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Ueilage Mv
Wulöaev Zeitung.
Wontcrg, den 16. Wcrrz 1896.
23. Jahrgang
*# Monarchenbegegnungen.
Vor einigen Tagen ist die K a i? e r y s ch t „Hohen- zollern" m See gegangen, um sich nach dem Mittelmeere zu begeben, und nun wird bekannt, daß am Mittwoch auch der Kreuzer „Kaiserin Augusta" die Fahrt nach dem Mittelmeer angetreten hat, jedenfalls, um als Begleitschiff der „Hohenzollern" zu dienen. Die Offiziösen werden deshalb nicht mehr gut ableugnen können, daß der Kaiser und vermuthlich auch die Kaiserin eine Fahrt auf dem Mittelmeere beabsichtigen und eS gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, daß eine Begegnung deS deutschen Kaisers mit dem König von Italien, vielleicht auch mit dem Kaiser von Oesterreich geplant ist. Der Pariser ,Trmps' meldet, eS sei wahrscheinlich, daß der Kaiser von Oesterreich nach seiner Abreise von Kap Marlin an der französischen Riviera, wo er gegenwärtig weilt, an der Zusammenkunft der deutschen Kaisers und des Königs von Italien theilnehmen werde. In diesem Falle würde die Begegnung vermuthlich in Genua stattfinden, von wo aus dann dar deutsche Kaiserpaar seine Fahrt auf der „Hohenzollern" antreten könnte.
Nun wird allerdings einigen Blättern aus Wien berichtet, der Kaiser von Oesterreich werde ohne Aufenthalt von Kap Martin nach Wien zurückkehren, die Gerüchte über die Begegnung seien daher falsch. Damit würde dann eine weitere Angabe übereinstimmen, wonach daS deutsche Kaiserpaar da-Osterfest in Rom als Gäste deS italienischenKönigSpaareS zu verleben und dort mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen zusammenzutreffen gedenke. Eine offene Frage bleibt dann immer Die Verwendung der Jacht „Hohmzollern" und daS Ziel der Seefahrt deS Kaisers. Neulich hieß eS allerdings, daS Kaiserpaar werde von Italien zur See nach Abbazia fahren, jenem herrlich gelegenen Kurort an der dalmatinischen Küste, wo die Kaiserin mit ihren Kindern im vorigen Jahre Erholung suchte und fa ch. Diese Meldung wurde aber alsbald offiziös bestritten.
Wenn man alle diese Meldungen miteinander vergleicht, so gewinnt man den Eindruck, daß unsere amtlichen und höfischen Kreise bisher sich außerordentliche Mühe gegeben haben, um über die diesjährigen Reiseabsichten des Kaiser- ein undurchdringliches Dunkel zu verbreiten. Der Grund dieser Zurückhaltung ist aber leicht zu erkennen, denn eS ist ja selbstverständlich, daß eine italienische Reise deS Kaisers so lange nicht fest in Aussicht genommen werden konnte, als man in Ungewißheit über die Entwickelung der Dinge in Italien selbst war. Daß daS Regiment CrispiS schon lange nicht mehr auf festen Füßen stand, war in Berlin und Wien gewiß nicht unbekannt. ES mußte also zunächst abgewartet werden, ob Crispi zu Ostern noch im Amte wäre, und wenn nicht, war für Leute an seine Stelle treten würden, ob aufrichtige Freunde des Dreibundes oder Männer, von denen eine Hinneigung zu Frankreich zu erwarten gewesen wäre.
Nun ist Rudini an die Stelle Crispi'S getreten, und dar läßt allerdings darauf schließen, daß Italien den Dreibundverttag erneuern will, denn Rudini war eS, der 1892 den Vertrag erneuerte, und jetzt wird ein Brief von ihm an einen Fremd veröffentlicht, in welchem er sich sehr entschieden für den Dreibund ouS- spricht, dem Italien den Frieden und feine Sicherheit verdanke. Freilich, Italien hat alle Veranlassung, sich an daS Bündniß mit seinen nordischen Nachbarn zu halten, denn ohne dieses Bündniß wäre eS bei seiner gegenwärtigen Schwäche sehr in Gefahr, der Rache Frankreichs zu verfallen.
