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23. Jahrgang

Donnerstag, den 26. März 1896.

Fuldaer

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-8 Die „Ausverkäufe"

sehr bedürftig wäre.

Wie zur Zeit die Sache liegt, gehört schon eine nicht Jedermann eigene Kenntniß der geschäftlichen und wirthichaftlichen Leben- dazu, die reellen, halbreellen

wollte — von den Selbstvorwürfen, die dieser sich später darüber machte, ahnte er nichts. Der Sohn aber muß büßen für die Strenge desBaterS." — Er sann nach. „Und Bessie?" dachte er dann weiter, „wußte sie von dem Allen? Hatte der Onkel sie etwa seither gelehrt, Wesselhöst'S Namen zu verabscheuen? Damals im Seebad hatte er für sie noch keinen bekannten Klang; ungezwungen, mit der ganzen Frische ihres Wesen-, verkehrte sie mit ihm. Erst hier in Norren- burg war eine Veränderung über sie gekommen. In dem Maße, als Kattenstätt ein häufigerer East des HauseS wurde, war sie gegen ihn zurückhaltender ge­worden. Kattenstätt war jünger, er war schön; eine hochgeborene Freiftau zu werden, hat auch seinen Reiz! SS war ein schöner Traum, den Wesfelhöst geträumt, — eine Idylle, — fort mit ihr; zurück zur Wirk- lichkeit."

Er schob die losen Blätter des BnefeS m den Umschlag, ging an den Ofen, zündete die Papiere an, und blieb stehen, während die Gluth die Blätter auf­rollte, um sie schließlich in eine Helle Flamme auf­gehen zu lassen.

„So, — jetzt ist sein Geheimniß sicher!" Roch immer starrte er in die Flamme, und liebe Erinne­rungen wurden in ihm wach.

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mit Unterhaltungs-Keila^r „Sterur ««d filunten“

Daß das Publikum bei solchen „Konkursmassen" dasMinderwerthigste zu gesalzenenPreisen aufgehängt bekommt, bedarf keiner Ausführung; Dumm­heit ist ein Fehler, welcher seit Menschengedenken materiell am höchsten bestraft worden ist.

(Schluß folgt.)

Um Gold und Ehre.

Bon L. von Neid egg.

14] ------- (Nachdruck verboten.)

Sie stand auf und ging der Thüre zu. Wesselhöst folgte ihr, öffnete mit ceremoniöser Verbeugung den Eingang zum Geschästslokal und begleitete sie hinaus. Dann kehrte er nachdenklich an seinen Schreibtisch zurück. Er nahm den Brief wieder auf, den er vor­hin bei Seite gefchoben, und fchlug ärgerlich mit der geballten Faust auf den Tifch. „Hochmüthige Närrin!" dachte er. „Kattenstätt vor einer Abenteurerin bewahren! ihn, der unablässig um das Mädchen sich bemüht, der gar nicht weiß, was er thun soll, um die Gunst der alten Mannes zu erringen! Wenn das edle Fräulein, dar diesen Brief mit dem Auge einer Geheimpolizisten erspäht hatte, feinen Inhalt hätte errathen können, wie würde sie triumphirt haben! Armer, alter Mann! in den Staub hätte sie ihn gedrückt. Mochte Browning fein Geheimniß bewahren, in feinen, Wesielhöft'r, Händen ruhte es sicher. WaS der Knabe vergangen, dar hatte der Mann ja redlich gefühnt. Run verstand Wesfelhöst aber die Abneigung, welche jener gegen ihn empfand. Browning erinnerte sich der Hätte von Wessel- höft'r Vater, der ihn unbarmherzig inr Elend stoßen

