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Freitag, den 20. März 1896.
23. Jahrgang
F«ldaerWZkit«ng
mit Urrterhaltrrngs-Krttagr „Sterne und Klumen".
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& Zum Reichstagsjubiläum.
Am 21. März sind 25 Jahre verflossen, seitdem in Berlin der erste deutsche Reichstag zusaunnen- aetreten ist. Es ziemt sich, daß der Reichstag selbst dieses Tages festlich gedenkt, es ziemt sich aber auch für das deutsche Volk, an dieser Jubelfeier seiner erwählten Vertretung den herzlichsten geistigen Antheil zu nehmen. Denn waS wäre das deutsche Volk, wenn auch äußerlich geeinigt, ohne die tnngu Einigung, deren höchster Ausdruck und deren festestes Bollwerk gerade der deutsche Reichstag ist? Am 18. Januar ist allüberall im deutschen Reiche die 25. Wiederkehr deS TageS der Kaiserproklamation zu Versailles festlich begangen worden.
Mit Recht, denn die Kaiserkrone ist da- Symbol unserer Einigung; aber eine weit stärkere Bürgschaft für die Erhaltung diese- kostbaren Guter, und zwar für die Erhaltung der äußeren Einheit ohne inneren Zwang, ist doch die deutsche Volksvertretung, die frei gewählt wird auf Grund eines für alle Deutschen ohne Unterschied der Einzelstaaten, Klasien, Ständeu. s. w. durchaus gleichen, allge- meinen Wahlrechts. Gewiß, auch in dem Kaisrr- thum verkörpert sich die Reichseinheit; aber die Verfassung gibt dem Kaiser keine entscheidende Mitwirkung an der ReichSgesetzgebung, sie verpflichtet ihn, Gesetze, die sowohl vom Reichstage als auch vom BundeSrathe genehmigt sind, mit seiner Unterschrift zu versehen. Die beiden Hauptfaktoren der ReichSgesetzgebung sind also der Reichstag und der BundeSrath. Im BundeSrathe kommt dar bundesstaatliche Prinzip zum Ausdruck, denn er besteht lediglich aus den Bevollmächtigten der einzelstaatlichen Regierungen; es bleibt also für die Vertretung deS EinheitSgedankenS wesentlich nur der Reichstag. Und waS die Bedeutung des Reichstag» für die Freiheit deS deutschen Volkes anbetrifft, so bedarf eS wohl keiner weiteren Darlegung, um festzu- stellen, daß der auf Grund de» allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gewählte Reichstag der einzige Hort unserer Freiheit ist.
DaS deutsche Volk wäre also undankbar, wenn eS als Gratulant bei dem Jubelfeste seines Reichstag- fehlen wollte. ES würde damit beweisen, daß ihm nichts an seinem Reichstage, nicht» an seiner ver- fassungSrnäßigen Mitwirkung an der ReichSgesetzbung, nichts an seinem Wahlrechte läge; eS wäre dann wirklich reif, den Bestrebungen derer zum Opfer zu fallen, die darauf auSgehen, sein Wahlrecht zu verkürzen. Wir totff en, daß mit uns das ganze katholische Volk diese Bestrebungen entschieden zurückweist, und sind ebenso fest davon überzeugt, daß daS katholische Volk an dem Jubelfeste der Reichstags herzlichen Antheil nimmt.
Wir Katholiken haben dazu auch noch unsere ganz besonderen Gründe; denn der Reichstag war für uns auch der Boden, auf dem wir in schweren Kämpfen
Mm Gold und Ehre.
Bon L. von Neidegg.
10] ------- (Nachdruck verboten.)
Kattenstätt sah rasch auf: „Ach, lassen Sie ihm doch ungestört die Millionen, die er hat", lag ihm auf der Zunge, au-zurufen. Einem Gläubiger unbequeme Wahrheiten zu sagen, ist aber eine mißliche Sache; dos mußte er wohl fühlen, beim er wagte I nur die bescheidene Einwendung:
„Ist denn da» Unternehmen ein ganz sicheres?"
„Ha! ha! ha!" lachte Rußwurm auf. „Da spricht schon der besorgte Schwiegerneffe. Seien Sie ganz • ruhig, die Sache steht vollkommen sicher. Ich möchte, ' daß auch Sie sich daran betheiligen könnten, möchte j Sie gleichsam im Schlaf zum Krösu» machen. Aber ] Sie haben ja kein Kapitol, können nicht einmal jene i 40,000 Mark zurückcrstatten. Wissen Sie waS? Ihre - Frau Mutter hat ja noch ein Gut, ein sehr hübsche» sogar, Thalheim — heißt eS nicht so?"
„Jawohl — was soll eS damit?"
„Verkaufen Sie eS mir."
„Wie kann ich verkaufen, waS nicht mein ist, WaS meiner Matter gehört?"
