Einzelbild herunterladen
 

M 68 Samstag, dm 21. März 1896. 23. Jahrgang

»icrWZtitüiig mit Unterhaltungs-Krilagr „Sterne und Klume«'.

Erichen« Mgfi<6 Smm- unb Feiertnge ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einipaltigc Karmondzeile oder deren Raum 15 Ps., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

.................. .........—

Zweites Blatt.

Bestellungen auf die ,IuLdcrer Zeitung" für das am 1. April d. I. beginnende

2. Grmrtal

wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt.

Der Post-Abonnementspreis mit der illustrirten Sonntagsbeilage

beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

Die ,Fuldaer Zeitung' behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet, und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter in Berlin sowie in der Provinz setzen uns in den Stand, über alle wichtigen Er­eignisse bedeutend früher zu berichten, als die anderen hiesigen Blätter. Die '

— Fuldaer Zeitung

ist unter den in Fulda wöchentlich mehrmals erscheinenden Blät­tern dasweitausgelesenste Blatt und eignet sich deshalb auch ganz besonders als Jnsertionsorgan. Anzeigen sind von sicherer Wirksamkeit.

AW Urovenirrnrnern

werden an uns aufgegebene Adressen mehrere Tage kostenlos und portofrei versandt.

Ak« hmMktmde Mmentm ift'XS tion (Fuldaer Aktiendruckerei, Harmonie) die Postquittung zusenden, die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende März unentgeltlich und franko unter Kreuzband.

Wir laden unsere Leser zu recht zahlreichem Abonnement ein und richten zugleich an sie die Bitte, uns in der Gewinnung neuer Abonnenten durch Empfehlung in Freundeskreisen «ach Kräften z» nnterstützen.

Fulda, im März 1896.

Redaktion und Verlag der ,Fuldaer Zeitung'.

Sch. Eine Resorm der Bröllbäckerei.

Direkt aus Getreide Brod! Wer hätte dar je für möglich gehalten? Schon in den ältesten Zeiten wurde das (Betreibe zwischen Handsteinen zerkleinert, gemahlen und, zwar in kleinen Portionen, die täglich verbacken

Uw Gow und Ghrr.

Bon L. von Neid egg.

11] ------- (Nachdruck verboten.)

Sinnend stand sie ein paar Minuten da. Mit Blitzesschnelle ging ihre ganze Vergangenheit an ihr vorüber. Sie sah sich als hilfloses Kind, als vater- und mutterlose Waise, von der gütigen Pathin auf- genommen, die ei sür Pflicht erachtete, für das ver­lassene Kind der entfernten Verwandten zu sorgen. Sie sah sich an der Seite des um wenige Jahre älteren schönen Knaben aufwachsen, desien Leben zu einem ununterbrochenen Freudenfest zu gestalten die Eltern in ihrer Liebe stets getrachtet hatten. WaS ihrem scharfen Auge, ihrem kritischen Verstände schon damals nicht entgangen war, das sah sie jetzt deut­licher ein, als je: wie der Charakter des Knaben beim Mangel an strenger Zucht sich immer unvortheilhaster entwickelte, wie Selbstsucht und Verweichlichung nach und nach seine besseren Eigenschaften überwuchert hatten. Und obwohl sie dies alles sah und erkannte, so hatte doch in ihrem leidenschaftlichen Herzen die Liebe zu dem schönen Knaben sich festgesetzt. Liebe ist nicht immer blind. Bei Mensche« von Adelheids Charakter sieht sie oft sehr scharf, und möchte mit Geißeln drein fahren und den geliebten Gegenstand züchtigen, daß er ein Bild der Vollkommenheit würde und der Hingabe werth, welche sie wider besiereS Wisien ihm entgegenbringt.

Dann kamen Erinnerungen an spätere Jahre; sie war in ein Pensionat gebracht worden, und als sie in ihrer vollerblühten Schönheit heimgekehrt und dem jungen Offizier wieder begegnet war, da hatte der

enthält

S

3

I

|

|

wurden. Später verwandte man größere Steine, die durch thierifche Kraft bewegt wurden, noch später durch Waffer und Wind und heute durch Dampf. So hat fich dar Mehlverfahren immer mehr vervollkommnet ; indessen ist aber der Hauptgefichttpunkt, nämlich die Zweckmäßigkeit in Bezug auf die Ernährung des Men­schen, vollständig unbeachtet geblieben und verloren gegangen. Gehen doch bei Herstellung deS Bäcker­oder HauSbrodeS durch das Mahlen und AuSbeuteln bei Getreides 40 pCt. nährende Bestandtheile des KornS, daS sogenannte Protein oder Eiweiß, durch Absonderung der Kleie für die menschliche Nahrung verloren. Schon JustuS v. Liebig, der Begründer der Agrikulturchemie, wies 1844 bereit« in seinen „chemischen Briefen" darauf hin, daß das Beuteln deS MehleS eine Sache des Lexus und für den Ernährungszweck eher schädlich als nützlich sei.

