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Donnerstag, den 12. März 1896.

23. Jahrgang

FiildllkrWZcitiliig

mit Unterlialtungs-Kettage „Sterne nnd Slnmen"

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X Das soziale Wirkender katholischen Kirche in Oesterreich.

Der Liberalismus hat seit Jahrzehnten keinen Satz öfter aufgestellt, keinen lauter als unumstößlich angepriesen, als den, daß die katholische Kirche eine Feindin der Volkswohlfahrt sei. In unseren Tagen erheben die Söhne des Liberalismus, die Sozialdemokraten, dasselbe Feldgeschrei. Um so fteudiger ist er zu begrüßen, daß von allen Seiten jetzt beweiskräftiges Material herbeigeschafft wird, welches dar gerade Gegentheil unangreifbar darthut. Die Leo-Gesellschaft in Wien hat den höchst lobens« werthrn Entschluß gefaßt, ein auf genauen Erheb« ungen beruhender Gesammtbild des gegenwärtigen sozialen Wirkens der katholischen Kirche in Oesterreich zu veröffentlichen. Die erste Frucht dieses Beschlusses liegt in einer herrlichen Schrift vor uns: „Daß soziale Wirken der katholischen Kirche in Oesterreich. Im Auftrage der Leo-Gesellschaft herauSzegeben von Professor Dr. F. M. Schindler. Erster Band: Diözese Gurk (Herzvgthum Kärnten) von Professor Dr. AloyS Cigoi. Wien 1896, gr. 8., 228 S." Ein Sohn dr­um die Kultur Europas so außerordentlich verdienten BenediktinerordenS, Pater AloyS Cigoi, Hit auf Grund eingehender Studien und unter Anführung seiner Quellen eine Arbeit geliefert, welche ein Ehrenbuch der Kirche und ihres Klerus genannt werden kann. In vier Abschnitten behandelt der Verfasser die Sorge für das religiöse Leben, für Unterricht und Erziehung, für die Kranken- und Armenpflege und die Hilfe­leistung der Kirche in besonderen Bedürfnissen ein­zelner Klassen-

Ist der Klerus, sind insbesondere die Mönche Feinde der Schule und des Unterrichtes? Cigoi bringt aus jeder Pfarrei, au» jedem Dörfchen die unanfecht- baren Beweise, daß der geistliche Stand wie kein anderer stet» die Schule durch Stiftungen, insbesondere für arme ßinbei förderte. Hat die Kirche die Kinder des Volkes von der höheren Aus­bildung ausgeschlossen oder ihnen das Studium er­schwert? Eine Thatsache als Antwort. Das Dom­kapitel in Eurk hatte schon im Mittelalter eine Schule, welche sich eines ausgezeichneten Rufes erfreute. In diese Unterrichtsanstalt wurden aber nicht bloß die Söhne der Adeligen und Reichen ausgenommen, son­dern auch arme Kinder des Volke»; selbstverständlich erhielten diese auch ohne jegliche Vergütung, Woh­nung, Kost und Pflege. Ein eigener Bau war für diese Schüler bei dem Stifte errichtet. Die Domherren mochten für die Unterhaltung der Schüler armer Eltern besondere Stiftungen. So errichtete Dompropst G.org am 8. November 1362 eine Jahreistiftung, in welcher er n. A. bestimmte, daß jährlich an seinem Sterbetage dem Rektor der Schule 12 Denare und auS dem Ertrage der von ihm dem Stifte geschenkten Gütern von jedem Domherrn am hl. Christfeste je einem der ärmeren Schüler zwei Ellen Tuch zu einem

Um Gold und Ehre.

Bon L. von Neidegg.

3] ------- (Nachdruck verboten.)

Natürlich wurde Frau von Kattenstädt von allen Seiten beglückwünscht. Daß ihr Mutterstolz sich ge­schmeichelt fühlte durch die Erfolge deS Sohnes, war selbstverständlich, aber bei alledem hatte man das Ge­fühl, daß sie nicht mit vollem Herzen bei der Freude war; vielleicht entsprach ihrem einfachen Sinke dieses öffentliche Hervortreten nicht, vielleicht warm auch noch mehr Gründe vorhanden, welche ihr des Sohnes Triumph verbitterten — kurz, sie seufzte leise auf, als die junge OsfizierSsrau — Frau von Saldern, die Frau des be­siegten Reiters — sie beneidenSwerth pries, solche Ge- nugthuung erlebt zu haben.

„Und nun, gnädigste Frau," meinte Major von Rohling, „werden Sie wohl nicht von hier gehen, ohne den Sieger umarmt zu haben?"

