M 70 Dienstag, den 24. März 1896. 23. Jahrgang
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wtt Untrrhaltnngs-Heilage „Streue und Kiumen".
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lichster Stunde gemachte Gelöbniß und ihm daS Versprechen zu
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Die Feier des Reichstagsjubiläums^/ |
ien Stufen des Thrones niederlegen, daß es auch fernerhin als
unsere heiligste Aufgabe beschlossen sein soll, uns wie s. Z. im
Kriege, so auch im nationalen Wettkampf um die Güter des
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Volk, als dessen Vertreter wir uns zu diesem Zwecke heute in diesem stolzen Heim versammelt haben, umgeben von lieben Gästen, die ich hiermit auf's Herzliche willkommen heiße. Oder hat Jemand mehr Verdienste an dem Erreichten, als das Volk in Waffen? Wo wären wir ohne die enge Verbrüderung und das feste Zusammenhalten der deutschen Stämme, ohne den unübertroffenen Heldenmuth und die stolze Manneszucht unserer Heere, ohne die beispielslose Hingabe des ganzen Volkes für das Wohl des Vaterlandes ohne Unterschied des Alters und Geschlechts? Jetzt gilt es, das Erreichte zu schützen, zu behaupten und zu mehren. Da sage ich aber: „Nicht Roß, nicht Reisige sichern die steile Höh', wo Fürsten steh'n". Einen nie versagenden Schutz bildet nur ein in geistigem Kampfe gestärktes, seiner Rechte und Pflichten voll bewußtes, in treuer Liebe zu seinem angestammten Herrscherhause vereinigtes Volk. Ein solches wollen wir alle Zeit sein und bleiben und feststehen im gemeinsamen, redlichen Streben nach Schutz und Pflege deutschen Rechts und nationaler Wohlfahrt, auf daß die Wiedererstehung des Reiches für die deutsche Nation das Wahrzeichen werde neuer Größe auch nach innen. Namens eines solchen Volkes erfülle ich eine angenehme Pflicht, indem ich Derer dankbar gedenke, die für die Einheit und Macht des Reiches so hoch an- zufchlagende, persönliche Opfer gebracht haben und als deutsche Bundesgenossen in treuer Eintracht zum Heile des Reiches und
des Volkes zusammenstehen. In allererster Reihe aber müssen wir uns berufen und verpflichtet erachten, Jenen zu seie>n, der an der Spitze der deutschen Fürsten steht, dem das höchste Verdienst zukommt an der Erhaltung und Mehrung der von seinen großen Vorfahren Überkommenen nationalen Einheit und Unabhängigkeit. Ihm wollen wir begeistert danken für das in feier*
riges Wiegenfest? Ich denke, wir haben alle Ursache hierzu, und I ich meine, unsere heutige Feier bilde nicht nur einen würdigen s Abschluß all der patriotischen Kundgebungen der letzten Monate, * nein, ich behaupte, wenn einer der bei der Wiedererrichtung und ■ Behauptung des Reiches betheiligten Faktoren mitberufen ist, I an der nationalen Feier Theil zu nehmen, so ist es das deutsche i
verehrter deutscher Kaiser, die deutschen Fürsten und freien Städte, sie leben hoch!