„Sie find ja der Goldsohn. Reden Sie ihr zu und fir entschließt fich vielleicht zum Verkauf. Ich
groß und mächtig geworden find, der Boden, auf dem unsere politische Organisation im Centrum erwachsen ist und sich bewährt hat, der Boden, auf dem da» Centrum gekämpft und gesiegt hat, der Boden, auf dem unsere großen Führer, Männer wie Mallinckrodt und Wiudthorst, wie die Brüder Reichen-- perger,Franckenstein,Schorlemer und Andere, al- Politiker und Redner für Wahrheit, Recht und Freiheit gewirft haben! Sie sind nun alle dahingegangen, um die himmlische Siege-krone für ihr Kämpfen auf Erden zu empfangen, aber Andere sind an ihre Stelle getreten, und trotz aller Anfechtung und Verleumdung, trotz aller Ränke und aller TodeSprophe« zeiungen lebt und wirkt da- Centrum auch heute noch und ist so reich an Ehren und Macht, wie kaum jemals zuvor. DaS Centrum, schon lange die ausschlaggebende, ist seit einem Jahre auch äußerlich die führende Partei im Reich-tage; aus seinen Reihen ist der Präsident dk- Reichstags, Frhr. v. Buol, hervorgegangen, UP ter dessen Leitung am 21. März auch der deutsche Reichstag seinen 25. Geburtstag feiert.
Wir dürfen daher, mag un- auch die Geschichte deS Reichstags nicht in allwege gefallen, dennoch mit wahrer Freude an diesem schönen Feste theilnehmen. DaS deutsche Volk aber möge seinem Glückwünsche den ernsten Vorsatz hinzufügen: „Wir halten fest an unserem Reichstage, an unserem ReichStagtwahlrecht!" Und der katholische VolkStheil wird noch außerdem das Gelöbniß erneuern: „Allezeit treu unserem Cmtrum!" _________________________________
Deutsches Reich.
Berlin, 19 März.
* Heute Vormittag machten der Kaiser und die Kaiserin einen gemeinsamen Spaziergang durch den Thiergarten. Bon lOVa Uhr ab nahm der Kaiser im Schlosse den Vortrag des KriegSminister» entgegen, arbeitete daran anschließend mit dem General v. Hahnke und konferirte sodann mit dem Minister Freiherrn v. Hammerstein-Loxten. Mittags empfing b?r Kaiser ben neuernannten rumänischen Gesandten Alexander Belbimann behufs Ueberreichung seine- Beglaubigung», schreiben- in Antrittsaudienz, welcher ber Staatssekretär bes Auswärtigen Freiherr Marschall von Bieberstein unb der Einführer be- diplomatischen CorpS von Usebom beiwohnten. — Der Kaiser wirb am SamStag Vormittag- 9 Uhr bie Leib-, 4. unb 5. Compagnie 1. Garberegiments zu Fuß im Lustgarten zu Potsdam besichtigen. — DaS ,Fremdenblatt' erfährt aus Berlin, ber beutsche Kaiser werbe gelegentlich seiner Reise nach Italien Wien besuchen. — Wie bet römische Korrespondent be» ,Berl. Tageblattes' bestimmt erfahren haben will, kommt bet Kaiser nicht nach Rom. Die Zusammenkunft mit König Humbert wirb nach ber Beendigung ber Seereise beS Kaisers im April in Venedig erfolgen.
* D-e englische Regierung hatte, wie die ,N. A. Ztg.' berichtet, an diejenigen Mächte, welche
zahle eS Ihnen hoch; e- grenzt an mein Bornhausen, ich kann dort Raffinerien errichten unb ben ganzen Petroleumhanbel für Deutschlanb in bie Hanb nehmen. Ich zahle eS Ihnen in Bornhauser Aktien zum Smis- sionSpreiS. Schon jetzt stehen sie weit höher; sie werben noch weiter steigen. Haben sie bie doppelte Höhe erreicht, so verkaufen Sie bies-lben und Sie find em steinreicher Mann."
DeS Lieutenants Augen glänzten. „Ganz recht; aber man gibt einen Besitz so leichten Herzens eben nicht weg. Besitz verleiht Ansehen.
„Sie kaufen dann ein doppelt so große» Gut."
„Alles gut und schön. Wenn aber meine Mutter nicht einwilligt?"
„So !äßt sie eben eine herrliche Gelegenheit unbenützt vorübetqehen. Sie aber zahlen mit auf andere Weise meine 40,000 Mark."
„Die verfluchten 40,000 Mar!!" brauste der Lieutenant auf. „Und es ist mir noch sehr zweifelhaft, ob ich sie auch voll erhalten habe! Da waren immer Abzüge, Bedingungen, war weiß ich alle»!"
