23. Jahrgang
Dienstag, den 24. Mcivz 1896.
M 70
ist
auf die
,IuLdcrer Zeitung'
für das am 1. Aput d. beginnende
2. Guartat
wolle man sofort machen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt.
Der Post-Abonnementspreis mit der illnstrirten Sonntagsbeilage
Eibrl, E., Universitäts-Gärtner in Freiburg t. B., Bewirth- schaftung kleiner Hausgärten. Praktische Anleitung. Hefti: Gemüsebau. Heft2: Obst-, Beeren- undBlumen-Anlage. 2. Auflage. Mit Illustrationen Preis eines Hestes 25 Pfennig. Verlag von Emtl Stock in Leipzig.
Der im vorigen Jahre erschienenen I. Auflage dieser Hefte ras» die zweite gefolgt, der beste Beweis, daß d,e hübschen und billigen Schristchen eine sreudige Ausnahme Gefunden haben und einer praktischen ^ebnrfrüge in den weitesten Kreisen des Volkes begegnen. Wir können btt Schristchen nur bestens empsehlen und wünschen denselben eme Massenverbreitung. Um letztere zu begünstigen räumt btt «er- lagshandlung btt größeren Bezügen eme bebeutenbe Prets- ermäßigung ein.
Versammlung btr Katholiken Deutschlands, welche im vorigen Jahre vom 25. bis 29. August in München tagte, hat einen diesen Zweck verfolgenden, vom Erbprinzen Alois zu Löwenstein und Herrn von Rochow unterzeichneten Antrag in ihrer dritten geschloffenen Sitzung zu einer Resolution erhoben. Dieselbe lautet:
„Die 42. Generalversammlung fordert die Katholiken Deutschlands auf, nicht nachzulassen in der immer weiteren Verbreitung der „AllgemeinenBruderschaft vom hl. Hause" und in der Spendung von Gaben zur Restauration der deutschen Nationalkapelle, um auf diese Weise die Andacht zum hl. Hause zu Loreto und die Vollendung jenes neuesten und wahrhaft großartigen Werkes der deutschen Malerkunst zu fördern."
In den warmen Worten, durch welche der Kommissar der Generalversammlungen, Se. Durchlaucht Fürst Löwenstein, in der dritten geschlossenen Sitzung den Antrag befürwortete, wurde ausdrücklich betont, daß die Hoffnung, die nothwendigen fehr bedeutenden Geldmittel zur Vollendung unserer National- kapelle zu erlangen, sich vornehmlich an die Verbreitung der „Allgemeinen Bruderschaft vom hl. Hause"*) knüpfe. Der Fürst fügte in dieser Hinsicht:
„Die Geldmittel sind bis jetzt noch in erstaunlich günstigem Maße uns zugeflossen, hauptsächlich aber durch die Erzbruderschaft vom hl. Hause. Dieselbe wendet der deutschen Kapelle alle diejenigen Gelder zu, welche aus den Ländern deutscher Zunge, auch aus der deutschen Schweiz, kommen."
Wie bekannt, ist nämlich eine der Bedingungen zum Eintritt in die allgemeine Bruderschaft: Ein Almosen zu leisten für die würdige Wiederherstellung des das hl. Haus überwölbendenDomeS von Loreto. In einem früheren Artikel des Kirchenblattes über eine Wallfahrt nach Loreto war gesagt worden. Es schiene fast, als ob die Vorsehung die durch die „Allgemeine Bruderschaft" gefammelten Scherflein der Armen dazu ausersehen habe, das große Werk der Restauration der Gnadenkirche in Loreto durch- zuführen. Wer nun an demselben durch Eintritt in diese „Allgemeine Bruderschaft" sich betheiligen will, hat dazu auch in Dresden Gelegenheit, indem Herr Hofkaplan Msgr. Klein zur Aufnahme in dieselbe autorisirt ist und sich bereit erklärt hat, die Einzeichnungen und Gaben weiter zu besördern. Ueber den glücklichen Fortgang der Arbeiten in der deutschen Nationalkapelle in Loreto lausen öfters erfreuliche Mittheilungen seitens des deutschen Pönitentiars P. Bogel ein. Aber auch eine bedeu- tendere Stiftung für diesen Zweck ist in Aussicht gestellt, nämlich die Uebernahme eines der Freskogemälde durch die von dem be- rühmten Konvertiten Grasen Friedrich Leopold zu Stolberg- Stolberg abstammenden Mitglieder des erlauchten Gräflich Stol- berg'jchen Hauses.