bilden im Anzeigentheile der öffentlichen Blätter eine stehende Rubrik und mehren sich, wie eS scheint von Jahr zu Jahr. Geschäfte bestimmter Branchen, ins­besondere der Konsektionsgeschäfte aller Art, sind ge- nöthigt, von Zeit zu Zeit, (z.B. meist nach beendeter Inventur oder bei Eintreten einer neuen Saison, 6 et einem starken Wechsel im Geschmacke der Mode), die noch vorhandenen Waarenreste abzusetzen, um dafür, wenn möglich, einen kleinen Gewinn oder doch den Einkaufspreis zu erzielen, öfters noch müssen sie unter denselben hinabgehen, nur um ihr Lager zu räumen. Durch solche Ausverkäufe, welche vollkommen reell sind, wird das Geschäft im Ganzen nicht gefchädigt, da eS sich um Maaren handelt, die zumeist nicht mehr den vollen marktgängigen Werth haben, dem Publikum aber, welcher mit den Pfennigen möglichst zu Rathe gehen muß, wird ein Bottheil durch verhältnißmäßig billigen Einkauf geboten. Auf gleichem reellem Boden stehen die Ausverkäufe, welche wegen Auflöfung des Geschäfts erfolgen, oder wegen Uebergangs in eine andere Branche; sie sind eine geschäftliche Noth- wendigkeit, in welche sich auch die Konkurrenz finden muß und ersahrungSgemäß ohne Widerspruch findet. Eine Rothwendigkeit sind seiner die Ausverkäufe, welche erfolgen, wenn z. B. ein Lager durch Wasser, Rauch bei Bränden oder ähnliche außerhalb der mensch­lichen Berechnung stehende Ereignisse beschädigt worden ist. Eine bedauerliche Nothwendigkeit bilden schließlich die Konkursmassen-Ausverkäufe, bei denen das vor­handene Material öffentlich meistbietend oder nach ver­eidigter Taxe auSgeboten wird.

Wenn sich die Ausverkäuse in den oben bezeichneten l Grenzen hielten, läge nicht der geringste Grund vor, über dieselben eine Zeile zu verlieren. Aber wie die geschäftliche Findigkeit, sür welche der vielgenannte und durchaus zutreffende Ausdruck „unlauterer Wettbewerb" gavg und gäbe geworden ist, alles Reelle auSnutzt, um unter dem Deckmantel der Reellität aus unreelle Werse beim kaufenden Publikum den Schein zu erwecken, daß sich eine Gelegenheit zu außer­gewöhnlich billigem Einkäufe bietet, so hat sich dieses Jndustrieritterthum auch mit Eifer aus den Begriff „Ausverkauf" geworfen und aus demfelben etwas ge­macht, daß man thatsächlich in kundigen Steifen schon von vornherein bedenklich wird, wenn dieses ominöse Wort in den Anzeigen erscheint. Bei der oben be­tonten geschäftlichen Nothwendigkeit der Ausverkäufe ist eS für den foliden KauimanuSstand von dem höchsten Jutereffe, daß dar Wort auf feinen wahren Werth zurückgefühlt wird und die Achtung wieder er­langt, welche es verdient. Wir meinen, daß fpeziell, angesichts der Vorlage über den unlauteren Wettbe­werb im Reichstage, diese Materie der Behandlung

Sttckrmt tSqlich S»m>- und ftetertage ausgenomE. - Vierteljährlicher AbounementsvreiS ohne Bringertohn und m Fulda und auSwäitS 1 Mark W Mennig

§ Inserate kosten die einspaltig- Gsrmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die P-tttznle 2b Pf., bei Wiederholungen entbreche »der Raau...