Wiederholt wurde der Redrer von großem Beifall unterbrochen. Als er geendet, schämten sich alle Fest- theilnehmer um ihn und sangen stehend die Nationalhymne. Hiernach trank man sich gegenseitig zu, Präsident Frhr. v. Buol dem Reichskanzler und v. Boetticher. Später ergriff der Reichskanzler Fürst Hohenlohe das Wort zu folgendem Toast: /
Meine Herren, der erste Präsid nt des Reichstags hat die heutige Gedenkfeier eingeleitet mit beredten Worten auf Kaiser und Reich. Wir, die ehemaligen Mitglieder des Zollparlaments und des ersten Reichstags, und S e alle haben ihm begeistert zugestimmt in d m stolzen Bewußtsein, nunmehr einem mächtigen Reiche anzugehören in der berechtigten Freude über das mit schweren Opfern Errungene und in der dankbaren Erinnerung an die Männ r, die unter der weiten und kraftvollen Leitung des großen Kaisers Wilhelm Deutschland zum Siege und durch den Sieg zur Einheit geführt haben. Nur wenige bi ser Kriegs- Helden sind noch am Leben, darunter zu unserer Freude her bewährte Heerführer k önig Albert von Sachsen. Sie alle, Lebende und Verstorbene, aufzuzählen, ist nicht meine Aufgabe, wohl aber will ich unter den Geschiedenen Diejenigen nennen, die dem Herzen des deutschen Volkes am nächsten stehen. Da erhebt sich denn vor uns die Heldengestalt Kaiser Friedrichs, des „Kronprinzen", der durch die Liebe, die er sich im deutschen Volke, in Süd und Nord zu erwerben gewußt, das erste Band geschlungen hat, das die deutschen Stämme zum gemeinsamen Kampfe vereinte. Ich nenne sodann die Feldmarschälle Roon und Moltke, von denen der eine in langjähriger organisatorischer Thätigkeit das Schwert schärfte, mit dem unsere Schlachten geschlagen wurden, während der andere, der unvergleichliche Heerführer, das Wehrzeug in genialer Weise zu gebrauchen verstand. So leben sie fort int Gedächtniß, in der dankbaren Verehrung des deutschen Volkes. Einer aber, der größte unter den Männern jener Zeit, steht noch aufrecht da, wie eine der Eichen des Sachsenwaldes: Fürst Bismarck, der mit sorgendem Blick den Geschicken des Reiches folgt und manch mahnendes Wort an die Epignonen der großen Zeit richtet; der Mann, der, als wir nach den ersten gescheiterten Einheitsversuchen an der Zukunft Deutschlands verzweifeln wollten, seinerseits weder die Hoffnung noch den Muth sinken ließ, der in langer, mühevoller diplomatischer Arbeit die Wege ebnete, die zu der einheitlichen Gestaltung des Reiches führten, und der, als der Augenblick gekommen, als die Saat gereift war, den Augenblick erfaßte und mit der ihm eigenen K-ast die Schwierigkeit Überwandt, die sich ihm entgegenstellten. So ist er, der treue Diener seines kaiserlichen Herrn, der eigentliche Schaffer des Reiches geworden. Es ist ein schöner Zug in dem Charakter deutschen Volkes, daß es dem Manne treue Verehrung unentwegt entgegenbringt, der sein Leben eingesetzt hat, um die seit Jahrhunderten unbefriedigte Sehnsucht der deutschen Nation zu erfüllen. Unser deutsches Volk weiß es als eine köstliche Gabe der Vorsehung zu schätzen, daß in dieser Zeit gerade dieser Mann mit den Geschicken des Vaterlandes betraut war. Lassen Sie uns — und hier spreche ich zu den politischen Gegnern des ersten Kanzlers.— lassen Sie uns heute die Tage des Kampfes und Streites vergessen und vereinigen wir uns Alle zu dem Rufe: „Fürst Bismarck lebe hoch!"
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Friedens als Sieger zu erweisen. In diesem Sinne trinke ich auf das Wohl eines mächtigen und glücklichen deutschen Volkes und rufe mit Ihnen aus voller Brust: Se. Majestät unser all-
Jm prachtvoll gefchmückien und ftstlich erleuchteten Kuppelsaale des ReichstagShaufeS fand am SamStag Abend 6 Uhr das Bankett der ReichStagSrnit- glieber und der geladenen Ehrengäste statt. Neben dem Präsidenten des Reichstages Frhrn. v. Buol faß rechts der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, links der Vizepräsident der Staatsministeriums, StaatS- minister v. Boetticher; neben dem Reichskanzler faß der Abgeordnete v. Boetticher; gegenüber dem Reichskanzler hatte v. Wedell-PieSdorf seinen Platz eingenommen, rechts von diesem saß der 2. Brze-Präsident Spahn, links der 1. Vizepräsident Schmidt. Von vornherein berrschte eine gehobene freudige Stimmung. Nach einer Fanfare erhob sich Präsident v. Buol zu folgendem, mit markiger, weithinschallender Stimme gesprochenen Toast aus den Kaiser:
Durchlauchtigste, hochgeehrte Herren und liebe Freunde! Das Jubeljahr neigt sich seinem Ende zu. In allen Gauen Deutschlands, in allen Schichten seiner Bevölkerung, in Schlössern und Höfen ist die Erinnerung an die große Zeit vor 25 Jahren in patriotischer Begeisterung begangen worden. Vom Throne herab haben wir das Gelöbniß erneuern hören: für des Volkes und des Reiches Ehre einzustehen, sowohl nach Außen als nach Innen. Ein Reich, ein Volk, ein Gott! Auch die Vertreter der verbündeten Regierungen haben die patriotische Hingabe der deutschen Fürsten — als der unerschütterlichen Stütze und Säule des Reiches — in Erinnerung an jene Zeit empfunden und gefeiert. Und da könnten Manche noch fragen: Was will denn der Reichstag eigentlich noch feiern ? Etwa fein eigenes 25 jäh-
Deutsches Reich.