In derselben Nummer des Kirchenblattes findet sich auch die Empfehlung eines wiffenfchaftlich, aber gleichzeitig gemeinverständlich gehaltenen Forschungswerkes, das in zwei Ausgaben, einer großen Prachtsausgabe und einer billigen Volksausgabe, erschienen ist. Die Empfehlung, welche wir zu der unferigen machen, lautet: Loreto, das neue Nazareth, welches den katholischen Erdkreis mit dem Ruhme seines Namens erfüllt. Zum sechshundertjährigen Jubiläum des hl. Hauses von Loreto. Veröffentlicht von Wilhelm Gar rat, Kämmerer des hl. Hauses, Magister der Universität Cambridge. Mit vierzig Bildern. Uebersetzt von Dr. F. I. Scheusfgen, Dom- propst in Trier Druck und Kommiffionsverlag von A. Föffer Nachfolger. Frankfurt a. M. 1895.
In neun Theilen mit je einigen Kapiteln als Unter- abtheimngen behandelt der Verfasser die Geschichte des hl. Hauses zunächst in Nazareth, dann an den verschiedenen Orten seiner Uebertragungen, die inneren und äußeren Kriterien der Echtheit des Hauffs der Menschwerdung in Loreto, und bietet endlich eine Art Pilgerführer und eine Unterweisung über die „Allge- meine Bruderschaft vom heil. Hause". Gründlicher, und man darf wohl fagen wissenschaftlicher ist noch niemals über das hetl. Haus abgehandelt worden, als es in diesem Buche geschieht. Es ist wegen dieser Vorzüge auch sofort in mehrere Sprachen aus dem englischen Originale übertragen worden; von der vor- liegenden deutschen Uebersetzung läßt sich ohne Uebertreibung behaupten, daß sie sich wie ein Originalwerk liest. Ein Haupt- interesse beansprucht das neunte Kapitel des achten Thetles, welches auf 14 Seiten eine Erklärung der Restaurationsarbetten in der deutschen Kapelle enthält. Die Arbeit des Jesuitenpaters Beißel in der Kölner Zeitschrift für christliche Kunst' ist bei der Deutung der wunderbaren Kompositionen deS Malers Seitz, welche der hl. Vater einen „Lobgesang" auf die seligste Jungfrau genannt hat, sichtlich benutzt worden. Auch die Jllustrirung dieses Kapitels ist der übrigen sehr splendiden Ausstattung würdig; sonst erregen allerdings die Abbildungen unseren Beifall nicht. In unserer Zeit sind die Reproduktionsmittel so mannigfaltig und auch int Vergleich zu früher so wenig kostspielig, daß für ein Werk von dieser Bedeutung oft schon benutzte Klichees mcht, oder wenigstens nicht in diesem Umfange, verwerthet werden durften. Im Uebrigen soll diese geringe Ausstellung es mcht verhind ru, dnß wir das Buch in wärmster Weise empfehlen.
♦) Die BruderschastSzettel find zu beziehen durch den P. Linus, Guardian des Kapuzinerklosters zu München. — Anderweitige Spenden zu Gunsten der deutschen Nationalkapelle sind zu richten an den Fürstlich Löwenstein'schen Hauptkassirer Zöller in Wertheim a. M.
«Literarisches.
beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Bestellgeld.
Kathol. Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke.
