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Freitag, den 27. März 1896.

23. Jahrgang

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Elemente im wohlverstandenen gemeinsamen Interesse unter Hintansetzung der kleinlichen Konkurrenz. Rück­sichten zu fruchtbringender Arbeit ernst zusammenfinden, noch immer recht Annehmbares erreichen, und dieser Anlaß soll nicht vorübergehen, ohne eine dringende Mahnung zu wirklichem Korpsgeiste an unsere ehren- werthe Geschäftswelt zu richten.

Da aber glücklicher Weise die Frage der Bekämpfung deS unlauteren Wettbewerbes, namentlich auch Dank deS Eingreifens der katholischen Presse und des Inter­esse», welche» der Bolksverein für daS katholische Deutschland durch seine berufensten Vertreter dieser wichtigen Sache gewidmet hat, jetzt zu einer hervor­ragend volkSthümlichen geworden ist, kann eS nicht un­zengemäß sein, die Ausmerksamkeit auf dieses vorhin behandelte spezielle, in daS GeschästSleben tief ein- schneidende Kapitel zu lenken und gute Vorschläge zu empfehlen, wo man sie findet, um so mehr, als die dem Reichstage vorliegende Vorlage über den unlauteren Wettbewerb diese Materie nicht in ihren Bereich ge- zogen hat, wenigstens nicht so, daß dem Unwesen auf dem AuSverkaufS-Gebiete direkt und unzweifelhaft zu Leibe gegangen werden könnte. In der ,Msgd. 3*9' hat kürzlich Herr C. M. Sombart Vorschläge für em Gesetz zur Abhilfe der Mißstände auf diesem Gebiete formulirt, die vielleicht in Einzelheiten noch konkreter gefaßt werden könnten, aber als Grundlage Beachtung verdienen, zumal sie kurz und klar sind. Nach den ge­machten Ausführungen werden sie unseren Lesern ohne wertere Erklärung verständlich sein, weshalb wir hier

schäfte ist z. B. der Inventur-Ausverkauf soeben be­endigt, in einem Nachbarhause bricht Feuer aus und dmch das Wasser der Feuerwehr wird die neu zum Verkaufe kommende Waare so beschädigt, daß sie aus­verkauft werden muß — unter solchen Umständen kann von einer dreimonatlichen Frist im selben Lokale sicher nicht die Rede sein. Der Grundgedanke der Bestim­mung ist recht praktisch; es wird sich auch schon eine Form finden lassen, die richtigen Ausnahmen zu be­stimmen, ohne daß dem gewissenhaften Geschäftsbetriebe bureaukratische Schwierigkeiten gemacht werden. Wo ei« Wille ist, da findet sich auch ein Weg, und wir möchten wünschen, daß er in diesem Falle im Interesse unserer ehrenwerthen KausmannSstandes möglichst bald mit Entschiedenheit beschritten würde.

gefeierten jungen ManneS, ohne doch ein wärmeres Gefühl für ihn zu empfinden. Aber daS sühtte sie, so konnte er nicht bleiben; wie? Wie soll nun daS Ende sein? fragte sie sich.

Es war ein herrlicher Herbsttag, die Luft klar und durchsichtig, der Himmel tief blau, kein Wölkchen, daS denselben trübte, als Mr. Browning seiner Nichte er­öffnete, er wolle an jenem Nachmittag mit ihr ganz allein einen Aurflug machen. Froh wie ein Kind nahm sie seine Worte auf: „er sei ihr der liebste Ritter, mit ihm könne sich keiner messen!" rief sie au». DaS Kompliment brachte aber nicht die richtige Wirkung hervor; Mr. Browning, welcher in letzter Zett von seiner gleichmäßigen, kindlich frohen Laune emgebügt hatte, brummte etwas von Mädchenlaunen und ihr heitere- Lachen verstummte vor der barschen Rede.

Als Beide aber im Waggon saßen, sie flusch und nett anzusehen im knappen, dunkelblauen Kleide, dem Hütchen mit langwallender Feder auf dem leicht ge­wellten Haar, da ging dem alten Manne daS Herz wieder auf.

„Göre, Du bist freßlieb!" sagte er und streichelte

8. Kapitel.

Längst hatte sich Mr. Browning von seinem Un­fälle erholt und fein gewohnte» Leben wieder ausge­nommen. Wie vorher stand sein gastfteie» HauS für alle seine Bekannten offen, er selbst nahm mit der Richte an Landpartien und Picknicks, an allen Ver­gnügungen theil, welche die kleine Stadt ihm bieten konnte. Es war nicht zu vermeiden, daß bei dieser Gelegenheit Beide mit Weffelhöft zusammentrafen. Seinem Vorsatz getreu, hielr sich dieser aber mit einer gewissen Absichtlichkeit von Bessre fern, obgleich ihr Auge ihn anfangs erstaunt zu fragen schien, weshalb er ihr auf fo auffallende Weise auSweichr. Zuletzt aber schwand die Frage au» ihrem Blicke, der Platz an ihrer Seite wurde fast immer von Kattenstätt eingenommen. Auch im Hause des Millionärs wurde der junge Offi­zier mehr und mehr ein ständiger Gast. Des Ameri­kaners Vorliebe für denselben war noch immer im Wachsen und auch BeisieS Wesen hatte von seiner schroffen Abweifimg verloren. Es war eben bei ihr der bei jungen Mädchen nicht ungewöhnliche Fall ein­getreten, daß sie Freude hatte an der Huldigung deS