Frau von Kattenstädt wurde etwas verlegen. „Nein .... ja ... . nein," brachte sie zögernd und unschlüssig hervor. „Ich fahre gleich nach Hause. Theobald wünschte, ich sollte gar nicht Herkommen . . . der Gute fürchtet, daß die Aufregung mir schaden könne. Er meinte auch, er würde ihm leid thun, mich hier zu

Rocke gegebm werdm sollen. Aehnliche Beispiele ließen sich anführen v n den Schulen der Benediktinerstiste in Ossiach, St. Paul und Arnoldstein, der Prämon- strantenser in Griffen, der Cistercienser in Victring, der Dominikaner in Friesach, der Minoriten in Villach und WolfSberg, der Be ediktiner zu St. Georgen u. s. w. Für Stiftungen, wie die genannten, wird heute in weiten Kreisen das Berständniß fehlen; bei der innigen Verbindung zwischen Kirche und Schule im Mittelalter war eine andere Art, den armen Studenten zu helfen, kaum denkbar.

Auch heute noch sind die Geistlichen in Kärnten nach Kräften bemüht, talentvollen, aber gering be­mittelten Knaben da» Studium zu ermöglichen. So erhalten in Klagenfurt 10—12 Schüler de- Gymna­siums den Mittagstisch im dortigen Benediktiner- «öfter; ie Ausgaben hierfür werden jährlich auf 600—700 Gulden ö. W. berechnet. Im bischöflichen Hause und in den übrigen klösterlichen Anstalten werden täglich 60—70 Studenten verköstigt. Dazu kommen an Stipendien, welche vertheilt werden, jähr­lich 3632 fl.; die Kapitalien hat der sthr ärmlich besoldete Klerus gestiftet. Diese Freigebigkeit macht er möglich, daß fortwährend eine große Anzahl Söhne aus geringen, einfachen Familien in höhere Berufs­kreise einrücken und eine bessere Lebensstellung er­ringen. Das wirkt wohlthätig und versöhnend auf jene zahlreiche Familien, aus denen die jungen Leute hervorgk gangen sind. Kirche und Staat aber erhalten neues, frisches Blut in die Reihen ihrer Diener und bleiben somit leichter von der geistigen und sozialen Stagnation bewahrt.

Cigoi bringt auch reiche Beleg; dafür, daß der Klerus für die Volksschulen zu allen Zeiten ein warmer Herz gehabt hat; viele Stiftungen zur Be- köstigung und Bekleidung armer Kinder beweisen dies.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. März.

* Der Kaiser empfing gestern Abend den öster­reichisch-ungarischen Minister des Auswärtigen Grafen v. Goluchowski. Die Audienz dauerte Vk Stunde. Graf v. Goluchowski trug die kleine Uniform mit dem großen Bande des österreichischen Ordens der Eisernen Krone. Nach der Audienz beim Kaiser wurde der Minister auch von der Kaiserin empfangen. Vorher hatte er in Begleitung des österreichisch-ungarischen Botschafters von Szögyeny-Marich den in Berlin an­wesenden Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses Besuche abgestattet. Der Kaiser hat dem Grafen v. Goluchowski bei der ihm ertheilten Audienz den Rothen Adler-Orden erster Klasse ver­liehen. — Um 7 Uhr fand das Diner beim öster­reichischen Botschafter statt, zu welchem 43 Einlad­ungen ergangen waren. Einige Minuten nach sieben Uhr fuhr in großer Gala-Equipage das Kaiser­paar bei der Botschaft vor. Erst nach elf Uhr verließ das Kaiserpaar das Botschaftspalais. — Heute Morgen

wissen, wo er doch keinen Augenblick für mich erübrigen könne. Ich kann ihn ja leicht einen andern Tag sehen."

„Theobald hat befohlen und wir haben seinem Willen getrotzt; übertreiben dürfen wir aber die Sache nicht," sagte Fräulein von Bodung in einem Tone, der scherzhaft klingen sollte.

Es gibt eben Menschen, die nun einmal für harm­lose Scherze nicht angelegt sind — zu denen gehörte dieses junge Mädchen; schon der scharfe Ton ihrer Stimme gab ihren Bemerkungen, ost ohne daß sie eS wollte, etwas Verletzendes.

DaS empfand auch die Baronin. „Theobald hat mit Recht gemeint, auf mich würde der Trubel allzu ermüdend wirken," sagte sie sanft verweisend. „Ich fühle mich in der That etwas angegriffen."

„Ach, dieses entsetzliche Rennen!" jammerte Frau von Saldern. „Da regt man sich auf, und ängstigt sich ab, um nachher doch nur Enttäuschungen zu er- leben. Und das Geld, das schrecklich viele Geld, daS man für den Aerger noch zahlen muß!"

„Biel Geld? sagte Frau von Kattenstädt. „Ach nein, das doch nicht. Man kann eS so einrichten, daß eS verschwindend wenig kostet, versicherte Theobald. UebrigenS wird das Rennen von oben herab so be-

um 9 Uhr besichtigte der Kaiser in dem Atelier deS Bildhauers Walter Schott den Entwurf zu einem Denkmal des Markgrafen Albrecht des Bären. Nach dem Königlichen Schlosse zurückgekehrt, nahm er den Vortrag des Chefs der CivilkabinetS Dr. v. LucanuS entgegen und empfing um 12* 1 * * * s/» Uhr den Fürsten zu Fürstenberg anläßlich dessen Ernennung zum Oberst- Marschall. — Wie der ,Etoile beige' wissen will, wird im Hochsommer eine Begegnung des Kaisers Wil­helm mit König Leopold von Belgien in Ostende stattfinden. ' ,, ,, .