Die Gründung eine» ausgesprochen kathol. Vereins gegen die überhandnehmende Trunksucht, dar ist die Hauptfrucht der ersten großen Mäßigkeit-Versammlung seit langer Zeit, welche am 23. Februar in Aachen stattfand und einen großartigen Verlaus nahm. Gerade wieder am 23. Februar! An demselben Tage vor 51 Jahren, am 23. Februar 1845 fand eine ähnliche Versammlung in Hildesheim statt, bei der Katholiken und Protestanten, Kaplan Setzling nnd Pastor Böttcher sich verbündeten zum gemeinsamen Kampfe gegen einen „Gott", einen „König" und einen „Teufel". Auch in Aachen erscholl der Kampfruf: Auf gegen den Tyrannen und Menschenmörder! Auf gegen den Heiden- gott „Bacchus", dem noch so viele Christen ihre Opfer darbrmgen, gegen den König „GambrinuS", der auf seinem Throne so viele Huldigungen entgegennimmt, gegen den Teufel Alkoholdämon, der so viele Seelen mordet. , ,
Zu der Versammlung, welche von 12 katholischen sozialen Korporationen im Namen von 5000 Bürgern, Handwerkern und Arbeiter« einberufen war, war eine Reihe von Zustimmungrkundgebungen hoher Personen und Korporationen eingegangen. Se. Eminenz Kardinal Erzbischof Krementz von Köln sandte seinen oberhirtlichen Segen mit lebhaftestem Interesse für die Maßregeln, welche getroffen werden sollten gegen den Religion und Sittlichkeit vergiftenden Krebsschaden, die Trunksucht. Herr Weihbischof Dr. Fi sch er wünschte Gotter Segen und praktischen Erfolg, da eS sich ja handle um Beseitigung eines UebelS, das besonder- in manchen Arbeiterkreisen seine Rumen auf- häuft, so daß eine Vorsorge dagegen wahrlich auch ein Beitrag sei zur Lösung der sozialen Frage. Herr Weihbischof Dr. Schmitz sagte in seinem Schreiben: „Da liegt ein bisher leider noch vernachlässigtes Ge- biet unserer kathol. Arbeitervereine." Das Charitas- komüee in Freiburg sandte einen telegraphischen Glückwunsch, daß GotteS Segen zu Kampf und Sieg geleiten möge.
Die Hauptredner der Versammlung, der Kapuzinersuperior P. Gabriel, der zwölf Jahre in London thätig war, und Herr Dr. Bode aus Hildesheim, Geschäftsführer der Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, wußten in feuriger Rede für die Gründung eines MäßigkeitSvereinS und Einrichtungen zur Rettung der Trinker die ca. 1200 Zuhörer in heller Begeisterung zu entflammen.
Da» Hauptergebniß der Versammlung sind folgende einstimmig angenommene Resolutionen:
„1. Die Bürgerversammlung tritt der auf der Generalversammlung des „Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" in München gefaßten Resolution bezüglich deS dringenden Ersuchens an den BuvdeSrath und Reichstag, den TrunksuchtSgesetzentwurf möglichst bald zur Verwirklichung zu bringen, bei.
2. Die Bürgerversammlung begrüßt mit Freuden die jüngst erfolgte Begründung eines Komitee- zur Errichtung von Trinkerheilanstalten und fordert die Katholiken AachenS zur Gründung einer katholischen Trinkerheilanstalt für den Regierungsbezirk Aachen auf.
3. Die Bürgerversammlung ersucht den „Aachener Verein für VolkSwohlfahrt", die Errichtung von Volks- kaffeehallen zum Darbieten von Ersatzgetränken möglichst bald in die Hand zu nehmen.
4. Die Bürgerversammlung beschließt die Gründung eine- „Katholischen Verein- gegen den Mißbrauch geistiger Getränke", welcher mit dem „Deutschen Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" in Kartellverband steht, und empfiehlt:
a) den Eintritt in den Aachener „Kathol. Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke",
b) den Eintritt in die „MäßigkeitSöruderschaft".
5. Sie beantragt die Herau-gabe einer monatlich erscheinenden volkSthümlichen, billigen Mäßigkeitsschrift, die den Mitgliedern de- MäßigkeitSvereinS zugleich mit den ,Mäßigkeitsblättern deS deutschen Vereins in Hildesheim' und der BierteljahrSschrist: ,Blätter zum Weitergeben', gegen einen Mindestbeitrag von 2 Mark zugestellt wird. Die Mitglieder der Bruderschaft erhalten dieselbe für ca. 60 Pfg. jährlich, das ist für 5 Pfg. pro Stück."
Durch die erste Resolution wird ein bessere» Gesetz, durch die 2. und 3. werden bessere Einrichtungen, durch die 4. und 5. bessere Belehrungen und Anschauungen betreff» de» AlkoholiSmuS erstrebt.
