jKä73 Samstag, den 28. März 1896. 23. Jahraang
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feMjerat Meli* 6**. «ab Stierteee «Meenem*«. — VierteljShriicher Ab.nnementSpreiS »N«* Bringertehn und Beste«««» i* Fulda und auswärts 1 »art 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Aarmondzeile oder deren Raum 15 Bf., Reklamen die Betitzeile 25 Bf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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st Getreidepreise und Nothlage der Landwirthschaft.
Bon hochüngesehener Teile wird unS geschrieben: „3m ,Fu!d. Kreisbl.' vom 24. d. M. lesen wir:
Der Getreidemarkt.
(Berichtswoche vom 13. biS 20. März.)
Jammervoll sieht es nun seit mehreren Wochen insofern auf dem Getreidemarkte aus, indem das Geschäft nach scheinbaren Erholungen immer wieder flau wird, die Preise fallen, und dann daraus sich dennoch keine frische Kauflust entwickelt. Die Bor- räthe bleiben daher bedeutend und der Markt liegt still. Dieses Bild zeigte sich auch in letzter Woche, und die wachsenden Aussichten auf eine gute neue Ernte drücken neuerdings die Preise. In Berlin und Leipzig wurde bei ganz schwachem Umsätze getauft: Weizen je nach Güte per 20 Centner für 148—161 Mk., Roggen für 118—122 Mk., Gerste sür 113—170 Mk., Hafer für 88—92 Mk.
Kurz vorher steht in demselben Blatte ein Artikel, welcher wie folgt schliesst:
Es mag auch das erwähnte Klagelied (über die bedrängte Lage der Landwirthschaft) zuweilen etwas zu stark vorgetragen werden, wenn wir z. B. daran denken, wie ja die Getreidepreise noch nicht auf gar zu niedrigem Stand!- punkte sich befinden, das Schlachtvieh immerhin noch ziemlich gut bezahlt wird und die Butterpreise sich in annehmbarer Höhe halten. Schließlich wünschen wir dem Ackerbau ein fröhliches Gedeihen; denn diefer ist eS ja, der vorzüglich die Wohlfahrt eines Staates fördert.
Unsere» Erachten» sind die Klagen der Landwirthe über schlechte Getreidepreise keineswegs übertrieben, der Körnerbau ist schon seit 4 Jahren unlohnend, ebenso sind die Butterpreise, wenigstens für den Absatz im Großen, recht gedrückt. Was jedoch den „Getreidemarkt" überschriebenenArt.keldeS,KreiS- blatteS' betrifft, so find die darin angegebenen Preise für Hafer jedenfalls falsch, denn für 8.80—9.20 Mk. pro Doppel-Centner ist weder in Berlin noch in Leip zig Hafer zu kaufen; auch die anderen angegebenen niedrigsten Preise können sich nur für mangelhafte Qualitäten verstehen. Der Berliner Getreidemarkt-Bericht vom 20. d. M. lautet vielmehr:
(Frachtbörse. Schluß.) Gegenüber den sehr flauen Depeschen aus Nordamerika ist der feSe Verlauf des heutigen Getreidemarktes eine ganz auffallende Erfcheinung. Es scheint sich endlich Widerstand gegen die RückschrittSbewegung herauSzubilden und namentlich tritt das für Weizen in der Besserung der Mai- Preise hervor. Aber auch Roggen und Hafer brachten es zu kleinem Fortschritt. Weizen Mai 153.75 Mk., Roggen Mai 122.25 Mk., Hafer Mai 119.50 Mk.
Der Hafer kostet also in Berlin per Doppel-Centner 11.95 Mk.
Ma» sollte bei der Verbreitung solcher falscher Meldungen doch etwas vorsichtiger sein; jetzt im Augenblicke, wo die Bauern wenig mehr zu verkaufen haben, können solche vielleicht nicht schaden, ander- ist es jedoch, wenn allenfalls nach der Ernte solche Mitthei- lungrn verbreitet werden und die Bauern dadurch veranlaßt werden könnten, ihre Frucht zu Spottpreisen zu verschleudern.