„Man kann sein gute» Geld doch unmöglich für nicht- hergeben! Euch jungen Herten fließt e- nur so : durch die Finger. War Ihr seht, dar wollt Ihr haben, wollt leben wie die Millionäre, und dann wundert Ihr Euch, wenn daS Geld, das wir Arbeiter
Antheil an der Kontrolle der ägyptische« Schuldenver- waltung haben, den Antrag gerichtet, einen Theil deS au» ben ägyptischen Ersparnissen gebildeten Reserve- fondS für bie Expedition nach Dongola verwenden zu können. Nachdem die deutsche Regierung festgestellt hat, daß die Annahme deS Anträge» bett Ansichten ber briben attberen Dteibunbkabmete und insbesondere den Wünschen der italienischen Re« gierung entspricht, ist der deutsche Kommissar in Kairo demgemäß verständigt worden.
• An dem Anträge Lieber, betr. die Schulde«- Mguug im Reiche, hat der Abg. Müller-Fulda einen sehr wesentlichen Antheil. Da sich über die Vorgeschichte diese» Anträge» schon allerlei Legenden gebildet haben, wird e» gut sein, den wirklichen Sach- verhalt darzulegen. Die Behauptung de» .Vorwärts', daß der Antrag Lieber seine Entstehung einer direkten Anregung de» Reichrschatzsekretär» Grafen Posa- dowSky verdanke, ist völlig unzutreffend. Graf Posa- dowSky hat mit der Entstehung des Antrages Lieber gar nichts zu thun und hat in dieser Angelegenheit weder mit dem Abg. Lieber noch mit einem anderen Centrumsmitglied verhandelt. Der Vorschlag, eine Quote de» Ueberschusse» des Reiche» zur Schulden- tilgung zurückzuhalten, ist zuerst bei der EtatSberathung im Reichstag im Dezember vorigen Jahres vom Abg. Fritzen gemacht worden. Diese Anregung verdichtete sich schon im Januar in einer sehr eingehenden Be- rathung der Abgg. Lieber, Fritzen und Müller- Fulda zu dem Vorschlag, die Hälfte der Ueberschüsse zur Schuldentilgung einzubehalten. Der Gedanke, die Schuldentilgung auf die drei bekannten Jahre au»- zudehnen und das politische Prinzip, daß die Hälfte der Ueberweisungen zur Schuldentilgung zu verwenden sei, zum förmlichen Ausdruck zu bringen, rührt vom Abgeord. Lieber her. Die Ausrechnung der Einzelheiten des Antrages ist sodann durch den Abg. Müller-Fulda geschehen. In den Bor- Verhandlungen über den Antrag unter den genannten Abgeordneten war auch bereits ein Entwurf auSge- arbeitet worden, welcher die Verwendung der Hälfte deS Ueberschusse» zur Schuldentilgung ein für alle Mal gesetzlich festlegen wollte. Doch fand dieser Entwurf keine Zustimmung; vielmehr wurde e» besser befunden, zunächst jene» Prinzip ein Mal praktisch für drei Jahre zur Anwendung zu bringen unb biefe Bestimmung in da» EtatSgesetz hineinzuarbeiten. Die genannten Centrum» - Abgeordneten bürfen daher die Originalität deS Gedanken» und seiner AuSsührung voll für sich in Anspruch nehmen.
* Ein neuer Postzettuvgstarif ist nach der ,Settiner BolkSztg.' auf Anregnung de» Reichsschatzamte» aufgestellt werden. Derselde soll eine Mehreinnahme von jährlich ca. 1ls Million Mark einbringen. Da- nach würde in Zukunft die Pofiprovifion sich zu- sammensetzrn au»:
a) einer Grundtaxe von 40 Pf. jährlich (10 Pf. vierteljährlich) für jede» Exemplar,
mühsam zusammengescharrt, geschmolzen ist, so rasch wie Schnee an der Sonne."
„Verschwunden ist da» Geld allerdings so spurlo» wie Schnee",, meinte Kattenstätt. „Augenblicklich kann ich die 40,000 Mark unmöglich zurückzahlen. I« einer Zeit fteilich wird e» mir ein Leichtes sein, e» zu thun," fügte er langsam und nachdrücklich bei.
„Ach so, ich verstehe. Nun bin ich kein Wütherich. Ich will Ihnen gefällig sein, so gut e» geht. Wissen Sie wa»," ein Lächeln, da» schelmisch sein sollte, umspielte seine dünnen Lippen. „Ihr Won gilt viel bei Mr Browning; bringen Sie ihn dazu, mir ein gehörige» Quantum Aftien auf Bornhausen abzunehmen, darm soll vorläufig von den 40000 Mark !eine Rede mehr sein."
Unschlüssig blickte Kattenstätt vor fich nieder: „Da» klingt ja beinahe, al» sollte ich Ihnen meine Ber- Wendung verkaufen?"
„Verkaufen! welch' große» Wort! Nur einen Dienst mit dem anderen vergelten, wie Sie schon einmal ge- than. Meinen Sie denn, ich hätte Ihre ausstehenden Schulden, die anfingen unbequem zu werden, mit jenen 40,000 Mark gedeckt, wenn Sie mich nicht so eindringlich dem Rabob empfohlen hätten?"
Der Lieutenant erröthete; er fühlte fich wie ge.