Aber waS haben Deutschland und Österreich von Italien? Auch solche, die für dar Bündniß mit Italien eintreten, geben jetzt zu, daß der militärische Werth dieser BundeSgenvssenschaft nicht bedeutend sei, aber sie meinen, der moralische Werth derselben käme doch auch in Bettacht, und BiSmarck habe sich hauptsächlich deswegen Italiens versichert, um zu verhindern, daß eS sich Frankreich in die Arme werfe. Sind wir aber so absolut sicher, daß es nicht doch noch einmal geschieht? Und birgt nicht gerade das jetzt so überaus gespannte Berhältniß zwischen Italien und Frankreich seine Gefahren in sich?
Mindestens wird man von Italien zu verlangen haben, daß eS sich nicht wieder in solche bedenklichen Abenteuer stürzt, wie daS abefiynische. Möge eS jetzt, wenn es ihm gelingt, in einem, wenn auch kleinen Gefechte den NeguS zu schlagen, sich m't dieser „Wiederherstellung seiner Wcffenehre" begnügen und dann mit Menelik einen billigen Frieden schließen, der ihm sein Land beläßt und für Italien nur dessen ersten Besitz, daS Dreieck ASmana-Karen-M. ssauah, sichert. Und dann mögen die Italiener sorgen, daß
ihre Kassen sich wieder füllen. Wir glauben übrigen-, daß auch die deutsche und österreichische Regierung in diesem Sinne den Italienern Vorstellungen gemacht haben.
Wenn eS sich nun bewahrheiten sollte, daß der deutsche Kaiser mit dem König Humbert zusammentrifft, so läßt sich als sicher betrachten, daß Italien versprochen hat, diesen wohlmeinenden Rathschlägen zu folgen, und daß auf allen Seiten die Absicht erklärt ist, den Kündigungstermin für den Dreibunsvertrag — 6. Mai d. I., ein Jahr vor Ablauf des Vertrag- — verstreichen zu lassen, ohne von dem Kündigungsrechte Gebrauch zu machen. Ern Berichterstatter meldet bereits, daS Kaiserpaar werde mit den beiden ältesten Prinzen am 23. März Berkin verlassen, um sich zunächst nach Genua und dann nach Rom zu begeben. Es wird nun zunächst abzuwarten sein, ob sich diese Nachricht bestätigt.
Um Gold und Ehre.
Bon L. von Neidegg.
6] ------- (Nachdruck verboten.)
„Um unseren gemüthlichen Nachmittag ist e- geschehen," seufzte Kattenstädt.
„Sagen Sie dem Herrn, ich sei heute nicht wohl genug, um Besuch zu empfangen," befahl Mr. Browning dem Diener.
„Aber Onkel," wandte Bessie erglühend ein, „Dr. Schröder ist ja Herrn Wesselhöft'r Freund, und durch diesen hat er erfahren, daß Du Besuche annehmen kannst, so viel Du willst."
Der alte Mann blickie unschlüssig um sich.
„Mr. Browning kann wohl Besuche empfangen, aber er muß nicht," bemerkte Kattenstädt mit halblauter Stimme.
„Richtig! richtig! Sie treffen immer den Nagel auf den Kopf, Herr Baron! kann, aber mnß nicht. Sehr gut! ha! ha!" lachte Mr. Browning. „Martin, sagen Sie dem Herrn, daß ich sehr bedauere, nicht wohl genug zu sein, um ihn zu sehen."
„Ich danke Ihnen Mr. Browning," sagte Ratten« stödt mit seiner einschmeichelndsten Stimme, als der Diener sich entfernt hatte. „Außer der Freude, Ihre und Miß Lightfort'S Gesellschaft ungestört genießen zu können, geschieht mir ein Gefallen, so oft es mir er« fvart bleibt, mit Herrn Wesselhöft umgehen zu ntüffen. Er wird mir schwer, den richtigen Ton zu treffen dem Sohne unsere- ehemaligen Verwalters gegenüber."