Berlin, 23. März.
* Der Kaiser und die Kaiserin wohntengestern Vormittag dem GedächtnißgotteSdienste in der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche bei. Nach demselben fuhren sie nach dem Mausoleum in Charlottenburg, um anläßlich deS gestrigen Geburtstages der Kaisers Wilhelm I. am Sarge einen Kranz niederzulegen. Nach der Rückkehr gewährte der Kaiser dem Prinzen Ludwig von Thurn und ToxiS eine Audienz. — Nachher wurde General v. Werder empfangen, der ein eigenhändiger Schreiben deS Zaren überreichte. — Der Kaiser fuhr heute Vormittag bereits um 1/a8 Uhr beim Reichskanzler Fürsten Hohenlohe vor und verweitte bei demselben über eine Stunde. Um ll1/» Uhr ^Vormittags haben der Kaiser und die Kaiserin mit den beiden ältesten Prinzen vom Potsdamer Bahnhofe aus die Mittelmeerreife über Basel und Genua mittels Sonderzuges angetreten. Die Einschiffung an Bord der kaiserlichen Jacht „Hdhenzollern" erfolgt voraussichtlich morgen Abend zwischen 6 und 7 Uhr m Ger.ua, worauf die kaiserliche Jacht alsbald nach Neapel in See geht. Zar Verabschiedung auf dem Bahnhof hatte sich auch der österreichisch-ungarische Botschafter v. Szögysnyi-Marich, von dem da- Kaifer- paar sich im Fürstenzimmer verabschiedete, eingrfuuden. — Rumänischen Blättern zufolge soll Ende diese- Monats in Venedig eine Begegnung zwischen dem deutschen Kaiser und den Königen von Italien und Rumänien stattfinden.
* Der Buudesrath hielt am Montag Morgen im Reichstagsgebäude eine Sitzung ab, um dem vom Staatssekretär Grafe« PosadowSky dem Reichstage in Aussicht gestellten Gesetzentwurf wegen Verwendung überfchüsftger Reichseinnahmen zur Schuldentilgung feine Zustimmung zu er» theilen. Der Gesetzentwurf wurde dann sofort im Reichstage eingebracht, wo auf Anregung des Präsidenten, Frhrn. v. Buol, sofort mit der Generaldebatte der dritten EtatSberathung die Generaldebatte über den Gesetzentwurf verbunden wurde. Abgesehen von der Form eines Spezialgesetzes (der Antrag Lieber wollte die betreffende Bestimmung bekanntlich in das Etats- gesktz selbst aufnehmen) stimmt der Gesetzentwurf im Wesentlichen mit dem Anträge Lieber überein. @8 sollen also die Mehrüberweisungen auS dem Jahre 1895/96 und 1896/97 (jedoch nicht aus 1894/95) zur Hälfte zur Schuldentilgung verwendet werden. In parlamentarischen Kreisen wurde der Entwurf als eine schwere Niederlage deS prentzischen Finanzministers Miquel aufgefaßt. Trotzdem die einzelstaatlichen Finanzminister erklärlicher Weise ebenso wenig wie Herr Miquel freiwillig auf einen Theil der ReichSzuschüsse verzichten wollten, hat doch der BundeSrath in feinet Mehrheit sich für den Antrag erklärt. Der Vorgang beweist, daß Herr Miquel nicht mehr die ausschlaggebende Stellung besitzt, die er ganz gewiß noch vor Kurzem besessen hat; bisher wenigstens
Hierzu eine Keilage. i k______ ______rill
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Um Gold und Ehre.
Bon L. von Neid egg.
13] ------ (Nachdruck verboten.)