DaS (Betreibe enthält bekanntlich so ziemlich alle Stoffe, welche ber Mensch zu seiner Ernährung bedarf, und zwar in genügender Menge und verdaulicher Form, wie sie der Kreislauf des menfchlichen Lebens bedarf: die stickstofffreien Nährstoff', welche vorzugsweise das Innere der Körner bilden, unterstützen die Athmung. wogegen die stickstoffhaltigen Nährstoffs die eigentlichen Blutbildner sind. Diese letztem liegen aber zumeist in der innere Kleieschicht, welche durch den Mehlprozeß ausgeschieden wird.

Nach den Untersuchungen von Wünwurm in der k. I. landwirthschaftlich-chemischen Versuchsstation Wien

durch daS Beuteln des Der wohlhabende Mensch

Roggenkleie 13,25 Sonach gehen . [ stickstoffhaltige Substanzen ■ MehleS fast ganz verloren.

kann diese fehlenden Nährstoffs durch Fleisch, Milch, I gier, Butter usw. ersetzen; jedoch waS wird dem Armen i entzogen, dem Brod die Hauptnahrung ist? Zwar ist : daS grobe Kommißbrod, das Schrotbrod, der west- i fälische Pumpernickel so nahrhaft und fättigend, weil I darin mehr Eiweiß enthalten ist, wie in feinen Bäcker- l broden. Allein einerseits find diese Schrotbrode schwer s verdaulich, anderseits find sie in den Großstädten über- l Haupt nicht zu haben oder zu theuer.

Der deutsch-russische Kaufmann F. I. Gelinck : in Riga hat nun wie in der Landwirthschaftl. Beilage

Roggen 9,38

Roggenmehl 3.81

; Schwarz. „ 12 87

verdaul. Derbaul. stickstoff- stickstoff- Protein: Rohfaser: Fettstoffe: haltige freie

Substanz.: Substanz.:

| Liebreiz ihrer Erscheinung ihn momentan geblendet. | Sie hingegen hatte ihm ihr ganzes Herz erschlossen, - bis er mit nachfichtSloser Hand den Schleier zerrissen, ; welchen ihre Lrebe um sein Bild gewoben. Er hatte ! ihr klar gemacht, daß er niemals eine tiefere Neigung i für sie empfunden. So jung sie war — üjre stolze l Natur wußte sich zu beherrschen bei dieser Eröffnung. | Sie gab sich den Anschein, als sei auch bei ihr von t einem ernsteren Gefühl nie die Rede gewesen, und - keine Wimper zuckte, a-s sie ihre Liebe verleugnete; » aber noch verschlossener wurde ihr Wesen von dieser \ Stunde an, noch kälter gab sie sich seither nach l außen hin.

Die Wunde, welche Theobald ihr geschlagen, als er ihre Illusionen zerstörte, war nie mehr gehellt; sie I wußte selbst ost nicht welcher Art das Gefühl war, welches sie für ihn empfand — ob Haß, ob Liebe. Aber Eines wußte sie: sie kannte ihn jetzt genau. Ost konnte eS ihm ungemüthlich werden, wenn er dem Blick dieser schwarzen Augen begegnete, die forschend auf ihm lagen und bis auf den Grund feiner Seele zu tauchen schienen. Gern wich er ihnen aus, diesen unbarmherzigen Strahlen, denn er war einer jener gar nicht seltenen Egoisten, die selbst an die eigene Bortrefflichkett glauben, und meinen, sie hätten eine edle That vollbracht, sobald sie nur eine wohlklingende Phrase gedrechselt. ,

Richt lange jedoch überließ sich Adelheid ihrem Sinnen; mtt einer energischen Bewegung fuhr sie sich über die Stirn, ging ruhig ihren häuslichen Beschäf­tigungen nach, und als mit dem Abendzuge Theobald eintraf, hatte sie glänzend und umsichtig ihre Aufgabe gelöst. Lampen brannten in allen Zimmern, auf allen

1,66

1,94

10,88

74,72

0,09

0,45

5,37

90,42

1,37

2,65

15,92

72,77

4,80

3,72

14,75

48 65

der ,Köln.VolkSztg.' mitgetheilt wird, ein in allen Kulturstaaten patentirtes Verfahren gefundm, wodurch alle die getilgten Mängel in der heutigen Brodberei- tung in der einfachsten Weise fich beheben laffm. Durch daS Gelinck'iche Verfahren wird daS Brod unmittelbar aus (Betreibe hergestellt, ohne das (Betreibe burch ein Mahlverfahren vorher zu verkleinere; der Roggen, der Weizen wird nicht mehr in Mehl verwandelt, sondern unmittelbar zu Teig umgestaltet und dann verbacken.