„Der Posten eine- Verwalter- wird hier zu Lande wohl für einen erniedrigenden angesehen?" fragte Befsie mit der unschuldigsten Miene der Welt.
„Da- nicht," antwortete Kattenstädt, „aber" . . .
„Dann war wohl Herrn Wesselhöft'r Vater ein ungetreuer Verwalter?" unterbrach sie.
„Da- will ich nicht behaupten; jedenfalls müßte er e- nicht verstanden haben, den schlecht erworbenen Reick thum zu bewahren, denn er starb als armer Teufel. Auch dieser Wesselhöft ist nicht reich; bi- vor Kurzem war er bloß Buchhalter bei Bankier Wörz. Der alte Wesselhöft war ohne jegliche Schulbildung, hatte sich gleichsam von der Pike an emporgearbeitet, von meinem Vater und Großvater sehr begünstigt, wobei auch die Glaubensgemeinschaft eine Rolle spielte. Beinahe eben so gerne möchte ich daher mit dem Sohne eines Bedienten ober Dienstmädchens verkehren, wie mit diesem Manne."
Entweder war da- Gespräch dem alten Herrn langweilig, ober aber berührte es ihn unangenehm, seine Nichte int Wortgefecht mit Kattenstädt zu sehen; er rückte auf seinem Ruhebett hin und her und versuchte, einen andern Gegenstand avf's Tapet zu bringen; Bessie aber, die man nicht ohne Grund als rechthaberisch bezeichnete, ließ sich dadurch nicht irre machen. Unentwegt fuhr sie fort:
„Sie müssen e- meinen verkehrten amerikanischen Ansichten zuschreiben, wenn ich trotz dieser Erklärung Ihren Abscheu vor dem Umgang mit Herrn W-ssel« Höst nicht zu begreifen vermag; wenn ich fvgar so weit gehe, zu meinen, daß selbst hier in Europa die B-rhältn'sse zuweilen stä-ker werden können, als die Vvrurtheile, — stark genug, um Abkömmlinge dieser Menscher,klaffe Ihnen näher zu rücken."
„Da- ist kaum denkbar," versetzte der junge Mann sehr frostig, während Mr. Browning hastig einfiel:
„Freilich, freilich; Standerunterschiede müssen sein. Da- sieht Bessie ein, so gut wie Sie und ich, nur liebt sie eS, hie und da überspannte Ansichten zu äußern."
„Die Ansichten einer geistreichen Dame zu hören ist immer inter ssant," meinte Kattenstäkt verbindlich, „selbst wenn man sie nicht zu theilen vermag."
Bessie erwies sich durchaus unzugänglich für das Kompliment.
„Ihre Frau Mutter scheint Ihre Ansichten über Herrn Wesselhöst nicht zu theilen," bestand sie eigensinnig. „Sie spricht von ihm mit großer Achtung, ja mit Wärme."
„Ach, mein arme- Mütterchen," antwortete Kattenstädt halb mitleidig. „Sigen in allem und überschwänglich, hat sie auch da sehr sonderbare Ansichten. Ja, es ist richtig, sie sieht den Emporkömmling mit anderen Augen an."
„Emporkömmling?" fragte Bessie. „Und daS geniert Sie in diesem Falle so sehr?"
Lächelnd blickte sie von Kattenstädt aus den Onkel, sah an sich herab und dann wieder zum Sieutenant herüber.
Dieser erröthetc über und über und geriet!) — ein bei ihm seltener Fall — in peinliche Verlegenheit; er wußte sich nicht ander- zu helfen, al- indem er hastig wieder von Wesselhöft zu sprechen anfing:
„Ja, Mamachen achtet Wesselhöft hoch; e- sind auch religiöse Gründe bei ihr int Spiel. Mama ist überaus fromm; mein Großvater hatte die Idee, wir als Katholiken in die rein protestantische Gegend eingestreut, sollten alle Glaubensgenossen um uni sammeln. Beamte, Dienerschaft, alle- mußte katholisch sein. Der alte Wesselhöft hatte da- Zeug zu einem Fanatiker, und auch der Sohn hat etwas davon geerbt. Er fehlt bei keiner Katholikenversammlung, ist in erster Reihe bei all' den Geschichten, und so etwas gefällt meiner Mutter."