Glücklicherweise wird das neue Börsengesetz in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen, und schon die Belbreiter, aber erst recht die Urheber falscher Preisangaben werden künftig zur Bestrafung gezogen.
Es liegt UNS durchaus fern, dem.Kreisblatt' einen Vorwurf zu machen; in solchen Fragen muß der Redakteur eines Blatte» sich eben auf feine Mitarbeiter verlasten, deren Angaben auf ihre Richtigkeit zu prüfen er oft gar nicht in der Loge ist. Im Interesse unserer Landbevölkerung wünschen wir jedoch, daß nur zuverlässige Marktberichte verbreitet werden, und wenn da» nicht geschieht, ist er>Pflicht die falschen Angaben richtig zu stellen."
Mit Bezugnahme auf den zweiten obenerwähnten Artikel der ,Kreisbl/ schreibt UNS ein eriahren r praktischer Landwirth, der die ländlichen Beihältnrste hiesiger Gegend sebr genau kennt und bei unseren Bauern in hohem Ansehen stehl: „In Nummer 36 deS .Fuldaer KreiSblatteS stehl unter dem Zeichen R ein Artikel, der bei der ländlichen Bevölkerung viel böse» Blut macht. Der Berfaster dieses Artikels hält die Klagen der Landwirthschaft für übertrieben — auS zwar au! folgenden
Gründen: „weil dieselbe von der Regierung be- günfttgt wird." Wo denn?--Vielleicht dadurch,
daß der Schutzzoll erniedrigt ist bei den Handelsverträgen? „Die Getreidepreise" sind dem Schreiber jenes Artikels noch „nicht niedrig genug" und die Butterpreise sind ihm „auf annehmbarer Höhe," „dar Schlachtvieh immer noch gut bezahlt." DaßdaS Rindvieh gut bezahlt wird, hat doch feinen Grund vom 1893 her. wo wegen Mangel» an Futter viel Vieh abgeschafft werden mußte, und das Vieh läßt sich nicht so rasch wieder großriehen. — Die Schlachtschweine sind doch wabrlich billig genug.
Dagegen gibt Herr R. zu, daß die niedrigen Zuckerpreise den Landmann zu Klagen berechtigen; er gibt sogar zu, daß dies auch sür ärmere Gegenden zutreffe. Dagegen stellt er unS die Provinz Sachsen als Muster vor Augen. Hier sind doch sicher die Rübengegenden gemeint, und diese haben ihre Sache vor 20 Jahren verdient, heute haben fie ihre Last so gut wie wir.
Die eigentlichen Ursachen der Klagen der Landwirth- scheint der Artrkelschreiber gar nicht zu kennen; er scheint gar nicht zu wissen, daß der Landwirth auch mehr Geld braucht als früher. Gemeindesteuern, Kirchen-, Pfarr- und Schulstmern kosten jetzt das Doppelte gegen früher; alle Löhnungen für Gesinde u. Arbeiter da- Dreifache. Jnvaliditäts- u. Alters < Versicherungsgeld, Unfall- und Trichinengelder, Kreissteuern rc. hatte man früher gar nicht. Schmied, Wagner, Sattler und Bauleute, welche der Landwirth doch nicht entbehren kann, kosten ebenfalls das Doppelte. Und dies Aller hat sich erst geändert in den letzten 30 Jahren und damals waren die Früchte theurer als jetzt. Der Kauf- und Geschäftsmann sagt: Der Einkauf lehrt den Verkauf. Wevn aber den Landmann der Centner Frucht mehr kostet, als ihm dafür geboten wird, so fragt man nicht danach und hat nur große Worte, wenn er klagt. ES scheint uns fast, als ob der „Berliner Bund gegen die Agrarier" in Fulda eine Filiale errichten wolle."
Deutsches Reich.