Die Herstellung deS Brodes nach dem neuen Ver­fahren ist fo einfach, daß eS fast verwunderlich ist, daß niemand ftüher auf die Idee verfallen ist.

Nachdem daS Getreide von Unkrautfamen, Sand und Steinen u.f.w. befreit ist (trockene Reiniauug), wird dasselbe in einer Wäsche mit zu- und abfließen­dem Waffer so lange gewaschen, bis da» Waffer klar abfließt. Durch dieses Waschverfahren wird aller Unrath von Katzen, Mäusen und Vögeln, Brand und Mutterkore entfernt, waS bisher alles mitvermahlen wurde. Darnach wird das (Betreibe mit heißem Wasser bebrüht, bis eS mit Leichtigkeit zwischen den Fingern zu Brei verrieben werden kann; daS gesunde Korn finit beim Brühen bald zu Boden, während auf der Oberfläche deS Wassers eine ekelerregende Schicht schwimmt, die abgeschöpft wird. Nach dieser Vorbe­reitung kommt daS Getreide in die „Teigmühle", in welcher es in fertigen Teig verwandelt wird, ohne wieder mit Menschenhänden in Berührung gekommen zu fein, waS gegenüber dem bisherigen Backvsrfahcen nicht nur viel einsachsr, sondern auch app-titl-cher und ber Gesundheit dienlicher ist. Mit weißen Holz- oder Blechschaufeln wird daS gebrühte (Betreibe auf einen verzinnten Tisch geworfen, von dem anS die gleichfalls verzinnte Mühle gespeist wird. In dieser Teigmühle liegt der Schwerpunkt ber Erfindung. Aeußerlich sieht die Mühle einem zum Reinigen deS Getreides dienen­den Trieur (Fochmühle) ähnlich. Der Hauptthell ist ein fchrägliegender Cyliuder von etwa ein Meter Länge und 25 Zentimeter Durchmesser. In diesen Cylinder ist ein gereifter Schurckengang eingeschnitten, in dem sich eine eiserne Schnecke bewegt. An dem Ende des Cylinder» ist der Einfall • Trichter für das gebrühte (Betreibe. In bem Schmckengange des CylinderS hat der Teig vier nebeneinander stehende Meffer und einen weitlöcherigen eifernen Siebboden zu paffiren. Am Ende des CylinderS tritt der fertige Teig in Fäden von der Stärke einer Stricknadel ans dem Schlutzfieb- boden unb fällt in einen barunter befindlichen Cylinder, den S a u e r - B o t t i ch. Wenn man beim Durchgehen des (Betreibe« durch die Teigmühle gleich für eine ge­

gangen — Theobald hatte einmal gesagt, nichts sei ihm so störend wie Dunkelheit — Blumensträuße schmückten daS ganze HauS.

Im kleinen Speisezimmer, auS dem ein paar Stufen in den Garten hinabführten, stand ein leckeres Mahl Bereit. Köstlicher Geruch drang durch die geöffneten Thüren, die einen Ausblick gewährten auf wohlgepflegte Blumenbeete; — der LuxuS eines gut gehaltenen Gar- ten» war der einzige, den Frau von Kattenstätt fich gewährte. An der Schwelle stand die Mutter mit strahlendem Äesichte, und als fie auf dem Kie» die Schritte des nahenden Sohnes hören konnte, ging fie ihm mit beinahe jugendlicher Lebhaftigkeit entgegen, fiel ihm um den Hals und konnte ihre Blicke gar nicht erfät- tigen an dem ersehnten Anblick. Hand in Hand mit ihm betrat fie daS Speisezimmer, in dem Adelheid in gewohnter kühler Haltung ihn empfing. TS war ein eigenthümlicher Blick, welcher in ihren Augen auf- flammte, als sie seiner ansichtig wurde. Was aber auch ihre Gedanken sein mochten, sie äußerte nicht» davon. Ruhig reichte sie dem Vetter die Hand, litt eS, daß er sie an die Lippen führte; als er aber Miene machte, sie länger in ber seinen zu behalten, zog sie bieselbe rasch zurück. „Willkommen Theobalb!" sagte sie ein­fach.

„Alfo boch willkommen? Als ich Dich nicht gleich fah, fürchtete ich, Du würdest mir das Wort nicht gönnen."

„Bist Du Dir einer That bewußt, die Dich eine» Willkommens uuwerth machte?" fragte fie in dem Tone, der ihr eigenthümlich war, und Theobald, deffen Blick bewundernd an ihren klassischen Zügen gehangm hatte, wandte fich ärgerlich ab.