M 69 Biontag, den 23. März 1896. 23. Jahrgang
FuldaerWZcitung
mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Kinmerr".
Erscheint t»MH, Semi» «d Feiertag« ausgenommen — Vierteljährlicher AborrnementSvreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspattige Sarmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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Ein ernstes Wort, welches gerade zu jetziger Zeit, wo die farblose Presfe, die ,General-Anzeiger' und die Berliner Ramsch» blätter mit ihrem vergiftenden Inhalte leider auch in katholischen Gegenden sich einzunisten begonnen haben, die höchste Beachtung verdient, hat der hochwürdige Klerus des Dekanats Dortmund gesprochen. Die für alle Katholiken höchst zutreffenden Ausführungen lauten: VMWS
Liebe, theure Pfarrkinder! M
Bon den vielen Gefahren, die Euern hl. Glauben und damit Euer zeitliches und ewiges Glück bedrohen, ist eine der furchtbarsten jene, die aus dem Lesen glaubensfeindlicher, gottloser Schriften entsteht. So alt als dar Christenthum, so alt ist diele Gefahr, so alt ist aber auch die Sorgfalt und Umsicht, womit unsere vom hl. Geiste erleuchtete und geleitete Kirche die Gläubigen vor dieser gefährlichen Klippe hütet und warnt. Schon der hl. Paulus, dieser so hochbegnadigle und hochbegabte Apostel, hatte die Schäife seines Wortes zu richten gegen den Frevel, womit auch schon damals gottrSfeindliche Menschen schlechte Schriften benutzten und verbreiteten. Auf sein thatkräftigeS, standhaftes Bemühen hin wurde zu EphesuS auf einmal eine solche Menge jener glaubenswidrigen Bücher verbrannt, daß sich der Werth davon auf 50,000 Denare oder 36,000 Mark belief. (Apostel- Geschichte 19, 19.)
Seit jenen Tagen aber ist diese Gefahr wahrlich nicht geringer geworden, aber auch nicht geringer geworden die Sorge, mit der unsere hl. Kirche bemüht ist, die ihr anvertrauten Gläubigen vor der so leicht ansteckenden Pest der schlechten Schriften zu bewahren. Auf zahlreichen Synoden und allgemeinen Konzilien hat sie warnend und weckend ihre Stimme hiergegen erhoben.
Wenn aber je, dann ist gerade heutzutage diese Gefahr groß, ja auf's höchste gestiegen. Jeder verständige Christ wird mit uns die Erkenntniß theilen, daß, wenn unser Volk zu Grunde geht, es hauptsächlich infolge des Giftes geschieht, womit gerade in unserer Zeit glaubenslose, gottentfremdete Schriftsteller die Gemüthrr der Menschen in gewissenloser Weise kränken. Wie eine gewaltige Schlammfluth, in der jedes Lebende erstickt, jeder Reine besudelt, jedes Heilige entweiht, jede Sitte verderbt, jeder Erhabene verspottet wird, so wälzt sich täglich der Strom der schlechten Schriften, Zeitungen und Unterhaltungsbroschüren aus de«
Um Gold und Ehre.
Bon L. von Reid egg.
12] ------- (Nachdruck verboten.)
„Geld und nichts als Geld!" seufzte Frau von Kattenstätt. „Welches Unglück ist schon über die Kattenstätter hereingebrochen, seit die Gier darnach in ihnen erwachte! Glücklich und einfach lebte Dein Großvater, bis mit dem Kohlengraben dar Elend seinen Anfang nahm. Mein guter Mann bemühte sich dem entgegen zu arbeiten, und ganz zufrieden lebten wir still dahin, bir nach Deiner Geburt der Dämon auch über Deinen Vater kam, und er Reichthümer sammeln wollte für Dich. Der Verkauf von Kattenstätt war das Ende. Aber selbst dann wurde Dir kein Wunsch versagt, nichts war zu kostbar für unseren Herzen»- sohn. Lieben solltest Du uns und glücklich sein, — und Du liebst nur Dich, und dar Glück suchst Du, wo man eS niemals findet."
Ihre Stimme erstickte in Thräneu.