Neben der MäßigkeitSbruderschaft müssen Mäßig- keitsvereine gegründet werden. Während die Schweizer Bischöfe im vorigen Jahre die 2 Gruppen: mit absoluter und relativer Abstinenz, aufstellten, ging die Aachener Versammlung nicht so weit, sondern empfahl den Eintritt in die Bruderschaft und den Verein. Die Bruderschaft verlangt zeitige, relative Abstinenz, d. h. die Mitglieder verpflichten sich, durch ein vor dem Präses gemachtes Versprechen, für eine bestimmte Zeit im Gebrauch der gebrannten Getränke enthaltsam und der gegohrenen Getränke mäßig zu sein, vorübergehender Gebrauch von Branntwein auf ärztliche Anordnung hin oder mit Erlaubniß des Präses Vorbehalten. Die Bruderschaft ist ein religiöse» Heilmittel für den Trinker und Borbeugmittel, um nicht unmäßig zu werden und um andere durch sein Beispiel vom Trünke zu retten.
Der Mäßigkeit-Verein schließt nur den Mißbrauch, nicht den zuläßigen, mäßigen Gebrauch von Alkohol auS, sucht durch Schriften und Versammlungen ausklärend zu wirken, die Regelung der TrunksuchtSftage auf gesetzlichem Wege zu betreiben und Einrichtungen zur Vorsorge oder Heilung der Trinker zu treffen. Der neugegründete Verein zu Aachen nennt sich „Katholischer Verein", um anzudeuten, daß er auf konfessionellem Boden steht, um katholische Einrichtungen, wie Trinkerasyle, in'S Leben zu rufen und katholische Mäßigkeit-schriften zu vertreiben. Zu letzterem forderte Excellenz Windthorst schon 1881 auf der Katholiken- Versammlung zu Bonn auf, wobei er den denkwürdigen Ausdruck gebrauchte: „Der Schnaps gehört in die Apotheke."
Der Aachener Verein nennt sich: „Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke," um anzudeuten, daß er dieselben Tendenzen hat, wie der „Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke," mit dem er al- selbstständiger Verein in einem Art Kartell steht, und von dem er für einen Theil seiner Beiträge dessen Monatshefte: Mäßigkeitsblätter' und die BierteljahrSschrist .Blätter zum Weitergeben' erhält. Wo der gemeinsame Feind Al- kohol gemeinsam angegriffen werden kann, auf staatlichem und kommunalem Gebiete, gehen der Deutsche und der katholische Verein zusammen. Dagegen bei Einrichtungen, wo der Einfluß der Religion eine Hauptrolle spielt, z. B. Trinkeranstalten, da geht der katholische Verein selbstständig vor, ist deshalb konfessionell. Als katholischer Verein wird er katholische Schriften über die Mäßigkeit zu verbreiten suchen. DaS Nöthigste ist die Gründung der in der Resolutton berührten, billigen volkSthümlichen Monatsschrift, wideren die Protestanten schon mehrere haben: z. B. Mäßigkeitsfreund', »Freiheit', .Deutscher Guttempler'. Diese Zeitschrift würde zugleich vermittelndes VereinS- organ für Verein und Bruderschaft sein, durch ständige Belehrung und Anregung die Vorurtheile zu Gunsten deS AlkoholiSmuS bekämpfen, und die katholische Mäßigkeitsbewegung in Fluß bringen und erhalten.
Möge die im Schreiben deS Herrn Weihbischofs Dr. Schmitz an den Präses der Männerkongregatton auSgedrückte Hoffnung in Erfüllung gehen, „daß das hocherfreuliche Vorgehen in Aachen gleich einem Wellenschläge auch für andere Städte und Gemeinden zur Nachahmung anregend wirken möge."__________________________________________
O Die deutsche Kapelle in Loreto.
Im .Katholischen Kirchenblatt für Sachsen' vom 8. März d. I. findet sich nachstehender erneuter Aufruf zur Förderung deS in künstlerischer, nationaler und vor Allem in religiöser Beziehung so erhabenen und gleichzeitig so lieblichen Werke-, der deutschen Kapelle in Loreto. Möge dieser Aufruf weithin Widerhall und Beachtung finden!
„Das Jnttrtsft btr beuifchtn Katholiktn an btr Bolltnbung btr btutfchen Nationalkapelle in btr Gnabtnkircht zu Loreto erheischt es, baß von Zeit zu Zeit immer toitbtr einmal bingeroiefett werbe auf bie großartigen bort unternommenen Arbeiten nnb bie unerläßliche uns obliegenbe I Pflicht, biefe Arbeiten ehrenvoll zu Enbe zu führen. Die General