7. Kapitel.
Ein paar Tage nach Theobald'S Besuch erschien Adelheid im GeschästSbureau der Herren Wörz, Wessel- Höft & Co., um im Auftrage ihrer Tante einige fremd- ländische ZinS-CouponS einzuwechseln. Nachdem sie dies besorg», fragte sie den Kassirer, ob Herr Wrssel- Höst etwa im Nebenlokal anwesend und ob er daselbst zu sprechen sei. Dienstfertig erbot sich der junge Mann, seinen Chef herauSzurufen.
„Die Angelegenheit sei eine private/ erwiderte jedoch dar Fräulein, und ohne einen Schalten der Verlegenheit, in kühlster Haltung durchschritt sie dar lange Lokal, um sich nach Weffelhöft's Arbeit-lokal zu begeben. Die Schreiber drehten sich um an ihren Putten, um der vornehmen Erscheinung nachzublicken, im Stillen den Prinzipal beneidend um diese Unterredung. Sie aber achtete der Bewunderung nicht, die sie erregte, kühl und unbewegt betrat sie da- reservirte Lokal.
Weflelhöst saß dort an seinem Schreibtisch so ganz vertieft in die Lektüre eine- Briefes, daß er daS
Oeffnen der Thüre über hörte, daß er Adelheid'- Kommen nicht eher bemerkte, bis sie neben ihm stand. Unwillkürlich fixirte sie den Briefbogen, den er in der Hand hielt, er war in englischer Sprache geschrieben. War (8 ein Spiel ihrer auf einen Punkt sich richtenden Einbildungskraft, oder hotte ihr scharfes Auge wirklich recht gesehen? Sie glaubte den Namen Browning auf dem beschriebenen Blatt lesen zu können.
„Herr Wtsselhöft!" sagte sie halblaut.
Er fuhr auf, legte das Blatt hin vud erhob sich.
„Was führt Sie hierher, gnädige- Fräulein?" fragte er. „Haben meine Schreiber etwa eine Ungeschicklichkeit begangen? Weshalb ließen Sie mich nicht in- Geschäftslokal rufen?"
„Weil ich mit Ihnen über etwas zu sprechen habe, daS nur Sie allein hören sollen. Die Angelegenheit berührt meine Tante, dennoch muß ich Sie bitten, ihr gegenüber Schweigen zu beobachten über den Schritt, den ich gewagt."
Er verbeugte sich und sah sie etwa- verwundert an.
„Gewiß werde ich darüber schweigen, wenn Sie es so wünschen, gnädiger Fräulein. Bitte, mir nur zu sagen, was eigentlich der Zweck Ihre- Besuches ist."
„Sie haben weit auSgebreitete Verbindungen mit Amerika, sagt man sich. Gewiß sollte eS Ihnen ein
Leichtes fein, dort über Mr. Browning genaue Erkundigungen einzuziehen, ganz Bestimmte- zu erfahren über seine Vergangenheit."
Unwillkürlich glitt de- BanquierS Blick zu seinem Brief hinüber, welchen er vorhin aus der Hand gelegt. So hatte ihr Scharfblick sie doch nicht getäuscht.
nW- Sie haben vielleicht schon Auskunft bekommen ?" rief sie aus und rasch hatte sie da- Couvert de- Briefes ergriffen. Es war ein eingeschriebener Brief: „Seldon and Brothers New-York, fifth Avenue 20,“ glaubte sie daraus zu lesen.
„Mein gnädige- Fräulein, Sie setzen zu viel Vertrauen in meine Quellen," sagte Wesselhöft fthr kalt, und nahm ihr den Briefumschlag wieder ab. Sie konnte nicht ander-, al- ihn gewähren lasten. Aber Weiberlist ist eben erfinderisch. Sie wußte e-, als sie Platz nahm neben dem Schreibtisch, so einzurichten, daß fie dar verhängnißvolle Couvert nicht aur den Äugen verlor, und den Namen der Absenders ihrem Gedächtnisse einprägen konnte.
„Amerika ist groß," fuhr Wesselhöft fort, „die Existenz einer Einzelnen verliert sich dort, und wäre er auch ein Millionär. Was Herr Wörz seinerseits in Erfahrung gebracht hat, habe ich Ihrer Frau Tante bereits mitgetheilt. Darf ich mir die Frage erlauben,