„Mir auch," sagte Bessie. „Sie müssen wissen, ich bin eine Klosterschülerin," fügte sie sarkastisch hiuzn.
„Ach, es ist ja wahr, Sie sind katholisch." Kattenstädt biß sich auf die Lippen. „Ich übrigen- auch."
„Sn unbewachten Momenten?" lachte Bessie.
Er lachte mit: „Sehen Sie, einerlei Glaubens sind wir also. Ich hoffe Sie nach und nach noch weiter zu meinen Anschauungen zu bekehren, Sie vielleicht auch von den philantropischen Ideen der Gleichberechtigung aller Klassen abzuormgm."
„Wenn Sie meinen, ich sollte da» Dienen je für schimpflich halten, so täuschen Sie sich sehr, Herr von Kattenstädt. Weshalb auch? Weil mau e- für Geld thut? Alle Beamten dienen. Sie dienen auch."
„O bitte sehr, mein Fräulein, das ist denn doch etwas ganz anderes. Ich diene meinem Kriegsherrn — dem Baterlande. Einem Privatmanne zu dienen, ihm meine Unabhängigkeit zu verkaufen — dazu würde ich mich nicht verstehen."
„Nicht jeder ist in der glücklichen Lage, also handeln zu können; wenn er deshalb auf andere redliche Weise fein Brod zu erwerben sucht, sollte man er ihm nicht zum Borwurf machen, am wenigsten zu einem Vorwurf, welcher sich auf Kinder und Kindeskinder vererbt."
Kattenstädt verbeugte sich etwa- ironisch. „Damen haben immer Recht," sagte er.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
* Leidend. Zwei Bekannte treffen sich im Wartezimmer eines jungen Arztes. A.: „Na, sind Sie auch leidend?" — B.: „Natürlich, ich habe ihm zwei Anzüge geliefert!"
* Erregt. Student (wüthend zum Schneider): „Wie, jetzt am 30. kommen Sie zu mir mit der Rechnung! Wissen Sie, Mensch, für Sie sind 4 Treppen noch viel zu niedrig!"
* Stimmt! Frau (eineGardinenpredigt einleitend): „Mein Gott, es schlägt schon 1 Uhr." — Mann (angeheitert): „Na, siehst Du, liebes Täubchen, weniger kann es ja gar nicht schlagen!"
* Selbsterkenutniß. „Bescheidenheit ist eine seltene Tugend; Gott sei Dank — ich habe sie."
Literarisches.
Zwei hübsche Komnmuion-Audeuken, das „Vater unser" und das „Gegrüßet seist Du, Maria", in Bild und Reim von Lehrer Görgen. Preis je 20 Pfg.
Wie viele Andenken werden nicht den Erstkommunikanten in der Zeit der Vorbereitung und an jenem heil. Tage geschenkt! Freunde, Bekannte und Verwandte beeilen sich, durch Heiligenbildchen und bergt das für alles Gute empfängliche Kindestzerz zu erfreuen und auf göttliche Dinge zu lenken. Unter den billigeren Kommunion-Andenken nehmen aber die oben genannten Büchlein eine hervorragende Stelle ein. Warum? Dieselben enthalten nicht nur ein frommes Sprüchlein, fondern über jede Bitte des „Vater unsers" und jeden Theil des „Gegrüßet seist Du" 6 sehr schöne Strophen. Diese werden in jedem frommen Herzen das Feuer heiliger Andacht und inniger Gottesliebe entfachen. Auf jeder nebenstehenden Seite wird der entsprechende Gebetstheil durch hübsche Bilder veranschaulicht. Wenn beide Büchlein erst mehr bekannt sind, so ist nicht daran zu zweifeln, daß sie als billige Kommunion-Andenken, welche dauernden Werth behalten, reiche Verwendung finden Die Büchlein sind erschienen im Berlage von F. W. Cordier in Heiligenstadt (Eichsseld). Zu beziehen durch jede Buchhandlung, sowie auch direkt von dem genannten Verleger.