und unreellen Ausverkäufe zu kennen und zu würdigen. Die allgemeinste Unterscheidung ist zwischen „Total- Ausverkaus" und „Konkursmassen-Ausverkauf", und man denkt sich, daß der erstere der freiwillige, der letztere der unfreiwillige ist. Der Total-Ausverkauf ist allerdings stets freiwillig, aber der KonkurSmaffen- AuSverkauf längst nicht immer unfreiwillig. Um den letzteren zuerst zu charakterisiren, wollen wir uns ein konkretes Beispiel konstruiren. Moses Aronleben — er kann auch Max Schulze oder sonstwie heißen — hat ein Manufakturwaarengeschäft gegründet. Erzieht nicht und der Inhaber ist pleite, gründlich pleite. Die Gläubiger müssen die Masse übernehmen, sie wissen, daß es nicht viel Prozente geben wird, aber sie haben ein Interesse daran, möglichst bald mit dem faulen Kunden ins Reine zu kommen. Da erscheint nun der Jakob Jsaakleben oder meinethalben der Friedrich August Müller auf der Bildfläche und bietet für die ganze Prostdiemahlzeit eine Summe, bei der für die Gläubiger vielleicht 10 Prozent herauskommen. Um allen Scherereien entronnen zu sein, schlagen die Gläu­biger zu, der Konkurs ist faktisch beendet, eS fehlen nur noch die Formalitäten, aber das „Ausverkäufen" beginnt. Der Ersteher macht mit allen Mitteln der Reklame bekannt, daß ein „Konkursmaffen-Aus­verkauf" stattfinde, er weiß die Form schon so zu stellen, daß das gewöhnliche Publikum nicht merkt, ob eS ein offizieller ober nicht offizieller Verkauf ist, er­fahrungsgemäß achtet die große Menge auf folche l Aeußerlichkeiten fehr wenig. An jedem Artikel finben | sich für Jedermann aufdringlich lesbare Bezeichnungen ' über den „Taxpreis"; die Käufer, und erst recht die Käuferinnen kommen mit der vorgefaßten Meinung, etwas rechtBilligeS zu finden, es fällt ihnen kaum ein, mit den Preisen anderer Geschäfte Vergleiche an­zustellen, zumeist sind auch noch fvgen. „Lockvögel" mit thatfächlich recht niedrigen Preifen ostentativ ausgelegt, um Sand in die blöden Augen zu streuen — kurz aller läuft hin und würde sich fast ein Gewissen daraus machen, wenn man nicht von dieser absonderlichen Ge­legenheit profitiren wollte.

DaS Lager war nicht gerade groß, der Absatz ist Tag für Tag stark, „nur noch bis zum fo und fovielten", wird bereits annorcirt, „wegen anderweitiger Ver- miethung", wegen Umbaues rc. „muß bis dahin ge­räumt sein", hört man auS der Ztttung heraus, also doch kein Zweifel! Aber „es will sich nimmer erfchöpfen und leeren", von dem betreffenden verlangten Artikel ist immer noch ein letztes, und wenn das verkauft ist, noch ein allerletztes Stück da — die Heinzelmännchen müsfen offenbar beim Gefchäfie betheiligt sein. Und sie sind er auch: zu geeigneter Zeit kommen Ballen über Ballen möglichst unauffällig herein; so lange es zieht, mangelt es an Waaren nicht, das baare Geld wird zu diesen „Geschäften" gebracht und der Kon­kurrent, welcher mit reellen Mitteln arbeitet, kann leinen Laden für geheime Zusammenkünfte zur Verfügung stellen oder im günstigsten Falle „an- fchreiben" lassen.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. März.

* Der Kaiser hat den Pri'nzen Heinrich von Preußen beauftragt, ihn bei den im Mai d. I. statt­findenden KrönunqSfeierlichkeiten in Moskau zu ver- treten. — Der Kaiser trifft am 10. Mai zu mehr­tägigem Aufenthalte im Schlöffe von Primkenau als Gast feines Schwagers, des Herzogs Günther von Schleswig-Holstein, zur Rehpürfche ein. Man glaubt, daß auch die Kaiferin zu derselben Zeit die Heimath besuchen werde. — Die .Agence Roumaine' erklärt, die Meldung von einer beabsichtigten Zusammenkunft der Königs von Rumänien mit dem deutschen Kaiser und dem Könftg von Italien in Venedig sei unbegründet. Wahr sei, daß der König von Ru­mänien einige Tage in Abbazia verweilen werde, von einer Begegnung der Monarchen sei aber niemals die Rede gewesen.