Berlin, 27. März.
* Nack den Beschlüsfen der Reichstage- in zweiter Etatsberathung find Die Gesammtansgaben für 1896/97 auf 1255318264 Mk. festgesetzt. Bon den fortdauernden Ausgaben deS Gesetzentwurfs sind 9160 Mark abgesetzt worden. im Etat des Reichstag- ist ein Mehransatz von 3870 Mk. vorgenomwen. Die einmaligen ordentlichen AuSgabm sind um 2 706929 Mark, der ordentliche Erat um 1,191,800 Mk. gekürzt worden. Die für 1896/97 in Aussicht zu nebmenden Matrikularbeiträge würden sich danach auf 410 605 880 Mk. oder auf 14 605 813 Mk. mehr als im laufenden Etatsjahr beziffern.
ft Am Donnerstag hat eine Vorstands-Sitzung der verliuer Ablhciluvg der Deutsche« Kolonial - Gesellschaft startgesunden, in welcher die neuliche Mit- theilung derNat.-Ztc.' über ttne Resolution deS Vorstand! s in Sachen der Dr. PeterS für unwahr er- klärt wurde. In einer Zuschrift an die ,Nat. - Ztg.' erklärt der Schriftführer oer Abtheilung, Dr. Julius Grosse, daß e» sich damal» nur um eine persönliche Meinungsäußerung von ihm, nicht um einen Beschluß des Vorstände- gehandelt habe. Immerhin scheint diese» „Versehen", da» auf einem „telephonischen Miß- verständniß" beruhen soll, einen ernsteren Hintergrund zu haben, denn Herr Grosse hat s e i n A m t al» Schriftführer nredergelegt. Der Vorstand erklärt übrigens, daß er die feste Ueberzeugung gewonnen habe, daß e» H-rrn Dr. PeterS gelingen werde, alle (!) g-g-n ihn erhobenen Beschuldigungen zu widerlegen. Wirk ich alle? Auch die, welche er in seinem eigenen Buche über seine Emin-Expedition gegen sich selbst erhebt, indem er mit dem Riederknallen armer Neger, die chm nichts grthan haben, auch roch sich brüstet?!
* Ausprägung von ReichSgold- und Stlber- müuzen im Jabre 1895. Im Jadre 1895 sind auf den deutschen Münzstätren 5 361 226 Stück Doppelkronen und 28 941 Stück Kronen im Betrage von 107 514 010 Mark geprägt worden. Das wirkliche Gewicht dieser Goldmünzen betrug 85 634 627 P'und gegenüber einem gesetzlichen Sollgewicht von 85 634 416 Pftrnd. An ReichSsilb rmün^en sind geplägt 1460 357 Fünsmaikstück; und 185 322 Zweima kstücke im Betrag
von 7 672 429 Mark. Da» wirkliche Gewicht dieser Silbermünzen betrug 85 250 575 Pfund gegenüber einem geschlichen Sollgewicht von 85 249 213 Pfund.
* Bor einiger Zeit hat der LandwirthschaftSminlster, Frhr. v. Hammerstern, bei der Berathung deS Antrag» Kanitz im Reichstage erklärt, daß er die jetzige Roth- lage der Landwirthschaft für eine vorübergehende Balte. Darauf antwortete der Oberpräsident von Pommern, Herr v. Puttkamer-Karzin, der frühere Minister deS Innern, am 24. ds. Mts. in der ersten Sitzung der Landwirthschaftskammer ftir die Provinz Pommern nach dem Bericht der ,N. Stettiner Ztg. „Der jetzige Augenblick sei für dar landwirthschastliche Gewerbe ernst und trübe. Der Druck wolle noch immer nicht weichen. ES befänden sich diejenigen, die diesen Druck leugnen oder ihn für einen vorübergehenden halten, in einem verhängnißvollen Jrrthum"
* Der Bericht der Börseugeietz - Kommission deS ReichstageS ist fertiggestellt und wird in den nächsten Tagen erscheinen. An der Hand desselben werden wir die wichtigsten Bestimmungen deS Entwurfs, wie fie auS den Berathungen der Kommission hervorgegangen sind, noch einer Besprechung unterziehen, namentlich diejenigen, welche auf da» Zeitgeschäft in Getreide sich beziehen. Wir können nach wie vor nur wünichm, daß der Reichstag in zweiter Lesung den Beschluß der ersten Lesung in der Kommission wieder Herstellen, mithin dar Verbot jenes Zeitgeschäfts auSsp rechen werde.
