e- nichts."
Er hatte in diesem Augenblick sich selbst überredet, die Erfüllung feine- Wunsche- sei ihm Herzenssache, er wußte so eindringlich zu werde», so liebend zu flehen, daß auch ihr Herz sich erwärmte! Sie erwiderte seinen Händedruck, und al» sie enttrnten in Frau von Kattenstätt'» festlich erleuchtete» Wohnzimmer, da gaben beide da» Bild glücklicher Brautleute ab.
„Mein Kind! meine liebe Bessie!" sprach die Baronin, und schloß da- Mädchen in ihre Arme.
(Fortsetzung folgt.)
verwischtes.
* Mißverstiinduiß. Arzt (zu Fräulein Eulalia, die ihn wegen eines Unwohlseins konsultirt hat): „Bitte, zeigen Sie mir Ihre Zunge! ... So — und jetzt reichen Sie mir Ihre Hand!" — Fräulein Eulalia (errötend): „O, Herr Doktor — das kommt so plötzlich--1“
* Spekulation. Kommerzienrath: „Ich will den neuen Frack zur Audienz bei seiner Hoheit anziehen . . . machen Sie dieZKnopflöcher recht in die Augen springend."
* Auf der Alm. Bauer: „Annamarie, Annamarie, g'schwind thu a Wasser unter d' Mili, es kommen Touristen, sie singen schon: Auf der Alm, da gibt's ka Sünd'."
* Ein Reuommirschnitt. Fähnrich (zum Barbier): „Schneiden Sie mich ein wenig, damit man sieht: ich bin rasirtl"
Bildstöcke u. Feldkreuze " Mikdhauerei Krammr, Iulda.
meine
von
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