* Ueber die Mittelmeerreise des Kaiserpaares sind folgende Anordnungen getroffen worden: Die Ankunft in Genua erfolgt am 24. ds. MtS., Nach­mittags 5 Uhr 45 Mm., wo das Kaiserpaar sofort in See geht. Der Flügeladjutant des Kaisers, Oberst v. Engelbrecht, ist bereits in Genua eingetroffen, ebenso sind zur Begrüßung der kaiserlichen Majestäten der Herzog von Genua und der Herzog von Meiningen gestern Abend in Genua angelangt. Am 25., Nach­mittags 5 Uhr, trifft das Kaiserpaar in Neapel ein und kommt mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen zusammen. Der Aufenthalt in Neapel dauert bis zum 31. ds. Mts. Am 1. k. Mts. bis zum 5. (Charwoche und Ostern) verbleiben die Majestäten in Palermo. Dann folgt eine mehrtägige Küsten­fahrt nach Venedig, wo die kaiserliche Familie am 11. k. Mts. eintrifft. Dort treffen die Majestäten mit dem italienischen Königspaar zusammen, deren Gäste sie während des dreitägigen Aufenthalt in Venedig sind. Am 13. k. Mts. Abends erfolgt dann die Abreise nach Wien, wo der Aufenthalt biS zum 15. k. MtS. fest­gesetzt ist, an welchem Tage der Kaiser noch an der großen Wiener Frühjahrsparade Theil nimmt. Am selben Abend reist der Kaiser über München nach Karls- ruhe, wo er sich bis zum 19. zur Auerhahnjagd auf- hält. Die Kaiserin reist bereits am 14. von Wien zurück und begleitet die beiden ältesten Prinzen nach der Kadettenanstalt in Plön. Am 19. k. MtS., Abends 6 Uhr, trifft der Kaiser in Koburg ein und nimmt dott an den Bermählungsfeierlichkeiten der jüngsten Tochter deS Herzogs Alfted, der Prinzessin Alexandra mit dem Erbprinzen von Hohenlohe-Langenburg Theil. Die Kaiserin kommt von Plön auS direst zu den

Bor beiläufig einem Jahre hatte er im Seebad Misdroy sich aufgehalten. Der Ott ist unansehnlich, die Menschen,, die dort weilen, sind auf einander an­gewiesen, und leicht und schnell knüpfen sich Bekannt- schäften an. So kam es denn, daß er viel mit Befsie verkehren konnte, die eine New-Yorker Bekannte dahin begleitet hatte, während Mr. Browning in Nonen- bürg geblieben war, um ein Haus zu kaufen und es einzurichten. Befsies frisches, ursprüngliches Wesen hatte großen Eindruck auf ihn gemacht. Da Norren- bürg ihr Aufenthalt werden sollte, und ihr Onkel an jenes Bankhaus gewiesen war, in dem er angestellt war (Theilhaber war er erst kürzlich geworden), so hatten sich manche Beziehungen zwischen ihnen er­geben, und da- Resultat war, daß mit jedem Tage dar Bild des Mädchens sich ihm tiefer ins Herz ein- gegraben hatte. Daß sie eine reiche Erbin fei, ahnte er damals nicht; er hielt sie für eine feinen Verhält- niflen angemessene Partie und hoffte, daß sie ihm eine anspruchslose Hausfrau, seiner betagten Mutter eine liebende Tochter werden würde. Einzig sein Zart- gefühl hielt ihn zurück, sie zur Frau zu begehren, bevor er in Norrenburg sich ihrem natürlichen Be­schützer vorgestellt hatte. Als er dort mit ihr zusammen- traf, begrüßte sie ihn anfangs mit der gewinnenden