So sagte im vorigen Jahre der hl. Vater zum Pater Zocchi von der Gesellschaft Jesu:

„Pater, schreiben Sie Artikel! Dieselben werden noch mehr Frucht bringen al- die Predigt; beim wohin das Predigtwort nicht gelangt, dorthin gelangt die Zeitung. ES lesen dieselbe auch solche, welche die Predigt nicht besuchen."

Möge man doch eine katholische Zeitung überall verbreiten: in Familien, in Kaffee- und Gasthäusern, in Kasernen, in Kaufläden und Armen-Anstalten. Man suche neue Abonnenten zu gewinnen, damit die katho- liche Press; unterstützt werde. DieS ist der Wille des PapsteS.

-s Dre „Ausverkäufe".

(Schluß.)

„Total-Ausverkauf!" — Ein Ausdruck, dem man auf Schritt und Tritt begegnet. Es ist selbstverständ­lich jedem Geschäftsmann e sreigestellt, sein Lager total auszuverkaufen, und jeder wird das am liebsten mög­lichst ost im Jahre thun. Insofern wird sich durch Verordnungen usw. gegen diese Ankündigung direkt nichts machen lassen, ohne in geschäftliche Schulmeisterei zu gerarhen, die wir unter allen Umständen für sehr übel angebracht halten. Daß ein Konkurs-Ausverkauf zugleich ein Total-Ausverkauf ist, liegt in der Natur der Sache, aber wenn ein Geschäftsmann sozusagen ständig das Bedürfniß fühlt, den normalen Zustand de» Ausverkaufs aller feiner Maaren, natürlich zu be­deutend herabgesetzten Preisen, dem Publikum kund zu geben und damit Reklame zu machen, so kann man doch den Eindruck nicht los werden, daß eS sich um eine Manipulation handelt, welche der reelle Geschäfts­mann verschmäht, da sie auf eine Täuschung des kaufenden Publikums hmauSgeht. ES wird fast un­möglich sein, durch gesetzliche Bestimmungen so einzu- greiien, daß der Schwindel auf diesem Gebiete ge­troffen wird, ohne daß daS reelle Geschäft bei bureau- krattscher Anwendung — die man immer mit in Berechnung ziehen muß — in Unannehmlichkeiten ge­rätst; die Hauprfoche muß hier die Aufklärung der öffentlichen Meinung leisten, und da liegt ein Stück Arbeitsfeld für die „Vereine gegen Unwesen in Handel und Gewerbe", welche an verschiedenen Orten schon sehr woblthätig gewirkt haben; mir schwebt speziell der Münster'sche Verein dieses Namens vor. Mit Selbst- Hilfe kann der Kousmannsstand, wenn sich die reellen

„Pater, schreibe« Sie Artikel!

ihre Wange. W

Sie lachte wieder über das ganze Gesicht. „So habe ich Dich gern, Onkel Frank. Nun sage mir aber auch, wohin die Reise geht?"

Uw Gold «ad Ghre.

Bon L. von Neidegg.

------- (Nachdruck verboten.)

einfach den Wortlaut wiedergeben:

1. „Bei jedem Waarenausverkaufe, der nicht als Inventur- oder Resteausverkauf eines am Orte bereits feit mindestens Jahresfrist bestehenden Geschäftes an- zusehen und als solcher bezeichnet ist, muß bei jeder Bekanntmachung angegeben werden, ob die Maaren aus einer Konkursmasse bezw. welcher herrühren, ober ob dieselben ganz ober theilweise anderweitig frisch be­zogen sind Unterlassungen oder falsche Angaben haben eine Strafe von — bis — zur Folge."

2. „Mährend der Dauer eines Konkur»maffen-AnL- verkaufs, eines Total-Ausveikaufs, eines Ausverkaufs wegen Aufgabe des Geschäfts, ober lebet ähnlichen Veranstaltung, bie durch die Art ihrer Bekanntmachung auf eine Aufgabe des ganzen Geschäftes ober eines Zweiges desselben zu schließen berechtigt, darf dem bei der ersten Bekanntmachung vorhandenen und zum Aus­verkäufe gestellten Maarenlager kein neuer Verkaufs- gegenständ hinzugefügt werden. Zuwiderhandlungen haben eine Strafe von — bis — zur Folge."