„Rege Dich nicht auf, Mütterchen," sagte Theobald, indem er aufstand und sich über sie beugte, um fie mit der zärtlichsten Gebärde zu küssen, die sie immer entwaffnete, und die auch ferner Stehende zum Ausspruch bewog: „Bei all seinen Fehlern ist er doch ein vortrefflicher Sohn." —s„Rege Dich nicht unnöthig auf. Ich liebe Dich von Herzen, wenn auch auf meine
Druckereien eines christuSfeiadlichen, sittenlosen SchriststellerthumS hinaus auf den Markt deS LebenS. Wehe, wer von dem Gifte nimmt, er kann nicht wieder gesunden, er muß daran zu Grunde gehen. Wer zählt die Tausende, die jährlich zum Schmerze jedes edlen Menschen, aber zum größten Schmerze unserer hl. Kirche auf diese Weise sich selbst zu Grunde richten! Väter, Mütter, Vorgesetzte! Könnt Ihr ruhig und sorglos bleiben bei dieser furchtbar drohenden Gefahr? Kannst Du, katholischer Mann, er ansehen, i daß man Dir alle Tage das Gift der schlechten * Schriften in Dein Haus trägt; wird nicht Deine ganze Familie bald durchseucht sein mit jenem Geiste, den solche Schristen athmen, wirst Du nicht selbst und wärest Du auch der entschiedenste christliche Charakter, bald stürzen, unterspült und unterwühlt von den fressenden Wassern einer solchen täglichen Lesung? Täusche Dich nicht, steter Tropfen hat noch immer auch den härtesten Stein gehöhlt. Gerade die tägliche schlechte Zeitungslektüre ist von allen * die verderblichste und verhängnißvollfte. Durch sie werden die wahren Giftpilze in daS christliche Herz und in die christliche Familie eingepflanzt. In den schlechten Zeitungen werden die giftigen Angriffe gerichtet gegen unsere hl. Kirche, gegen die von Christus ihr übergebenen Dogmen, gegen ihre alle Wechselfälle überdauernden Einrichtungen, gegen ihre altehrwürdigen weihevollen Gebräuche. ES gehört nun zwar nach - Christi Borhersagung die Verfolgung zum Wesen ders Kirche, und sie würde aufhören, die Kirche Jesu des I Gekreuzigten zu sein, wenn sie, ruhend am Busen der i Weltfreundschaft, hier schönere Tage genösse.
Aber grausam und unnatürlich herzlos handeln jene Katholiken, die eine solche Presse in ihrem teuflischen Werke unterstützen, die den Arm noch stärken, der täglich Keulenschläge ins Angesicht unserer hl. Kirche führt. Mit diesem Verbrechen aber belasten sich alle, die einer solchen Zeitung Eingang in ihr Hau» gestatten; sie können sich nie und nimmer reinigen von dem Borwurfe, daß sie mitarbeiten an dem versuchten Siege der Hölle über JesuS sein Werk.
Katholischer Christ? Willst Du noch ferner unterstützen eine solche Presse, die Dich als katholischen Christen für einen abergläubischen Narren hält? Willst Du für Dein eigenes Geld Dir täglich die Verhöhnungen eines glaubenslosen, feilen Skribenten ins HauS bringen lasten? Willst Du mit Deinem Gelde die Buben dingen helfen, welche die altehrwürdige Kirche Jesu mit ihrem ekelhaften Geifer täglich besudeln? Willst Du mitarbeiten an dem Unglück Deiner Kinder und KindeSkinder?
Katholische Glaubensgenossen! Wir haben unsere Sorge nicht länger mehr unterdrücken können; da» Pflichtgefühl treibt uns, einmal in einem öffentlichen Appell unS mahnend und bittend zu wenden an Euere so oft treu bewährte katholische Gesinnung. Ange
sichts der Unheils, das wir drohend vor uns anwachsen sehen, rufen wir Euch zu auS dem wohlmeinendsten Herzen: Helfet uns, die furchtbar wirkende Macht der schlechten Lektüre brechen! Schaffet fort aus Eueren Familien jedes glauben-feindliche Buch, jede sittenlose Schrist, jede unkatholische Zeitung!
Greifet zur gesunden Kost christlicher Lektüre, die Euch für jeden Stand und Bildungsgrad in Fülle geboten wird. Lernet von den Andersgläubigen, von denen ein jeder sich schämen würde, jemals eine Zeitung in die Hand zu nehmen, die seine religiöse Gesinnung in solch gemeiner Weise verhöhnte.
Wir aber werden nicht rasten noch rühm, wo und wie immer wir können, ein Schriftstellerthum zu bekämpfen, das sich täglich versündigt an den heiligsten Interessen der Menschheit. Wir werden nicht stumme Hunde sein bei dieser Gefahr, damit wir an jenem Tage nicht erscheinen müssen, belastet mit dem Verbrechen der Pflichtvergessenheit. Wer immer zu Christus hält, der leihe uns seinen Arm und sein scharfe- Schwert in diesem Kampfe; denn nur in der Einheit liegt die Kraft. „Ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller" (Eph. 4, 5), aber auch eine Lektüre, die da wahrt und hütet die Ehre diese» einen wahren Gotte- und die geistigen Interessen aller derer, die ihm anhangen. ______________________________________
A Zuckersteuergesetz und Getreide- Terminhandel.