* Mit dem Flottenrnmmel beschäftigt sich em Artikel der .Köln. Ztg.' Au§ ihrer Darlegung scheint hervorzugehen, daß ein beträchtlicher Theil unserer bisherigen Schlachlflotte von der gegenwärtigen Marine- Verwaltung als veraltet bewachtet wird. Die ver­schiedenen bisherigen Klassen der „Schlachtschiffe" sollen, so wird in dem Artikel gesagt, „nach und nach ver­schwinden". Em Betrag von 90 Millionen ist zu- nächst für nme Schlachtschiffe in Aussicht genommen; außerdem ein Betrag von 60 Millionen für Panzer- l Kreuzer, abgesehen von den Bewilligungen im vor- jährigen und im diesjährigen Etat, und zwar denkt der Verfasser, damit es rascher geht, an die Beschaffung dieser Summe von 150 Millionen durch eine Anleihe. In der Budgerkvmmission des Reichstages hat weder Staatssekretär v Marschall, noch der Admiral Hollmann von so weitauSschauenden Plänen eiwaS gesagt. WaS soll eS heißen, daß jetzt, anscheinend öffiziöS, derartige 5 Pläne entwickelt werden? Man wird bei der zweiten | Lesung des Marine-Etats im Plenum darauf bestehen : müssen, daß rückhaltlos ausgesprochen werde, wie weit die Marine-Verwaltung ihre Zwecke gesteckt hat, damit der Reichstag in voller Kenntniß der Dinge seine letzten Entschließungen fassen kann.

* Vom Centralkomitee der deutschen Vereine vom 1 Rotheu Kreuz ist bei dem italienischen Central- I komitee angefragt worden, ob ihm eine Unterstützung I bei der Verwunüeten- und Krankenpflege in der ery- - thräischen Kolonie erwünscht fet. Von Rom ist z darauf eine dankende Erwiderung unter Vorbehalt i weiterer Mittheilung über die etwaige Annahme deS z Anerbietens eingegangen.

0 Vor kurzem hatten katholische Geistliche der ) Diözese Trier, wie auch in unserer Zeitung berichtet 8 wurde, eine Petition eingereicht um Gleichstellung i der katholischen Geistlichen mit de« protestantischen I rücksichtlich der Alterszulagen. Gegenwärug soll l das Mindestgehalt eines kath. Pfarrers, vorausgesetzt, l daß er bereits fünf Jahre Priester ist rc., 1800 Mk. ii betragen; dann sollen nach je fünf weiteren Jahren die Alterszulagen je 150 Mark betragen, bis nach 25 in ‘ Preußen verbrachten Priesterjahren daS Höchstgehalt 1 2400 Mark beträgt. Die protestanttschen Geistlichen dagegen beziehen sogleich 2400 Mark und steigen bis zum Höchstgehalte von 3600 Mark. Wie jeder Unbefangene zugeben wird, ist dies ein großes Miß- verhältnm im beiderseitigen Höchstgehalte. Aber dieser i Mißverhältniß wird noch schreiender, wenn auch nicht

günstigt, daß ein Offizier, der gut reitet, nicht wohl sich davon fern halten kann."

Adelheid lächelte spöttisch; Frau von Saldern und s Major Rohling, wechselten einen bedeutsamen Blick,

I versuchten aber keine Einwendung. Wenn Mutter­

liebe mit Bewußtsein blind sein will, wer übernähme wohl die undankbare Rolle, ihr den Staar zu stechen?

Der Menschenstrom hatte sich etwas verlaufen, die Gesellschaft unter den Bäumen setzte sich in Bewegung. Mr. Browning, der standhaft an der Seite der Baronin geblieben war, drängte ihr beinahe gewaltsam seinen Arm auf, um sie den steilen Pfad hinunter zu geleiten. In ihrer Gutherzigkeit, unfähig zu einem

l entschiedenen Nein, ergab sie sich in ihr Geschick, und

s ging mit ihm voraus, gefolgt von der übrigen Gesell­schaft.

„Ach Gott, wie sind diese improvifirten Festlich­keiten doch immer ungeschickt in Scene gesetzt! Meist dieser Weg so staubig und steinig!" klagte Frau von Saldern, die Alles tragisch aufzufasien schien. „Man : verdirbt sich vor Allem hier nun auch noch die - Kleider!"

I Mit einer königlichen Geberde schüttelte Adelheid den Staub von ihrem Gewände. „Der Weg könnte allerdings bester sein," sagte sie gleichgiltig.