* Da» neue Stempelsteuer - Gesetz tritt am 1. April in Kraft. Danach ist u. A der Mindestbetrag des Stempels auf 50 Pfg. herabgesetzt. Der erst im Jahre 1889 von '/-> auf Vio pCt. herabgesetzte Werthstempel für Pacht- und Mieth »Verträge ist zwar beibehalten worden; doch tritt, soweit es sich um MiethSvrrträge über unbewegliche Sachen, also namentlich Wohnungen, handelt, dar Miethsverträgever- zeichn iß in Kraft. Nicht mehr wie bisher ist die Vertrag-Urkunde, der Mieth-vertrag selbst, stempel- pflichtig, sondern daS alljährlich aufzustellende und dnc Steuerbehörde einzureichende MiethSverträgeverzeichniß, in welches die im letzten Kalenderjahre in Geltung gewesenen MiethSverträge aufzunehmen find, wird versteuert. Der Stempel für die Nkb-nexemplare kommt damit selbstverständlich in Wegfall. Als Strafe für aus Uukenntniß unterlassene gehörige Berftempelung tritt an Stelle der Stempelstrafe eine Ordnungsstrafe. Wer sicher fein null, daß er mit der Steuerbehörde nicht in strafrechtliche Kollision kommt, braucht nur an sie eine Anfrage über die Höhe des zu verwendenden Stewp-lS zu rrchten. Die Behörde ist gegen Erstattung der bei ihr entstehenden Schreibgebühren zur Auskunft»- ertheiluug verpflicht t. Die Gewerbelegit lmationSkarteu sind mit einem F xstempel von 1 Mark belegt, der AuflaffungSstempel beträgt wie bisher 1 pCt., der Stempel für Konzessionen pCt. (mindestens aber 50 Pf.) Der Stempel bei Errichtung von Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien und bei einer Kapitalserhöhung mit Rücksicht auf die auf ihnen lastende Reichsstempelabgabe und Einkommensteuer ist nur auf ‘/so pCe. bemessen. Bei den Gesellschaften mit beschränkter Haftung steigt der Stempel aber progreffiv bi- zu 1 pCt. Die Prozeßvollmachteu bleiben bis zu »einem Werthbetrage von 150 Mk. einschließlich stempelfrei. Dagegen tritt an die Stelle des bisherigen Fixstempels von 1,50 Mark von Objekte« über 150 Mk. bei einem Objekte bis zu 500 Mk. der Sternpelsatz von 50 Pfg., der sich je rach der Höhe der Srufr bi» auf 5 Mk. steigert.
Auslarrd.
K. London, 21. März Zwischen England unb Italien scheint eine vollständige Abmachung darüber zu bestehen, daß beide Mächte sich im Hinterlande Aegyptens und der italienisch n Kolonie Erythräa, also im Sudaareiche der Mahdi sie gegensettig in hie Hand arbeiten wollen. Die Engländer haben ihre Truppen an der südlichen Grenzveste Egyptens Wadi Halfa versammelt um jetzt, in einer für jene Gegenden ungünstigen Jahreszeit, gegen die Mahdistcn vorzurücken. Allerdings dchauptec die englische Regierung, Nachrichten zu haben, nach welchen sie Mahdrsten Anstalten machm sollten, in E-gypten cinzubrechen. Aber zur bloßen Berthridigung, zur Abwehr eines der häufigen Ein-