Der preußische Minister für Landwirthschaft, Herr von Hammerstein-Loxten, hatte dieser Tage eine Besprechung mit dem Abgeordneten Müller-Fulda bezüglich der wichtigeren landwirthschaftlichen Fragen, insbesondere bezüglich de» Zuckersteuergesetzer.
Der Herr Minister betonte, daß er auf daS Zustandekommen deS Gesetzes eine» sehr großen Werth lege und sprach die Befürchtung auS, daß im Falle der Ablehnung für die am Rübenbau stark interessirten Gegenden in den nächsten Jahren eine wirthschaftliche Katastrophe eintreten könne, die ihre Rückwirkung auf die gefammte Landwirthschaft ausüben werde. ES möchte deshalb doch nichts unterlassen werden, um die Annahme des Gesetzes herbeizuführen. Abg.Müller- Fulda erwiderte, daß er persönlich kein Gegner deS Gesetzes sei, daß er jedoch Seitens der CentrumSpartei den Auftrag habe, eS s o zu gestalten, daß keine über- triebene Schädiguag der Reichrfinanzen oder Belastung der Konsumenten eintrete, daß mithin auch die AuSfuhr- zuschüsse aus eine mittlere Höhe gefetzt werden müßten, etwa den österreichischen entsprechend. Andernfalls werden seine Freunde schon auS Rücksicht auf die Wünsche der süddeutschen Mitglieder nicht sür das Gesetz zu gewinnen sein. Ohne Eintreten der gejammten CentrumSpartei sei jedoch auf Annahme im Reichstage überhaupt nicht zu rechnen. Einige Mitglieder der
Weife. Trotz der Verschiedenheit unserer LebenSauf- faffung haben wir unS ja noch immer verstanden. Für Dich ist die Erde ein Jammerthal, ich hingegen möchte sie mir zum Paradiese gestalten; darum trachte ich, mit vollen Zügen daS Leben zu gemeßen."
Und wenn die Verhältnisse stärker sind als Dem Wille, Theobald? Wenn e» mit dem unbegrenzten Genießen nicht geht?"
„Dann — mit einem raschen Sprunge in die Ewigkeit."
Sie faltete die Hände: „Theobald!" schrie sie auf. „Theobald! welch' gräßliche- Wort! Und mein Sohn hat es gesprochen, mein einziger Sohn!"
Aufs neue flössen ihre Thränen, heiß und bitter, vom tiefsten Seelenschmerz au-gepreßt.
Wieder umschlang er sie, und küßte ihre Hand: „Ach Herzen-mütterchen, wer wird doch jedes Wort so auf die Wagschale legen! Der Tod ist uns Allen sicher, und wenn mir da» Leben nicht» mehr bieten kann, so soll er mir willkommen sein; da-, und weiter nicht», wollteich sagen. Siehst Du!" — er lachte auf mit dem sorgenlosen leichtsinnigen Lachen, das ihm eigen war — „an all' der Aufteguvg ist niemand schuld, al- der abscheuliche Onkel Johann. Wir wollen ihn nun vergessen, und die gute Laune wiedergrwinnen, die er unS verdorben."
Er war einschmeichelnd und sie war schwach. Einer
momentanen Aufwallung war fie fähig, konnte fich da sogar zu scharfen Worten hinreißen laffen; ihren Willen, ihre Ansichten ernstlich geltend machen, verstand sie nicht, am wenigsten dem Sohne gegenüber. Er umgab sie mit Zärtlichkeit, fie vergaß ihre Sorgen, und ungetrübt floß der Rest des Abend» dahin.
6. Kapitel.
Es war am Abend de- nächsten Tage-, und mit dem letzten Zug sollte Theobald nach Rorrenberg zurücktehren. Nachdenklich, als drücke chn eine peinliche, heimliche Sorge, war er den ganzen Tag herum- gegangen. Adelheids scharfe Augen hatten die» wohl bemerkt: die Mutter hingegen, erfüllt von der Freude, den Liebling ungestört einen ganzen Tag bei sich zu haben, hatte seine ungewohnte Schweigsamkeit nicht beachtet. Das Abendessen war vorüber, wieder saß man im Wohnzimmer beisammen, Mutter und Sohn neben einander, Adelheid etwa» abseits am offenem Fenster. Da- Lampenlicht beleuchtete hrll chre schlanke Gestalt; ein weiße» Kleid fiel in weichen Falten an ihr herab, der herrlich geformte Kopf mit der Krone von goldig-schimmernden Haarflechten hob fich scharf vom dunkeln Fenstervorhang ab, an den er lehnte. So einfach die ganze Erscheinung, und doch so schön! — Dieser Gedanke drängte sich Theobald auf, dessen Blicke wie gebannt an dem Bilde hingen. „Warum kann