3. „Ein Ausverkauf irgend welcher Art und Maaren darf sich in demselben Geschäftslokale innerhalb eine» Zeitraumes von drei Monaten nicht wiederholen."

Die dritte Bestimmung bedarf unsere» Erachtens einer genaueren Formulirung, da sie viel zu schematisch ist und dem Mißbrauche noch Thür und Thor offen läßt, während sie andererseits einem reellen AuSverkause auch Hindernisse entgegensetzen kann. In einem Ge-

Deutjches Reich.

Berlin, 26. März.

* Der Kaiser und die Kais er in empfingen gestern, nachdem die „Hohenzollern" an der Mole in Neapel vor Anker gegangen, alsbald den Besuch deS Pcinzm Heinrich. Mährend des Aufenthaltes vor Neapel werben ber Kaiser unb die Kaiserin verschiedene Ausflüge in die Umgebung unternehmen und auch die Sehens­würdigkeiten Neapels selbst in Augenschein nehmen. Die „Hohenzollern" wirb, wie bekannt, am 31. d. M. AbenbS von Neapel nach Palermo in See gehen unb bort am 1. April Vormittag» eintreffen. Am ersten Ostertage, Sonntag ben 5. April, Abends, begeben sich ber Kaiser und die Kaiserin auf ber „Hohenzollern" von Palermo nach Girgenti, wo bie Ankunft am Montag ben 6. April früh unb die Weiterfahrt von dort nach Syrakus Abends erfolgt. — Nach einer Mit­theilung der .Köln. Ztg.' wird die Abwesenheit des Kaisers von Berlin nur bis zum 3. April dauern. Der zweitägige Besuch b?8 Kaisers in Wien um bie Mitte des April erfolgt nicht im Anschluß an die jetzige ita­lienische Reise. Da die Kaiserin von Oesterreich um diese Zeit nicht in Wien weilen wird — sie ist seit einigen Tagen in ihr Schloß auf der Insel Korfu Übergestedelt, — so ist eS zweifelhaft, ob die deutsche Kaiserin von Venedig aus mit ihrem Gemahl in Wien zusammentreffen wird. — Der ,Neuen Fr. Presse' zu- folge kommen mit dem deutschen Kaiser auch ine Kaiserin und die Prinzen Wilhelm und Ettel Friedrich nach Wien. Die Kaiserin und die Prinzen werden sodann die Reise schon nach eintägigem Aufenthalt fortsetzen, während der Kaiser zwei Tags bleibt. Nach der ,Pol. Korr.' steht auf dem R-iseprogramm de» deutschen Kaisers auch der Besuch der Insel Elba.

(♦) Der katholische Bolksverein hielt am Mitt- woch Abend eine imposante Versammlung in Berlin ab. Selbst die katholikenfendlichsten Berliner Blätter schätzen die Zahl der Th-ilnehmer auf über 4000 und erkennen die Bedeutung dieser Versammlung auch da- durch an, daß sie — was sie sonst nicht zu thun pfl-gen — ausführliche Berichte über dieselbe bringen.

„DaS ist mein Geheimniß!" sagte er und blickte ungeheuer schlau barem.

Ein paar Stationen waren sie gefahren, al» sie ber Onkel auSsteige« hieß. Ein Wagen staub bereit, sie aufzunehmSn, und fort ging eS, an Feldern unb Wiesen vorüber, durch freundliche Ortfchaften, wo die Häuser zwischen ftuchtbeladenen Obstbäumen weiß heraus- lugten, durch Alleen, deren Hefte ein schattiges Laub­bach über den Fahrenden bildeten. Bald hatten sie ein Thal erreicht, dessen eine Seite von einem bewaldeten Höhenzug begrenzt war. Den höchsten Punkt desselben krönte ein verfallenes Gemäuer, der Wattthurm eine» alten Ritterschlosses; diesem Hügel zu Füßen, inmitten ausgedehnter Parkanlagen, lag ein stattliches Herren­haus, halb im Grünen versteckt.

Sie waren in eine Kastanien-Allee eingebogen, tue gerat); aus zum Schlöffe zu führen schien. Eine Schwen­kung abseits brachte sie in ein WirthShauS, zwischen dem Herrensitze und dem Dorfe gelegen, welche» ein freundliches Unterkommen zu bieten versprach. Mr. Browning mußte hier wohl bekannt fein, denn die Wirthin empfing ihn mit ber Ehrerbietung, bie man einem Gaste zollt, der viel verzehrt unb gut bezahlt. Sie führte ihn in ben freundlichen, am Abhang gelegenen Garten, wo in einer Geisblattlaube ein gedeckte c Tisch I stand, beladen mit Obst, Backwerk und feinen Weinen.

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